Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 13. Spieltag: 1. FC Köln – Hertha BSC

Einzelkritik 13. Spieltag: 1. FC Köln – Hertha BSC

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(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Hertha BSC kann noch Auswärtssiege, Hertha BSC kann noch zu null spielen – das Spiel gegen den 1. FC Köln ergab viele positive Erkenntnisse. Sie wurden jedoch vom Gegner getrübt, der scheinbar ohnmächtig dem Abstieg entgegen taumelt und sich auch gegen die „alte Dame“ mittellos ergeben musste, sodass es keine blau-weiße Meisterleistung benötigte. So fallen einige Noten dieser Einzelkritik trotz eines Dreiers nicht allzu überschwänglich aus.

Tor

Rune Jarstein – 3+

(Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images )

Der Norweger wurde nur selten geprüft und konnte sich nicht sonderlich auszeichnen.

Zwar verzeichnete der 1. FC Köln insgesamt 15 Abschlüsse und damit fünf mehr als Hertha, aber nur mickrige zwei davon kamen tatsächlich auf das Gehäuse Jarsteins. Der 33-Jährige musste einen sehr zentral angelegten Distanzschuss von Matthias Lehmann und einen Versuch von Tim Handwerker halten und das tat er auch. Dazu fing er eine Flanke ab.

Ein ereignisloser Abend für Jarstein, der keine Paraden auspacken musste, um die null zu halten.

 

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 4+

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der 23-Jährige konnte auf seine guten Leistungen gegen Borussia Mönchengladbach und Athletic Bilbao nicht aufbauen.

Weiser konnte bei seiner alten Liebe nicht sonderlich überzeugen. Der Rechtsverteidiger spielte einige empfindliche Fehlpässe in der eigenen Spielhälfte und konnte die Mehrzahl seiner Zweikämpfe nicht gewinnen. Er wurde immer wieder überspielt, wodurch Gefahr über seine Seite aufkam. Immerhin fing er zwei Bälle ab, viel mehr konnte man aber nicht loben.

Offensiv strahlte er etwas mehr Dominanz aus, aber auch in diesem Bereich ist er steigerungsfähig. Zwar legte er zwei Torschüsse auf, seine Dribblings und das Zusammenspiel mit Mathew Leckie wollte aber nicht wirklich ins Rollen kommen. Er hinterlief seinen Vordermann zu selten, wodurch dieser sich oftmals alleine durch die Kölner Abwehr drücken musste.

Es scheint, als käme Weiser einfach nicht in den Tritt. Gegen den Effzeh wirkte er ungewöhnlich phlegmatisch, strahlte kaum Spielfreude aus. Somit war er in dieser Partie eher Ballast als Verstärkung.

Sebastian Langkamp – Note: 4-

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Innenverteidiger scheint völlig außer Form zu sein und man kann fast von Glück reden, dass er nach der ersten Halbzeit ausgewechselt werden musste.

Langkamp ist mit seinem Kopf aktuell woanders, anders kann man seine vielen Fehler in den vergangenen Partien nicht erklären. Auch gegen Köln zeigte er ungewohnte Schwächen im Stellungsspiel und Zweikampfverhalten. Der 29-Jährige stand oftmals viel zu weit weg von seinem Gegenspieler und riss Lücken in die Viererkette, die Köln zu gefährlichen Vorstößen in den Berliner Strafraum einluden. Zwar setzte er ein paar gute Tackles, aber soweit hätte es im Vorfeld der Aktion gar nicht kommen dürfen.

Es ist leicht ironisch, dass Langkamp wegen Hüftproblemen ausgewechselt werden musste, denn er wirkte während der Begegnung äußert hüftsteif. Nichts desto trotz wünschen wir ihm eine schnelle Genesung, auch wenn ihm eine Pause gut täte.

Karim Rekik – Note: 2

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Langkamps Innenverteidiger-Kollege zeigte hingegen eine weitaus bessere Leistung.

