Start Europa League Die Sehnsucht hat ein Ende – Vorbericht Hertha BSC – Athletic Bilbao

Die Sehnsucht hat ein Ende – Vorbericht Hertha BSC – Athletic Bilbao

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Wir schreiben den 18. Februar 2010. Hertha BSC empfängt in der Runde der letzten 32 des UEFA-Cups im heimischen Olympiastadion Benfica Lissabon. Es sollte vorerst das letzte Heimspiel unserer Hertha auf internationaler Bühne sein. Bis jetzt. Heute schreiben wir den 14. September 2017 – exakt 2765 Tage nach eben diesem Spiel gegen Benfica Lissabon ist es wieder soweit: die Sehnsucht nach Fußball auf europäischer Ebene im Olympiastadion hat ein Ende. Wenn am Donnerstagabend um 21:05 Uhr Tausende ins Olympiastadion strömen, die Flutlichter in den Berliner Nachthimmel strahlen und die Ostkurve ertönt, dann weiß man, dass dieses Spiel mehr ist, als nur ein Gewöhnliches. Nun geht es gegen Athletic Bilbao, unserem ersten von drei Gegnern in der Gruppenphase und durchaus gegen den schwersten, den die Gruppe J zu bieten hat.

Zum Auftakt gegen die „Löwen“ aus dem Baskenland

Auf europäischen Terrain ist Athletic Bilbao seit langem keine unbekannte Mannschaft mehr. Der 23-fache spanische Pokalsieger ist praktisch schon Dauergast im europäischen Geschäft. Zwar haben sich die Wege von Hertha BSC und Athletic Bilbao in einem Pflichtspiel noch nicht gekreuzt, jedoch dürften die Basken einige Erfahrungen mit deutschen Teams gesammelt haben. Letztmals setzten sich die „Rojiblancos“ in der Gruppenphase zweimal gegen den FC Augsburg (damals noch mit Alexander Esswein beim FC Augsburg) durch. In der Spielzeit 2011/12 setzten die Nordspanier im Viertelfinale Schalke 04 den Schlussstrich. Und auch Werder Bremen durfte schon Bekanntschaft mit dem Team aus Spaniens hohen Norden machen. Nun geht es also gegen unsere Hertha. Zum 1. Spieltag der Europa League-Saison 2017/18. Doch auf was für eine Mannschaft müssen sich die Hauptstädter um Vedad Ibisevic und Co. einstellen?

Mit zwei Siegen und einem Unentschieden steht Bilbao in La Liga aktuell hinter Barcelona, San Sebastian und Sevilla auf Platz 4. Bemerkenswert dabei ist, dass das Team von Trainer José Angel Ziganda noch nicht ein Gegentor kassierte. Dies ist vor allem einer starken Defensivarbeit rund um die Innenverteidiger Aymeric Laporte und Unai Nùñez, die in den drei Spielen der La Liga bislang 89 % ihrer Zweikämpfe gewinnen konnten. Aber auch die Außenverteidiger Mikel Belanziaga und Iñigo Lekue überzeugen durch eine stabile Arbeit nach hinten, jedoch aber auch durch gute Aktionen nach vorne.

Gewann bislang 92% seiner Zweikämpfe in La Liga: Aymeric Laporte (Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

Das Mittelfeld mit Mikel San José, Beñat Etxebarria und Raúl Garcia ist ebenfalls hochkarätig besetzt. Das Glanzstück der Mannschaft, die nur mit baskischen Spielern antritt, ist jedoch der Sturm um Goalgetter Aritz Aduriz und den beiden Außenstürmern Iker Muniain und Iñaki Williams. Diese Dreierkette war in der letzten Saison praktisch an jedem Tor beteiligt und so führt es sich auch in dieser Saison weiter. Besonders Iñaki Williams überzeugte in dieser Saison zwar noch nicht durch einen Torerfolg, jedoch bereitete er alle drei Tore, die Bilbao in La Liga schoss, vor.

Die Berliner Abwehr wird sich also intensivst mit dem spanischen U21-Spieler im Spiel auseinandersetzen müssen, um für möglichst wenig Gefahr im heimischen Strafraum zu sorgen. Generell spielen die Nordspanier gerne über die schnellen Außenbahnen, die Sturmtank Aritz Aduriz mit Vorlagen füttern sollen. Durch wenig Pässe im Mittelfeld und einem extrem schnellen Spiel nach vorne versuchen die Jungs um Trainer Ziganda überfallartig zum Torerfolg zu kommen, Hertha wird also versuchen müssen, permanent Ordnung in der Verteidigung zu haben.

