Start Allgemein Klünter und Cordoba zu Hertha? Eine erste Einschätzung

Klünter und Cordoba zu Hertha? Eine erste Einschätzung

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(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Wie die B.Z. berichtet, sollen sich Lukas Klünter und Jhon Cordoba vom 1. FC Köln auf der Einkaufsliste von Hertha BSC befinden. In diesem Artikel soll es um ihren potenziellen sportlichen Nutzen und die Wechselwahrscheinlichkeit gehen.

Die Bundesliga-Saison 2017/18 neigt sich ihrem Ende zu und so fängt die Gerüchteküche um die Transfers im kommenden Sommer allmählich an zu brodeln. Ihr erster Gang hat für Hertha BSC Lukas Klünter und Jhon Cordoba auf dem Teller. Die beiden werden wie viele andere Kölner Spieler mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht, scheint der Abstieg des „Effzeh“ doch kaum noch zu verhindern zu sein.

Klünter als Ersatz für Weiser?

Es ist mittlerweile wohl bekannt, dass es die letzte Saison von Mitchell Weiser bei Hertha BSC sein wird. Der 23-Jährige soll eine Ausstiegsklausel in Höhe von 12-13 Millionen Euro besitzen und das Interesse von Vereinen wie Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen geweckt haben. Zudem sollen Vereine aus England und Italien locken. Seine letzten Auftritte im blau-weißen Trikot und eine sehr unklare Aussage in einem sky-Interview bezüglich seiner Zukunft lassen ebenfalls darauf schließen, dass das Kapitel Weiser in Berlin bald sein Ende nimmt. Es wäre eine Trennung nach drei Jahren und einer gemeinsamen sehr positiven Entwicklung. Nun scheint Weiser eine neue Herausforderung zu wollen, sodass Hertha BSC angehalten ist, sich um einen Ersatz für ihn zu kümmern.

Wie die B.Z. berichtet, soll einer der möglichen Kandidaten für eine Weiser-Nachfolge Lukas Klünter vom 1. FC Köln sein. Dieser stand im vergangenen Aufeinandertreffen der beiden Vereine (2:1) zwar nicht im Kader, war am Wochenende aber dennoch in Berlin. Er soll sich mit Trainer Pal Dardai und Manager Michael Preetz getroffen haben, um ein erstes Gespräch zu führen.

Dass sein Name bei der Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger auftaucht, sollte eigentlich nicht einmal überraschen. Das Anforderungsprofil der „alten Dame“ ergibt sich aus den Transferphasen der vergangenen Jahre: Jung, talentiert, deutsch und verhältnismäßig günstig. All diese Eigenschaften trafen auf Spieler wie Mitchell Weiser, Niklas Stark, Marvin Plattenhardt oder (bis auf die Nationalität) Karim Rekik zu und da mit Peter Pekarik ein sehr erfahrener Rechtsverteidiger kürzlich sein Vertrag in Berlin verlängerte, war klar, dass Hertha wohl keinen „fertigen“, also keinen absolut gestandenen Spieler für diese Position holen würde. So wurden auch bereits Namen wie Jeremy Toljan oder Felix Passlack im Berliner Umfeld genannt. Das erste Gespräch wurde aber mit Klünter geführt.

Ist ein Transfer von Klünter realistisch?

