Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 14. Spieltag: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt

Einzelkritik 14. Spieltag: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt

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(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

In einer weitestgehend zerfahrenen Partie musste sich Hertha BSC trotz einer Führung mit 1:2 gegen Eintracht Frankfurt geschlagen geben. Es folgt die Einzelkritik zu einigen durchwachsenen Leistungen.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger bekam im Gegensatz zu seinen letzten Spielen wieder etwas zu tun und konnte sich auszeichnen.

Man erkennt einen guten Torhüter daran, dass er lange ohne Aktion bleiben kann und im entscheidenden Moment da ist, so verhält es sich auch mit Jarstein. Herthas Schlussmann blieb die letzten Partien meist ungeprüft, hielt seine Mannschaft aber gegen Frankfurt im Spiel. In der 25. Minute wehrte er Rebics gefährlichen Schuss vom linken Strafraumeck ab, nachdem die gesamte Berliner Defensive bereits geschlagen war. Dazu parierte er noch vier weitere Chancen, auch wenn diese ihn nicht vor große Herausforderungen stellten, seine Souveränität ist dennoch positiv anzumerken, wie auch seine Strafraumbeherrschung.

Bei den Toren war der 33-Jährige jedoch machtlos, die Schüsse von Boateng und Wolf waren schlichtweg zu platziert und hart geschossen. Insgesamt war es eine gute Leistung Jarsteins.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 4

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Rechtsverteidiger erlebte einen eigentlich zufriedenstellenden Arbeitstag, bis er unfreiwillig das 1:2 auflegte.

Trotz der miserablen Passquote von nur 61% angekommenen Zuspielen war Weiser ein absoluter Fixpunkt in Herthas Offensive, er hatte die meisten Ballkontakte aller Herthaner. Er hat fünf (!), also ein Drittel aller Chancen aufgelegt und seine (sehr ansehnlichen) Dribblings sorgten immer wieder dafür, dass sich Hertha aus Frankfurts Pressingfallen befreien konnte, wodurch viel Platz geschaffen wurde. Der 23-Jährige wirkte unheimlich ballsicher und behauptete sich gleich gegen mehrere Gegenspieler. In diesen Momenten erinnerte er an seine Form aus der vergangenen Saison. Einzig sein Passspiel war problematisch, allein sechs Bälle spielte er in der eigenen Hälfte zum Gegner, einige weitere vertendelte er nur etwas weiter vorne.

Auch defensiv hatte Weiser gute Szenen, er war äußert zweikampfstark. So gewann er zwei Drittel seiner Duelle, 78% seiner Tacklings waren erfolgreich und er behauptete sich sogar in jedem seiner drei Kopfballduelle. Diese Zahlen sind jedoch wenig wert, wenn man Weisers Aktion vor dem 1:2 denkt. Der Außenbahnspieler legte den Ball unfreiwillig direkt vor Boatengs Füße, der sich bedankte und den 1:2-Schlusstreffer erzielte. Ein grauenhafter Aussetzer Weisers, der wahrscheinlich selber nicht erklären kann, was er sich dabei gedacht hat.

Eine mehr als ordentliche Leistung Weisers wird durch einen individuellen Fehler in den Schatten gestellt.

Sebastian Langkamp – Note: 3+

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Innenverteidiger machte seine souveränste Partie seit Wochen, es sollte jedoch nichts nutzen.

Dass Frankfurt nur einen einzigen Abschluss im zentralen Strafraum verzeichnete und Mittelstürmer Sebastien Haller nicht einen einzigen (!), muss man zum Teil Langkamp anrechnen. Der 29-Jährige lieferte endlich wieder seine gute Hausmannskost ab, die zwar nicht spektakulär ist, in den letzten Wochen aber immer wieder durch Patzer versalzen wurde. Er gewann sämtliche seiner sechs Kopfballduelle, 75% seiner Zweikämpfe und klärte fünf Situationen.

Damit war Langkamp wieder der gewohnt sichere Fels in der Brandung, auch wenn Frankfurt kein Dauerfeuer auf Herthas Defensive regnen ließ. Seine Gelbe Karte war auch mehr als fragwürdig, schließlich rannte Haller in ihn rein und Langkamp kann sich nicht in Luft auflösen. Eine wirklich solide Vorstellung.

