Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 17. Spieltag: RB Leipzig – Hertha BSC

Einzelkritik 17. Spieltag: RB Leipzig – Hertha BSC

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(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Überschrift unseres letzten Vorberichts lautete „Die letzte Aufgabe“ – diese hat Hertha BSC gegen RB Leipzig übererfüllt. Die Mannschaft in blau-schwarz kämpfte sich in Unterzahl zu einem höchst beeindruckenden 3:2-Sieg in der Sachsen-Stadt, bei dem Einstellung und mannschaftliche Geschlossenheit unter Beweis gestellt wurden. Spoiler: Es wird in der letzten Einzelkritik des Jahres viel Lob geben.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

(Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Der Norweger musste zwar keine absoluten Weltklasseparaden zeigen, wie noch gegen Hannover 96, dennoch war auch er ein Grund für diesen Sieg.

Bereits nach vier Minuten war Jarstein das erste Mal gefordert, als er Brumas durchaus gefährlichen Distanzschuss parierte. Insgesamt musste der 33-Jährige sechs Versuche der Leipziger abwehren, viele von diesen forderten ihn aber nicht allzu sehr heraus. Beim 1:3-Anschlusstreffer der „roten Bullen“ war Jarstein machtlos, beim nächsten Tor jedoch nicht. Zwar war es kein klarer Fehler des Schlussmannes, jedoch gab es deutliche Kommunikationsprobleme zwischen ihm und Valentino Lazaro. Der Österreicher gab Torschütze Marcel Halstenberg nur Geleitschutz, weil er dachte, dass Jarstein aus seinem Tor herauskommt und den Ball abfängt, dieser dachte jedoch, dass ein Herthaner Feldspieler die Situation vorher klären würde. Ein klassisches Missverständnis.

Eine mehr als ordentliche Leistung des Torhüters, der viel Sicherheit ausstrahlte und sich keinerlei Patzer erlaubte.

Abwehr

Peter Pekarik – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Slowake machte eine grundsolide Partie, bis er verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste.

Auf Pekariks Abwehrseite herrschte reger Betrieb. Während der Rechtsverteidiger in 45 Minuten neun Zweikämpfe führte, musste Marvin Plattenhardt über die volle Spielzeit auf der anderen Seite nur viermal ins Duell. Pekarik gewann fünf davon, zudem fing er zwei Bälle ab.

Der 31-Jährige bekam in der 44. Minute einen Tritt von Leipzigs Naby Keita ab, weshalb er zur Halbzeit ausgewechselt werden musste. Bis dahin hatte er seinen Bereich durchaus gut im Griff, nur seine Passquote von nur 61,5% ist kritisch anzumerken. Offensiv konnte Pekarik wenig bis gar nichts zeigen, dafür stand Hertha nach dem Platzverweis von Jordan Torunarigha einfach zu tief.

So lag sein Hauptaugenmerk vor allem auf der Abwehrarbeit und die erledigte er gewohnt gewissenhaft.

Niklas Stark – Note: 1

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Innenverteidiger spielte erneut für Sebastian Langkamp und rechtfertigte seinen Einsatz auf ganzer Linie.

Eine unglaubliche Darbietung des 22-Jährigen, der in diesem Spiel mehr Situationen klärte, als früher die Supernanny auf RTL. Stark bereinigte 16 (!) Aktionen und fing fünf Bälle ab, erstaunliche Werte. Zudem war er sehr entschlossen im Zweikampf, 65% seiner Duelle gewann er. Der U21-Europameister hatte stets seine Beine in den Aktionen der Leipziger, war über 90 Minuten überaus konzentriert und nie übermotiviert, sodass es zu brenzligen Szenen im Strafraum hätte kommen können (wir Herthaner kennen uns mit Elfmetern aus).

Zudem ist beachtlich, dass Stark beinahe elf Kilometer gelaufen ist – als Innenverteidiger – was zeigt, dass er stets zur Stelle war und kurz vor Schlusspfiff sogar noch die Luft für einen Vorstoß hatte, bei dem er den Ball weit in die gegnerische Hälfte trug, bis er von Ilsanker eingefangen wurde.

Stark trat als echter Leader auf, war eine grandiose Defensivstütze und somit ein großer Faktor für diesen Auswärtserfolg.

Jordan Torunarigha – Note: /

Marvin Plattenhardt – Note: 2-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Linksverteidiger zeigte seine beste Defensivleistung seit Wochen und hielt seine Seite nahezu dicht.

Zwar konnte „Platte“ keine Offensivakzente setzen, dennoch kann man von einem wirklich guten Auftritt sprechen. Der deutsche Nationalspieler wurde seinem Ruf wieder gerecht, indem er zweikampfstark und clever im Stellungsspiel auftrat. Plattenhardt führte vier Zweikämpfe in dieser Partie und er gewann sie alle, des Weiteren fing er zwei Bälle ab und klärte starke sechs Situationen. Er machte keine halben Sachen, sicherte viele Bälle und wirkte hoch konzentriert. Leipzig spielte keine einzige erfolgreiche Flanke über seinen Flügel.