Rekik beeindruckte den Zuschauer einmal mehr mit seiner hohen Konzentration und resoluter Zweikampfführung (gewann 70% seiner Duelle). Der 22-Jährige bügelte dadurch einige Fauxpas seiner Mannschaftskameraden aus und sorgte dafür, dass Hertha die Partie ohne Gegentor beendete. Er klärte zahlreiche Situationen, sicherte Bälle und war somit der Leuchtturm im Berliner Strafraum. Für die Situation des Handspiels von Rekik wollen wir die Schiedsrichterexperten Collinas Erben zitieren: „Die Hand ging zum Ball, aber aus einer nicht unnatürlich wirkenden Bewegung heraus. Die Distanz war sehr gering, Rekik musste sich abstützen, lag am Boden, konnte kaum ausweichen. Man kann mithin Argumente für und gegen einen Elfmeterpfiff anführen.“ Da Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nicht auf Strafstoß entschied, kann man Rekik die Aktion positiv anrechnen, schließlich blockte er somit einen potenziell gefährlichen Torschuss.

Rekik leistete sich keine Unsicherheiten, war stets zur Stelle und damit ein entscheidender Faktor beim Auswärtssieg der Blau-Weißen. Eine wirklich starke Leistung.

Marvin Plattenhardt – Note: 2-

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Herthas Linksverteidiger spielte einen durchaus unauffälligen Ball, bereitete aber das 1:0 mit vor und ließ defensiv wenig zu.

Nachdem „Platte“ in den Spielen gegen den VfL Wolfsburg und M’Gladbach defensiv ordentlich gewackelt hatte, spielte er gegen Köln seinen Stiefel sehr souverän herunter. Er gewann fast 70% seiner Zweikämpfe, leistete sich über 10% weniger Fehlpässe als Flügelpendant Weiser und konnte einige Bälle sichern. Köln brachte über seine Seite insgesamt nur einzige Flanke zum eigenen Mann.

Offensiv traute sich Plattenhardt einiges zu, er flankte in 90 Minuten sechs Mal aus dem Spiel und viermal durch Ecken, die Heatmap zeigt zudem, dass er sich sehr oft in der gegnerischen Hälfte aufhielt. Eine seiner Eckstöße führte auch zum 1:0 Herthas, der 25-Jährige legte den Ball auf Selkes Stirn, dessen Kopfball zunächst von Timo Horn abgewehrte und dann von Vedad Ibisevic abgestaubt wurde. Insgesamt bereitete Plattenhardt zwei Torschüsse vor.

Eine durch und durch souveräne Darbietung Plattenhardts, der mit Maxi Mittelstädt gut harmoniert und ein dynamisches Duo bildet.

 

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 2+

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Klammert man Ibisevic mit seinen beiden Toren aus, war Per Skjelbred in Köln der beste Mann auf dem Feld.

Skjelbred und Arne Maier – es hat sich ein echtes Top-Duo auf der Herthaner Doppelsechs gebildet, in dem der Norweger förmlich aufblüht. Als klarer Mittelfeldchef hält er alle Mannschaftsteile zusammen und spielt seine Stärken aus, so auch gegen Köln. „Schelle“ lief zwölf Kilometer und somit zahlreiche Räume zu, des Weiteren war er somit stets anspielbar, so hatte er auch die zweitmeisten Ballkontakte aller Herthaner.

Der 30-Jährige überzeugte durch eine sehr effektive Zweikampfführung und sauberes Passspiel. So leitete er immer wieder Konterchancen ein und war ein wichtiges Element in Herthas situativem Pressing. Zwei Aktionen versinnbildlichen diese Attribute. In der 26. Minute trennte er einen Kölner mit einer spektakulären Grätsche fair vom Ball und flankte diesen punktgenau auf Vedad Ibisevic, der an Timo Horn scheiterte. Das 2:0 kann nur dadurch entstehen, dass Skjelbred einen Ball in der eigenen Hälfte eroberte und mit einem starken Pass Selke auf die Reise schickte, der letztendlich von Lehmann elfmeterreif gefoult wurde.

Skjelbreds Spiel war ungewohnt offensiv ausgelegt (schloss auch einmal selbst nicht ungefährlich ab), strahlte viel Selbstbewusstsein aus und war immens wichtig für seine Mannschaft, die solche eine Führungsperson in der Zentrale benötigt. Eine wunderbar Leistung der Nummer drei Herthas.

