Start National 1. Bundesliga Hertha BSC – Eintracht Frankfurt: Das letzte Nichtabstiegsduell

Hertha BSC – Eintracht Frankfurt: Das letzte Nichtabstiegsduell

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(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Am Sonntag treffen mit Hertha BSC und Eintracht Frankfurt zwei Mannschaften aufeinander, die sich vorzeitig vom Abstiegskampf verabschieden wollen. Es wird ein Duell mit großer Berliner Beteiligung.

Ein großes Wiedersehen

Mit der Eintracht aus Frankfurt, könnte man meinen, kommt ein normales Bundesligateam ins Berliner Olympiastadion. Tatsächlich wird das Spiel gegen die Hessen aber ein besonderes sein, denn es fließt viel blau-weißes Blut in den Adern der Adler. Die Mannschaft wird trainiert von Niko Kovac und geführt von Kevin-Prince Boateng. Zwei Ur-Berliner, die im Wedding geboren wurden und ihre fußballerischen Anfänge bei Hertha BSC verzeichnen. Kovac spielte insgesamt acht Jahre und 223 Profi-Spiele für die „alte Dame“, bei dem „Prinzen“ sind es zwölf Jahre und 71 Partien im blau-weißen Trikot.

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Nun kehren beide nach Berlin zurück. Zugegeben, es ist für beide nicht das erste Mal, jedoch ist es eine Premiere, dass Kovac und Boateng für dasselbe Team gegen ihren Ex-Verein antreten. Es ist für sie jedoch kein fremdes Gefühl, gegen Pal Dardai anzutreten, schließlich waren alle drei einst Herthaner Mannschaftskameraden und stritten sich um dieselbe Position (auch wenn Boateng meist offensiver eingesetzt wurde) im defensiven Mittelfeld. Besonders zwischen Pal Dardai und Niko Kovac scheint es ein ewiges Duell zu geben. Drei Jahre, von 2003 bis 2006, konkurrierten sie um Spielzeit, gefolgt vom nun kommenden dritten Duell als Trainerkollegen.

Kovac geht den Dardai-Weg

Dass es dazu kommen kann, verdankt Frankfurt der sehr guten Arbeit von Kovac. Der Kroate übernahm die dem Abstieg entgegentaumelnden Hessen im März 2016 und hielt sie in der Liga. Zwar mit keinem schönen Fußball, aber für den Klassenerhalt erhält man liebend gerne Abzüge in der B-Note. Anders war es bei Dardais Amtsantritt im Februar 2015 auch nicht, der Hertha nur „irgendwie“ über dem Strich hielt. Wie heißt es so schön? Nachher fragt auch keiner mehr. Die ersten Schritte als Bundesliga-Trainer der beiden weisen noch eine weitere Parallele auf: Sowohl Dardai, als auch Kovac trainierten vor ihren jetzigen Stationen ihre Nationalmannschaften (Ungarn und Kroatien).

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Danach erfolgte die Etablierung in der Bundesliga und auch in dieser Disziplin nehmen sich Dardai und Kovac nur wenig. Während es für Hertha in der ersten vollständigen Saison unter dem Ungar zu einem überraschenden siebten Platz reichte, bauten die Adler unter Kovacs Führung ihr Nest auf dem elften Rang. Zwar konnte sich Frankfurt nicht wie Hertha (kurzzeitig) für Europa qualifizieren, sie schwebten aber fast ebenso lange über diesen Plätzen, mussten zahlreichen Verletzungen und Sperren in der Rückrunde aber letztendlich Tribut zollen.

Frankfurts bisherige Saison

Der zurückliegende Sommer Frankfurts war ebenso von einem halben Mannschaftswechsel geprägt, wie der letzte. Während 2016/17 insgesamt 16 Spieler gingen und zwölf kamen, waren es in der laufenden Spielzeit acht Abgänge und ebenso zwölf neue Gesichter. Niko Kovac schaffte es aber einmal mehr, äußerst zügig ein echtes Team aus dem zusammengewürfelten Haufen zu formen. Die neuen Innenverteidiger Simon Falette (25) und Carlos Salcedo (24) bilden zusammen mit wahlweise David Abraham oder Makoto Hasebe die gewohnte Frankfurter Dreierkette. Auf der linken Außenbahn hat sich Neuzugang Jetro Willems (23) sofort etabliert und den zu Schalke abgewanderten Bastian Oczipka vergessen gemacht. Die neuen Mittelfeldmotoren Gelson Fernandes (31) und Jonathan de Guzman (30) waren ebenso von Anfang an gesetzt, ehe sie jeweils Verletzungen ausbremsten. Rekordtransfer Sebastien Haller (sieben Millionen Euro) brauchte die ersten vier Spieltage als Anlauf, trifft seitdem aber wie am Fließband, in 13 Pflichtspielen bereits achtmal, dazu legte er schon vier Treffer auf. Der bereits erwähnte Kevin-Prince Boateng verkörpert den Chef der frisch zusammengestellten Truppe, er zieht die Fäden in der Mittelfeldzentrale und wird für seine Führungsqualitäten von allen Seiten gelobt.

Dass sich der Erfolg so schnell eingestellt hat, liegt vor allem an das taktischen Korsett, das Niko Kovac seiner Mannschaft überstülpt.

