Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 31. Spieltag: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Einzelkritik 31. Spieltag: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

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(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Nachdem am vergangenen Spieltag Hertha der erste Heimsieg 2018 gelang, vollbrachten die Berliner es gegen Eintracht Frankfurt erstmals in der laufenden Saison, zwei Spiele infolge zu gewinnen. Der Sieg über die „Adler“ war zudem der erste seit eineinhalb Jahren, der mit drei Toren Unterschied geholt wurde. Grund zur Freude also? Bedingt, denn das Spiel vom Samstag war großen Teilen spielerisch unansehnlich und hätte unter normalen Umständen keinen Auswärtsdreier verdient gehabt. Das werden auch die Noten in dieser Einzelkritik zeigen.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Herthas Schlussmann konnte sich in dieser Partie nicht auszeichnen.

13 Schüsse gaben die Frankfurter gegen Hertha BSC ab, nur drei davon landeten wirklich auf dem Kasten von Jarstein. Bei keinem dieser Versuche musste sich der Norweger große Mühe geben, sie zu halten. Ein Distanzschuss von Innenverteidiger Abraham war noch der gefährlichste Abschluss der Eintracht. Zweimal wurde Jarstein von eigenen Mitspielern in Bedrängnis gebracht, jedoch nutzten die Gastgeber diese Gelegenheiten nicht.

Keine ruhige Begegnung für denn 33-Jährigen, aber eine, in der er wenig ausrichten konnte.

Abwehr

Peter Pekarik – Note: 3-

(Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Der Slowake zeigte eine solide Leistung, nicht mehr, nicht weniger.

Tatsächlich war es Pekarik, der im ersten Durchgang die meisten Ballkontakte aller Herthaner hatte. Das zeigt zum einen, dass Herthas Spiel dementsprechend uninspiriert war, zum anderen aber auch, dass der Rechtsverteidiger seinen Startelfeinsatz rechtfertigen wollte. Er probierte sich an ein paar Offensivläufen, allerdings entstand nichts aus ihnen. Nach einer halben Stunde hatte der Slowake zwei Flanken geschlagen, beide kamen nicht an – und es kamen auch keine weiteren mehr dazu.

So viel zu seinem offensiven Auftritt. Defensiv ließ sich Pekarik nichts zu schulden kommen. Er klärte einige Szenen, blockte ein paar Flanken und fing einen Ball ab. Alles solide also. Gegenspieler Barkok bereitete ihm wenig Probleme, sodass Pekarik nicht jedes Werkzeug in seinem Abwehr-Kasten zücken musste.

Keine Fehler, aber auch keine herausragenden Aktionen – Pekarik zeigte ein gewohntes souveränes Spiel, war jedoch nicht allzu herausgefordert.

Karim Rekik – Note: 4+

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Der Niederländer präsentierte sich ungewohnt unsicher und verursachte beinahe eine Frankfurter Führung.

Karim Rekik – der Name steht normalerweise für absolute Zuverlässigkeit. Gegen Frankfurt zeigte der Innenverteidiger wenig davon. Er zeigte im ersten Durchgang einige Unsicherheiten im Zweikampfverhalten und Passspiel. In der 19. Minute spielte der 23-Jährige einen katastrophalen Fehlpass auf Jarstein, den Frankfurts Jovic erlief, auf Gacinovic passte, dieser traf mit seinem Schuss nur die Latte. Riesiges Glück für Rekik also, den die alleinige Schuld bei diesem Gegentreffer getroffen hätte.

In der zweiten Halbzeit stabilisierte sich Rekik und so wackelte Herthas Defensive auch längst nicht mehr so sehr. Bei der Szene in der 84. Minute kam Sebastian Haller selbst ins Straucheln und so kann Rekik kein Vorwurf gemacht werden – einige forderten in der Szene Elfmeter für Frankfurt.

Im zweiten Durchgang zeigte sich Rekik deutlich sicherer, aufgrund der wackeligen ersten Hälfte kann dem Innenverteidiger jedoch keine gute Note vergeben werden.

Jordan Torunarigha – Note: 3+

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Herthas Eigengewächs zeigte sich einmal mehr in reifer Verfassung.

Während zahlreiche Mitspieler durch individuelle Fehler auffielen, spielte Torunarigha seinen Stiefel ganz unaufgeregt runter. Der Innenverteidiger produzierte keinerlei Fehler, stand immer richtig und war im Spielaufbau der tonangebende Spieler. Der 20-Jährige gewann die große Mehrzahl seiner Zweikämpfe, entschied wichtige Duelle als letzter Mann vor Torhüter Jarstein für sich und fing gefährliche Pässe ab. Zwar war er in diesen Momenten nicht so gefordert, wie noch bei seinem letzten Startelfeinsatz gegen den FC Bayern München, dennoch kann man ihn dafür loben.

Torunarigha präsentierte sich souverän und über 90 Minuten konzentriert. Deshalb muss der Hype-Train nicht erneut aus dem Bahnhof starten, es ist eher anzumerken, dass das Berliner Eigengewächs trotz langer Bundesliga-Pause ganz unaufgeregt wirkte.

