Start Europa League Fluch und Segen der Europa-League – Herthas Rolle im internationalen Geschäft

Fluch und Segen der Europa-League – Herthas Rolle im internationalen Geschäft

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Besonders nach den desolaten Resultaten in der Champions- sowie Europa-League kam viel Kritik an der Einstellung der Bundesliga-Klubs auf europäischer Ebene auf. Auch diese Woche bekleckerte sich der deutsche Fußball nicht mit Ruhm. Es lohnt sich ein Blick auf die gänzliche Rolle der Europa-League zu werfen und welche Figur unsere Hertha auf dem internationalen Parkett einnimmt.

Aufwand vs. Nutzen

Die Plätze fünf und sechs sind jedes Jahr ein begehrtes Ziel vieler Bundesliga-Vereine. Das Ticket zum internationalen Geschäft lässt vielen Managern Dollarzeichen in die Augen zaubern und Fans dürfen sich auf ereignisreiche Reisen quer durch Europa freuen, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Herthas Fans reisen quer durch Europa. ((Photo by ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Doch ist es wirklich ein Segen in der Europa-League zu spielen? Im Vergleich zur Champions-League sind die finanziellen Einnahmen wortwörtlich mickrig. Neben einer Startprämie von 2,6 Mio. Euro streicht jeder Klub pro Sieg 360 000 Euro ein. Ein Remis bringt 120 000 Euro. In der Königsklasse hingegen kassiert man ohne ein Spiel absolviert zu haben 12,7 Mio. Euro. Die mögliche Höchstsumme bei maximalen Siegen und Titelgewinn in der Europa-League kann dementsprechend 15,71 Mio. Euro betragen, dabei sind die Gelder aus dem Vermarktungspool jedoch nicht eingerechnet (Quelle: uefa.com). Schaut man sich die heutigen Transfersummen und die dazugehörigen Gehälter für Spieler und Berater an, kann man das Erreichen von Platz sechs am Ende der Saison nicht mehr als lukrativ bezeichnen.

Viele Englische Wochen

Lässt man das Finanzielle außen vor, sollte man die körperlichen Belastungen für die Spieler in den englischen Wochen nicht unterschätzen. Die Verletzungen häufen sich und muskuläre Überlastungen führen schnell zu mehrwöchigen Ausfällen. Trotz professioneller medizinischer Betreuung und austrainierten Fußballern hat jede Mannschaft damit zu kämpfen, beinahe in jedem Spiel die Formation wechseln zu müssen, um den schmalen Grad von Belastung und Erholung zu meistern. Dazu kommt, dass aufgrund der kurzen Pausen zwischen den Spielen nur wenig trainiert werden kann. Eingespielte Angriffe und Automatismen leiden sichtlich unter der Doppelbelastung, dementsprechend wirkt sich das auf die Resultate in den jeweiligen Wettbewerben aus.

Trainer Dardai ist unzufrieden. (Photo by SERGEI SUPINSKY/AFP/Getty Images)

Unsere Hertha bekommt das derzeit am eigenen Leib zu spüren. Selbst ein gefühlt ausgewogener Kader kann den vielen englischen Wochen nicht trotzen. Jüngst stellt sich Trainer Dardai die Frage: „Sind wir reif für Europa?“. Es gilt, sich nicht in einen schwer zu entkommenden Abwärtstrend hineinziehen zu lassen.

Erfahrung sammeln und Fazit ziehen

Viele Spiele bringen jedoch auch Erfahrung und vor allem auf dem internationalen Parkett gegen Mannschaften mit zum Teil ungewöhnlichen fußballerischen Stilen, werden sich unsere jungen Wilden weiterentwickeln können. Aber nicht nur die Spieler, sondern auch das Trainerteam wird an den Aufgaben wachsen. Die Trainingssteuerung und die vielen Reisen stellen eine große Herausforderung dar, wo man nach derzeit anstehenden englischen Wochen ein erstes größeres Fazit ziehen sollte, ob man in der Rückrunde einige Schrauben anders stellen muss.

Berlin im Rampenlicht
Viele junge Spieler im Team. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Auch wenn es dieses Jahr im internationalen Geschäft für Hertha nicht zum großen Coup reichen sollte, für die gesamte Vermarktung des Vereins und für die Imagebildung ist die Europa-League für ganz Berlin von immenser Bedeutung. Nur mit dem Ausblick, ein ständiger Vertreter auf dem europäischen Parkett zu sein, wird man Sponsoren gewinnen und wichtige Spieler halten können. U-21-Nationalspieler wie Stark, Weiser oder Selke haben klare Zielbilder in ihren Köpfen. Mittelfristig will jeder Titel gewinnen. Ein erster Schritt ist getan, dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Brötchen in der Bundesliga gebacken werden.

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