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Interview mit Michael Hartmann: „Wenn Arne Maier gewollt hätte, wäre er bereits weg“

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(Foto: GES-Sportfoto / Mercedes-Benz)

Hertha BSC trat beim Mercedes-Benz Junior Cup 2018 an und ließ den hoch gelobten „goldenen 1999er Jahrgang“ ein weiteres Ausrufezeichen setzen. Unter der Führung von Kapitän und MVP Arne Maier gewann Herthas U19 das Hallenturnier in Sindelfingen mit einer beeindruckend reifen und konstanten Darbietung. Wir sprachen mit Herthas U19-Trainer Michael Hartmann über den Turniersieg, Herthas Jugendarbeit und die Entwicklung von Arne Maier.

Zunächst einmal gratulieren wir Ihnen nochmal zum Turniersieg in Sindelfingen. Hertha BSC ist ein verdienter erster Platz geworden, vor allem aufgrund der Konstanz der Mannschaft. Wir waren überrascht, dass mit Arne Maier, Julius Kade und Palko Dardai drei Spieler im Kader standen, die bereits Profi-Verträge besitzen. Welchen Stellenwert hat denn der Mercedes-Benz Junior Cup eingenommen, sodass diese Jungs mitgenommen wurden?

„We are the champions“ (GES-Sportfoto / Mercedes-Benz)

„Ich würde das etwas aufspliten. Grundsätzlich hat das Turnier einen großen Stellenwert, sonst hätten wir das so nicht gemacht. Im Fall von Arne Maier ist es so gewesen, dass er selbst die Entscheidung getroffen hat, mit nach Sindelfingen zu fahren. Er wollte das Turnier unbedingt spielen, ihm war es also auch wichtig. Bei Palko Dardai und Julius Kade ist etwas anders. Sie trainieren zwar mit den Profis und hatten bereits die ein oder anderen Kurzeinsätze, aber da bei den Profis aktuell alle Spieler an Bord sind, werden die beiden immer mal wieder bei uns spielen. Arne Maier hingegen hat fast alle Spiele in der letzten Phase der Hinrunde absolviert und deshalb hat man ihm diese Entscheidung freigestellt.“

Wir hatten das Gefühl, dass es ein grundsätzlich hohes Turnier-Niveau gab – Spieler sind ins Dribbling gegangen, haben sich was zugetraut. Wie haben Sie denn die Qualität aller Teams wahrgenommen? 

„Ich persönlich war das erste Mal da und habe mich deshalb mit Trainerkollegen unterhalten. Sie sagten mir, dass einige Regeländerungen im Vergleich zu den Vorjahren das Spiel schneller gemacht hätten, weshalb großes Taktieren oder Abwarten gar nicht möglich war. Alle Mannschaften haben versucht nach vorne zu spielen, dementsprechend sind auch deutlich mehr Tore als vergangenes Jahr gefallen. Ich fand das Niveau ebenfalls gut und hatte das Gefühl, dass jeder jeden schlagen konnte. Ein gutes Beispiel war Bayern München, das das Turnier fulminant begann, jedoch immer schwächer und schlagbarer wurde.“

Das Turnier in Sindelfingen ist ein U19-Wettbewerb. Diese Altersklasse ist ja recht speziell, weil es der letzte wirkliche Jahrgang vor der Profi- bzw. Männermannschaft (U23) ist. Welche Tugenden oder spielerischen Aspekte muss man den Spielern in dieser Zeit mitgeben, um sie auf das neue Niveau einstellen zu können?

Jessic Ngankam (l.) und Julius Kade (r.) freuen sich über einen Treffer. (GES-Sportfoto / Mercedes-Benz)

„Im technischen Bereich wird vor allem am „ersten Kontakt“ gearbeitet. Darüber hinaus auch, in welchen Momenten ein Spieler in gewisse Lücken stoßen sollte, um diesen ersten Kontakt im vollen Tempo annehmen zu können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Prävention von Verletzungen, also wie sich die Spieler durch Beweglichkeit und Stabilisation prophylaktisch vor Ausfällen schützen können. Das sind wichtige Dinge, die man den jungen Spielern mitgibt, in der Hoffnung, dass sie das im Profi-Bereich weiter fortführen. Die Tugend, weiter selbst an sich zu arbeiten und nicht darauf zu warten, dass Trainer auf sie zukommen, muss sich in ihren Köpfen verankern.

Ich versuche zudem, den Jungs wichtige Dinge aus meinem Erfahrungsschatz als Profi mitzugeben. Was kann auf sie zukommen? Was könnte alles passieren? Damit sie nicht aus allen Wolken, versuche ich sie auf gewisse Szenarios mental vorzubereiten. Die richtig guten Jugendspieler, die letztendlich in der Profi-Mannschaft landen, spielen jede Partie im Nachwuchsbereich und kennen es daher nicht anders. Doch bei den Männern angekommen, wird der Zeitpunkt kommen, in dem sie mal nicht für den Kader berücksichtigt werden oder etwas hinten dran sind. Darauf sollten sie vorbereitet sein.“

Hertha BSC ist seit vielen Jahren, aber besonders seit dem Amtsantritt von Pal Dardai durch eine hohe Durchlässigkeit vom Jugend- in den Profi-Bereich gekennzeichnet. Spieler wie Maxi Mittelstädt, Jordan Torunarigha oder eben der oft genannte „goldende 1999er Jahrgang“ haben sich in der Bundesliga-Mannschaft teilweise bereits etabliert. Zwischen Ihnen, U23-Trainer Ante Covic und Profi-Coach Pal Dardai herrscht ein reger Austausch über die Arbeit mit dem eigenen Nachwuchs. Wie würden Sie ihre Zusammenarbeit charakterisieren?

