Start Allgemein 125 Jahre Hertha – die prägendsten Spieler

125 Jahre Hertha – die prägendsten Spieler

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Hertha BSC war und ist nicht nur ein besonderer Verein, sondern war auch stets Arbeitgeber für ganz besondere Spieler. Spieler, die jedem Fan im Gedächtnis bleiben werden, weil sie große Persönlichkeiten waren, sowohl auf, als auch neben dem Platz. Sicherlich werden wir mit unserer Auflistung der Herthaner Geschichte nicht vollkommen gerecht, da Spieler wie Hanne Sobeck oder Ete Beer nicht auftauchen, jedoch wollten wir von unseren ganz persönlichen Idolen in Blau-Weiß erzählen, die wir live miterleben durften.

 

Marcelinho

(Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

 

Er war vielleicht der schrägste Vogel in Berlin – auf wie neben dem Platz. Während er auf dem Platz extraklasse war, ein Tor von der Mittellinie erzielte, per Lupfer oder per Hacke traf, machte er neben dem Platz entweder die Discotheken Berlins unsicher, kam mehrere Tage zu spät zum Trainingsauftakt oder trug mehr Firsuren und Haarfarben als manch Hertha-Stürmer Tore schoss #Wichniarek.

Die Rede ist natürlich von Marcelo Dos Santos Pareiba oder wie wir ihn kennen: Marcelinho. Im Jahr 2001 kam der damals 26-jährige von Gremio Port Alegrense für 7 Millionen Euro nach Berlin, eine beachtliche Summe die Marcelinho bis heute zum drittteuersten Transfer in der Hertha Geschichte macht. Marcelinho konnte die Investition von Dieter Hoeneß aber schnell mit sportlichen Argumenten zurückzahlen, nach nur kurzer Zeit wurde Marcelinho zum absoluten Publikumsliebling in Berlin. Nicht nur durch die 13 Tore und 5 Vorlagen in seiner ersten Saison bei der Hertha auch durch seine extragavante Art wie er die Liebe zum Fußball, der Stadt Berlin, dem Verein Hertha BSC und all seinen Mitarbeitern verkörperte. Im zweiten Jahr erhöhte Marcelinho sogar auf 14 Saison Tore ehe er im Jahr 2004/2005 mit 18 Toren und 13 Vorlagen seinen persönlichen Rekord im Hertha Trikot aufstellte. Am 18.Spieltag setzte Marcelinho seiner persönlichen Rekordsaison dann die Krone auf: An der Mittellinie erhielt Marcelino den Ball, schüttelte den Freiburger Andreas Ibertsberger ab, nahm den Kopf kurz hoch und senkt den Ball aus 48,3m gewollt über Schlussmann Richard Golz hinweg. Nicht nur ein Traumtor, für viele sogar der Moment und das Tor welches den Fans am ehesten im Gedächtnis bleibt. 

Wäre Marcelinho nicht Marcelinho und Dieter Hoeneß nicht wie ein Vater für den in einer komplett anderen Kultur lebenden Brasilianer, dann hätte man das Vertragsverhältnis wohl schon nach wenigen Monaten aufgelöst. Partys, Alkohol, zu schnelle Autos oder Verspätungen – was bei anderen Profis Skandale über eine ganze Karriere hinweg waren, schaffte Marcelinho auch mal gerne in einer Nacht. Marcelinho dazu befragen brachte auch nicht all zu viel, so antwortete er auf die Frage zu einer Partynacht in der brasilianischen Diskothek ‚Tapa‘ „Meine Erinnerungen daran sind ziemlich verblasst“. Nun gut. Was Marcelinho aber prägte ist, dass er sich von dem Medienrummel um seine Skandale nie beirren lies „Wenn schnell wieder Ruhe sein soll, müssen die ersten Spiele eben sitzen“. Und das taten sich auch!

Zwar ruinierte sich Marcelinho durch seine Exzesse die Karriere in der Nationalmannschaft und verpasste somit einen Weltmeistertitel, was er bis heute tief bereut, in Berlin dagegen nahm ihm sein extravagant-abgedrehtes Leben keiner wirklich böse – es war ja eben Marcelinho, einer der bedeutendsten Spieler der 125 jährigen Geschichte.

