Start Allgemein Darf Salomon Kalou noch Stammspieler sein?

Darf Salomon Kalou noch Stammspieler sein?

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Nach drei absolvierten Pflichtspielen lassen sich bei Hertha BSC bereits viele positive Erkenntnisse ziehen. Karim Rekik überzeugt als Brooks-Ersatz auf ganzer Linie, der rechte Flügel aus Mitchell Weiser und Neuzugang Mathew Leckie harmoniert und die Doppelsechs, von Per Skjelbred und Vladimir Darida besetzt, funktioniert ebenso. Doch ein Spieler fällt in dieser Mannschaft besonders heraus und das ist Salomon Kalou. Der Ivorer konnte bisher in keinem Spiel sonderlich überzeugen und erntet Kritik, die ihn auch letzte Saison begleitete.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

 

 

Der Pfeil zeigt nach unten

 

„Mein Saisonziel ist es, zehn Tore zu schießen und Platz vier in der Bundesliga zu erreichen, um mit Hertha nächste Jahr Champions League zu spielen“, präsentierte sich Salomon Kalou selbstbewusst gegenüber der BILD. Seine Aussage wirkt umso kühner, wenn man auf die vergangene Spielzeit zurückblickt. Die Rückrunde verlief für Hertha, aber auch für Kalou selbst recht unglücklich. Während er in der Hinserie bei nur neun Einsätzen (verletzungsbedingt und wegen des Todes seines Vaters) fünf Tore schoss und zwei weitere auflegte, gelangen ihm in der Rückrunde in 17 Partien nur noch fünf Torbeteiligungen. Die Luft war raus, bei der Mannschaft und vor allem bei Kalou. Bereits zu dieser Zeit wurden die Stimmen lauter, die forderten, dass er nicht mehr vorbehaltlos Stammspieler sein sollte. Zu inkonstant seien seine Leistungen, zu lustlos viele seiner Auftritte.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Diese Form scheint Kalou über den Sommer „gerettet“ zu haben, denn auch in bisher drei absolvierten Pflichtspielen ließ er seine Klasse kaum aufblitzen und schleppt sich förmlich durch die Partien. Gegen den VfB Stuttgart wurde er nach 76 Minuten und in Dortmund nach 58 ausgewechselt, ein Zeichen für seine unglücklichen Auftritte. In beiden Partien war Kalou an nicht einem Torschuss direkt beteiligt, ob als Vorlagengeber oder Vollstrecker. Er war jeweils der unauffälligste Spieler im blau-weißen Dress und war schien nicht wirklich auf dem Platz zu stehen, gegen den BVB hatte er bis zu seiner Auswechslung mickrige 17 Ballkontakte. Keines seiner Dribblings funktionierte, er bewegte sich kaum und versprühte nahezu keine Kreativität.

Es wirkte beinahe so, als ob er bereits eine gesamte Saison in den Beinen hätte und ausgelaugt wäre, so schwerfällig und meist unsichtbar agierte er. Kalou lässt bis hierhin jegliche Durchschlagskraft und Finesse vermissen, ein Schatten seiner selbst.

 

 

Drohende Konkurrenz

 

Ein zentrales Problem der letzten Saison von Hertha BSC war, dass das Trainerteam auf etwaige Formschwächen nicht reagieren konnten. Der Kader war so dünn, dass gewisse Spieler immer durchspielen mussten, egal in welchem Zustand sie sich befanden. Zu eben diesen gehörte auch Salomon Kalou, dem die Konkurrenz völlig fehlte und so vielleicht auch die Motivation, sich in jeder Partie völlig zu verausgaben. „Ich spiele eh“, ein Gedanke wie Gift für einen Profi-Fußballer, denn für (anhaltende) schlechte Leistungen gab es keine negativen Konsequenzen. Kalous „Konkurrenten“ hießen Genki Haraguchi und Sinan Kurt, die schon rein sportlich nicht auf sein Niveau kommen und zudem arge Motivationsprobleme haben. Der Japaner ließ sich in der Rückrunde aufgrund eines Wechselwunsches nach England hängen und Sinan Kurts größte aktuelle Hürde ist nicht Kalou, sondern der Profi-Fußball an sich. Hinzu kam eine Verletzung, die ihn die gesamte Rückrunde verpassen ließ.

