Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 12. Spieltag: Hertha BSC – Borussia M’Gladbach

Einzelkritik 12. Spieltag: Hertha BSC – Borussia M’Gladbach

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(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Hertha BSC und Spektakel – zwei Dinge, die lange in keinem Zusammenhang standen und seit einigen Wochen aber nicht mehr zu trennen sind. In den letzten vier Bundesliga-Partien mit Berliner Beteiligung fielen insgesamt 17 Tore, jedoch konnte Hertha nur eine für sich entscheiden (2:1 gegen den HSV). Am Samstagabend musste die „alte Dame“ eine 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach hinnehmen und kann den Grund wohl in den ersten 20 Minuten finden. Im Rest der Begegnung zeigte die Mannschaft nämlich einen sehr beherzten Auftritt, der einen Punkt verdient gehabt hätte – mangelnde Chancenverwertung und Abwehrarbeit verhinderten es.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger war bei jedem Gladbacher Tor machtlos und konnte sich nicht auszeichnen.

Zwei Gegentore aus kürzester Distanz, ein Elfmeter und ein unhaltbarer Traumschuss aus 30 Metern – Jarstein wird sich nach dem Spiel in Embryostellung ins Bett gelegt und ein bis zwei Tränen vergossen haben, schließlich konnte er keines dieser Tore nur ansatzweise verhindern. Von Gladbachs fünf Torschüssen zappelten vier im Netz, einen durfte der Norweger entschärfen (harmloser Schuss).

Darüber hinaus war es sehr still in Jarsteins 16er, weshalb es ein insgesamt gebrauchter Tag für einen Torhüter war.

 

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 1-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Mann des Spiels: Mitchell Weiser tat die Länderspielpause sehr gut, er wirkte im Vergleich zu seinen letzten Leistungen wie ausgewechselt.

Mit 128 Ballkontakten und knapp 100 gespielten Pässen (90% kamen an) lässt sich bereits darstellen, wie bedeutend Weiser für das Spiel seiner Mannschaft war. Er zog als Rechtsverteidiger (!) die Fäden, fast alle Offensivaktionen liefen über ihn. Der 23-Jährige legte drei Torschüsse auf, darunter das Tor von Vedad Ibisevic und erzielte das 2:3 selbst, indem er den Ball unhaltbar an den linken Innenpfosten setze, von wo er ins Tor prallte. Viel wichtiger kann ein Spieler für die Offensive seines Teams kaum sein.

Auch defensiv war Weiser auffällig. Er fing sehr starke fünf Bälle ab und zwei Drittel seiner Tacklings mündeten in Ballgewinnen, nur um direkten Zweikampf konnte er weniger als die Hälfte für sich entscheiden. Beim 1:0 war er der Pechvogel, da Zakarias Ball von seiner Hacke zu Torschütze Lars Stindl abgefälscht wurde – eine Schuld trifft Weiser aber nicht. Es gab ein paar defensive Wackler, wenn er in die gegnerische Hälfte aufgerückt war und nicht rechtzeitig zurückkehrte, jedoch ist dies bei seinem Spiel kaum über 90 Minuten vermeidbar.

Eine herausragende Leistung des Außenbahnspielers, der Verantwortung übernahm und sein Team fast zum Punktgewinn geführt hätte.

Sebastian Langkamp – Note: 4-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Der Innenverteidiger war bei zwei Gegentreffern nicht konsequent genug, was seine eigentlich solide Leistung maßgeblich schmälert.

Langkamps Arbeitstag begann denkbar ungünstig. Bei der Gladbacher Führung sah er sehr schwach aus, er legte sich bei Johnsons Pass auf Zakaria völlig unnötig hin und konnte problemlos überspielt werden. Er riss durch diese Aktionen ein riesiges Loch in Herthas Viererkette, durch welches das Tor erst entstehen kann.

Danach zeigte der 29-Jährige lange Zeit eine sehr saubere Darbietung, er gewann über zwei Drittel seiner Zweikämpfe, 75% seiner Kopfballduelle und konnte zwei Bälle abfangen, wie auch einige gute Tacklings zeigen. Doch auch beim 2:4 durch Raffael sah Langkamp ungewohnt fahrlässig aus. Er stand bei Herrmanns Pass falsch, weshalb der Ex-Herthaner die Kugel ruhig annehmen und einschieben konnte. Warum sich Langkamp genau im Moment des Abspiels einen Meter vom Brasilianer wegbewegt, lässt sich wohl nicht erklären.