Ein Spieler, auf den die Berliner Abwehr auspassen muss: Iñaki Williams. (Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

Auch Pal Dárdai sagte in der Pressekonferenz zum Spiel, dass „es vor allem auf eine gute Verteidigung drauf ankommt, wenn wir etwas zu Hause holen möchten“. Hertha wird zudem auf eine Mannschaft stoßen, die extrem eingespielt ist. Keiner der Leistungsträger der vorherigen Saison verließ den Verein, sodass sich das 4-3-3 System von Coach Ziganda perfekt umsetzen lässt. „Bilbao ist eine Siegertruppe mit erfahrenen und gefährlichen Spielern“, so Dárdai, der trotz allem mit Vorfreude ins Spiel gegen Bilbao geht.

Hertha: die Einstellung stimmt, beim Spielerischen hapert es noch

Kommen wir nun zur gastgebenden Mannschaft – unserer Hertha. Auf der Pressekonferenz zeigte sich Pal Dárdai für das Spiel am Donnerstag mit breiter Brust: „Wir gehen wie immer auf Sieg und werden versuchen, bis zum Ende nach vorne zu spielen und Risiko einzugehen. Wir wollen am Donnerstag gewinnen und versuchen, zu rotieren und gleichzeitig erfolgreich zu sein.“ Ob dies jedoch so einfach umzusetzen ist, wie es klingt, bleibt zweifelhaft.

Mit breiter Brust gegen Bilbao: Pal Dardai. (Photo by Lukas Schulze/Getty Images)

Im Spiel gegen Werder Bremen am Sonntag konnte man sehen, dass die „alte Dame“ eben genau dann Probleme in der Abwehrarbeit bekommt, wenn vorne zu viel Risiko eingegangen wird. Ein einziger individueller Fehler auf Herthas Seite kann darüber entscheiden, ob es vor dem Kasten der Herthaner gefährlich wird oder nicht. Und auch in der Offensive wird sich die Hertha besonders in puncto Kreativität und Genauigkeit verbessern müssen, sonst stellen die Angriffe für die Abwehr der Basken keine Probleme dar.

Nach monatelanger Abstinenz wieder im Hertha-Tor: Thomas Kraft (Photo by Mathias Renner/City-Press via Getty Images)

Einen namhaften Wechsel wird es im Tor der Berliner geben, Thomas Kraft soll anstatt Rune Jarstein das Tor hüten. „Thomas zeigt seit Jahren gute Trainingsleistungen. Er hat lange nicht mehr unter großem Druck gespielt, aber er ist ein erfahrener Torwart, der gut vorbereitet ist. Wir haben die Entscheidung getroffen, dass er in der Europa League spielt“, macht Dárdai klar. Keine Option für Donnerstag, aber für die nahe Zukunft ist Valentino Lazaro. Der Coach konnte den Neuzugang am Dienstag erstmals im Mannschaftstraining begrüßen. „Wir müssen ihn behutsam aufbauen und eine gute Mischung zwischen Spielpraxis und Training finden, was aufgrund der Doppelbelastung natürlich nicht ganz einfach wird“, bleibt Dárdai vorsichtig. „Es war ein gutes Gefühl auf dem Platz zu stehen, die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Aber ich mache mir keinen Stress, ob ich eine Partie früher oder später spiele – die Saison ist noch lang“, erklärt Lazaro. Auf Karim Rekik kann Pal Dárdai aller Vorrausicht nach aber setzten. Zwar laborierte er unter der Woche an muskulären Problemen, jedoch wird er am Donnerstag gesetzt sein. Insgesamt kündigte Dardai vier personelle Wechsel an, man darf also gespannt sein, was sich der Ungar überlegt hat.

Dreifachbelastung bedeutet andere Trainingsmethoden

Die Trainingswoche gestaltet sich zwangsläufig doch etwas anders als die normale. Schon am Dienstag gab es zwei Trainingsgruppen: „Bei einer​ Doppelbelastung sind die Trainingsmethoden anders. Wir haben die Mannschaft geteilt. Jeder hat nach seinem eigenen körperlichen Zustand trainiert“, erklärt Dárdai. „Die einen gehen dann zur Regeneration schon früher in die Kabine, die anderen trainieren weiter. Wir müssen das alles so dosieren, dass wir immer eine frische und motivierte Mannschaft auf dem Platz stehen haben“, so der Coach weiter. Am Donnerstag fehlen wird auf alle Fälle Davie Selke und Julian Schieber, sonst kann Pal Dardai aus dem vollen Personal schöpfen.

Wie ist eure Meinung zum Spiel am Donnerstag? Was erwartet ihr, wie die Partie ausgehen wird? Schreibt uns in die Kommentare!

 

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