Karim Rekik – Note: 3+

(Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images )

Rekik lieferte eine ziemlich deckungsgleiche Leistung zu Langkamp ab.

Der Holländer hatte genau wie sein Kollege in der Innenverteidigung die Aufgabe, Frankfurts Haller nicht ins Spiel kommen zu lassen und das gelang ihm ohne riesigen Aufwand. Durch eine 66%ige Zweikampfquote und dem ein oder anderen gewohnt intensivem Tackle hielt er seienn Raum sauber, vielmehr war an diesem Tag nicht von ihm gefordert.

In der 66. Minute hätte der 23-Jährige beinahe seinen dritten Saisontreffer erzielt, Rebic klärte seinen Kopfball nach Weisers Ecke aber vor der Linie – Torhüter Hradecky wäre wohl nicht mehr herangekommen.

Eine zufriedenstellende Darbietung Rekiks, der nicht groß gefordert, aber stets zur Stelle war.

Marvin Plattenhardt – Note: 4+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Linksverteidiger sorgte im ersten Durchgang noch für Druck, danach kam jedoch nichts mehr von ihm.

Das Zusammenspiel von Maxi Mittelstädt und „Platte“ ließ sich in den ersten 45 Minuten noch gut ansehen. Es wurde durchaus Druck über Herthas linke Seite entwickelt, der jedoch keine Früchte trug. Seine Flanken waren stets zu ungenau und keiner der beiden kann wirklich in die Mitte ziehen, sodass beide auf der Linie kleben bleiben. Das wurde nach dem Pausentee nicht besser, das Offensivspiel über Plattenhardts Seite wurde fast vollständig eingestellt. Positiv war, dass der 25-Jährige sich an ein paar Abschlüssen versuchte, die allerdings keine Gefahr darstellten.

Defensiv war Plattenhardt teilweise überfordert, wenn Frankfurt seine Seite überlagerte und mit Marius Wolf nach vorne zog. In den Szenen wurde er oftmals überspielt- oder laufen. Seine Zweikampfbilanz war ausbaufähig, aber nicht besorgniserregend.

Plattenhardt konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken. Zwar hatte er viele Ballkontakte, konnte jedoch wenig aus ihnen machen. Defensiv gab es ein paar Wackler zu verzeichnen.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 3+

Herthas Mittelfeldchef lieferte eine ordentliche Partie ab, ohne zu überragen.

Im Spiel gegen Frankfurt konzentrierte sich Skjelbred auf die eher einfachen Dinge. Er versuchte, saubere Ballgewinne zu erzielen und das Spielgerät danach entweder auf den spielstarken Maier oder die schnellen Außenspieler zu passen. Dabei verbuchte der Norweger mit 80% gewonnenen Zweikämpfen eine herausragende Bilanz, durch seine zwölf gelaufenen Kilometer war er auch stets dort, wo es brannte.

Doch vielleicht nicht in einer Szene. Das 1:1 von Frankfurts Wolf lässt sich nur schwer einem einzelnen Herthaner anhängen. Bei der Ecke war der gesamte Berliner Rückraum unbesetzt, weshalb Wolf bei seinem Treffer leichtes Spiel hatte. Man könnte jedoch meinen, dass sich die kopfballstarken Spieler Herthas im Strafraum befinden und die eher kleinen „Sechser“ wie Skjelbred und Maier davor, um eben solch eine Variante zu verhindern. Das war aber nicht der Fall, es ist dennoch schwierig, einen klaren Schuldigen zu finden.

Es war eine insgesamt gute Leistung Skjelbreds, der sich im Weg nach vorne jedoch zu wenig traute und in der gegnerischen Hälfte sehr viele Fehlpässe spielte.

Arne Maier – Note: 3-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Das Mittelfeldjuwel zeigte seine Stärken im Passspiel, ließ sich in Zweikämpfen aber zu leicht abkochen.

