Start National 1. Bundesliga Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Gefangen im grauen Mittelfeld

Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Gefangen im grauen Mittelfeld

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Hertha BSC kommt in dieser Saison wohl nicht mehr in Fahrt. Nachdem man in Hamburg nach vier Spielen endlich wieder ein Tor erzielte und zumindest in der zweiten Halbzeit zeigte, dass man sehr wohl noch in der Lage ist, Fußball zu spielen, ließ die Partie gegen den VfL Wolfsburg den leisen Anflug von Hoffnung auf eine spielerische Verbesserung sofort wieder im Keim ersticken. Bis auf die Anfangsviertelstunde war es erschreckend, wie harmlos Hertha gegen eine gänzlich verunsicherte und inaktive Wolfsburger Mannschaft agierte. Zwar hielt man mit dem Remis immerhin den Abstand von zehn Punkten auf Platz 16 aufrecht und kommt dem rechnerischen Klassenerhalt damit Woche für Woche näher. Allein kann das mit diesem Kader eigentlich nicht der Anspruch von Pal Dardais Mannschaft sein. Die nächste Chance, zu zeigen, dass man es besser kann, ergibt sich am kommenden Samstag beim Tabellennachbarn aus Mönchengladbach.

Borussia Mönchengladbach: Das Ende der fetten Jahre?

Unter Favre hatte Gladbach die erfolgreichste Phase der letzten Jahre. (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Die Geschichte von Borussia Mönchengladbach glich in den letzten Jahren einem kitschigen und viel zu schönem Märchen. Der Verein, der in den 70er Jahren große Erfolge feierte und sich über ein Jahrzehnt einen harten Kampf mit dem FC Bayern um die Vormachtstellung im deutschen Fußball lieferte, ereilte das Problem, das so viele Traditionsvereine teilen. Irgendwann blieb der Erfolg aus und die Borussia dümpelte zwischen dem unteren Tabellendrittel und zwischenzeitlich gar der zweiten Liga umher. Als in der Saison 2010/2011 der erneute Abstieg drohte, traf der Verein eine Entscheidung, die besser nicht hätte sein können. Man holte den ehemaligen Hertha-Coach Lucien Favre an den Niederrhein, der die abgeschlagene Borussia mit einem grandiosen Schlussspurt noch in die Relegation und schließlich zum Klassenerhalt führte. Die kommenden Jahre waren geprägt von regelmäßigen Teilnahmen im europäischen Wettbewerb und erfolgreichem Fußball. Zudem gelang es immer wieder, Abgänge wie den von Marco Reus, Dante oder ter Stegen zu kompensieren.

Seit zwei Jahren scheint diese Euphorie jedoch gemächlich abzuebben. Nachdem in der letzten Spielzeit nur Platz 9 und damit erstmals seit drei Jahren keine Dreifachbelastung zu Buche stand, sieht es auch in diesem Jahr nicht danach aus, als würde sich Gladbach noch für Europa qualifizieren. Auf Platz 9 rangierend haben „Die Fohlen“ lediglich einen Zähler mehr als Hertha. Die Gründe dafür sind schnell gefunden.

Borussia Mönchengladbach zwischen Formschwächen und Verletzungspech

Gerade Raffael plagen zurzeit viele Verletzungen. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Kein Team ist in der aktuellen Saison derart stark vom Pech verfolgt, wie die Borussia. Zwischenzeitlich fehlten den Gladbachern zeitgleich mehr als 10 Spieler. Darunter Hochkaräter wie Vestergaard, Kramer, Raffael, Johnson und Traoré. Dieser Tage hat sich das Lazarett zwar deutlich gelichtet. Dennoch sind es nach aktuellem Stand immerhin noch fünf Spieler, unter anderem Zakaria, Grifo und Bobadilla, die unter der Woche verletzt waren.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Motor in Gladbachs Angriff erheblich ins Stottern geraten ist. Thorgan Hazard, der in der Hinrunde noch als Torjäger und Vorbereiter glänzte und bis zum 19. Spieltag 14 Torbeteiligungen sammelte, kann seit nunmehr neun Spielen keinen einzigen Scorerpunkt mehr verbuchen. Auch Lars Stindl tut sich seit Monaten schwer und kommt seit dem 14. Spieltag auf magere zwei Torbeteiligungen. So verwundert es nicht, dass das Team von Trainer Dieter Hecking in der Rückrunde insgesamt erst 9 Treffer erzielt hat und in der Rückrundentabelle auf Platz 15 wiederzufinden ist. Dennoch ist die Borussia keineswegs zu unterschätzen. Am letzten Spieltag standen immerhin Hazard, Raffael und Stindl gemeinsam auf dem Platz. Eine solch hoch dekorierte Offensive ist, auch bei der gegenwärtigen Formschwäche, immer für gefährliche Momente gut. Insbesondere Raffael, der allein beim letzten Aufeinandertreffen in der Hinrunde doppelt traf, weiß, wie man gegen Hertha Tore schießt.

Dardai übt intern Kritik

Von magelnder Torgefahr kann Hertha zurzeit ein Lied singen. Mit sechs erzielten Toren ist man hinter dem HSV das harmloseste Team der Liga. Ein Problem, das Trainer Pal Dardai offensichtlich erkannt hat. So monierte der Ungar, dass man das einzige Team ohne Weitschusstor sei und kritisierte Dauerbrenner Vladimir Darida in der Berliner Morgenpost öffentlich mit den Worten: „Ich habe Vladi gefragt: ,Sag, macht dir das eigentlich Spaß, nur zu laufen und zu kämpfen? Ich war ein viel schlechterer, untalentierterer Sechser als du. Aber ich habe in jedem Spiel oft aus 20 Metern geschossen.“ Wie Dardai die Torflaute bekämpfen will, ließ er zunächst offen. Ein Kandidat, der dafür in Frage kommt, ist zweifelsohne Valentino Lazaro. Der Österreicher, über den in den letzten Spielen nahezu jede Offensivaktion Herthas entsteht, kann nach seinem grippalen Infekt wieder mit von der Partie sein. Seinem Trainer wird dies nur allzu recht sein.

Was für eine Partie erwartet ihr? Kann Hertha gegen Gladbach die Offensivflaute beenden?

*Quelle Titelbild: (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

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Alexander ist Redakteur und 22 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

1 KOMMENTAR

  1. @ hurdie, @ nrwler EIN kreativer Mittelfeldler“ reicht eben NICHT!! Ich habe das HIER in etwa hundert Mal vorgetragen und nachhaltig begründet UND auch EIN Raffael würde in diesem Dardaischen System“ keine Früchte tragen! Mit wem, im aktuellen Team, sollte ER bei Angriffen“ spielerisch kommunizieren? Raffael kam, und wurde auch noch später in Gladbach durch die „Favre- Schule“ geprägt! Wie sollte ER und evtl. ANDERE denn mit der durch Dardai geprägten Defensiv-Truppe klar kommen? ER würde verzweifeln, resignieren, ER ist dafür der Typus!! Noch einmal die Strukturen für kreative Künstler“ fehlen einfach!!

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