Wie bereits gesagt, konnte Plattenhardt in diesem Spiel keine Szenen im Angriff produzieren, das war jedoch dem Spielverlauf geschuldet und kann ihm kaum negativ angeschrieben werden. Die Herthaner Defensive hatte die Unterzahl zu kompensieren, weshalb die Außenverteidiger stets in der eigenen Hälfte blieben.

Plattenhardt trat äußerst routiniert auf und sicherte die Defensive sehr gut ab.

Mittelfeld

Fabian Lustenberger – Note: 1

(Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Der Schweizer musste nach Torunarighas Platzverweis in die Innenverteidigung rücken und machte ein großartiges Spiel.

Die Darbietung Lustenbergers stand der von Niklas Stark in nichts nach. Auch er mutierte zu einem absoluten Defensivmonster, indem er 15 (!) Aktionen klärte, vier Bälle abfing und 69% seiner Zweikämpfe gewann. Mit nur 1,80m entschied er sogar drei seiner vier Kopfballduelle für sich.

An „Lusti“ gab es keinen Vorbeikommen an diesem Tag, er überragte in seinem Stellungsspiel und Zweikampfverhalten, denn genauso wie Stark erlaubte er sich trotz dieser vielen Duelle nicht ein einziges Foul. Eine famose Disziplin des 29-Jährigen.

Eine herausragende Leistung des Ur-Herthaners, der sich wohl in das Herz vieler Fans zurückgespielt hat.

Arne Maier – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Das Eigengewächs nahm sich den Herausforderungen der Partie an und wuchs streckenweise über sich hinaus.

Laufwunder Maier – der Sechser spulte 12,4 km ab, so viel wie kein anderer auf dem Feld. Dadurch lief er viele Lücken zu und versuchte sich immer wieder an Vorstößen, um für Entlastung zu sorgen. Diese Momente taten der Mannschaft wahnsinnig gut, um einmal Luft zu holen und nicht unter Dauerdruck zu stehen.

Auch Maier gewann über die Hälfte seiner Zweikämpfe und konnte die ein oder andere Szene klären. Ihm war anzumerken, dass er sich an das Tempo und die Härte der Bundesliga immer besser gewöhnt. Man sah dem 18-Jährigen nicht an, dass es sein gerade einmal achtes Ligaspiel im Profibereich war.

Eine wirklich starke Leistung des Mittelfeldspielers, der seiner Mannschaft durch Laufstärke und einigen guten Pässen viel Druck von der Brust nahm.

Alexander Esswein – Note: 2+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Außenbahnspieler legte Herthas Führungstreffer auf und engagierte sich danach in einer unglaublichen Weise in der Defensive.

Nach nur fünf Minuten hatte sich Pal Dardais Entscheidung, Esswein in die Startaufstellung zu stellen, ausgezahlt. Der Flügelspieler bekam den Ball von Salomon Kalou, spielte eine flache Flanke, die überraschend bis zu Davie Selke durchkam und vom Mittelstürmer verwandelt wurde. Danach galt für Esswein das, was auch die gesamte Mannschaft zu tun hatte: Verteidigen.

Der 27-Jährige rieb sich in Herthas Defensive komplett auf, suchte jeden Zweikampf und gewann auch noch ausgezeichnete 61% davon. Mit unglaublicher Wucht und Willensstärke führte er seiner Duelle, vor allem seine Tacklings wirkten, als habe er noch nie etwas anderes getan. Dadurch half er seiner Abwehr in sehr großem Maße, er war mehr Sechser als Flügelspieler.

Zudem waren seine Nadelstiche über Umschaltaktionen sehr wichtig, da er den Ball immer mal wieder nach vorne trug und mit seinem Tempo arbeitete. Dadurch schaffte er zumindest ein wenig Entlastung. Starke 11,6 km lief Esswein, der zweitbeste Wert bei Hertha.

Eine höchst imponierende und selbstlose Leistung Essweins, der seinem Team wohl so sehr geholfen hat, wie noch nie zuvor.

Valentino Lazaro – Note: 1-

(Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Er ist endlich angekommen – Lazaro zeigte gegen Leipzig, wie wichtig er für Hertha BSC werden kann.

Der Österreicher zeigte eine sehr engagierte Leistung, zudem waren seine Standards spielentscheidend. In der 31. Minute schlug er einen Freistoß mit ordentlich Zug in den gegnerischen Strafraum, den Salomon Kalou zum 2:0 verwandelte. Nur 20 Minuten später legte er per Ecke den nächsten Treffer auf, dieses Mal netzte Davie Selke (zum 3:0) ein. Allein diese beiden Szenen würden reichen, um die These aufzustellen, dass dieser Dreier ohne Lazaro nicht möglich gewesen wäre.

