Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 28. Spieltag: Hertha BSC – VfL Wolfsburg

Einzelkritik 28. Spieltag: Hertha BSC – VfL Wolfsburg

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(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

„Aus wenig wurde weniger“ beschrieb Eurosport-Experte Matthias Sammer den Verlauf der Begegnung zwischen Hertha BSC und dem VfL Wolfsburg äußerst passend. Die zähe und wenig ereignisreiche Partie endete mit einem 0:0. Zwar waren die Berliner besonders im ersten Durchgang die bessere Mannschaft, jedoch erspielten sie sich schlichtweg zu wenige Chancen, als dass es zum ersten Heimsieg im Jahre 2018 hätte reichen können.

Tor

Rune Jarstein – Note: 4-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Kaum geprüft und dennoch im Mittelpunkt – Jarstein konnte sich gegen Wolfsburg nicht gerade auszeichnen.

Die Wolfsburger stellten keine Herausforderung für den Norweger dar. Von den sieben Schüssen der Wölfe kam nur einer auf das Tor von Jarstein, Didavis Kopfball (73. Minute) strotzte jedoch nicht gerade vor Gefahr. Ansonsten blieb der 33-Jährige ohne große Aufgaben. Ihm schien so langweilig zu sein, dass er in der 50. Minute für ein bisschen Herzrasen bei seinen Fans und Mitspielern sorgte. Er verarbeitete einen Rückpass von Karim Rekik technisch so unsauber, dass er vor den Füßen von Wolfsburgs Dimata landete. Jarstein warf sich jedoch noch in dessen Schussversuch und verhinderte schlimmeres.

Eine bis auf seinen Patzer unscheinbare Partie von Jarstein.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 3+

Mitchell Weiser durfte zum zweiten Mal in Folge in der Startelf stehen und zeigte eine durchaus engagierte Leistung.

Es ginge sicherlich zu weit, würde man sagen, dass Weiser wieder voll da ist. Sein Spiel war auch gegen Wolfsburg zu fehleranfällig und versprühte nicht den gleichen Spielwitz, der ihn vor seine Formkrise auszeichnete. Es ist jedoch positiv anzumerken, dass er nun deutlich lustvoller wirkt, als noch vor einigen Wochen. Gegen die „Wölfe“ zeichnete sich Weiser durch einige gute Offensivaktionen und dem Überspielen der ersten Wolfsburger Angriffslinie aus. Der 23-Jährige nahm sich öfter ein Herz und setzte zu seinen geliebten Tempodribblings an, durch die er zahlreiche Gegenspieler hinter sich ließ und für Raum sorgte. Weiser war im ersten Durchgang eine ständiger Unruheherd, konnte aus seinen Ballaktionen aber keinen allzu großen Ertrag holen. Er bereitete immerhin zwei Torchancen vor.

Zu kritisieren ist weiterhin sein Passspiel. Natürlich ist Weiser ein Spieler, der ins Risiko geht und daher von Natur aus weniger Bälle zum Mitspieler bringt, jedoch sind Weisers Ballverluste oftmals nur ein Mangel an Konzentration und Abgeklärtheit. Nur 69% seiner Zuspiele kamen an, gerade einmal 52% in der gegnerischen Hälfte. Zudem ließ er eine gewisse Vertikalität vermissen, so blieben seine Pässe meist dicht an der rechten Seitenauslinie. Defensiv ist wenig zu beanstanden, die Wolfsburger stellten keine große Herausforderung für Weiser dar.

Eine durchaus ansprechende Partie von Weiser, der das Spiel noch nicht alleine zu tragen vermag, wie noch zu seiner Hochphase, dem man aber den Ehrgeiz wieder leicht unterstellen kann. Leider ließ Weisers Spiel im zweiten Durchgang merklich nach.

Niklas Stark – Note: 3

Eine absolut souveräne aber auch an Höhepunkte arme Vorstellung von Herthas Innenverteidiger.