Marvin Plattenhardt – Note: 4

(Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)

Plattenhardt konnte die Form aus dem Köln-Spiel nicht halten und so war wenig von ihm zu sehen.

Zu Plattenhardts Auftritt lässt sich tatsächlich wenig sagen, dafür gab es einfach zu wenig Szenen. Der Linksverteidiger beteiligte sich kaum am Offensivspiel seiner Mannschaft (drei erfolglose Flanken) und auch defensiv brauchte er sich nicht auszuzeichnen. Er hielt sich in allem ziemlich zurück und brachte nur 77% seiner Pässe zum Mann, normalerweise bewegt er sich hierbei zwischen 85-90%.

Der 26-Jährige klärte ein paar Aktionen, blockte zwei Flanken und das war es eigentlich schon. Eine höchst unauffällige und dadurch enttäuschende Partie von „Platte“.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 4+

(Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger durfte das zweite Mal infolge in der Startelf stehen, fiel am Samstag jedoch nicht allzu sehr auf.

Es hätte eigentlich eine Partie nach Skjelbreds Geschmack sein müssen. Zahlreiche rassige Mittelfeld-Scharmützel, gegnerische Konter abfangen, viele Nickligkeiten. Der defensive Mittelfeldspieler wollte aber nicht wirklich in einen „Flow“ kommen, der ihn solchen Spielen auszeichnet. Normalerweise blüht Skjelbred in solchen Spielen nämlich auf, da er seine Stärken im Stellungsspiel, Zweikampfverhalten und der Laufarbeit zeigen kann. Davon war nur wenig zu sehen.

Gerade einmal 14% seiner Tacklings waren erfolgreich. Dadurch verlor Hertha ein wenig die Kontrolle über das Mittelfeld. Im Aufbauspiel konzentrierte sich „Schelle“ auf die einfachen Dinge wie dem Zurückfallen in die Innenverteidigung und dem Spielen von Querpässen. Seine Qualitäten zeigte er vor allem bei taktischen Fouls, mit denen er die Frankfurter Umschaltaktionen oftmals stoppte. Riesiges Glück hatte Herthas Kapitän in der 75. Minute, als er Frankfurts Jovic bei einer Ecke regelwidrig festhielt, Schiedsrichter Stegemann aber nicht auf Strafstoß entschied.

Es war keine sonderlich schlechte Leistung Skjelbreds, man ist bei dieser Art von Spielen nur einfach besseres von ihm gewohnt.

Vladimir Darida – Note: 3

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Der Tscheche zeigt eine wirklich engagierte Leistung.

Vor allem im ersten Durchgang war Vladimir Darida der einzige Herthaner, der offensiv wirklich etwas bewirken wollte. Der zentrale Mittelfeldspieler war äußerst präsent und probierte sich an einigen Offensivläufen. Dabei waren seine Dribblings sehenswert, so ließ er beispielsweise Marco Russ durch eine einfache Täuschung aussteigen. Es war zu spüren, dass Darida mit dem Angriffsspiel seiner Mannschaft unzufrieden war und so nahm der Tscheche es einfach selbst in die Hand. So lobenswert sein Engagement dabei war, so wenig sprang dabei leider heraus. Am Ende der Partie hatte keine einzige direkte Torschussbeteiligung sammeln können.

Defensiv zeigt sich der 27-Jährige ebenfalls motiviert. Immer wieder ging er in Laufduelle und Zweikämpfe, immer wieder versuchte er zu stören. Er fing zwei Bälle ab, klärte ein paar Szenen und war schlichtweg präsent.

Eine ordentliche Vorstellung Daridas, dem das letzte Glück in seinen Aktionen fehlte.

Ondrej Duda – Note: 4

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Der Slowake konnte seinen Startelfeinsatz nicht rechtfertigen.

Nach 58 Minuten war Dudas Arbeitstag gegen Frankfurt beendet und diese Entscheidung von Pal Dardai war verständlich. Der Spielmacher ließ die Qualitäten vermissen, die ihn eigentlich auszeichnen sollten. Er machte das Spiel nie wirklich schnell, ließ wenig Kreativität und Übersicht sehen und war kein Mehrwert für das Offensivspiel seiner Mannschaft.

In ein paar Situationen konnte der 23-Jährige gute Lösungen finden und z.B. sinnvolle Seitenverlagerungen spielen, viel mehr kam jedoch nicht von ihm. Ohne eine Torschussbeteiligung ging es für ihn nach rund einer Stunde auf die Bank.

Ein grauer Auftritt Dudas, dem man nicht anmerkte, dass er seine Chance in der Startelf nutzen wollte.

Mathew Leckie – Note: 2+

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Leckie ist wieder da! Der Australier konnte seine Torflaute endlich beenden.