Somit war Sebastian Langkamp maßgeblich an zwei Gegentoren beteiligt, die Hertha das Genick brachen. Es war ein eigentlich gutes Spiel von ihm, doch in den entscheidenden Szenen war er nicht zur Stelle.

Karim Rekik – Note: 2-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Auch Langkamps Innenverteidiger-Kollege Rekik zeigte eine starke, sogar hervorragende Leistung, doch auch er hatte seine Aktien beim 1:0.

Langkamps Fauxpas beim ersten Treffer des Tages wurde bereits aufgeklärt, jedoch hätte Rekik diesen noch ausbügeln können. Bei Zakarias Pass auf Stindl deckte der Holländer einen „toten“ Raum, in dem keiner stand, stattdessen hätte er Stindl decken müssen. Dieser hatte aber keinen Gegenspieler, weshalb er unbedrängt einschieben konnte. Ein grausiges Stellungsspiel Rekiks, der das 1:0 hätte verhindern können.

Acht Minuten später entschied Schiedsrichter Bastian Dankert nach Absprache mit dem Video-Assistenten auf Handelfmeter. Rekik hatte den Ball aus recht kurzer Distanz durch einen Schuss von Lars Stindl an den Arm bekommen, jedoch drehte er sich noch weg. Ein Elfmeter, der wohl in Ordnung geht, allerdings keine klare Fehlentscheidung war und deshalb keinen Videobeweis nach sich hätte ziehen sollen. Der Videobeweis bleibt also eine hoch brisante Angelegenheit, zumal Rekik keinerlei Absicht unterstellt werden kann (bei Handspielen unerheblich, aber zu erwähnen). Wir werden dem 22-Jährigen diesen Strafstoß also nicht negativ anrechnen.

Es war eine ansonsten äußerst starke Leistung Rekiks, der knapp 90% (!) seiner Zweikämpfe gewann, zahlreiche Aktionen durch sehenswerte Grätschen und Tacklings entschärfte und auch den oder anderen Pass abfing. Er war hoch konzentriert und hielt seine Viererkette so gut zusammen, wie es ging.

Marvin Plattenhardt – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

„Ich will einen offensiveren Marvin sehen“, forderte Pal Dardai vor dem Anpfiff. Leider erfolgte das zu Ungunsten seiner Abwehrarbeit.

Um Plattenhardts Defensivleistung zu beschreiben, kann nur das Wort „vogelwild“ verwendet werden. Der 25-Jährige hatte zahlreiche Fehler im Stellungsspiel und spielte oftmals viel zu riskant, wodurch er seine Mannschaft in Bedrängnis brachte. Sämtliche Gladbacher Chancen wurden über seine Seite vorbereitet, dreimal so viele Flanken zugelassen, wie von Weiser. „Platte“ hatte mit Thorgan Hazard und Nico Elvedi große Probleme und lud sie vor allem durch technische Wackler immer wieder zu Vorstößen ein.

Das Prunkstück seines Auftritts waren ohne Zweifel seine Standards. Er legte zwei Ecken perfekt auf den Kopf von Vedad Ibisevic, der zweimal das Aluminium traf, zudem spielte er einen Freistoß auf Salomon Kalou, der den Ball zum 2:3-Torschützen Mitchell Weiser weiterleitete. Aus dem Spiel heraus waren seine Flanken allerdings erfolglos, nicht eine einzige fand ihr Ziel.

Eine defensiv sehr fragwürdige Leistung des Linksverteidigers, der Gladbach nicht nur keinen Widerstand leisten konnte, sondern sie durch Fehlpässe und Stellungsspielfehler immer wieder einlud.

 

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 2+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger war der Chef auf dem Platz und war ein Hauptgrund dafür, warum Hertha nach den ersten 20 Minuten nicht auseinanderfiel.