Niklas Stark konnte aufgrund der ausbaufähigen Angriffsbemühungen der Gäste aus Wolfsburg nur wenig glänzen. Er „spielte seinen Stiefel runter“, könnte man sagen. Er gewann der Mehrzahl seiner Zweikämpfe, klärte ein paar Aktionen und war ansonsten ohne große Aufgabe. Der einzige „Wackler“ war sein beinahe-Eigentor. Robin Knoche fälschte einen Hereingabe von Maxi Arnold so ab, dass der Ball gegen Stark prallte und an den Berliner Pfosten sprang, Stark traf hierbei aber keine Schuld.

Das Aufbauspiel von Stark war sehr ordentlich, er traut sich immer mehr zu. So probierte er sich an einigen langen Bällen oder Läufen in die gegnerische Hälfte. In einem sonst so statischen Spiel sind solche Aktionen schon beinahe Highlights gewesen. Apropos beinahe – In der 87. Minute hätte der 22-Jährige einen Freistoß von Mitchell Weiser beinahe zum 1:0 verwandelt, seinem Kopfball fehlte es jedoch etwas an Druck, sodass Koen Casteels zur Stelle war.

Eine saubere Leistung von Stark, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen.

Karim Rekik – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images )

Rekik blieb ebenfalls ohne großen Tadel, jedoch war sein Passspiel im Gegensatz zu Starks auffällig fehlerhaft.

Knapp 50% seiner Duelle gewonnen, ein Block, ein abgefangener Ball, drei klärende Aktionen – Rekiks Statistiken lesen sich recht normal. Die Wolfsburger stellten auch keine große Bedrohung dar, sodass sich der 23-Jährige defensiv nicht verausgaben musste.

Dafür war die Spieleröffnung des Niederländers ungewohnt schwach. Nur 72% seiner Pässe kamen an, zahlreiche Zuspiele kamen nicht einmal in der eigenen Spielhälfte an, sodass die Gäste zu Angriffen eingeladen wurden. Aus unerfindlichen Gründen wirkte Rekik im Ballbesitz wenig konzentriert und produzierte unnötige Fehler. Es lag auch den schwachen Angriffen des VfL, dass diese schlampigen Pässe zu keinen Konsequenzen führten.

Eine defensiv ausreichende und spielerisch schwache Leistung von Rekik.

Maxi Mittelstädt – Note: 3+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Das Berliner Eigengewächs überzeugte als Ersatz für den gelb-gesperrten Marvin Plattenhardt.

Es war deutlich zu spüren, dass Mittelstädt seine Chance in der Startelf nutzen wollte. Der 21-Jährige zeigte sich defensiv deutlich abgebrühter, als noch zu seinen Anfangszeiten bei den Profis (Stichwort frühe gelbe Karten), so gewann er rund 60% seiner Zweikämpfe und fing starke vier Bälle ab.

Vor allem offensiv machte Mittelstädt auf sich aufmerksam. Der Linksverteidiger probierte sich an zahlreichen Läufen ins letzte Angriffsdrittel und fungierte als fleißiger Partner von Salomon Kalou. Aus dem Spiel heraus legte er zwei Torchancen auf. Zudem traute Pal Dardai ihm die Ecken auf der linken Seite an, wovon eine ihr Ziel in der 79. Minute fand, so legte er insgesamt drei Torschüsse auf – eine starke Zahl. Des Weiteren fasste sich Mittelstädt in der 61. Minute ein Herz und schloss aus der Distanz ab – seine tückischer Aufsetzer (mit dem schwachen Fuß) war keine leichte Aufgabe für VfL-Keeper Casteels.

Mittelstädt zeigte eine mutige aber nie übermotivierte Leistung und stellte einmal mehr unter Beweis, dass sich Pal Dardai auf ihn verlassen kann.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 3-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Eine unauffällige aber keinesfalls schlechte Leistung von Arne Maier.