Der 46-Jährige lässt in einem 3-1-4-2-System spielen, in dem mit einer Dreier- und situativen Fünferkette agiert wird. Zusammen mit einem echten „Sechser“ (Boateng) und zwei zentralen Mittelfeldspielern davor, die sich ebenfalls nach hinten fallen lassen können, entsteht ein echtes Abwehrbollwerk, dass kaum Räume anbietet und gerne auch mal Manndeckung anwendet. Dazu kommt eine hohe Laufbereitschaft und aggressive Zweikampfführung, was den Gegner mit der Zeit zermürben soll. Das Konzept Frankfurts hat Erfolg, mit erst 13 Gegentoren in der laufenden Saison stellt der Tabellenneunte die drittbeste Defensive der Liga.

Das zweite Erfolgsgeheimnis ist das Zusammenspiel von Frankfurts Stürmern Ante Rebic und Sebastien Haller. 14 Tore schossen die Frankfurter im laufenden Wettbewerb, neun steuern die beiden Offensivspieler bei, die sie sich teilweise auch gegenseitig auflegen (wie gegen Hannover 96). „Sie stehen sehr kompakt und warten auf ihre Konter“, analysierte Pal Dardai das Frankfurter Spiel auf der PK am Freitag.

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Daraus resultiert aber auch Frankfurts große Schwäche. Die Mannschaft ist abgesehen von ihren beiden Angreifern überhaupt nicht torgefährlich. Die anderen Treffer erzielten Boateng (zwei), Marius Wolf und Luka Jovic, dazu noch ein Eigentor vom Mainzer Stefan Bell. Der Grund dafür liegt in der mangelhaften Spielgestaltung der Hessen. Sie haben den durchschnittlich drittwenigsten Ballbesitz (45,1%) aller Bundesliga-Teams, nutzen aber auch ihre Chancen kaum. Nur 12,3% ihrer Schüsse landen im Tor – im Vergleich: Hertha BSC nutzt 20,7% seiner Chancen und ist damit nach Borussia Dortmund das zweiteffizienteste Team der Liga. Frankfurt tut sich wirklich schwer, hochwertige Gelegenheiten herauszuspielen, weshalb auch oft Torschüsse aus der zweiten oder dritten Reihe probiert werden, Platz 13 belegt Frankfurt in der Torchance-Statistik. Wenn aus dem Spiel heraus nicht funktioniert, sollte man meinen, dass ein Team wenigstens seine Standardsituationen nutzt, doch die Eintracht erzielte in der aktuellen Saison erst einen einzigen Treffer nach einer Ecke.

Was Hertha hingegen Sorgen machen sollte, ist Frankfurts Auswärtsstärke. 12 seiner 19 Punkte holte Kovacs Mannschaft in der Fremde, wohl auch, weil man in diesen Spielen dem Gegner das Spielmachen überlassen und sich auf seine starke Defensive verlassen kann.

Hertha: Endspurt in der Hinrunde

Und damit kommen wir auch zur „alten Dame“. Die Mannschaft von Pal Dardai konnte das Aus in der Europa League anscheinend gut verarbeiten und gewann im darauffolgenden Ligaspiel mit 2:0 gegen den 1. FC Köln. Die Blau-Weißen gewannen das erste Mal seit einem halben Jahr wieder auswärts und hielten erstmals seit dem Saisonauftakt gegen den VfB Stuttgart (2:0) die null. Nun, diese Fakten könnten den gemeinen Hertha-Anhänger zufriedenstellen, wären sie nicht gegen den fast wehrlosen Effzeh zustande gekommen. ES brauchte gegen neben sich stehenden Kölnern wahrlich keine Meisterleistung, um den Dreier einzufahren.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Nichts desto trotz war der Sieg ungemein wichtig für das Team, das ein Tief nach der enttäuschenden Niederlage in Bilbao damit umgehen konnte und selbstbewusst in den winterlichen Endspurt starten kann. Gegen die Frankfurter Eintracht soll der zweite Sieg in Folge geholt werden, um sich mit dann 20 Punkten endgültig vom heißen Abstiegskampf absetzen zu können. „Es wäre sehr wichtig, jetzt nachzulegen und nach dem Spiel 20 Punkte auf dem Konto zu haben“, sagte auch Marvin Plattenhardt sportbuzzer.de. Mit einem Heimdreier könnte man sogar zu den internationalen Plätzen aufschließen, Mannschaften wie Frankfurt, Augsburg oder Hannover überholen, gegen die beiden letzteren müssen die Berliner vor der Winterpause noch spielen.

Doch nicht nur punktetechnisch wäre ein Sieg am Sonntag wichtig, auch das Selbstverständnis der Spieler würde davon außerordentlich profitieren. Der Erfolg in Köln war vielleicht nicht spektakulär, aber im alten Stile der Mannschaft. Defensiv sicher, offensiv abgezockt – kann man das gegen Frankfurt bestätigen, könnte alles wieder zum alten werden und die Mannschaft in einen guten Rhythmus geraten. Mut macht, dass Frankfurt seit 2009 nicht mehr in Berlin gewonnen hat, zuletzt gab es zwei souveräne 2:0-Siege. Kovac konnte als Frankfurter Trainer noch nie gegen Hertha gewinnen.

Sowohl Hertha, als auch Frankfurt sehen die Begegnung als eine sehr wichtige an, eine wegweisende sogar. Für beide gilt: Gewinnst du, bist du aus dem Gröbsten raus und findest dich gefestigt zwischen oberer Tabellenhälfte- und Mittelfeld wieder.

Es soll für beide das letzte Nichtabstiegsduell der Saison sein.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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