Start National 1. Bundesliga Einzelkritik 7. Spieltag: Hertha BSC – FC Bayern München

Einzelkritik 7. Spieltag: Hertha BSC – FC Bayern München

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Auch mit einem Tag Abstand wirkt das 2:2 von Hertha BSC gegen den FC Bayern München etwas surreal. Sicherlich zeigte sich der Rekordmeister nicht von seiner glanzvollsten Seite, jedoch bedurfte es auch einer herausragenden Berliner Leistung, um diesen verdienten Punkt einzufahren. Dementsprechend positiv fällt diese Einzelkritik aus.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3+

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Es wirkt fast absurd, nach einem Spiel gegen Bayern München sagen zu müssen, dass der Torhüter kaum etwas zu tun hatte, aber so war es tatsächlich.

München fabrizierte zwar 16 Schüsse, aber nur fünf davon gerieten auch wirklich auf Jarsteins Tor. Da zwei von ihnen unhaltbare Tore waren, bleiben nur noch drei Abschlüsse, die Herthas Schlussmann parieren konnte. Diese waren jedoch nicht gefährlich (beispielsweise Boatengs Distanzschuss), wodurch Jarstein nur wenig von seinem Können zeigen konnte.

Eine souveräne Darbietung des Norwegers, der bei Bayerns Toren machtlos war, aber deren anderen Schüsse sicher hielt.

 

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 1-

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Herthas Außenverteidiger zeigte gegen Bayern seine bisher stärkste Saisonleistung.

Maßgeblich für die Bewertung eines Außenverteidigers ist und bleibt zunächst die Defensivleistung und in dieser Disziplin überzeugte Weiser auf ganzer Linie. Zusammen mit Flügelpartner Mathew Leckie hatte er die Alaba-Ribery (später Coman)-Seite vollkommen in Griff und ließ nahezu nichts zu. Bayern konnte über Herthas rechte Seite nur eine einzige erfolgreiche Flanke spielen und brach auch mit Dribblings kaum durch. Weisers Tacklings hatten eine hervorragende 71%ige Erfolgsquote, er fing drei Bälle ab und blockte auch einige Zuspiele im gefährlichen Raum. Er wirkte absolut konzentriert und heiß, ohne übermotiviert zu sein. Es gab fast kein Durchkommen für die Münchener.

Auch offensiv war der 23-Jährige von immensem Wert für Hertha. Durch sein Tempo, Spielwitz und Kombinationsfähigkeit bereitete er seinen Gegenspielern große Probleme. Immer wieder überlief er Leckie clever oder gewann ein Dribbling, wodurch er viel Platz für seine Ideen hatte. Insgesamt legte drei von zehn Torchancen auf, eine starke Bilanz für einen Außenverteidiger. Seine Hereingaben in den Rückraum waren stets gefährlich (Daridas Chance in der 15. Minute), zudem leitete er viele Umschaltaktionen durch gute Pässe ein.

Weiser machte in diesem Spiel beinahe alles richtig, er hielt seinen Bereich dicht und sorgte im Angriff für viel Unruhe. Einzig eine direkte Torvorlage fehlte ihm für einen perfekten Auftritt. Herthas rechte Seite hat Bayerns linken eindeutig den Schneid abgekauft und das ist bei den Namen Alaba, Ribery und Coman ein riesiges Lob.

 

Niklas Stark – Note: 2-

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Das Spiel des Innenverteidigers hatte Licht und Schatten.

Starks Leistung lässt sich durchaus an expliziten Szenen beschreiben. Beim 1:0 Münchens teilte er sich seinen Fehler mit Innenverteidigerkollege Karim Rekik, denn beide ließen Mats Hummels komplett aus den Augen, sodass er ungestört zur bayerischen Führung einköpfen konnte. Danach zeigte Stark eine wirklich gute Partie, war hoch konzentriert und klärte zahlreiche Aktionen. So auch in der 34. Minute, als er Lewandowskis Schuss, der Jarstein bereits überlaufen hatte, auf der Linie rettete und somit einen frühen 2:0-Rückstand verhinderte. Endlich war der 22-Jährige richtig auf dem Platz und zeigte seine Qualitäten im direkten Zweikampf und Stellungsspiel.