(Photo by Srdjan Stevanovic/Getty Images)

Das wird in dieser Spielzeit anders sein, genauer gesagt, bereits in einigen Wochen. Der Neuzugang Valentino Lazaro, der von RB Salzburg inklusive einer Kaufoption geliehen wurde, befindet sich seit dieser Woche das erste Mal im Mannschaftstraining. Sein Ziel ist es, bereits im kommenden Spiel gegen Werder Bremen im Kader zu stehen. Zwar präferiert der Österreicher den rechten Flügel, jedoch ist er flexibel einsetzbar und stellt somit eine große Gefahr für Kalou dar.

Auf der rechten Seite ist wohl nichts zu holen. Dort haben sich Mitchell Weiser und Mathew Leckie bereits als starkes Duo etabliert, das keinerlei Zweifel an den Stammplätzen zulässt. Die beiden Flügelflitzer ließen Herthas anderes Paar, bestehend aus Marvin Plattenhardt und Kalou, echt alt aussehen, sodass eine sichtliche Asymmetrie in Herthas Spiel erkennbar war. Auch gegen Dortmund griff Dardais Mannschaft fast ausschließlich über die rechte Seite an – dies wird langfristig zu leicht ausrechenbar sein, auch deshalb braucht es wieder eine aktivere linke Außenbahn, der ein hungriger Lazaro gut zu Gesicht stehen würde.

Der 21-Jährige wird also nicht nur als generelle Verstärkung benötigt, er muss auch speziell Kalou wieder Beine machen. Kalou muss wieder echte Konkurrenz verspüren, um seine volle Klasse abrufen zu können.

 

Die Rolle von Kalou in Europa

 

Trotz des aktuellen Formtiefs wird Salomon Kalou in diesem Jahr von großer Bedeutung sein. Eine zusätzliche Hürde in Herthas Saison ist die Europa League. Auf die „alte Dame“ kommen schon ab dem Spiel gegen Werder Bremen drei englische Wochen zu, also sieben Partien in gerade einmal 22 Tagen. In diesen Phasen wird es unabdingbar sein, eine gesunde Rotation im Kader zu haben, um auf mentale und körperliche Erschöpfungen reagieren zu können. Ebenso wichtig ist jedoch auch die Erfahrung eines Salomon Kalou, der mit diesem Rhythmus besser bekannt ist, als jeder andere Spieler bei Hertha BSC.

Kalou im Champions League Finale 2012 (Photo by ODD ANDERSEN/AFP/GettyImages)

Kalou blickt auf bisher 77 Spiele im europäischen Wettbewerb zurück, ein Niklas Stark kommt auf nicht einmal so viele Auftritte in der Bundesliga. Der Ivorer hat auf der internationalen Bühne schon alles erlebt, mit eingeschlossen der Sieg des CL-Finales 2012 gegen Bayern München. Diese Erfahrung wird an den einigermaßen Europa-fremden Kader weitergeben müssen, sei es in der Vorbereitung auf ein Spiel oder das ruhige Auftreten auf dem Feld. „Ich fühle mich sehr gut damit, einer der Alten zu sein. Ich habe dadurch eine große Verantwortung. Die jungen Spieler schauen zu mir auf. Ich will ihnen helfen, sich zu verbessern“, stellt sich der 32-Jährige der Herausforderung (B.Z.). Aufgrund dessen sollte man Kalou auch noch nicht abschreiben, denn meist in den „großen“ Begegnungen zeigte er seine außerordentliche Qualität.

Doch potenziert dieser dritte Wettbewerb das Problem des Stammplatzes nur umso mehr. Kalou ist mittlerweile 32 Jahre alt, hat sichtlich an Spritzigkeit und Ausdauer verloren, weshalb er so viele Spiele nicht durchhalten wird bzw. seine ohnehin schwindende Konstanz weiter bröckeln würde. Auch deswegen wird es wichtig sein, mit Valentino Lazaro eine Alternative zu haben. Kehrt Davie Selke zurück, wird auch ein Alexander Esswein wieder interessanter für die linke Außenbahn, ein weiterer Konkurrent für Kalou. Genki Haraguchi und Sinan Kurt stellen bis jetzt zu große Fragezeichen dar, als dass man sie in die Rechnung einbinden könnte.

Fakt ist aber, dass Kalou in diesem Jahr mehr gefordert ist, als jemals zuvor. Selbst das Trainer-Team, ja der ganze Verein, ist international nicht so routiniert wie er. Lange sprach er davon, mit Hertha europäisch spielen zu wollen, nun muss er liefern, wie es im Sportjournalismus so gerne heißt.