Die Aufgaben waren klar abgesteckt: Skjelbred holt die Bälle und Maier verteilt sie. Das funktioniert auch gut, der 18-Jährige zeigte teilweise herausragende Zuspiele über das halbe Feld. Er hatte eine gute Übersicht und spielte zahlreiche Schnittstellenpässe. Seine Passquote von 85% lässt sich daher auch sehen. Leider sah er jedoch in Zweikämpfen nicht allzu gut aus. Gegen Frankfurts sehr robuste und erfahrene Mittelfeldspieler hatte er kaum etwas entgegenzusetzen und verlor die meisten seiner Duelle.

Der größte Kritikpunkt an seiner Leistung ist jedoch, wie schnell sein Spiel abflachte. Das Berliner Eigengewächs fand sehr gut in die Begegnung, jedoch kam nach rund 30 Minuten kaum noch etwas von ihm. Bei seiner Auswechslung in der 61. Minute hatte er nur 35 Ballkontakte gesammelt, zu wenig für seine spielmachende Rolle.

Leider verpasste Maier es, das Spiel wirklich an sich zu reißen. Es gab gute Momente in seinem Spiel, diese blieben mit zunehmender Spielzeit aber vollkommen aus.

Mathew Leckie – Note: 2-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Australier zeigte eine großartige erste Halbzeit, konnte das Niveau aber nicht halten.

Im ersten Durchgang lief fast alles über Leckie, der durch sein Tempo, aber vor allem durch seine Ballsicherheit starke Angriffe einleitete und den Ball in der gegnerischen Hälfte trotz Frankfurter Tacklings hielt. Leckie legte drei Chancen auf, allein in der ersten Halbzeit, darunter der überragende Heber auf Davie Selke, der das 1:0 schoss. Eine exzellente Aktion, in der Leckie drei Gegenspieler an sich bindet und dann noch das Auge für den Stürmer hat.

Danach konnte Leckie jedoch kaum noch Impulse setzen. Aufgrund Herthas defensiver Ausrichtung im zweiten Durchgang, kam der 26-Jährige nicht in die Gelegenheit, seine Schnelligkeit auszuspielen, weshalb sein Spiel deutlich versackte. Er versuchte sich zumindest defensiv zu beteiligen und lief immerhin 11,3 Kilometer.

Hätte Hertha BSC sein Spiel aus den ersten 20 Minuten durchgezogen, wäre Leckie sicherlich zu mehr guten Offensivszenen gekommen, so musste er sich der Mannschaft unterordnen.

Maxi Mittelstädt – Note: 3-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der linke Mittelfeldspieler versuchte im ersten Durchgang einiges, aber auch er verlor danach den Offensivgeist.

In der ersten Halbzeit zeigte Mittelstädt, warum er sich aktuell festgespielt hat. Mit großem Willen und cleverer Zweikampfführung setzte er sich immer wieder auf der linken Seite durch und spielte gefährliche Flanken. So hätte sein Zuspiel in der 18. Minute eigentlich zum 2:0 führen müssen, jedoch behinderten sich Vedad Ibisevic und Davie Selke beim Kopfball gegenseitig, sodass doch nichts draus wurde. Der 20-Jährige flankte insgesamt viermal im ersten Durchgang, schloss zudem einmal selbst ab.

Kurz nach der Halbzeitpause hatte Mittelstädt noch eine großartige Szene, in der er zwei Frankfurter ausdribbelte und das Auge für Leckie hatte. Die Ablage des Australiers auf Herthas Stürmer war jedoch erfolglos, ansonsten hätte Herthas Eigengewächs auf überragende Weise einen gefährlichen Angriff eingeleitet. Viel mehr konnte er jedoch nicht mehr zeigen, Frankfurt stellte sich auf sein Spiel ein und schaltete ihn aus. Nach 61. Minuten war sein Arbeitstag beendet, er wurde für Valentino Lazaro ausgewechselt.

Eine ordentliche Vorstellung Mittelstädts, der in seinem Spiel aber variabler werden muss. Er orientiert sich zu sehr an der Seitenlinie, rückt nie in die Mitte und sucht stets die Flanke. Das ist in Ordnung, kann aber nicht sein einziges Mittel sein, da er sonst zu ausrechenbar ist.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 4-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Herthas Kapitän hatte die Chance auf das 1:0, danach sah man nur noch wenig von ihm.