75,9% aller Pässe von Hertha kamen am Samstagabend an – keine wahnsinnig schlechte Quote, aber eben auch keine gute. Jemand, der diese Quote deutlich nach oben korrigierte, war Arne Maier. 93% seiner Zuspiele fanden ihr Ziel, 84% waren es in der gegnerischen Hälfte (bei Hertha waren es insgesamt nur 62%). Damit sorgte Maier für ein wenig Ballsicherheit und ein paar nützliche Ballstafetten. Leider beschränkte sich sein Spiel meist auf kurze Pässe, er spielte nur einen einzigen langen Ball. Zwar waren seine Dreicksbildungen oft echt effektiv, aber leider nur auf kleinem Raum, sodass es Hertha deutlich an Vertikalität fehlte.

Dies wird auch der Grund gewesen sein, warum Dardai ihn für Ondrej Duda aus er Partie nahm. Es wird kein Zeichen dafür gewesen sein, dass der Ungar unzufrieden mit Maiers Leistung gewesen sein, sondern dafür, dass er nun auf mehr Risiko setzen wollte. Es war eine ordentliche Leistung des 19-Jährigen, es fehlte nur an den Pässen in die Tiefe und Breite.

Fabian Lustenberger – Note: 4+

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Schweizer sorgte in der eigenen Hälfte für Ordnung, sein Spiel nach vorne war jedoch grausig.

Das Spiel gegen Wolfsburg stand ein wenig symbolisch für die Fähigkeiten von Lustenberger. In der eigenen Hälfte überzeugte er durch starkes Zweikampfverhalten (66% gewonnen) und sicheres, wenn auch wenig kreatives Passspiel (drei Fehlpässe in der eigenen Hälfte). Sein Spiel in die andere Richtung ließ jedoch wirklich zu wünschen übrig. Seine Pässe waren wirklich schwach (zehn Fehlpässe in der gegnerischen Hälfte) und zeugten von wenig Spielwitz bzw. von keiner allzu guten Übersicht. Der 29-Jährige war einer der Hauptgründe für das zähe Ballbesitzspiel von Hertha und suchte eher die sichere Lösung, als ein wenig Rhythmus in die Partie zu bringen.

Das sind sicherlich keine neuen Erkenntnisse, aber in einem Spiel, in dem Hertha viel Ballbesitz hat, muss von einem zentralen Mittelfeldspieler mehr erwartet sein.

Vladimir Darida – Note: 4-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Ja, der Tscheche hat mitgespielt. Glauben wir zumindest.

In der Einzelkritik schien die Meinung des Redakteurs bereits einige Mal durch: Darida ist kein Zehner, also kein Spielmacher. Als Motor oder Taktgeber im defensiven Mittelfeld kann er sehr wertvoll sein, wenn es jedoch um den berühmten letzten Pass geht, so ist Darida eine Fehlbesetzung. Die Begegnung gegen Wolfsburg zeigte diese Erkenntnis einmal mehr auf. Er hielt sich vor allem im Raum eines Achters auf, die zentrale Position vor der Sturmspitze war oftmals völlig unbesetzt und so konzentrierte sich Herthas Spiel viel zu sehr auf die Außenbahnen. Das machte das Offensivspiel viel zu ausrechenbar und führte zu jenem unansehnlichen Auftritt. Weil Darida seine Position nicht hielt, konnte kaum Tiefe in Herthas Spiel entstehen und so war es für Wolfsburg ein leichtes, die Berliner Angriffe abzuwehren.

Darida spielte nicht einen einzigen Pass in den Strafraum, er versuchte es nicht einmal. Die Spielmitte zwischen Mittelkreis und Strafraum war eine quasi tote Zone. Seine Pässe beschränkten sich meist nur auf das Einbinden der Außenspieler. Es fehlte an Risiko, an Spielwitz, an dem gewissen Etwas, das es braucht, um solch einen defensiv eingestellten Gegner zu knacken. So sehen 85% erfolgreiche Pässe erst einmal gut aus, führten jedoch selten zu etwas brauchbarem. Zwar lief der 27-Jährige 13,6 Kilometer, aber wohin?

Kann man Darida Engagement absprechen? Natürlich nicht. Es bleibt dennoch ein trostloser Auftritt des Tschechen.

