Start Allgemein Arne Maier ist Herthas Zukunft

Arne Maier ist Herthas Zukunft

TEILEN
(Foto: Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)

Herthas diesjähriger Slogan lautet „Die Zukunft gehört Berlin“ – es hätte nicht passender gewählt sein können, scheint sich aktuell doch das wohl größte Berliner Talent seit Jahren im Profikader zu etablieren. Arne Maier beeindruckt mit gerade einmal 18 Jahren Fans und Mitspieler.

Dass es sich bei Arne Maier um einen noch sehr jungen Menschen handelt, ruft seine feste Zahnspange immer wieder ins Gedächtnis. Vielmehr ist dieses Accessoire, das bereits Generationen von Heranwachsenden die Schamesröte ins Gesicht treibt, aber ein Hauptgrund für Maiers Leistungsexplosion in der laufenden Saison. Er war in den letzten Jahren regelmäßig verletzt, seine Leiste machte Probleme und lange konnte keine Lösung dafür gefunden werden. So fiel er bereits in jungen Jahren oft für Monate aus, was besonders für aufstrebende Jungfußballer eine bremsende Wirkung hat. Ärzte stellten irgendwann fest, dass Maier eine Fehlstellung des Kiefers hat, die auf seinen Rücken ausstrahlt – die Ursache für seine Schmerzen war gefunden und die Zahnspange wurde zum Heilsbringer für den Ludwigsfelder.

(Foto: Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images)

Rund ein Jahr ist das nun her, seitdem ist viel in Arne Maiers Leben passiert. Er gewann die bronzene Fritz-Walter-Medaille und gehört seit der aktuellen Spielzeit zum Profi-Aufgebot von Hertha BSC, seinem Verein seit bereits zehn Jahren. Er ist Teil des viel erwähnten „goldenen“ 1999er Jahrgangs der „alten Dame“, dem auch Spieler wie Julius Kade, Palko Dardai, Florian Baak (allesamt mittlerweile Profispieler), Nikos Zografakis, Muhammed Kiprit und Panzu Deangelo Ernesto angehören. Sie sind alle Junioren-Nationalspieler, dennoch scheint Arne Maier ihnen etwas voraus zu haben. Er galt bereits in der U14 und U15 als eines der Top-Talente in Deutschland. Trotzdem tritt er total bescheiden auf. Er ist einer, dem man es gönnt, dass er durchkommt“, sagte der damalige U17-Nationaltrainer Meikel Schönweitz dem Tagesspiegel. Es scheint, als wäre die Zeit dafür gekommen.

Das Vertrauen des Trainers

Pal Dardai und Arne Maier kennen sich schon lange. Der Ungar übernahm 2013 die U15 des Hauptstadtvereins, Maier war einer seiner Spieler. Zwei Jahre später ging es sehr schnell: Jos Luhukay wurde als Trainer der Profi-Mannschaft beurlaubt und Pal Dardai übernahm das Amt. Zwei Jahre weitere Jahre danach ist Dardai wieder der Trainer des Mittelfeldspielers. Er ließ ihn regelmäßig mit der Männer-Mannschaft trainieren und gab ihm im Januar diesen Jahres einen Profi-Vertrag, pünktlich zu seiner Volljährigkeit.

Maier gab am 33. Spieltag der vergangenen Saison sein Profidebüt. Dardai wechselte ihn gegen Darmstadt 98 kurz vor dem Schlusspfiff ein. „Klar war ich vorher angespannt, aber auf dem Platz war die Nervosität sofort weg. Ein Wahnsinnsgefühl“, sagte Maier nach dem Spiel zur Berliner Morgenpost.

(Foto: SERGEI SUPINSKY/AFP/Getty Images)

Seinen Durchbruch feierte Maier in der laufenden Spielzeit. Aufgrund großer Verletztungssorgen stellte Pal Dardai den 18-Jährigen gegen Sorja Luhansk überraschend in die Startelf. In manchen Momenten zwar noch etwas wacklig, zeigte Maier ein hervorragendes Startelfdebüt. „Ich muss einfach am Ball sein, sonst habe ich für mich kein gutes Spiel gemacht“, lautet sein Kredo und daran hielt er sich auch in dieser Partie. Maier interpretiert die Rolle des „Sechsers“ äußerst spielerisch. Er reißt das Spiel an sich, fordert den Ball und hat will diesen diesen viel lieber in der gegnerischen als der eigenen Hälfte sehen. Hertha verlor die Begegnung aufgrund einer schläfrigen Leistung mit 1:2, Maier war einer der einzigen Akteure, die sich dagegen auflehnten. Er konnte für sich festhalten, den ersten Schritt ins Profigeschäft gemacht zu haben.

