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Gastbeitrag: Hertha BSC – Schalke 04

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Am Samstagnachmittag trifft Hertha BSC auf Schalke 04. Betrachtet man die letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams im Olympiastadion, könnte man von einem Duell mit dem Lieblingsgegner sprechen. Um zu wissen, was uns gegen S04 erwartet, haben wir Maximilian Schuhmacher von torhagelblau.de nach einem Gastbeitrag gefragt. Viel Spaß beim Lesen!

Am Wochenende ist Gelsenkirchen ist zu Gast, liebe Berliner! Dass dem Spiel seitens Hertha immer mehr Bedeutung zugestanden wird als im Westen, ist ein alter Hut. Dass die Punkte meist eher zu Hause bleiben, ebenso. 42 Heimsiege und 11 Unentschieden in 66 Begegnungen beider Teams in der 1. Bundesliga sind ein klarer Beleg für die jeweilige Heimstärke.

Daran hat sich unter Dardai und Tedesco auch nicht viel geändert, eher im Gegenteil: während sich Schalke nur gegen die Bayern im heimischen Stadion geschlagen geben musste, konnte man auswärts nur mit freundlicher Unterstützung des Bremers Veljković ein Spiel für sich entscheiden. Hertha fällt das Fußballspielen zu Hause ebenfalls deutlich leichter, zuletzt wiederholte man das fast historische Kunststück Wolfsburgs, einen 0:2 Rückstand gegen die Bayern zu egalisieren. Auf fremden Platz hingegen reichte es bisher nur zu einem Tor und einem Punkt (immerhin, gegen den Tabellendritten Hoffenheim).

Während die Statistikabteilung also schon Kombiwetten auf Heimsieg und Einsatz des Videoschiedsrichters wegen eines vermeintlichen Handspiels abschließt, sieht der rein sportliche Ausblick etwas anders aus.

Wie Schalke spielt

Unter Tedesco lernte die Schalker Mannschaft neben einer neuen Formation vor allem ein taktisches Mittel: Pressing. Während Gegner mittlerweile höher und aggressiver angelaufen werden als früher, haben die Spieler auch gelernt wie sie sich selbst in Situationen in denen sie gepresst werden verhalten sollten. Neben den individuell – fast schon traditionell – sehr guten Innenverteidigern schafft es die Mannschaft im Gesamten den Ball besser vom eigenen Strafraum fern zu halten. 9 Gegentore in 7 Bundesligaspielen mögen zwar eine andere Sprache sprechen, allerdings schafften es nur Bayern und Hoffenheim mehr als ein Tor gegen Schalke zu erzielen.

Leider sieht es nach vorn weiterhin etwas mau aus, wenn auch etwas strukturierter als in den letzten Jahren. Wird nicht gerade der lange Ball auf den zentralen Stürmer gesucht, wird über die Außen kombiniert. Ein recht einfacher, klarer Plan gibt dem eigenen Team zwar Sicherheit, lässt sich aber auch mit den richtigen Mitteln relativ einfach vom Gegner vereiteln.

Schalkes Trumpfkarte sind die Konter. Spieler wie Konoplyanka, Embolo und Harit laufen auch mit Ball den meisten Gegenspielern davon, letzterer dreht dabei auch noch mindestens 4 Pirouetten um 3 Verteidiger. Ist das Kontern nicht möglich, ist Plan B das schnelle Kombinieren der kreativen Spieler in den Halbräumen. Was Goretzka mit etwas Platz anstellen kann, hat er zuletzt häufig genug in der Nationalmannschaft gezeigt, aber auch Bentaleb, Meyer und Harit sind immer für eine Überraschung gut.

Wie Hertha gewinnen kann

Dardais Plan sollte es also sein zunächst die Schalker aus dem eigenen Abwehrdrittel fern zu halten und sich nicht auskontern zu lassen. Gelingt das über weite Teile des Spiels, ist ein Punktgewinn schon ziemlich sicher, denn Schalke reichen nicht ein paar wenige Torchancen für eigene Treffer. Burgstaller, der 26-fache Torschütze der letzten Saison in Liga 1 und 2, findet in dieser Saison noch nicht so selbstverständlich das Tor, und Embolo, der sich lange nicht sicher sein konnte überhaupt jemals wieder für Schalke spielen zu können, ist noch lange nicht wieder bei 100 Prozent nach einem Jahr Pause vom professionellen Fußball. Auf wen es allerdings aufzupassen gilt ist Amine Harit. Er ist schnell, hat eine gute Übersicht, wird allerdings auch aufgrund seiner Wendigkeit überdurchschnittlich oft gefoult. Für Freistöße stehen dann nominell Goretzka, Konoplyanka oder Naldo bereit, denen man allen ohne weiteres ein direktes Freistoßtor zutrauen kann.

Für Herthas Offensive gilt dann: nicht zu viel riskieren, und über die Außen in den Strafraum kommen. In der Schalker 5-2-3 (3-4-3) Formation sind die Außenverteidiger (Caliguiri rechts sowie Oczipka links) zum größten Teil allein für die Außenbahn zuständig. Rücken diese etwas auf, bietet sich dahinter sehr viel Platz. Gerade schnelle Spieler wie Leckie oder Esswein können diesen nutzen um die Schalker Verteidigung vor enorme Probleme zu stellen.

Prognose:

Die taktischen Vorzeichen stehen auf ein für den neutralen Zuschauer eher langweiliges Spiel, mit wenig Torchancen, da Hertha vermutlich Konter unterbinden wollen wird und Schalke zunächst geduldig darauf warten kann dass sich doch mal die Chance dazu bietet. Auch im späteren Spielverlauf denke ich nicht, dass ein Team bei einem Unentschieden zu viel Risiko eingehen würde. Wenn jedoch ein Team in Führung geht, könnte es spannend werden. Während ich beiden Teams grundsätzlich zutraue einen Rückstand aufzuholen, halte ich Schalke für besser in der Lage eine Führung zu verteidigen, beziehungsweise sogar in der Schlussphase, sollte Berlin anrennen, über einen Konter auszubauen.

Hertha ist zu Hause stark und tritt selbstbewusst auf, Schalke findet auswärts nicht gut in sein Spiel und wird Fehler machen. Dass Hertha diese ausnutzen wird, daran besteht für mich eigentlich kein Zweifel. Deswegen wird es in der 67. Begegnung zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04 in der Bundesliga wenig überraschend keinen Auswärtssieg geben, sondern ein 1:1 Unentschieden.

Als Dank für Max‘ Gastbeitrag haben auch wir eine Einschätzung zum Spiel auf torhagelblau.de abgegeben. Lest unseren Beitrag hier.

 

Quelle Titelbild: (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

 

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Alexander ist Redakteur und 21 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

2 KOMMENTARE

  1. „Auf wen es allerdings aufzupassen gilt ist Amine Harit. Er ist schnell, hat eine gute Übersicht, wird allerdings auch aufgrund seiner Wendigkeit überdurchschnittlich oft gefoult. “

    „Für Freistöße stehen dann nominell Goretzka, Konoplyanka oder Naldo bereit, denen man allen ohne weiteres ein direktes Freistoßtor zutrauen kann.“

    „…halte ich Schalke für besser in der Lage eine Führung zu verteidigen, beziehungsweise sogar in der Schlussphase, sollte Berlin anrennen, über einen Konter auszubauen.“

    Klingt zusammengenommen schon eher wie eine Zusammenfassung und nicht wie Prognose!

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