Mathew Leckie – Note: 3-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Stets bemüht, aber es mangelte bei Leckie an konstanter Gefahr.

Valentino Lazaro fiel gegen Wolfsburg kurzfristig mit grippalem Infekt aus und so durfte Mathew Leckie von Anfang an ran. Der Australier wirkte gewohnt engagiert, ließ aber einmal mehr die Effizienz in seinen Aktionen vermissen. Nach nur fünf Minuten hätte er das 1:0 erzielen können, sein Kopfball traf aber nur den Pfosten des Wolfsburger Kastens. Danach bemühte er sich, zusammen mit Mitchell Weiser für Druck zu sorgen und sich defensiv einzubringen. Zweiteres klappte über 90 Minuten besser, so gewann er die große Mehrzahl seiner Zweikämpfe und war besonders im Kopfballspiel schwer zu schlagen.

Zwei Torschüsse und eine Vorlage verbuchte der 27-Jährige. Immer wieder ließ er seine Qualität aufblitzen, er konnte sein Tempo aber zu selten ausspielen und seine Torgefahr scheint seit einiger Zeit verloren gegangen zu sein. Mit 11,9 Kilometern war Leckie der zweitlaufstärkste Herthaner, auch das unterstreicht sein Willen, etwas zu bewirken.

Salomon Kalou – Note: 3

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Ivorer versuchte sich durch Torschüsse und ungewohnt gutes Verhalten gegen den Ball einzubringen.

Drei Schüsse – so viele gab sonst kein anderer Herthaner ab. Kalou schien zu merken, dass diese Partie nur durch Einzelaktionen entschieden werden könne und so setzte er öfter zu Dribblings und Schüssen an. Zwar waren seine Versuche nicht sonderlich erfolgreich, wie das Endergebnis verrät, jedoch ist sein Wille etwas zu bewegen, positiv zu notieren.

Ebenfalls lobenswert ist sein Verhalten gegen Ball gewesen. Der 32-Jährige blockte vier Pässe ab, ein Wert, den man bei ihm wohl noch nie gesehen hat. Nach 83 Minuten wurde er für den Rückkehrer Julian Schieber ausgewechselt.

Eine lobenswerte Darbietung Kalous, der sich nicht hängen ließ.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 4

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Ein undankbares Spiel für Ibisevic, der meist nur in der Luft hing.

Ein geblockter Schuss und eine Torschussvorlage – das ist die Bilanz von Herthas Kapitän am Samstagabend. Der Bosnier wurde von seinen Mannschaftskameraden kaum eingebunden und schon gar nicht mit guten Hereingaben gefüttert, sodass wenig von ihm zu sehen war. Ibisevic hatte bei seiner Auswechslung in der 63. Minute gerade einmal 21 Ballkontakte vorzuweisen.

Positiv anzumerken ist seine Passquote, denn 93% seiner Zuspiele kamen an. Dadurch fungierte er als guter Ballverteiler im letzten Angriffsdrittel.

Einwechslungen

Davie Selke – Note: 4

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Selke ereilte ein ähnliches Schicksal wie Vorgänger Ibisevic.

In der 78. Minute hatte Selke seine Szene des Spiels. Er nahm den Ball clever mit der Brust mit, umkurvte seinen Gegenspieler und hätte er sich den Ball daraufhin nicht zu weit vorgelegt, wäre sein Schuss wohl weitaus gefährlicher geworden. So konnte ihn Casteels aber parieren und so konnte auch Selke keinen Unterschied mehr machen. In den restlichen Minuten war der 23-Jährige ähnlich wenig zu sehen, wie vorher Vedad Ibisevic.

Ondrej Duda – Note: 4-

(Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Der Slowake sollte Herthas statisches Spiel auflockern, konnte jedoch keinen Effekt erzeugen.

20 Minuten hatte Duda, um sich zu beweisen. Leider konnte er diese Zeit nicht nutzen, er wirkte ähnlich ratlos wie seine Mitspieler. Eine gute Passquote aber keinerlei Ideen sorgten für keinen Umschwung in Herthas Spiel.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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