 

Gabor Kiraly

(Photo by Clive Mason/Getty Images)

 

100% Baumwolle – 100% Kult. Die Rede ist von der wohl berühmtesten Jogginghose der Welt, besser gesagt, von seinem Besitzer: Gabor Kiraly hat über Jahre hinweg die Position des Torhüters bei Hertha BSC geprägt. 1997 begann Kiralys Reise, denn er kam für knapp 100.000 Euro von Haladas Szombathely (Ungarn) zu Hertha BSC. Dass er insgesamt 198 Spiele für die Hauptstädter machen würde, ahnte damals noch keiner, es war nicht einmal klar, ob der Ungar das Tor hüten darf oder auf der Bank platznehmen muss. In der Saison 1998/99 war er mit den wenigsten Gegentoren und meisten vereitelten Großchancen der statistisch beste Torwart der Bundesliga und hatte großen Anteil am damaligen Erfolg. 2004 trennten sich die Wege, er wurde von Christian Fiedler im Tor abgelöst. Kiraly litt zu dieser Zeit an schweren Depressionen, wechselte zu Crystal Palace und hatte in sechs Jahren fünf verschiedene Arbeitgeber.

Im Jahr 2009 ging er in das Land zurück, wo er seine größten Erfolge gefeiert hatte. Bei 1860 München trug Kiraly bis 2014 das Trikot der Löwen und natürlich seine graue Schlabberhose. Nicht nur in Berlin, sondern auch in München war die Hose in jedem Fanshop zu kaufen, man konnte Kiraly und seine Art auf dem Platz nur mögen.

Seinen letzten großen Auftritt hatte der Ungar dann 2016 bei der Europameisterschaft in Frankreich. Mit damals 40 Jahren und 86 Tagen Lebenserfahrung ist Gabor Kiraly der älteste Spieler, der bei einer EM gespielt hat. Ein würdiger Abschluss seiner Karriere, an die wir alle sehr gerne zurückdenken.

 

Joe Simunic

(Photo by Patrik Stollarz/Bongarts/Getty Images)

 

Ein Kroate mit australischer Fußballausbildung gehört für uns ebenfalls in den erlauchten Kreis. Josip genannt Joe Simunic genoss seine Jugend in Down Under bis er über Hamburg nach Berlin kam. Der Innenverteidiger erarbeitete sich seinen Stammplatz in seiner zweiten Saison im Berliner Trikot und bestritt insgesamt 222 Spiele für Blau-Weiß. Über fast 10 Jahre war Simunic nicht aus Berlin und aus der Innenverteidigung wegzudenken und wurde mehrmals zum besten Innenverteidiger der Bundesliga gekürt. 2009 sicherte sich 1899 Hoffenheim seine Dienste für sieben Millionen Euro, doch dort wurde er nie richtig glücklich und konnte seine Stärken kaum zeigen. Nach einem Streit mit dem Verein verließ er selbigen und wechselte zu Dynamo Zagreb. Dort beendete Simunic seine eindrucksvolle Karriere im Dezember 2014.

Die besten Momente waren die Spiele zu Hause. Vor den Hertha-Fans zu spielen war richtig geil. Das sind wirklich schöne Erinnerungen. Leider bin ich weggegangen, weil ich eine andere Herausforderung gesucht habe. Es hat sich aber gezeigt, dass das ein Fehler war – so ist das manchmal im Leben. (Simunic zu herthabsc.de)

Wer knapp eine Dekade das gestreifte Trikot getragen hat und sich immer voll mit dem Verein identifiziert hat, bekommt natürlich einen Platz in der Liste der prägendsten Spielern von Hertha BSC.

 

Marko Pantelic

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

 

In Zeiten, in denen Fußballer Facebook-Profile von Agenturen betreuen lassen, jedes Interview gefühlt dem gleichen Wortlaut folgt und kaum ein Spieler mehr auf oder neben dem Platz aneckt, wird die Sehnsucht nach echten Typen immer lauter. Typen, die man als Anhänger liebt und als gegnerischer Fan am liebsten via Blutgrätsche wieder nach Hause schicken würde. Genau so ein Typ war Marko Pantelic.

