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Herthas Gründung und Namensfindung

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Passend zum Start unserer Jubiläums-Artikelwoche wollen wir euch davon erzählen, wie der wohl beste Verein der Welt gegründet wurde. Es war einmal …

Ein Spiel zwischen dem Uruguayischen CA Peñarol und Hertha BSC am 19. April 1927

 

Ein schöner Sommertag, der 25. Juli 1892. Irgendwo zwischen Wedding und Prenzlauer Berg trafen sich die Brüder Max und Fritz Lindner, sowie Otto und Willi Lorenz und gründeten, weil Fußball ihr größtes Hobby war, den Verein BFC Hertha 1892. Fritz Lindner gab ihm seinen Namen, der von einer Dampferfahrt mit seinem Vater zeugt. Hertha hieß das Wassergefährt, welches am Schornstein blau-weiße Farbe trug. Somit ist auch überliefert, woraus sich die noch heute offiziellen Vereinsfarben ergaben.

Die Hertha wurde von der Reederei „Manthey, Wolff & Zwerner“ gebaut und am 17. April 1886 zu Wasser gelassen. An diesem besonderen Tage feierte die Zwerner-Tochter ihren zwölften Geburtstag, ihr Name: Hertha. Wie damals üblich, wurde das Schiff nach einer Reeder-Tochter benannt.

Ein anderer wichtiger Name im Zusammenhang mit der Gründung des Vereins ist Ernst Wisch. Er ist der Onkel von den Lindner-Brüdern gewesen und musste ihnen aus juristischen Gründen helfen. Sie und die Gebrüder Lorenz waren noch minderjährig, weshalb sie keinen Verein gründen durften. So übernahm Onkel Ernst das Amt des Vorsitzenden, sodass der Weg für bis dato 125 Jahre Hertha frei war.

Doch dies ist nur der halbe Weg zu „Hertha BSC“, wie es die Menschen heute kennen.

Der damalige wirtschaftliche Niedergang des Reiches hatte auch große Auswirkungen auf den BFC Hertha 1892. Viele Vereinsmitglieder hatten tiefe Existenzängste und somit kein Stück Fußball im Kopf. 36 Mitglieder starben im 1. Weltkrieg, andere waren arbeitslos und konnten somit ihren Mitgliedsbeitrag nicht zahlen. Daraus resultierte, dass Hertha große Probleme mit der Finanzierung ihrer Spielstätte hatte.

Der Schebera-Platz gehört dem Gastronomen und Namensgeber Joseph Schebera, der es wie viele Kneipenbesitzer machte und neben seiner Schenke einen Platz kaufte, den er an einen Verein vermietete. Dadurch konnte er auf konstante Einnahmen bauen, zudem war er der Anlaufpunkt für die Fans und Spielerfeiern, was für den oder anderen zusätzlichen Taler sorgte.

Und als wäre diese finanzielle Notlage nicht schon genug, gesellte sich eine weitere Vollkatastrophe dazu. Um sich aus seiner wirtschaftlichen Situation etwas zu befreien, lud Hertha im Dezember 1919 den amtierenden ungarischen Meister (Ungarn war damals eine sehr große Nummer im Weltfußball!) zu einem Freundschaftsspiel ein. Der Ticketverkauf lief großartig, das Poststadion war gebucht und auch bei der Werbung für dieses Spektakel ließ man sich nicht lumpen. MTK Budapest sagte jedoch kurzfristig ab und zwar so kurzfristig, dass Hertha die Öffentlichkeit nicht mehr darüber informieren konnte. Immerhin erklärte sich der Berliner Verein SC Minerva 93 dazu bereit, einzuspringen, doch es sollte nicht viel helfen.

Die Zuschauer waren unglaublich sauer darüber, ihr hart verdientes Geld für solch eine Enttäuschung ausgegeben zu haben, doch diese öffentliche Empörung war das kleinste Problem. Der damals zuständige Verband, der Verband Brandenburgischer Ballspielvereine, sperrte Herthas erste Mannschaft für die Saison 1920/21.

Nach einem vom Kapp-Putsch verhinderten Lumpenball und einem durch den Streik des Gaststättengewerbes geplatzen „Schoof“ im Hotel Nordischer Hof, stand der BFC kurz vor dem Aus, da es keine sonstigen Einnahmequellen mehr gab. Der Schebera-Platz wurde mittlerweile an eine Stiftung vergeben, die ihn schlussendlich an den Weddinger Konkurrenzverein SV Norden-Nordwest verkaufte. Der BFC Hertha 1892 war somit auch offiziell heimatlos.

In dieser Situation beschloss der Vorstand 1923 sich mit dem Berliner Sport-Club (BSC) zusammenzuschließen. Dieser hatte seinerzeit finanzstarke Mäzene, aber überschaubaren Erfolg im Fußball, sodass sich eine klassische Win-Win-Situation ergab. Der BFC blieb somit er selbst, lief aber nun unter dem Namen „Hertha BSC“ auf. Er bildete also die Fußballabteilung des BSC, musste aber alle wirtschaftlichen Gewinne an ihn abtreten.

Die Kooperation mit dem BSC sollte einen weiteren geschichtsträchtigen Effekt mit sich bringen, ein ganz bekanntes Stadion. Dem höchst liquiden Verein gehörte eine Eisbahn, nicht weit vom Schebera-Platz entfernt, die zu Herthas neuer fußballerischen Heimat wurde. 1924 wurde das Stadion am Gesundbrunnen eingeweiht, dass später nur noch als „An der Plumpe“ bekannt war und heute noch ist. Sie diente Hertha BSC knapp vier Jahrzehnte lang als Heimspielstätte. Nachdem Hertha das Gelände aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verkaufen musste, wurde das Stadion 1974 abgerissen. Die Sportstätte bot zunächst 35.239 Zuschauern Platz, die sich auf 2.642 Sitz- sowie 32.597 Stehplätze verteilten.

Im Berliner Volksmund wurde und wird das Stadion überwiegend als „Plumpe“ bezeichnet. Dieser Begriff ist ursprünglich eine Berliner Abwandlung für Wasserpumpen, wie sie in der Stadt an vielen Straßen vorzufinden sind. Auch in der Behmstraße gab es eine Wasserpumpe, die mit einer Heilquelle im nahegelegenen Luisenbad verbunden war. Aus der Heilquelle leitet sich auch die Bezeichnung des Ortsteils als Gesundbrunnen ab. Aus der Pumpe wiederum entstand zunächst „Plumpe“ als Spitzname für den Ortsteil. Da das Stadion am Gesundbrunnen damit „an der Plumpe“ lag, verkürzte sich der Name später nur noch auf „Plumpe“.

1929 wurde die Zusammenarbeit des BFC und des BSC wieder beendet. Der „Unter-Verein“ hatte seine erste Meisterschaft gewonnen und wollte nun wieder als eigenständiger Club agieren. Man einigte sich darauf, dass das neue Stadion für 73.000 Reichsmark (umgerechnet 22.000 Euro) bei Hertha blieb, zudem konnte Hertha das BSC im Namen behalten.

Durch den Erfolg, der mit dem „BSC“ einsetzte, ging das „BFC“ irgendwann verloren, was den heutigen Namen des Vereins erklärt.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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