Danach nicht nachlassen

Pal Dardai predigte schon oft den Weg eines Eigengewächses: „Wenn deine Chance durch Verletzungen oder Sperren der Profis kommt, musst du da sein und danach nicht nachlassen.“ Maier hielt sich an diese Forderung.

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Nur drei Tage nach seinem guten Start gegen Luhansk kam er erneut zum Einsatz. Dardai brachte in dieses Mal von der Bank, es drohte die Niederlage gegen den SC Freiburg. Arne Maier wirkte in seinen 16 Minuten auf dem Feld wie eine Adrenalinspritze für seine Mitspieler, er belebte die Begegnung zusammen mit Davie Selke und Valentino Lazaro deutlich und holte den ersten Herthaner Elfmeter der Begegnung raus. „Alle drei haben richtig gut gespielt. Dieses Jahr hatten wir bei Wechseln oft nicht den erhofften Effekt. Das war in Freiburg anders“, stellte Pal Dardai nach der Begegnung fest. Seine zweite Erkenntnis wird gewesen sein, dass Arne Maier seinen Rat befolgte: Er nutzte gegen Luhansk seine Chance und drängte sich im Spiel darauf erneut auf.

Dass Pal Dardai eben genau das honoriert, zeigen Maiers Einsatzzeiten. Er wurde seit seinem Debüt gegen Luhansk in jeder weiteren Begegnung eingesetzt. Viermal ließ Dardai ihn von Anfang an spielen, so wie in seiner bisher wohl stärksten Darbietung im Rückspiel gegen Sorja Luhansk. Beim 2:0-Sieg war er der Fädenzieher im Mittelfeldzentrum, der die Bälle verteilte und Impulse nach vorne gab. Seine Spielintelligenz und Ballbehandlung sind etwas, was der Hertha-Fan auf dieser Position lange nicht mehr gesehen hat. Ohne den verdienten Spielern Per Skjelbred und Fabian Lustenberger zu nahe treten zu wollen, muss man sagen, dass Maier Fähigkeiten besitzt, welche die beiden vergeblich bei sich suchen. Mit welcher Leichtigkeit und Spielfreude Arne Maier das Spiel seiner Mannschaft auf ein anderes Level hebt, ist hoch beeindruckend und wirkt in Betrachtung seines Alters noch unfassbarer. „Arne Maier ist ein offensiver Spieler, der mehr ins Risiko geht und mit Torvorlagen dem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann“, analysierte Pal Dardai das Spiel seines Schützlings.

Auch in seinen weiteren Spielen zeigte er starke Leistungen und bildete sowohl gegen den VfL Wolfsburg (3:3) als auch gegen Borussia Mönchengladbach (2:4) ein tolles Duo mit Routinier Per Skjelbred. Dabei ist es nicht selbstverständlich, dass Maier in seinem Alter solch eine Konstanz aufweist, im Gegenteil, er scheint immer ruhiger zu werden. Fehlpässe, die seine Mannschaft in Lwiw noch in Bedrängnis brachten, passieren ihm nicht mehr.

Die Zukunft gehört Arne Maier

„Bleibt er so wie er ist, traue ich ihm einen sehr weiten Weg im deutschen Fußball zu. Er strahlt unheimliche Ruhe aus, ist gut am Ball, hat ein gutes Auge und spielt sehr schlau“, lobte Davie Selke seinen Mannschaftskameraden Arne Maier gegenüber B.Z.. Das Berliner Juwel erhält gerade von allen Seiten Lobeshymnen und scheint dennoch auf dem Boden zu bleiben, so gibt er aktuell nur wenige bis gar keine Interviews.

„Eigentlich will ich nur Fußball spielen“, sagte er vor einiger Zeit. Und das tut er mit. Mit Technik, mit Übersicht, mit Laufbereitschaft, mit Offensivdrang, mit Beidfüßigkeit, mit dem gewissen Etwas – mit allem, was einen modernen zentralen Mittelfeldspieler ausmacht und einer festen Zahnspange. Wer sich in solch jungen Jahren so spektakulär festspielt, ist Herthas Zukunft. Er hat erst sieben Spiele für die Profi-Mannschaft von Hertha BSC gemacht und ist dennoch nicht mehr wegzudenken. So fällt es nicht schwer, Pal Dardai zu glauben, wenn er sagt: „Wir werden noch viel Spaß an ihm haben!“

Ein 18-jähriger Spieler, der alle modernen Fähigkeiten seiner Position in sich vereint und aus der eigenen Jugend kommt, stellt den Inbegriff des Zukunftskonzepts von Hertha BSC dar.

TEILEN
Vorheriger ArtikelEinzelkritik 12. Spieltag: Hertha BSC – Borussia M’Gladbach
Nächster Artikel1. FC Köln – Hertha: VAR schön jewesen
Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

Kommentar verfassen