Der Serbe schloss sich im Sommer 2005, zunächst per Leihe, der “Alten Dame“ an. Ohne große Akklimatisierungsprobleme mauserte er sich schnell zum Stammspieler und wurde im Anschluss fest verpflichtet. In vier Jahren streifte er in der Bundesliga 114-mal das blau-weiße Trikot über und steuerte dabei 45 Treffer und 21 Assists bei. Neben seinen großartigen Toren bleiben von Pantelic auch sein polarisierendes Auftreten und Undiszipliniertheiten in Erinnerung, die seine Trainer – allen voran Lucien Favre, unter dem er 2009 fast Meister geworden wäre – zur Weißglut brachten und bei Fans unvergessen bleiben werden. So war es nicht unüblich, dass der Angreifer hin und wieder mal in Eigenverantwortung das Training schwänzte oder vor dem WM-Spiel 2010 gegen die DFB-Auswahl rauchend und trinkend in der Kabine fotografiert wurde. Will man Marko Pantelics Charakter auf dem Feld in einer Szene zusammenfassen, ist wohl kein Moment besser geeinigt, als seine Auswechslung gegen den HSV. Wer die Szene nicht kennt, sollte sie sich unbedingt an dieser Stelle nochmal ansehen:

Das war die eine Seite des Serben. Dem gegenüber stehen unzählige grandiose Auftritte und allen voran die Saison 2008/2009, in der er gemeinsam mit Andriy Voronin das vielleicht beste Sturmduo, das Hertha je gesehen hat, bildete. Egal, wie man Pantelic nun in Erinnerung behält. Vergessen wird man ihn im jeden Fall nicht.

 

Arne Friedrich

(Photo by Patrik Stollarz/Getty Images)

 

Fragt man Fans von Hertha BSC, an was sie sich in den Jahren um 2005 herum erinnern, dann wird sicherlich vom Offensivfeuerwerk geschwärmt, zahlreiche südamerikanische Namen genannt, jedoch gab es einen Spieler, der den Hauptstadtverein ein Jahrzehnt geprägt hat. Arne Friedrich war acht Jahre lang eine Säule in Berlin.

Zwischen den brasilianischen Paradiesvögeln wie Marcelinho, Gilberto oder Alex Alves gab es mit Arne Friedrich jemanden, der wie kein anderer für Professionalität und Konstanz stand. Er strahlte sowohl auf, als auch neben dem Feld aus, wie ein Musterprofi auszusehen hatte. Mit seiner hohen Disziplin und der nötigen Eloquenz füllte er sechs Jahre lang das Kapitänsamt bei der „alten Dame“ sehr gebührend aus. Er war das Sprachrohr der Mannschaft, von allen Medien und Gegnern hoch angesehen, was sicherlich auch an seinen insgesamt 82 Spielen für die Deutsche Nationalmannschaft lag, die nicht von ungefähr kamen.

Hertha BSC war damals durchaus mit (erfolgreichem) Chaos gleichzusetzen, eine echte Diva, doch Arne Friedrich schien immer mehr in diesem Verein zu sehen. Er hätte sicherlich viele Optionen gehabt, den Verein in all den Jahren zu verlassen, um sich sportlich wie finanziell zu verbessern, jedoch blieb er solange es ging. Hertha war irgendwann zu „seinem“ Verein geworden und nur wenige konnten diesen so lenken, wie er es tat. Er konnte Krisen managen, Euphorie richtig moderieren und stets zeigen, wo es langzugehen hat. Es erfüllte den Hertha-Fan stets mit Stolz, solch einen renommierten Spieler auf dem Feld zu wissen. Mit Joe Simunic bildete er jahrelang eines der besten Innenverteidiger-Duos der Liga und als Frontmann der Mannschaft ging er immer voran.

Arne Friedrich absolvierte ganze 231 Spiele für Hertha BSC und war eine Dekade lang der Spieler, der durch seine menschlichen und spielerischen Qualitäten herausstach.