Einhundert Prozent – 100% von Skjelbreds Pässen kamen gestern beim Mitspieler an. Der 30-Jährige verlieh seiner Mannschaft durch seine fehlerfreie Spielweise und hoher Laufleistung (12,5 km) eine große Ruhe, die besonders nach dem frühen 3:0-Rückstand wichtig war. Er ordnete das Spiel, war das verbindende Element zwischen Defensive und Offensive. Zudem zog er an entscheidenden Stellen Fouls, um Gladbacher Konter im Keim zu ersticken.

Defensiv lief er unfassbar viele Räume zu und fing dabei immerhin zwei Bälle ab. Besonders neben dem jungen Arne Maier war „Schelles“ herausragendes Stellungsspiel von Nöten. Leider war der zentrale Mittelfeldspieler nicht sonderlich zweikampfstark, er gewann knapp weniger als die Hälfte seiner Duelle.

Eine wunderbare Vorstellungs Skjelbreds, der seine gesamte Erfahrung zeigte und das Team aus den desaströsen ersten 20 Minuten herausführte. Von Arne Maier angestachelt sah man sogar zwei Torschussvorlagen von ihm und den ein oder anderen Hackenpass. Skjelbred befindet sich in einer starken Form.

Arne Maier – Note: 2-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Arne Maier nutzte sein Startelfdebüt in der Bundesliga und zeigte eine herrlich unaufgeregte Leistung.

Sich mit gerade einmal 18 Jahren so gut in eine Bundesliga-Mannschaft einzufügen, dass die mangelnde Erfahrung kaum aufblitzt, ist absolut lobenswert. So geschehen bei Arne Maier, der zusammen mit Per Skjelbred eine starke Schaltzentrale verkörperte. Maier war äußerst passstark (90% Quote), hatte immerhin die viertmeisten Ballkontakte aller Herthaner (und somit mehr als jeder Borusse) und riss das Spiel bei jeder Gelegenheit an sich. Durch seine klugen Bewegungen und Zuspiele konnte er das Tempo seines Teams bestimmen und war somit ein guter Gegenpart zu Skjelbred.

Defensiv scheint sich Maier deutlich gesteigert zu haben. Er war auffällig zweikampfstark (gewann ca. 60%) und lief wahnsinnig viele Räume zu, fing dadurch immer wieder Gladbacher Vorstöße ab. Zudem erlaubte er sich keine gravierenden Fehlpässe in der eigenen Hälfte mehr, die ihm gegen z.B. Luhansk und Köln noch häufig passierten.

Eine souveräne Leistung des Berliner Eigengewächses, das sich immer mehr festspielt und ein sehr gutes Duo mit Skjelbred bildet.

Alexander Esswein – Note: 4

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Esswein konnte nicht auf seiner guten Leistung gegen Sorja Luhansk aufbauen und zeigte einen blassen Auftritt.

Anfang noch sehr motiviert und aktiv, versuchte „Essi“ in Gladbachs Hälfte zu wirbeln. Er forderte immer wieder den Ball und bildete ein recht dynamisches Duo mit Mitchell Weiser. In der 19. Minute spielte er eine gute Flanke auf Davie Selke, der den Kopfball aber nicht mehr entscheidend platzieren konnte. Sechs Minuten später legte er den zweiten Torschuss auf. Es war eine ordentliche erste Hälfte des Flügelflitzers.

Im zweiten Durchgang konnte Esswein aber nichts mehr zeigen. Der 27-Jährige war ein keiner Offensivszene beteiligt, verblasste deutlich und wurde folgerichtig nach 62 Minuten ausgewechselt.

Essweins erste Halbzeit war solide, er verfiel nach dem Pausentee aber in alte Muster.

Salomon Kalou – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Ivorer hatte wenig Spielglück, zeigte aber ungeahnte Qualitäten im Defensiverhalten und Spielaufbau.

Im ersten Durchgang sah man den Kalou der vergangenen Wochen. Er konnte sich in kaum einem Zweikampf durchsetzen, verschleppte Tempo und Ball. Zudem strahlte er keine Torgefahr aus, er schoss ein einziges Mal aufs Tor, jedoch wurde dieser Versuch noch geblockt.