Arne Maier – Note: 3+

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Die Partie in Köln war Arne Maiers wohl beste in Sachen Zweikampfführung und schwächste im Bereich Passspiel.

Arne Maier scheint sich im Mittelfeld vorerst festgespielt zu haben und rechtfertige dies auch gegen den 1. FC Köln in gewissen Teilen. Der 18-Jährige lief mit 12,6 Kilometern die größte Laufstrecke aller 22 Spieler auf dem Platz. Er betrieb großen Aufwand, viel beispielsweise drei Bälle ab und versuchte sich immer wieder in die Offensive einzuschalten, so trug er das Spielgerät oftmals im Alleingang weit in die gegnerische Hälfte. Zudem gewann das Berliner Eigengewächs 60% seiner Zweikämpfe, solch eine gute Quote hatte er in noch keiner anderen Bundesliga-Partie. Für die Balleroberung war Maier ein wichtiges Werkzeug.

Leider litt sein Passspiel unter dieser Spielweise. Maier spielte zahlreiche haarsträubende Fehlpässe im Vorwärtsgang und unterbrach somit den Spielfluss seines Teams in regelmäßigen Abständen, dreimal sogar in der eigenen Hälfte. In dem Bereich muss der Mittelfeldspieler wieder konzentrierter zur Sache gehen, sonst kostet er seiner Mannschaft einige Umschaltmomente und eventuell führt solch ein Abspielfehler auch einmal zu einem Gegentor.

Arne Maier bleibt ein Phänomen, auch in diesem Spiel zeigte er mehr, als man von einem 18-Jährigen erwarten kann. Dennoch muss er die Balance zwischen Passspiel und Zweikampfverhalten finden, so war es eine leicht durchwachsene Leistung.

Mathew Leckie – Note: 3-

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der Australier hatte einen glücklosen Tag erwischt und ließ seinen Zug zum Tor vermissen.

Dabei kann man Leckie seinen Willen nicht absprechen. Er führte zusammen mit Davie Selke die meisten Zweikämpfe aller Herthaner (29), von denen er sogar etwas mehr als die Hälfte gewann. Er ging immer wieder ins direkte Duell, leider mangelte es danach an Kreativität und Gefahr. Der 26-Jährige bereitete keine einzige Torchance vor und zog auch selber nicht ab. Zwar war er oft am gegnerischen Strafraum, jedoch verließen ihn dann die Ideen, was sicherlich auch an Weisers zögerlichen Offensivläufen lag.

Seine Arbeit nach hinten war gewohnt lobenswert. Er griff Mitchell Weiser unter die Arme, hielt sich oft in der eigenen Hälfte auf und konnte somit einige Bälle gewinnen.

Es war eine bemühte, aber insgesamt glanzlose Leistung Leckies. Er konnte keine Gefahr entwickeln und sein Tempo zu selten ausspielen.

Maxi Mittelstädt – Note: 3-

(Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Der 20-Jährige gab am Sonntagabend eher den linken Verteidiger, als das er offensiv in Erscheinung trat.

Im Spiel nach hinten konnte man Mittelstädt nichts vorwerfen. Er gewann die Mehrzahl seiner Duelle, fing starke drei Bälle ab, tackelte fünf Mal und blockte insgesamt drei Pässe und eine Flanke. Er betrieb großen Aufwand, um den Kölner Vorwärtsdrang zu stören, vernachlässigte seine Offensivaufgaben aber in Zuge dessen völlig.

Herthas Nummer 17 konnte nach vorne keinerlei Durchschlagskraft entwickeln, einzig ein wuchtiger Distanzschuss konnte etwas Aufsehen erregen. Mittelstädt legte keine Torchance auf, keine seiner drei Flanken fand ihr Ziel. Schaut man auf die Heatmap, würde man denken, Pal Dardai hätte den Nachwuchsspieler als Linksverteidiger aufgestellt, er hielt sich kaum in der Kölner Spielhälfte auf.

