Start Europa League Ab in den kalten Norden – Vorbericht Östersunds FK

Ab in den kalten Norden – Vorbericht Östersunds FK

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Es geht Schlag auf Schlag. Am Donnerstag spielt unsere Mannschaft das sechste Spiel innerhalb von 15 Tagen. Bei prognostizierten 8 Grad Celsius, um 19.00 Uhr, trifft Hertha auf das 1600km entfernte schwedische Östersunds FK. Ob 18 Stunden mit dem Auto oder per Flugzeug über Stockholm, das sind die Spiele, für die man als blau-weißer Fan gerne sein Erspartes einsetzt. Das Auswärtskontingent von ca. 600 Karten war schnell ausgeschöpft – drei Tage Urlaub und eine Sightseeing-Fahrt quer durch Schweden werden hoffentlich mit einem Sieg belohnt.

2. Spieltag gegen das etwas ungewöhnliche Team aus Schweden

Warum der Östersunds FK ein besonderer Club ist? Bereits in unserem Bericht zur Vorstellung der drei Europa-League-Gegner (hier) haben wir ausführlich dargestellt, in welcher Art und Weise Kultur und Profifußball verbunden werden können. Neben den Spielen reist die Truppe gerne mal quer durchs Land und beweist sich als ambitionierte Theatergruppe. Obwohl wir uns Mitchell Weiser als DJ oder Karim Rekik als Sänger sehr gut vorstellen könnten, bleibt solch ein sympathischer und familiärer Verein, wie es unser nächster Gegner wahrlich ist, ein Ausnahmebeispiel. Doch nun zu den Fakten: Platz 6 der ersten schwedischen Liga gegen Platz 8 der Bundesliga. 8,05 Mio gegen 90,45 Mio Team-Marktwert (transfermarkt.de). Auf dem ersten Blick scheinen die Rollen klar verteilt. Dennoch werden unsere Scouting-Abteilung und das Trainergespann bei der Vorbereitung des Spiels sehr gründlich sein müssen, denn um zählbares aus der Jämtkraft Arena mitzunehmen, benötigt es eine konzentrierte und effektive Leistung.

 

Das Team aus Östersund (Photo credit by GENYA SAVILOV/AFP/Getty Images)

Den letzten Ergebnissen zufolge sind die Kicker aus Östersund gut drauf. Nach zuvor 5 Spielen ohne Niederlage mussten sie sich lediglich am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenzwölften Kalmar FF 2-1 geschlagen geben, wobei das Team hier stark rotiert wurde. Die Resultate erinnern demzufolge an die unserer Hertha. Schaut man sich die letzten 5 Heimspiele an, findet man eine Bilanz von einem Sieg gegenüber zwei Unentschieden und zwei Niederlagen (1-2-2).

Letzten Mittwoch schaffte man ein 2-2 gegen den Serienmeister und aus der Champions League bekannten Malmö FF. Der Unterschied zur Bundesliga ist, dass in Schweden bereits 26 Spieltage absolviert wurden und zum Winter die Meisterrunde fertig absolviert sein wird. In Punkto mentale Frische und schweren Beinen sollte sich unsere Mannschaft also im Vorteil befinden, dabei liegt die Betonung auf sollte.

Östersunds Torjäger: Saman Ghoddos (Photo by GENYA SAVILOV/AFP/Getty Images)

Das erste Spiel in der Europa-League konnte man mit 2-0 bei Sorja Luhansk, dem ukrainischen Vertreter in unserer Gruppe J, für sich entscheiden. Dabei konnten sich Saman Ghoddos und Alhaji Gero in die Torschützenliste eintragen. Erstgenannter ist mit einem Marktwert von 900.000 Euro gleichzeitig der wertvollste und gefährlichste Spieler des Teams. Interessanter ist jedoch der Weg von Östersund in die Gruppenphase der Europa-League. Nachdem man den nationalen Pokal gewinnen konnte, setzte man sich in der Qualifikation unter anderem gegen PAOK Thessaloniki und die Galatasaray Istanbul durch. Ihr lest richtig, gegen die finanzstarken Türken blieb man in beiden Spielen ungeschlagen. Was auf den ersten Blick wie ein Fußballwunder aussieht, beweist jedoch die Qualität und den Zusammenhalt des Teams, das von dem Engländer Graham Potter trainiert wird. Man wird in Nordschweden auf einen gut organisierten Kader stoßen, der zudem auf Kunstrasen spielt. Auch das ist ein Fakt, den man nicht auf die leichter Schulter nehmen sollte. Denn als Fußballer weiß man, dass das harte Geläuf ein komplett anderes Spiel zu Stande kommen lassen kann, als man es gewohnt ist.

Coach Dardai und das Fingerspitzengefühl

Wie kommt unsere Mannschaft mit der ungewohnten Doppelbelastung zurecht? Am Wochenende in Mainz hatte man das erste Mal das Gefühl, die Kräfte und Konzentration der Stammkräfte zollen der hohen Anzahl an Spielen allmählich Tribut. Nachdem man 4 Spiele ungeschlagen blieb, musste man am Samstag eine 1-0 Niederlage gegen einen mäßigen und zuvor wenig erfolgreichen Gegner einstecken. Neben uninspirierter Offensive zeigte sich vor allem eine unkonzentrierte Defensive. Dardai gab nach dem Spiel zu: „Wir hätten dort bis 24 Uhr spielen können und kein Tor geschossen. Mit unserem Ballbesitz sind wir da nicht klargekommen. Aber es gibt solche Tage. Daraus müssen wir lernen.“ (kicker)

Hertha-Coach Pal Dardai (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Es gilt am kommenden Donnerstag für unseren Trainer dementsprechend wieder, die Europa-Motivation und die Effektivität vor dem Tor aus unseren Spielern heraus zu kitzeln. Realistisch ist dabei eine starke Rotation, wobei 4-5 frische Leute auf den Platz geschickt werden. Stammkräfte wie Plattenhardt, Rekik und Leckie blieben gänzlich in Berlin, sodass sich die Youngsters Mittelstädt und Torunarigha  einen Startelfeinsatz ausrechnen dürften. Sicher ist, dass Thomas Kraft das Tor nach starker Leistung gegen Athletic Bilbao hüten wird. Ob Neuzugang Valentino Lazaro nach gutem Debut bei der U23 seine ersten Einsatzminuten im Profiteam bekommt, bleibt abzuwarten, er steht immerhin im Kader. Beim Stichwort Bilbao ist die Marschroute für unsere Hertha klar. Die zweite Halbzeit beim lang ersehnten Europacup-Heimspiel nach 7 Jahren Abstinenz lässt unser blau-weißes Herz höher schlagen – Offensivfußball mit sauberen Kombinationen und leidenschaftlichem Kampf, dazu eine faszinierende Stimmung im Olympiastadion.

Der erste Europa-Dreier als Ziel

Will man aus Östersund mindestens einen Punkt entführen, muss man versuchen, genau dort anzuknüpfen. Leichter gesagt als getan, denn die Resultate der Auswärtsspiele unserer Hertha ließen in der Vergangenheit zu wünschen übrig. Mut, Entschlossenheit und das nötige Quäntchen Glück vor dem Tor werden nötig sein, um die 90 Minuten erfolgreich gestalten und den mitgereisten Herthanern eine schwedische Partynacht bescheren zu können. Aber Achtung: Die Lokalitäten im nordischen Königreich sind nur bis 2 Uhr geöffnet.

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