Auch in der zweiten Hälfte fehlte ihm der Esprit, offensiv konnte er seiner Mannschaft nicht wirklich helfen. Dafür verhielt er sich mannschaftsdienlich und verfrachtete sein Spiel oft in die eigene Hälfte, in der er tatsächlich sehr effektiv handelte. Er fing sechs (!) Bälle ab, gewann über die Hälfte seiner Zweikämpfe und konnte die gewonnenen Bälle sauber verarbeiten und in Angriffe umwandeln. Dafür ist Kalou eigentlich nicht da, es ist dennoch positiv anzumerken, dass er sein Spiel umstellen konnte. In der 71. Minute bereitete er das 2:3 durch Weiser vor, er legte den Ball mit der Brust auf den Torschützen.

Nach knapp 80 Minuten nahm ihn Pal Dardai vom Feld, nach einer ausbaufähigen Leistung, die einmal mehr recht lethargisch wirkte. Insgesamt ist es aber lobenswert, dass Kalou nicht wie so oft ganz unsichtbar wurde, sondern seiner Mannschaft defensiv unter die Arme griff.

 

Sturm

Davie Selke – Note: 3+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Mittelstürmer zeigte eine beachtenswert engagierte Leistung, jedoch fiel sein Spiel im Vergleich mit Ibisevic ab.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Mittelstürmer fast 12 Kilometer läuft, jedoch verdeutlicht es den Aufwand, den Davie Selke in diesem Spiel betrieb. Der 22-Jährige ackerte unwahrscheinlich viel für seine Mannschaft, machte die „Drecksarbeit“. Er führte viele Zweikämpfe, lief den Gegner und in viele Räume, um Platz für seine Mannschaftskameraden zu schaffen. Immer wieder wich Selke auf die Außenbahnen aus, um eine weitere Anspielstation zu bieten und die gegnerische Abwehr in Bewegung zu bringen.

Doch bei all der Arbeit ließ er spielerisch zu wünschen übrig. Zwar legte er drei Chancen auf, ein starker Wert, jedoch strahlte er selbst keine große Torgefahr aus. Zudem ist seine Passquote von 60% wirklich schwach, viele Szenen wurden durch sein Passspiel vorzeitig beendet. In der Hinsicht muss er sauberer werden.

Insgesamt kann man Selke loben. Er hat sehr viel gearbeitet, einige Chancen vorbereitet und in manchen Momenten fehlte im das Glück (kurz nach der Halbzeitpause, als Maier ihn zu spät und dann im Abseits bediente). Auch ohne Treffer bleibt Selke in Form.

Vedad Ibisevic – Note: 2+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Er ist wieder der alte – Vedad Ibisevic hat seine Form wieder!

Nicht nur wegen seines Tores zum 1:3 zeigte der Kapitän, dass er wieder bei 100% ist. Er holte sich wieder die Bälle aus der eigenen Hälfte, verarbeitete sie Klasse und legte sie mit starken Pässen auf die aufgerückten Außen. Wenn Robben seinen eigenen Spielzug hat, dann ist der eben genannte der „Ibisevic“. Dadurch schafft „Vedo“ große Räume und viel Tempo, was sehr wichtig für Herthas Spiel ist.

Zudem strahlte der 33-Jährige große Torgefahr aus. Er traf zum 1:3 und legte danach zwei Kopfbälle an das Aluminium des Gladbacher Gehäuses. Ibisevic war unglaublich präsent und nicht zu verteidigen.

Eine starke Leistung des Mittelstürmers, der sein Mojo wiedergefunden hat und Hertha dadurch viel mehr Qualität gibt.

Einwechslung

Valentino Lazaro – Note: 4+

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Österreicher konnte in seinen Einsatzminuten nur noch wenig zeigen.

28 Minuten gab Pal Dardai seinem Mittelfeldspieler. Lazaro wirkte sehr aktiv und quirlig, man sah ihm an, dass er noch etwas bewirken wollte. Leider gelang dem 21-Jährigen nicht viel. Er lief den Gegner sehr aggressiv an, jagte jedem Ball hinterher, spielerisch konnte er aber kaum noch etwas zeigen.

Eine schwer zu bewertende Vorstellung. Lazaro zeigte Willen, aber konnte nicht mehr viel bewirken.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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