Andreas „Zecke“ Neuendorf

Zecke Neuendorf (Photo by Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)

Den Abschluss bildet der „Ur-Herthaner“ schlechthin. Kaum ein Spieler ist mit Hertha BSC so eng verbunden wie Andreas „Zecke“ Neuendorf. Satte 196 Spiele in acht Jahren für die Profimannschaft stehen im Lebenslauf des gebürtigen Berliners. Als er 2007 den Verein in Richtung Ingolstadt verließ, um seine Karriere ausklingen zu lassen, schallte es minutenlang durch das Olympiastadion: „ALLEZ Zecke Neuendorf ALLEZ!“. Dass der Ruf nicht zum letzten Mal ertönen sollte, war zu diesem Zeitpunkt niemanden klar.

Ausgebildet bei den Reinickendorfer Füchsen zog es den jungen Zecke 1994 nach Leverkusen. Da die ersten Schritte im Profifußball beim Top-Klub schwer waren, ging es Neuendorf 1998 per zweijähriger Leihe zurück in die Heimat zu Hertha BSC – der Beginn einer ganz besonderen Beziehung. Zecke etablierte sich schnell als Stammspieler und Publikumsliebling. Das blieb auch Leverkusen nicht verborgen und holte den Berliner, obwohl er mit allen Mitteln bei  Hertha bleiben wollte, zurück ins Rheinland. Was machte Zecke? Er unterschrieb einen Vertrag für die Folgesaison in der Hauptstadt in dem Wissen, dadurch ein schweres Jahr unterm Bayer-Kreuz vor sich zu haben. Der Lohn waren die erfolgreichsten Jahre, die Hertha BSC im aktuellen Jahrtausend hatte.

Er war kein Spieler, der den Fans durch eine brillante Technik oder spektakuläre Dribblings in Erinnerung geblieben ist. Zecke war ein Arbeiter, ein echter Straßenfußballer. Ein Spieler, der auf dem Platz für die „dreckigen“ Aktionen zuständig war und in der Kabine für gute Laune sorgte. Zecke ist und war die gelebte Identifikation mit dem Verein. Genau diese Attribute sorgten für ein Comeback bei dem Profis im Dezember 2010. Nachdem Abstieg in die 2. Liga, drohte Hertha BSC den Wiederaufstieg zu verspielen. Als „Leitwolf“ für die U23 geholt, beförderte ihn der damalige Coach Markus Babbel vor dem Heimspiel gegen Erzgebirge Aue in den Profikader: „Die Jungs brauchen positive Energie, dafür sorge ich. Ich bin dabei, damit wieder ein bisschen was von der nötigen Lockerheit in die Truppe kommt.“ Nach drei Pleiten in Folge gewann Hertha wieder. Die Fans feierten Zecke. Und er? Griff das Mikro und lenkte die Aufmerksamkeit auf „unsere Jungs“. Hertha hatte immer Vorrang.

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Marcel ist 22 Jahre alt und Chefredakteur. Marcel über sich selbst: "Auch wenn ich mir mit Marcelinho vielleicht nur den Namen und die ständige Verspätung zu Mannschaftsbesprechungen teile und weniger die Genialität und Frisuren - ein Tor von der Mittellinie habe ich auch mal erzielt. In der F-Jugend. Als treuer Exil-Herthaner im Süden Deutschlands sollte ich mir die Antwort auf "Wie zum Teufel kann man nur Hertha Fan sein?!" eigentlich auf die Stirn tätowieren. Problem: So richtig wusste ich das lange selber auch nicht. Zum Glück hat es die Selbstironie dann meistens von alleine gelöst: Hertha ist für mich einfach ein bisschen wie ich zu Schülerzeiten: Irgendwie schusselig, jeder sagt mir ich habe mehr Potential als eine 5+, wenn es nicht läuft mach ich auch mal den Tafelschwamm für verantwortlich, aber wenn es dann mal läuft, plane ich schon meine Rede für die Entgegennahme des Friedensnobelpreises. Irgendwie Hertha."

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