Nach 49 Minuten waren wieder alle Augen auf Stark gerichtet, der im Kopfballduelle mit Robert Lewandowski den kürzeren zog und der Pole daraufhin zum 2:0 einschieben konnte. Viele Zuschauer sprachen von einem Fehler Starks, jedoch zeigen die Wiederholungen, dass er einfach nur unglücklich aussah. Bayerns Mittelstürmer setzt sich in Weltklasse-Manier durch und hat danach einen sehr kurzen Weg zum Berliner Tor. Das Problem lag nicht bei Herthas Defensivkraft, sondern dass seine Mannschaftskameraden keinerlei Druck auf die Ballführenden entwickelten und sie ihren Angriff seelenruhig aufbauen konnten. Danach ist es nur noch Lewandowskis Klasse, für die man Stark keinen Vorwurf machen darf. In den restlichen 40 Minuten zeigte er wieder eine sehr gute Leistung und ließ kaum gefährliche Vorstöße zu.

Ja, Niklas Stark hatte einen wirklichen Fehler im Spiel, jedoch suchen die meisten den falschen. Darüber hinaus kann man mit dem Langkamp-Ersatz vollkommen zufrieden sein.

 

Karim Rekik – Note: 2

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Holländer schien die Pause gegen Östersund sichtlich gebraucht zu haben, gegen Bayern zeigte er nämlich wieder eine wirklich gute Leistung.

Zunächst die Einschätzung zu seinem wohl einzigen Fehler in diesem Spiel: Auch Karim Rekik sah beim ersten Treffer des Tages nicht gut aus, er hätte viel konsequenter an Hummels dranbleiben müssen, für den er beim vorherigen Freistoß zugeteilt war. Anstatt an ihm dranzubleiben, deckte er einen komplett Bayern-losen Raum, dieses Stellungsspiel wird er Dardai erklären müssen.

Ansonsten zeigte der 22-Jährige eine brutal starke Vorstellung. Er gewann 73% seiner Zweikämpfe, fing zwei Bälle ab und klärte sieben Situationen. Er stoppte Müller und co. mit einer sehr gesunden Härte und raubte ihm mit jedem Zweikampf etwas mehr Spielfreude. Es kann keinen großen Spaß machen, immer wieder gegen solch einen Felsen zu prallen, der auch noch ein sehr gutes Stellungsspiel bewies und daher immer da war. Interessanterweise war er auch im Offensivspiel wichtig, denn er legte zwei Chancen auf, wovon eine das 2:2 von Salomon Kalou. Sicherlich war diese Szene nicht die Absicht von Rekik, seine Durchsetzungskraft ist dennoch beeindruckend.

Eine beeindrucke Leistung Rekiks, der keinerlei Respekt vor dem Gegner zeigte und seinen Raum wirklich sauber hielt.

 

Marvin Plattenhardt – Note: 2-

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Es ist die Woche des Marvin Plattenhardts: Erst die Nominierung für die Nationalmannschaft, dann die Vertragsverlängerung und nun eine gute Leistung gegen Bayern München.

Auch über Plattenhardts Seite konnte Bayern nicht allzu viel kreieren, nur eine ihrer Flanken aus dem Spiel fand einen Abnehmer, einige konnten nur aus dem Halbfeld gespielt werden. Das lag an Plattenhardts sehr konzentrierter Abwehrleistung, gepaart mit Haraguchis Arbeit nach hinten. Herthas Linksverteidiger gewann überragende 80% seiner Zweikämpfe, blockte zwei Hereingaben und klärte sechs (!) Situationen. Er rieb sich gegen Bayerns rechten Flügel komplett auf und gab alles dafür, dass Thomas Müller nicht in den Herthaner Strafraum ziehen darf (wo bekanntlich seine größte Stärke liegt). Das machte er wirklich gut, leider büßte er dadurch einiges an Offensivbemühungen ein.

Und dennoch sollte er wichtig für Herthas Aufholjagd werden. Zwar kam keine seiner drei Flanken aus dem Spiel an, jedoch schlug er in der 56. Minute einen Standard, den Karim Rekik auf Salomon Kalou weiterleitete, der den Ball zum Ausgleich einschob. So war der 25-Jährige doch noch maßgeblich an dem Punktgewinn beteiligt.

Eine defensiv mehr als solide Leistung, gepaart mit dem wichtigen Freistoß ergibt eine gute Vorstellung von „Platte“.

 

Mittelfeld

Vladimir Darida – Note: 2

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Gemeinsam mit Per Skjelbred bildete Darida eine großartige Mittelfeldzentrale.