Eine solide Partie Mittelstädts, der zusammen mit Marvin Plattenhardt eine defensiv sehr sichere linke Seite bildet, aber offensiv weitaus präsenter werden muss.

 

Sturm

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der Mittelstürmer opferte einmal mehr alles dafür, dass Sturmkollege Ibisevic seine Tore erzielen konnte.

Selkes Werte sind für einen Mittelstürmer in vielen Bereichen unfassbar hoch. Er lief beinahe 12 Kilometer, führte 29 Zweikämpfe und auch zwei Torschussvorlagen plus einem direkten Assist sind für einen angestammten Torjäger ungewöhnliche Zahlen. Der 22-Jährige beackert das gesamte Feld, um seinen Mitspielern einen Vorteil zu beschaffen. So lief er in viele Räume, um Platz für Vedad Ibisevic zu schaffen und Spieler zu binden. Zudem ließ er sich immer wieder auf die Außenbahn fallen, um Bälle festzumachen und eine weitere Anspielstation zu bieten.

Beim 1:0 spielt Selke eine entscheidende Rolle, da er das Kopfballduell nach Plattenhardts Ecke gewann, den Ball auf Horn brachte, der ihn nur noch abprallen lassen konnte und Vedad Ibisevic zum Abstauber einlud. Das 2:0 bereitet der Stürmer ebenfalls vor, er zwang Matthias Lehmann zum Foul im eigenen Strafraum, den daraus resultierenden Elfmeter verwandelte Ibisevic zum 2:0-Endstand. Das Zusammenspiel der beiden funktioniert also sehr gut, Selke agiert auf dem Feld äußert selbstlos.

Eine eindrucksvolle Leistung Selkes, der zwar viele undankbare Aufgaben auf dem Feld übernimmt, diese führen aber zu einer Leistungsexplosion von Ibisevic.

Vedad Ibisevic – Note: 1-

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der Bosnier ist wieder ganz der Alte und schoss Hertha gegen Köln zum Sieg.

Es war eine typische Darbietung von Vedad Ibisevic. Er tauchte zwar in einigen Phasen der Partie unter, war aber in den entscheidenden Momenten zur Stelle und konnte von Kölns Abwehr kaum aufgehalten werden. Beim 1:0 stand der 33-Jährige goldrichtig und „wurschtelt“ den Ball in feinster Mittelstürmermanier über die Linie. Den Elfmeter zum 2:0 verwandelt er gewohnt eiskalt. Dazwischen ließ der Stürmer jedoch einige Chancen liegen, insgesamt verzeichnete er sechs Schüsse in dieser Partie. Er schloss oft zu zentral ab, wie nach den Flanken von Mitchell Weiser und Marvin Plattenhardt.

Ibisevic profitiert deutlich von der neu formierten Doppelspitze, er erhält weitaus mehr Platz auf dem Feld und nutzt diesen auch endlich wieder. Herthas Kapitän machte am Sonntag den Unterschied.

Einwechslungen

Jordan Torunarigha – Note: 2-

(Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)

Der Innenverteidiger musste den verletzten Sebastian Langkamp zur Halbzeit ersetzen und machte seine Sache echt gut.

Der 20-Jährige kaum zur größten Kölner Drangphase in die Partie. So musste er auch viele Situationen klären, was er wirklich zufriedenstellend tat. Torunarigha fing drei Bälle ab, blockte zwei weitere und bereinigte insgesamt fünf brenzliche Szenen im Strafraum. Er war hellwach und ein Grund dafür, dass Hertha nach der Pause keinen Gegentreffer kassierte.

Einzig im Spielaufbau hat der U-Nationalspieler wirklichen Verbesserungsbedarf. Anstatt den Ball sauber zu verarbeiten und weiterzuleiten, schlägt er ihn meist weit und unkontrolliert weg. So erklärt sich auch seine schwache Bilanz von 66% angekommenen Pässen. Dadurch bleibt der Ball im gegnerischen Besitz und die Drucksituation bestehen.

Eine mehr als ordentliche Vorstellung Torunarighas, der seine Stärken im Zweikampf und Stellungsspiel eindrucksvoll unter Beweis stellte.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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