Über 1.000 Minuten traf Mathew Leckie nicht mehr ins Tor – diese Bilanz hatte gegen die Eintracht ihr Ende. In der 77. Minute mustergültig von Kalou in Szene gesetzt, lief der Flügelspieler alleine auf Torwart Hradecky zu und legte den Ball cool ins linke Eck. In der 21. Minute hätte er bereits ein Tor schießen können, Selkes Pass war jedoch zu ungenau.

Doch auch darüber hinaus machte der 26-Jährige ein wirklich gutes Spiel. Er wirkte sehr engagiert und war nach Darida der laufstärkste Herthaner an diesem Tag. Er führte zudem sehr viele Zweikämpfe, von denen er sogar die Mehrzahl gewann. Auch seine Quote bei Kopfballduellen war sehr gut. Des Weiteren kamen zwei seiner drei Flanken beim Mitspieler an. Kurzum: Fast alles, was sich Leckie an diesem Tag vornahm klappte auch.

Lobenswert ist auch seine Arbeit nach hinten. Er unterstützte Pekarik tatkräftig, indem er Frankfurts Linksverteidiger Jetro Willems immer wieder begleitete und störte. Leckie klärte drei Aktionen und blockte zwei Flanken. Zu erwähnen ist jedoch Leckies schlimmer Fauxpas aus der neunten Minute, als er Frankfurts Jovic perfekt bediente, dieser die Chance nicht nutzten konnte.

Es war eine echt gelungene Leistung Leckies, gekrönt von seinem fünften Saisontreffer. Auf dieser Vorstellung lässt sich definitiv aufbauen. Er bereitete ja sogar das 3:0 vor, jedoch hätte sein Zweikampf gegen Marco Fabian als Foul gewertet werden müssen.

Valentino Lazaro – Note: 4+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Dem Österreicher wollte gegen Frankfurt nicht allzu viel gelingen.

Es war ein Tag an dem einmal andere Herthaner glänzten und Lazaro hinter seinen Möglichkeiten blieb – das passiert. Der 22-Jährige konnte keine solche Dynamik und Kreativität entwickeln, wie noch bei seinen letzten Auftritten. Es gab ein paar Momente, in denen seine Klasse aufblitzte, es blieb jedoch nur bei Ansätzen. Lazaro war ein keiner Torchance direkt beteiligt.

Dennoch wollte er etwas bewirken und versuchte zumindest durch viel Laufarbeit und Pressing etwas auszurichten. Das gelang ihm durchaus.

Eine unauffällige Partie Lazaros, der keinen wirklich guten Tag erwischt hatte.

Sturm

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Fazit des Spiels: Selke und Hasebe werden keine Freunde mehr.

Die Einzelkritik ist kein Ethik-Handbuch und so wird hier nicht bewertet, ob Selkes gestriges Spiel „unsympathisch“ oder gar „unfair“ war. Fakt ist, dass der Mittelstürmer sich gegen Frankfurt unglaublich aufgerieben und alles für den Sieg getan hat. Dabei ist sicherlich anzumerken, dass sein Verhalten beim Elfmeter äußerst fragwürdig war. Mittlerweile ist bekannt, dass Frankfurts Hasebe ihn deutlich am linken Knie traf, der Elfmeter also regelkonform war – die Schauspieleinlage Selkes hätte aber nicht sein müssen. Der gefoulte Spieler trat in diesem Fall selbst und verwandelte zwar nicht souverän, aber das ist bei einem Elfmeter auch nicht kriegsentscheidend.

Der 23-Jährige war äußerst präsent, jedoch oftmals nicht zielführend. Er beging sechs (!) Offensivfouls und verfing sich in unnötigen Duellen. In der 21. Minute setzte er sich sehr gut durch, sein darauffolgender Pass auf Leckie war jedoch viel zu ungenau gespielt.

Eine sehr hitzige Partie für Herthas Sturmspitze. Selke gab 110% und das waren in einigen Momenten eben zu viel Prozent. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass viel für die Mannschaft gearbeitet hatte und das wichtige 1:0 erzielte.

Einwechslungen

Salomon Kalou – Note: 1-

(Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Es hat in den letzten Jahren wohl selten einen effektiveren Joker-Einsatz bei Hertha BSC gegeben, als den von Kalou gegen Frankfurt.

In der 58. Minute eingewechselt, sollte Salomon Kalou die müden Frankfurter Verteidiger beschäftigen. Dies gelang dem Ivorer mit Bravour. In der 77. Minute lief er die Eintracht-Abwehr samt Ball an und steckte ihn perfekt zum durchstartenden Leckie durch, der das 2:0 erzielte. Noch stärker war seine Vorarbeit zum 3:0. Bei seinem Dribbling schickte er Frankfurts Abraham zurück in die C-Jugend und hatte dann noch die Übersicht für den einlaufenden Alexander Esswein, der den 3:0-Entstand markierte.

Eine großartige Leistung Kalous, der genau wusste, wie er mit der nicht mehr frischen Abwehr Frankfurts umzugehen hatte und ein großer Faktor für den Auswärtssieg Herthas war.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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