Michael Hartmann kann 240 Spiele für Hertha BSC vorweisen. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

„Wir kennen uns sehr gut, haben lange zusammen für Hertha BSC gespielt. Dadurch und aufgrund der kurzen Wege unterhalten wir uns regelmäßig. Wir sehen uns nahezu täglich und haben die Möglichkeit, jederzeit miteinander zu sprechen und gewisse Dinge anzugehen. Am Anfang jeder Woche versuchen wir gemeinsam eine Tendenz für die Spiele am Wochenende zu sehen, um die Einsatzzeiten der jungen Spieler regulieren zu können. Es kann sich situativ natürlich immer mal was verändern, das wichtigste Kredo ist aber: Alle jungen Spieler sollen spielen! Es sollte eigentlich nie so sein, dass jemand am Wochenende nicht spielt. Natürlich kann es auch mal sein, dass Eigengewächse aufgrund von Personalmangel im Profi-Kader stehen, jedoch nicht zum Einsatz kommen. Das sollte jedoch nicht zur Gewohnheit werden. Gerade beim 99er Jahrgang können wir für genügend Einsatzzeiten sorgen, da wir mit der U19, U23 und dem Profi-Kader drei Mannschaften bedienen. Aufgrund dessen brauchen und haben wir drei Trainer einen sehr guten Austausch.“

Sie sind ja bereits seit 2013 Jugendtrainer bei Hertha BSC. Hat sich in der Arbeit mit dem Nachwuchs seit Pal Dardai als Profi-Trainer etwas verändert? Er fing ja selbst als U15-Coach an, trainierte damals Arne Maier und co.

„Hertha BSC war schon immer darin bestrebt, den eigenen Nachwuchs zu fördern. Es gibt nun einmal Jahrgänge, in denen es eventuell nur ein oder sogar gar kein Spieler zum Profi schafft. Beim 99er Jahrgang haben wir jedoch fünf Spieler im Profi-Training, ein ungewöhnlich hohe Anzahl. Wir sind auf einem sehr guten Weg – es ist jedoch eine Vereins- und keine Pal-Dardai-Philosophie. Er trägt diesen Weg absolut mit, weil er Herthaner ist und selbst aus dem Jugendbereich kommt. Sicherlich ist der Jugendbereich davon abhängig, inwiefern der Profi-Trainer auf ihn zurückgreift, aber Hertha BSC versucht seit jeher auf eben diese Trainer zu setzen. Mit Pal Dardai haben wir da natürlich Glück.“

Sie haben schon Arne Maier und andere Spieler aus dem 99er Jahrgang angesprochen. Um Maier im speziellen kommt man jedoch nicht herum. Er wurde Spieler des Turniers in Sindelfingen, schoss sechs Tore, bereitete viele vor und war schlichtweg der prägende Akteur auf dem Feld. Wie würden Sie seinen Weg seit seinem ersten Spiel für die Profis beschreiben? Haben Sie ihm zugetraut, sich sofort auf diesem Niveau zu akklimatisieren?

GES-Sportfoto / Mercedes-Benz

„Ich habe es ihm aufgrund seiner Fähigkeiten absolut zugetraut. Er ist auf einem sehr guten Weg, auch weil er wirklich bodenständig ist und nicht droht abzuheben. Anhand seiner Entscheidung für das Jugendturnier und gegen die Testspiele mit den Profis sind diese Eigenschaften gut abzulesen. Ich hoffe, dass er gesund bleibt – das ist bei einem so jungen Spieler sehr wichtig. Er muss nach wie vor an sich arbeiten, sich stabilisieren und dann wird er seinen Weg gehen – hoffentlich bei Hertha.“

Sie sprechen es an – „Hoffentlich bei Hertha BSC“. Wir wollen die Gerüchteküche geschlossen halten und stattdessen die Frage stellen, warum er denn in Berlin bleiben sollte. Was kann ihm der Verein für einen langfristigen Verbleib bieten?

„Wenn Arne gewollt hätte, wäre er bereits im Jugendbereich zu einem größeren Verein gegangen, diese Angebote gab es. Er will einfach bei Hertha den Sprung schaffen, sein Standpunkt in dieser Sache scheint sehr fest zu sein. Wenn ich mich mit ihm unterhalte, höre ich nichts anderes heraus. Ich hoffe, dass er seinen Weg bei uns geht und ich habe das Gefühl, er will dasselbe.“

Hertha BSC ist in der Hinrunde sowohl aus der Europa League als auch aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Somit stehen weitaus weniger Partien zur Verfügung, um eine gesunde Rotation zu gewährleisten. Wie wollen Sie sicherstellen, dass die jungen Spieler trotz mangelnder Einsatzzeiten in der Bundesliga weiter gut entwickeln können?

„Wir werden an unserem Weg nichts grundsätzliches ändern. Wie ich bereits sagte, werden wir uns Anfang der Woche austauschen und die bestmögliche Entscheidung für jeden einzelnen Jungen treffen. Das Ausscheiden aus den Wettbewerben beeinflusst unsere Arbeit mit den Talenten nicht.“

Vielen Dank für das Interview!

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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