Die Basis für das Berliner Offensivspiel waren die Ballgewinne in der eigenen Hälfte, diese Bälle mussten aber auch nach vorne getragen werden und darin war Vladimir absolut überragend. Er verlor im Spiel nach vorne kaum bis gar keine Bälle und durch diese Ruhe konnte Hertha zahlreiche Angriffe aufbauen. Kein Herthaner machte so viele Bälle wie der Tscheche (7) fest. Darida war stets anspielbar und fiel sowohl gegen, als auch mit dem Ball durch sehr gutes Stellungsspiel auf.

Auch im Kombinationsspiel überzeugte Darida durch ein starkes Passspiel (73% in der gegnerischen Hälfte) und eine hohe Lauffreudigkeit. Er lief immer wieder in den Rückraum ein, um von außen bedient zu werden. Bei seiner ersten Chance steht er sehr gut, wird von Weiser angespielt, doch sein gutes Dribbling in den Strafraum belohnt er nicht. Bei der nächsten Szene hätte es einen Elfmeter geben müssen, der 27-Jährige wurde klar von Javi Martinez gefoult, jedoch entschied sich das Schiedsrichtergespann dagegen. Seinen gefährlichsten Schuss hatte er in 32. Minute, diesen parierte Sven Ullreich aber sehr stark. Insgesamt schloss er dreimal ab, ein Tor konnte er leider nicht erzielen.

Nach 80 Minuten wurde er zwecks der Ergebnisssicherung für Fabian Lustenberger ausgewechselt, bis dahin zeigte er ein richtig gutes Spiel. Er strahle Präsenz und Willen aus, leider war in seiner Chancennutzung nicht konsequent genug.

 

Per Skjelbred – Note: 2+

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Norweger hatte nicht nur die Kapitänsbinde am Arm, er spielte auch wie ein wahrer Führungsspieler.

Skjelbred war der defensivste der drei zentralen Mittelfeldspieler Herthas, hatte also die Aufgabe wie ein Staubsauger vor dem eigenen 16er aufzuräumen und immer dort zu sein, wo Bayern durchbrechen wollte. Diese Rolle wusste er exzellent auszufüllen, er unterstützte seine Viererkette wo es nur ging. Er lief zahllose Räume zu und scheute keinen Zweikampf.

Seine 12,5 gelaufenen Kilometer zeigen auf, welch riesigen Aufwand der 30-Jährige betrieb, um so unangenehm wie möglich für Bayern München zu sein. Auffällig war auch, wie sauber er die gewonnen Bälle verarbeitete. Er trotzte Bayerns Gegenpressing und spielte den Ball sicher auf die Außen oder Darida/Duda weiter. In der gegnerischen Hälfte hatte er eine sehr gute Passquote von 81%.

Skjelbred war der Chef auf dem Platz, das strahlte er über 90 Minuten aus. Er stoppte einige bayerische Offensivaktionen und wusste anschließend auch, wie er den Ball weiterzuleiten hatte. Dadurch konnte Hertha eine gewisse Kontrolle im Mittelfeld erlangen, die für ein Spiel gegen Bayern unerlässlich ist.

 

Ondrej Duda – Note: 2-

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Slowake hatte gegen den Rekordmeister sichtlich Probleme, sein Spiel aufzuziehen, ließ sich aber nie hängen.

Nur 29 Ballkontakte hatte Duda bis zu seiner Auswechslung gesammelt, es viel im schwer, sich im Mittelfeld kreativ ausleben zu können. Immer wieder lief er in die falschen Räume oder passte ins Nichts. Zudem sah in der meisten direkten Zweikämpfen kaum Licht, gegen Martinez und Tolisso konnte er sich wirklich durchsetzen. Es gab ein paar gute Momente, wenn er das Spiel schnell und breit machte, das war aber nicht allzu oft der Fall.

Der 22-Jährige bereitete keine einzige Chance vor, verlor 75% seiner Zweikämpfe und dennoch kann man von einem erfolgreichen Spiel reden. Zum einen, weil er in der 51. Minute sein erstes Tor für Hertha und den wichtigen Anschlusstreffer erzielte, zum anderen aber auch wegen der Erkenntnis, dass er sich trotz des unglücklichen Auftritts nicht aufgab. Er lief in 75 Minuten sehr beachtliche 10,4 Kilometer und versuchte zumindest kämpferisch zu 100% da zu sein.

Duda hat einen wirklich schlechten Stand in dieser Partie, belohnte seine Mentalität aber mit einem Treffer.

 

Mathew Leckie – Note: 2-

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Australier strahlte zwar nicht seine gewohnte Torgefahr aus, konnte aber mit anderen Stärken glänzen.