Doch auch defensiv wusste der 21-Jährige absolut zu überzeugen. Er musste nach der Halbzeitpause Peter Pekarik als Rechtsverteidiger ersetzen und erfüllte diese Aufgabe wie selbstverständlich. Er sicherte sieben Bälle und fing vier weitere ab. Zwar gewann er nur 35% seiner Zweikämpfe, dennoch ließ er nicht allzu viel auf seiner Seite anbrennen.

Lazaro stellte sich voll in den Dienst der Mannschaft, lief am drittmeisten und konnte das erste Mal über volle 90 Minuten überzeugen. Zudem unterstrich er seine Polyvalenz.

Salomon Kalou – Note: 2-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Ivorer war einmal mehr im entscheidenden Moment da, ansonsten war es nicht unbedingt seine Art von Spiel.

Man würde lügen, wenn man sagt, dass Kalou über seine volle Einsatzzeit überragt hätte und dennoch kann man ihn loben. In der 31. Minute wuchtete er einen Freistoß von Valentino Lazaro per Kopf ins Leipziger Tor und sorgte somit für eine weitaus komfortablere Führung. In dieser Szene zeigte er seine ganze Kaltschnäuzigkeit und Erfahrung.

Danach versuchte sich der 32-Jährige in den Dienst der Mannschaft zu stellen, jedoch ist er einfach nicht der Typ für Defensivschlachten. Zwar klärte er ein paar Situationen, gegen die schnellen Leipziger konnte er aber wenig ausrichten. So war es folgerichtig, dass er nach knapp 70 Minuten ausgewechselt wurde.

Dennoch hat er sein Tor gemacht und somit zum Sieg beigetragen.

Sturm

Davie Selke – Note: 1

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Ohne Frage, Davie Selke war der Matchwinner am Sonntagabend.

Selkes Auftritt gegen seinen Ex-Verein lässt sich tatsächlich sehr gut an Zahlen festmachen. Der Mittelstürmer erzielte zwei Tore, bei dem vor allem das erste wirklich schön anzusehen war und hätte eigentlich noch das dritte machen können, jedoch scheiterte er am Pfosten. Er sprühte vor Gefahr und spielte einige Konter sehr gut aus, z.B. den, als er Torhüter Peter Gulacsi scheiterte und Arne Maier kurz vor dem Nachschuss ausrutschte.

Doch der 22-Jährige war nicht nur als reiner Knipser gefordert, er lieferte auch einen wahren Kampf. Selke führte 41 (!) Zweikämpfe in 69 Minuten Spielzeit, so viel kein anderer nur ansatzweise und rieb sich vollkommen auf. Er wollte seiner Mannschaft in jeder Sekunde unter die Arme greifen und ließ sich tief bis in die eigene Hälfte fallen, um gegen den Ball arbeiten zu können.

Zweite Tore gemacht und alles für das Team rausgehauen – an Selkes Leistung gibt es nichts zu kritisieren.

Einwechslungen

Per Skjelbred – Note: 3

(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger hat aktuell keine Luft für 90 Minuten, für eine Halbzeit reichte es aber.

Da Fabian Lustenberger in die Innenverteidigung rücken musste und Peter Pekarik verletzungsbedingt in der Kabine blieb, wurde Per Skjelbred für die zweiten 45 Minuten gebracht.

Der 30-Jährige sollte das Defensivzentrum verdichten und machte das auch ordentlich. Er klärte einige Situationen, fing ein paar Bälle ab und zeigte halt das, was ihn auszeichnet – Kampf. Vor allem seine Pässe waren aber wichtig, da Hertha es im ersten Durchgang immer mal wieder versäumte, sauber aus dem eigenen Strafraum herauszukommen. Das wurde durch „Schelle“ zumindest etwas besser.

Eine unauffällige, aber insgesamt ordentliche Leistung Skjelbreds, der sich in den Dienst der Mannschaft stellte.

Vedad Ibisevic – Note: 5+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images )

Der Kapitän kam für den ausgelaugten Davie Selke, konnte das Erbe aber nicht weiterführen.

Bälle halten, Zweikämpfe gewinnen, Mitspieler in Szene setzen, Ruhe reinbringen – all das sollte Ibisevic eigentlich machen, jedoch klappte nichts davon. Der 33-Jährige wirkte übermotiviert und zugleich fahrig. So hätte er beispielsweise Arne Maier in der 78. Minute für einen Konter auf die Reise schicken können, sein Pass war jedoch viel zu schlampig gespielt und so hatte Leipzig den Ball postwendend wieder.

Die Einwechslung des Stürmers blieb vollkommen wirkungslos, er konnte seine Erfahrung überhaupt nicht ausspielen.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

1 KOMMENTAR

  1. Die Leistung von Ibisevic würde ich anders einschätzen. Von Übermotivation keine Spur. Während alle anderen Spieler bis zum Umfallen gekämpft haben, hat er nur Standfussball gespielt. Bei 20 Minuten Spielzeit kann man mehr Einsatz zeigen. Hat im Gegensatz zu Selke nicht nach hinten verteidigt, keine ballführenden Spieler angelaufen. Note 6.

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