Start National 1. Bundesliga Hertha BSC – VfL Wolfsburg: Hauptsache punkten

Hertha BSC – VfL Wolfsburg: Hauptsache punkten

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Es geht also doch noch. Nachdem Hertha vier Spiele lang torlos geblieben war und in der gesamten Rückrunde erst ein Spiel gewinnen konnte, folgte in Hamburg der Befreiungsschlag. Trotz des 1:0-Rückstands zur Halbzeit bewies das Team von Pal Dardai Moral und bezwang die Rothosen mit 2:1. Damit vergrößerte man den Abstand zu den Abstiegsplätzen und punktete nach Längerem endlich wieder gegen ein Team, das man dem eigenen Selbstverständnis nach schlagen muss. Den kommenden Gegner, VfL Wolfsburg, darf man mittlerweile ebenfalls zu dieser Kategorie zählen.

Der VfL Wolfsburg und das Ungleichgewicht zwischen Aufwand und Ertrag

Trotz knapp 70 Millionen Transferausgaben befindet sich der VfL Wolfsburg im Abstiegskampf. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Drei Trainer, 25 Punkte, Platz 15 in der Tabelle und punktgleich mit dem Relegationsplatz. So liest sich die derzeitige Bilanz der Wölfe. Noch verheerender wird es, wenn man betrachtet, wie viel Geld Sportdirektor Olaf Rebbe einmal mehr in diesem Sommer investiert hat. 67 Millionen Euro – wohlgemerkt, nachdem man im vergangenen Jahr nur knapp in der Relegation dem Abstieg entgangen war – flossen aus der Autostadt in andere Spieler ab. Zum Vergleich: Hertha gab in derselben Transferperiode 14 Millionen aus. Allein für John Anthony Brooks zahlte Wolfsburg mehr Geld. Das Ergebnis: Hertha thront in der Tabelle vier Punkte und zehn Zähler über dem VfL, trotz der zwischenzeitlichen Dreifachbelastung. Diese Zahlen reichen schon, um zu sehen, dass bei den Wolfsburgern einiges falsch läuft.

Von Jonker zu Schmidt zu Labbadia

Wenn man dieser Tage zum VfL Wolfsburg schaut, weiß man zu schätzen, was man an Hertha hat. Während Pal Dardai in Berlin mit seinen nun drei Jahren Amtszeit als Cheftrainer nach Christian Streich der dienstälteste Cheftrainer ist, hat Wolfsburg im selben Zeitraum mit Dieter Hecking, Valérien Ismaël, Andries Jonker, Martin Schmidt und Bruno Labbadia fünf Trainer verschlissen. Auch der Sportdirektor wurde in diesem Zeitraum abgelöst und heißt seit Dezember 2016 nicht mehr Klaus Allofs, sondern Olaf Rebbe. Gebracht haben all diese personellen Wechsel herzlich wenig.

Viele Stars, aber kein Konzept

Gomez‘ Wechsel riss in vielerlei Hinsicht Lücken beim VfL. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Yunus Malli, Maximilian Arnold, Divock Origi, Daniel Didavi. Wer solche Spieler in seinem Kader hat, sollte den Abstiegskampf eigentlich nur vom Hörensagen kennen. Und doch findet sich der VfL Wolfsburg nun schon im zweiten Jahr hintereinander am unteren Ende des Tableaus wider. Das Problem, das in diesem Jahr alle Trainer, die sich an den Wölfen versuchten, eint, ist die Tatsache, dass es nicht gelingen will, den hochkarätigen Kader in ein funktionierendes taktisches Korsett zu packen. Das liegt auch daran, dass schon in der Transferplanung entscheidende Fehler gemacht wurden. Während man in der zentralen Offensivreihe mit Malli und Didavi zwei klassische Zehner hat, die wegen ihrer hohen Qualität eigentlich zusammen spielen müssen, aber eben dieselbe Position bekleiden, ist die Besetzung im Sturm eher überschaubar. Gerade der Abgang von Mario Gomez im Winter war in diesem Zusammenhang unverständlich, da man nun keinen echten Zielspieler mehr hat. Der im Gegenzug wiedergekehrte Brekalo und auch Liverpool-Leihgabe Divock Origi sind eher Spieler, die sich auf den Außen wohl fühlen, von wo sie nach innen ziehen oder flanken können. Nur gibt es niemanden mehr, der in der Sturmspitze für diese Außenspieler Räume schafft oder die Flanken verwerten kann. So ist es wenig verwunderlich, dass der VfL Wolfsburg mit sieben erzielten Toren das drittschwächste Team der Rückrunde ist. Schwächer sind übrigens nur der HSV und Hertha, aber das ist ein anderes Thema.

Der Weggang von Mario Gomez hat außerdem noch ein anderes Problem zutage gefördert. Es fehlen die Führungsspieler. Zwar ist diese Debatte fast so alt, wie der Fußball selbst und oftmals überflüssig, aber gerade im Abstiegskampf brauchen junge Spieler erfahrene Akteure, an denen sie sich aufrichten können und die die mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, um somit den Rest der Mannschaft zu entlasten. Zwar hat man in Verhaegh so einen Spielertypen geholt, aber von der Strahlkraft eines Mario Gomez ist dieser meilenweit entfernt. Gleiches gilt auch für Maximilian Arnold, der gefühlt einzigen Identifikationsfigur der Wölfe. Man könnte diese Liste an Problemen endlos weiterführen. Jedoch hilft all das nichts, wenn Hertha diese Schwächen am Samstag nicht auszunutzen weiß.

Mit gutem Gefühl in Richtung Sommerpause

Während der VfL also noch um den Klassenerhalt bangen muss, hat Hertha, wenn nicht noch ein mittleres Wunder geschieht, bereits jetzt Planungssicherheit. Deshalb muss es für Pal Dardais Mannschaft jetzt darum gehen, endlich Konstanz in das eigene Spiel zu bekommen. Die zweite Halbzeit beim HSV war dabei ein Schritt in die richtige Richtung. Die erste Halbzeit wiederum genau das Gegenteil. Gegen Wolfsburg kann man nun den Beweis antreten, dass man nicht nur gegen Top-Teams wie München, Leipzig, Dortmund und Leverkusen abliefern kann, sondern auch dann, wenn man selbst das Spiel machen muss. Damit tut sich Hertha in diesem Jahr, insbesondere zu Hause, äußerst schwer. Der letzte Heimsieg datiert vom 16. Spieltag gegen Hannover. Es ist höchste Zeit, das zu ändern, auch um den Abstand von zehn Punkten auf den VfL zu wahren und bestenfalls zu vergrößern.

Wie lautet eure Prognose? Kann Hertha endlich wieder ein Heimspiel gewinnen? Wie nehmt ihr den VfL Wolfsburg in dieser Saison wahr? Lasst uns eure Kommentare da!

 

*Quelle Titelbild: (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

 

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Alexander ist Redakteur und 22 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

1 KOMMENTAR

  1. @hurdie: Wen findest du denn bei Wolfsburg von den Namen her außer Malli und Didavi noch gut? Mehmedi hab ich jetzt wegen seiner Verletzung schon mal weggelassen.

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