Heraus stach vor allem seine Defensivarbeit, denn wie gewohnt engagierte sich Leckie unfassbar in der eigenen Hälfte. Sobald David Alaba nach vorne stieß, zog Leckie mit und ließ ihm oder Franck Ribery möglichst wenig Platz. Immer wieder gewann der 26-Jährige Duelle oder fing Bälle ab, wodurch er Mitchell Weiser effektiv weiterhalf. In einem Spiel gegen Bayern kommt es sehr auf die eigene Kompaktheit an, diese gewährleistete Leckie gewissenhaft.

Auch im Offensivspiel war er nicht untätig, er stellte Alaba zusammen mit Weiser durch ein starkes Kombinationsspiel und gute Laufwege vor größere Probleme. Er bereitete zwei Chancen vor (für ihn ein wirklich guter Wert), wovon eine Darida eventuell hätte nutzen können, hätte ihn nicht Martinez regelwidrig vom Ball getrennt.

Insgesamt lief Leckie beinahe 12 Kilometer, was unterstreicht, dass er defensiv wie offensiv präsent war. Der Flügelflitzer kam zwar selbst in keine Abschlusssituationen, arbeitete aber extrem viel für sein Team und war so von großem Wert.

 

Genki Haraguchi – Note: 2+

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Japaner nutzte seine überraschende Startelfnominierung auf ganzer Linie.

Haraguchi füllte seine 87 Einsatzminuten mit viel Kampf, Einsatzwillen, aber auch einem genialen Sololauf durch Münchens Strafraum, bei dem er sechs Gegenspieler stehen ließ und danach noch das Auge für den freistehenden Ondrej Duda hatte, der nur noch einschieben musste.

Auch darüber hinaus war der 26-Jährige sehr wertvoll für seine Mannschaft. Er arbeitete unfassbar viel mit nach hinten und unterstützte Herthas Abwehr, wo er nur konnte. Er nahm jeden Zweikampf an, den er fand und gewann überragende 73% davon (nur Plattenhardt war besser). Zudem beteiligte er sich viel am Berliner Pressing, um Bayerns Aufbauspiel bereits frühzeitig zu stören. In der 51. Minute belohnte er seine engagierte Leistung mit seiner grandiosen Vorlage für Torschütze Duda.

Kurz vor Schluss musste Haraguchi völlig entkräftet ausgewechselt werden, er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Zwar lief er keine 12 Kilometer wie Mittelfeldmotor Per Skjelbred, aber immerhin 10,5, die nach so einer langen Zeit ohne Startelfeinsatz mit Sicherheit massiv an den Muskeln zerren. Die vielen Zweikämpfe, Richtungs- und Tempowechsel werden ihr übriges getan haben, um ihn stehend K.O. vom Feld nehmen zu müssen.

 

Sturm

Salomon Kalou – Note: 1-

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Ivorer ersetzte den rot-gesperrten Vedad Ibisevic im Mittelsturm und machte seine Sache sehr gut.

Kalou interpretierte seine Position sehr spielerisch, anstatt starr im Strafraum auf Zuspiele zu warten, bot er sich immer wieder an und wich auf die Flügel aus. Er strahlte eine große Präsenz aus, was sicherlich auch seinen fast 11 gelaufenen Kilometern lag. Obwohl er „nur“ der Mittelstürmer war, hatte er am Ende so viele Ballkontakte wie Duda oder Haraguchi, auch das unterstreicht seine hohe Aktivität.

Doch er war nicht nur äußerst agil, sondern auch stets mit Blick auf das Tor gerichtet. Kalou zeigte keinerlei Respekt vor Boateng und Hummels und schöpfte sichtlich aus seiner großen Erfahrung. So traute er sich immer wieder ins Dribbling zu gehen, wie in der 32. Minute, als er sich bis vor den Fünfmeterraum tankte, zu Fall gebracht und Darida letztendlich schoss (Alabas Einsteigen gegen ihn ist Elfmeter-würdig). In der 56. Minute belohnt sich der 32-Jährige für seinen starken Auftritt, in dem er nach Plattenhardts Freistoß und Rekiks Vorarbeit Sven Ullreich eiskalt zum 2:2 tunnelte.

Salomon Kalou präsentierte sich in Bestform und füllte die Rolle als Mittelstürmer bravourös aus, weil er nicht nur traf, sondern auch viel für das Spiel seiner Mannschaft tat.

 

Wie bewertet ihr die Spielerleistungen gegen gegen Bayern? Wer hat euch besonders gut gefallen?

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