Auch in unserem Podcast sprachen wir über die Form und Rolle von Salomon Kalou:

 

Ein Saisonausblick

 

Hertha BSC steht vor einer neuen Herausforderung. Der junge Kader muss den Dreifach-Spagat zwischen einer ungefährdeten Bundesliga-Saison, dem Erreichen der EL-K.O.-Phase und dem bestmöglichen Weiterkommen im DFB-Pokal meistern, diese Ziele steckte sich die Mannschaft zumindest vor der Spielzeit. Dem wird sich ein Salomon Kalou unterordnen müssen.

Ein Problem in der äußeren Wahrnehmung des Ivorers ist seine Art zu spielen, man könnte beinahe vom Mesut-Özil-Effekt reden. Selbst wenn Kalou Tore schießt oder auflegt, gab es und wird es immer die Fans geben, die ihn wegen seiner sehr lockeren, manchmal elanlos wirkenden Körpersprache kritisieren werden. Kommt eine Formschwäche hinzu, so ist Kalou einer riesigen Kritik ausgesetzt, die so kaum ein anderer Spieler im Kader erfahren würde. Diese Menschen wird Kalou ohnehin nicht mehr überzeugen können, nicht mit 32 Jahren, mit denen er seinen Spielstil nicht mehr ändern wird. Fakt ist, dass er in seine mittlerweile vierte Saison als Herthaner geht und als verdienter Spieler gelten darf. In seinen genau 100 Pflichtspielen für die „alte Dame“ gelangen ihm 40 Torbeteiligungen, eine herausragende Quote. Dafür muss dann eventuell auch verziehen werden, dass er nicht jedem Ball wie wild hinterherjagt oder seine Kollegen lauthals animiert.

Das heißt aber nicht, dass er einzig aufgrund seiner Lorbeeren einen Stammplatz verdient hat. Er muss sich dem Konkurrenzkampf genauso stellen, wie jeder andere Spieler auch. Es war richtig und wichtig, dass Hertha mit Valentino Lazaro einen direkten Anwärter auf Kalous Position verpflichtet hat. Der Ivorer zeigt mit fortschreitendem Alter immer schwankendere Leistungen, die mit einem dazugekommenen Wettbewerb wohl nicht kontanter werden. Trotzdem wird er noch von großer Bedeutung sein, allein wegen seiner Klasse wird er das ein oder andere Spiel noch zugunsten Herthas entscheiden. Zudem wird seine Erfahrung besonders in der Europa League gebraucht, dort muss er auf und neben dem Platz als Anführer auftreten. Letztendlich kann Kalou noch Stammspieler sein, dafür müssen aber schlichtweg die Leistungen stimmen. Das ist aktuell nicht der Fall.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

2 KOMMENTARE

  1. Auf jeden Fall sollte Dardai darüber nachdenken, Kalou und Ibisevic nicht mehr gleichzeitg einzusetzen. Das schwächt die Mannschaft auf jeden Fall bei Kontern, Umschaltspiel und dem Abwehrverhalten. Trotzdem haben beide Erfahrung und Ihre genialen Momente, worauf man nicht gänzlich verzichten sollte/kann. Ich bin gespannt wie das Trainerteam diesen Spagat meistert.
    Ob Lazaro und Selke in den nächsten Wochen schon voll einschlagen, wage ich mal zu bezweifeln. Beide haben weder die Trainingslager mitgemacht, noch kennen sie die Automatismen in der Mannschaft. Hier hat Dardai noch jede Menge Arbeit vor sich.
    Gerade Selke der kaum noch bei RB Leipzig spielte, braucht sehr viel Geduld und Vertrauen, damit er der Hertha weiterhelfen kann.

  2. Nein genau so wenig wie ibišević,alleine nachdem Dortmund Spiel er verliert den Ball arbeitet nicht nach hinten und meckert seine mit Spieler voll.Als beide in Dortmund ausgewechselt worden sind wurde das Spiel endlich etwas schneller nach vorne.
    Ich halte viel von beiden aber sie sind einfach zu langsam und nicht spritzig genug,als Backup sind beide perfekt kannst sie beide ab der 60 bringen,aber für 90 reicht es nicht mehr,wiegesagt beide zu langsam.Ich hoffe das ihn Selbe Lazaro Leckie und Esswein den Rang ablaufen und ihn ihren Stammplatzt streitig machen im besten Falle ihn die Plätze ablaufen.. Das ist persönliches aber es wird Zeit für frischen Wind im offensiv Spiel.

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