Nach nur 30 Sekunden hätte es bereits klingeln können. Vedad Ibisevic war Nutznießer des Fehlpasses von Frankfurts Gacinovic, lief in den Strafraum, scheiterte mit seinem Schuss aber an Torwart Hradecky. In der 19. Minute hatte der 33-Jährige die Chance auf das 2:0, er konnte die Flanke von Mittelstädt jedoch nicht nutzen.

Danach wurde es sehr still um den Bosnier. Er hing in der Luft, nahm kaum noch am Spiel teil und verbuchte nur 31 Ballkontakte. Der Mittelstürmer verlor sechs seiner acht Zweikämpfe und hatte in der gegnerischen Spielhälfte eine miserable Passquote von 45%. Das Spiel lief an ihm vorbei.

Nach 82 Minuten wurde Ibisevic leistungsgerecht ausgewechselt, er konnte seiner Mannschaft kaum helfen.

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Mittelstürmer zeigte auch abseits seines Tores, dass er dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte.

Fünf, also ein Drittel aller Berliner Schüsse gab Davie Selke ab. Der 22-Jährige wirkte unheimlich aktiv und belohnte sich nach nur 15 Minuten mit dem Tor zum 1:0, das er eiskalt im linken Eck einschob.

Zudem legte Selke einen Schuss selber auf und lief 11,2 Kilometer, ein herausragender Wert für einen Mittelstürmer, der einen bei ihm aber nicht verwundert. Selke betrieb auch gegen Frankfurt unheimlichen Aufwand, versuchte sich stets als Anspielstation anzubieten und ging in jeden Zweikampf. Leider bleibt seine Passquote von dieses Mal 67% seine größte Baustelle, in dieser Disziplin muss er sauberer werden.

Zwar kam im zweiten Durchgang auch von Selke nicht mehr viel, aber einem Mittelstürmer ist das bei diesem Verlauf des Spiel kaum vorzuwerfen. Eine Leistung, die einmal mehr zeigt, wie wichtig er für Hertha sein kann.

Einwechslung

Valentino Lazaro – Note: 4+

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Einmal mehr rieb sich Lazaro auf, einmal blieb es Stückwerk.

Der Österreicher wurde in der 61. Minute für Maxi Mittelstädt eingewechselt und sollte noch einmal für Wirbel sorgen. Er wirkte quirlig und wollte nochmal alles versuchen, um Hertha zum Sieg zu verhelfen, dabei agierte er jedoch unglücklich in vielen Offensiv-Zweikämpfen und verlor oft den Ball.

Zwar legte er eine Chance auf, größtenteils zeigte er jedoch nur Ansätze und konnte kaum klare Aktionen durchführen. Man sieht, dass er äußerst bemüht ist, ihm fehlt jedoch noch jegliche Souveränität.

Fabian Lustenberger – Note: 3-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Schweizer sollte mehr Ordnung ins Mittelfeld bringen und erzielte beinahe das 2:2.

Für Arne Maier gekommen, hatte Lustenberger die Aufgabe, das Spiel im Mittelfeld für die letzte halbe Stunde zu beruhigen. Der defensive Mittelfeldspieler spielte jedoch einige nervenaufreibende Fehlpässe, sechs Zuspiele wurden um den Mittelkreis und der eigenen Hälfte abgefangen, sodass Frankfurt zu Angriffen eingeladen wurde. Immerhin gewann „Lusti“ fünf seiner sieben Zweikämpfe.

In der 87. Minute nahm sich der 29-Jährige ein Herz und zog aus 25 Metern ab, sein Schuss klatschte jedoch „nur“ auf den Querbalken – wäre das Ausgleich gewesen, wäre Lustenberger der gefeierte Held.

Den leicht überforderten Arne Maier für den erfahrenen Lustenberger auswechseln, ist an sich nachvollziehbar, jedoch zeigte der Ur-Herthaner deutliche Unkonzentriertheiten im Passspiel.

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