Start Allgemein Davie Selke – Eine neue Stufe

Davie Selke – Eine neue Stufe

TEILEN

Am Donnerstag, den 1.6.2017 stellte Hertha BSC seinen neuen Rekordtransfer vor: Davie Selke wechselt für eine noch nie dagewesene Summe von RB Leipzig an die Spree. Der Stürmer ist eine Ansage an die Liga und markiert eine neue Stufe in Herthas Entwicklung.

Bald jubelt er im „richtigen“ Trikot im Olympiastadion (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

 

Ein Transfer wie ein Paukenschlag

 

Es kam wie aus dem nichts: Am Morgen des 1. Juni drangen die ersten Gerüchte über Selkes Wechsel nach Berlin in die Öffentlichkeit und nur wenige Stunden später verkündete der Verein offiziell Neuzugang Nummer zwei für die kommende Spielzeit. Davie Selke, ein 22-jähriger Stoßstürmer, der wohl zu den vielversprechendsten Offensivtalenten des Landes zählt, unterschreibt einen Fünfjahresvertrag bei Hertha BSC – es ist ein Meilenstein in der jüngeren Historie des Haupstadtclubs.

Der Verein musste sich auf drei Herausforderungen der kommenden Spielzeit einrichten: Erstens wird dieses Jahr auf drei „Hochzeiten“ getanzt, dementsprechend wird es sehr viel mehr Spiele und englische Wochen für die Mannschaft geben Dadurch brauchte es unbedingt noch einen Mittelstürmer, damit Dardai gleichwertig rotieren und auf etwaige Ausfälle oder Formschwächen seines Kapitäns reagieren kann. Des Weiteren ist Ibisevic mittlerweile 32 Jahre alt und somit kein Spieler für die Zukunft. Sicherlich ist seine Spielart auch im hohen Alter noch ausführbar, jedoch muss sich Hertha auf seinen Ruhestand vorbereiten und eine jüngere Lösung in der Hinterhand haben. Zu guter letzt war es ohnehin die Aufgabe von Michael Preetz, einen neuen Mittelstürmer zu verpflichten, da die Mannschaft vor Selke keinen weiteren außer Ibisevic hatte. Sami Allaguis Vertrag wurde nicht verlängert, Julian Schieber fällt noch auf unbestimmte Zeit aus und Salomon Kalou ist kein wirklicher Ersatz für das Sturmzentrum. Somit bestand akkuter Handlungsbedarf.

Mit Selke kommt ein Stürmer, der große Qualität besitzt und genau in das Spielsystem von Hertha passt. In der Taktik von Dardai gibt es stets einen klaren Strafraumstürmer, der mit Bällen gefüttert werden soll und auch mit dem „Rücken zum Tor“ agieren, sprich Bälle abschirmen und Mitspieler in Szene setzen kann. Diese Aufgaben sind perfekt für den wuchtigen Zeitgenossen Selke.

 

Neue alte Dame

 

Dass ein Spieler wie Davie Selke zu einem Verein wie Hertha BSC wechselt, ist keinesfalls selbstverständlich. Im Gegenteil, es fällt aus der Norm und stellt eine neue Entwicklungsstufe der „alten Dame“ dar.

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Hertha ist das erste Mal seit langer Zeit wieder in der Lage, wirklich Geld in die Hand zu nehmen. Zugegeben, der Verkauf von John Anthony Brooks wird einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben, jedoch ist es bemerkenswert, dass Hertha seine Ablöse sofort re-investieren konnte, anstatt finanzielle Löcher damit stopfen zu müssen. Es zeigt, dass der Verein wieder liquide ist und im Stande, sein Team wirklich zu verstärken.

Zum anderen scheint das Management ein neues Selbstbewusstsein zu haben, Spieler solch einer Güteklasse zu jagen. Es war nicht anzunehmen, dass Michael Preetz sich um Davie Selke bemüht, nur weil er auf dem Markt war. Kein Hertha-Fan hätte sich gewundert oder gar geärgert, hätte man eine „kleinere“ Lösung für die Rolle des Ibisevic-Konkurrenten präsentiert. Es zeigt auch, dass Hertha nicht nur Ergänzungspieler sucht, sondern welche, die den etablierten Größen wirklich Konkurrenz machen. Ein Vedad Ibisevic spielte in der abgelaufenen Saison jedes Spiel, wenn er einsatzfähig war. Dasselbe gilt für Spieler wie Salomon Kalou oder Per Skjelbred, die nun einmal nicht 34 Spiele auf ihrem Top-Niveau absolvieren können und sich dennoch sicher sein konnten, stets eingesetzt zu werden. Mit Transfers wie Selke bricht Hertha mit dieser Komfortzone, kann auf Formschwächen reagieren und heizt den Konkurrenzkampf mächtig an. Auch das spricht für den berühmten „nächsten“ Schritt.

 

 

 

Hertha als Sprungbrett

 

Und nicht nur Hertha selbst hat sich geändert, auch das Prestige des Vereins. Durch die sehr gute Arbeit der vergangenen zwei Jahre wird man für Spieler aus einem „höheren Regal“ wieder interessant und muss keine Zwischenlösungen finden, sondern kann nach seinem Anforderungsprofil suchen.

(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Die Transfers von Mitchell Weiser und Niklas Stark haben bewiesen, dass Hertha das Auge für große Talente hat und diese auch herausragend fördert. Beide sind mittlerweile Stammkräfte bei Hertha BSC und sogar Perspektivspieler für die deutsche A-Nationalmannschaft. Das lockt weitere Kicker dieser Art an, denn Davie Selke befindet sich in einem ähnlichen Stadium seiner Karriere und wird durch die Arbeit Pal Dardais mit jungen Spielern (z.B. auch der Umgang mit Eigengewächsen) sicherlich überzeugt davon sein, den nächsten Schritt in Berlin gehen zu können.

Hertha hat sich einen Ruf als Ausbildungsverein erarbeitet, das ist spätestens durch den Rekord-Verkauf des Eigengewächses John Anthony Brooks durch Zahlen bewiesen. Somit ergeben sich völlig neue Möglichkeiten auf dem Transfermarkt.

 

 

Gladbach als Vorbild

 

Davie Selke ist ein Ausrufezeichen für die Entwicklung Herthas. In den vergangenen zwei Jahren hat man sich vom Fahrstuhlverein zum ständigen Europa-Anwärter gemausert. Das bleibt jedoch anderen Vereinen nicht verborgen, denn somit werden die Leistungsträger der Blau-Weißen interessant, so ist das Geschäft.

Bei Borussia Mönchengladbach waren es einst Marco Reus, Marc-Andre Ter Stegen und Dante, die teuer verkauft wurden. Aus diesen Erlösen baute Manager Eberl eine Mannschaft mit immens hoher Grundqualität auf, ähnlich funktioniert es auch in Mainz. Bei Hertha sind es die Brooks‘, Weisers und Starks, die sich hier deutlich weiterentwickeln und irgendwann zu Geld gemacht werden. Es ist an der Vereinsführung, dieses Ablösen klug zu investieren. Mit Davie Selke ist der Anfang hoffentlich gemacht, diese nächste Stufe wirklich zu erreichen.

TEILEN
Vorheriger ArtikelKommentar zu John Brooks: Eine Berliner Tragödie
Nächster ArtikelPODCAST HB#45 Saisonrückblick 16/17
Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

1 KOMMENTAR

Kommentar verfassen