Lukas Klünter und Hertha BSC – passt das? Von den Grunddaten her absolut. Er ist mit 21 Jahren der besagte Spielertyp, den Hertha BSC bei Verpflichtungen favorisiert. Des Weiteren gibt es ein Attribut, dass den Kölner besonders auszeichnet: Sein Tempo. Klünter läuft die 100 Meter in 10,6 Sekunden – ein unglaublicher Wert. Bereits bei den Transfers von Alexander Esswein, Valentino Lazaro und Mathew Leckie sprach Trainer Pal Dardai davon, wie wichtig Schnelligkeit um heutigen Fußball sei und dass sein Kader noch einiges an flinken Beinen vertragen würde. Mit Klünter käme genau solch ein Spieler. Was Pal Dardai ebenfalls wichtig ist, ist der Offensivdrang eines Außenverteidigers. Er lässt seinen Defensivspielern auf den Außenbahnen zahlreiche Aufgaben eines Spielmachers zukommen und bindet sie offensiv massiv ein. Besonders in dem immer mal wieder verwendeten 4-4-2-System sind aufrückende Außenverteidiger wichtig. Mit Klünter käme genau solch ein Spielertyp, der bereits viel taktisches Rüstzeug aus der Domstadt mitbringen würde. Dort erfährt die Dreierkette mit zwei hoch stehenden Außenverteidigern, so genannten „Schienenspielern“ viel Anwendung. In diesem System sind die Außenbahnspieler dazu angehalten, sowohl defensiv sicher zu stehen, als auch in der Vorwärtsbewegung tatkräftig mitzuhelfen. Wie der kicker letztens schrieb, soll Dardai für die kommende Spielzeit an solch einem System arbeiten, sodass die Verpflichtung eines Spielers, der dies bereits gut kennt, absolut Sinn ergäbe. Klünter wurde in der laufenden Saison aufgrund von Personalnot sogar im Mittelsturm eingesetzt, ein weiterer Beweis für seine offensiven Anlagen.

Lukas Klünter gegen Arsenals Kolasinac. (Foto: Richard Heathcote/Getty Images)

Hertha BSC würde zudem keine absolute Wundertüte kaufen, wie es ein Weiser durchaus war und z.B. ein Passlack wäre. Klünter hat mittlerweile rund zwei Jahre Bundesliga-Erfahrung sammeln können und spielte diese Saison sogar europäisch. Er durchlief zudem zahlreiche deutsche U-Nationalmannschaften.

Finanziell wäre Klünter ebenfalls eine ideale Lösung. Laut der B.Z. soll er nur rund eine Millionen Euro kosten, ein wahres Schnäppchen für seine Fähigkeiten. Der 1. FC Köln soll zudem, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, vor eine Verpflichtung von RB Leipzigs Benno Schmidt, einem jungen Rechtsverteidiger, stehen. Bereits ein Vorgriff für einen bevorstehenden Abgang Klünters? Dass Klünter seit dem 20. Spieltag nur noch einmal zum Einsatz kam, macht einen Verbleib zumindest nicht wahrscheinlicher. Dennoch ist das Gerücht mit Vorsicht zu genießen, da der 1. FC Köln mit Markus Anfang einen neuen Trainer für die kommende Saison erhält und dessen Planungen mit Klünter eine große Rolle in diesem Unterfangen spielen.

Fazit: Lukas Klünter (Vertrag bis 2020) passt perfekt in das Anforderungsprofil von Hertha BSC und wäre zudem sogar echt günstig zu haben. Die Wahrscheinlichkeit seines Wechsels ist dennoch schwer einzuschätzen, da Markus Anfang ihn mit den richtigen Vorstellungen von einem Verbleib überzeugen könnte.

Ist Cordoba der neue Ibisevic?

Lukas Klünter soll nicht der einzige Kölner Spieler sein, auf den Hertha ein Auge geworfen hat. Mit Jhon Cordoba stünde angeblich ein potenzieller Neuzugang für das Sturmzentrum auf dem Zettel von Michael Preetz.

Nach der Partie am vergangenen Samstag fand Pal Dardai äußert lobende Worte für Kölns Stürmer Cordoba. „Der setzt seinen Körper perfekt ein, hat unseren Verteidigern jede Menge Probleme bereitet, war an jeder gefährlichen Situation der Kölner beteiligt. Ein unglaublich bulliger und schneller Angreifer“, sagte der Ungar der B.Z. Tatsächlich machte der Kolumbianer wohl eines seiner besten Spiele für die Rheinländer. Er legte das 1:0 von Leonardo Bittencourt durch ein gewonnenes Kopfballduell auf und war generell sehr präsent. Einzig seine Chancenverwertung war ausbaufähig, so ließ er in der Schlussphase eine hochkarätige Gelegenheit liegen.

Und hier wären wir auch beim Hauptproblem von Jhon Cordoba angelangt – seiner Torquote. Seine Geschichte ist hinlänglich bekannt. Im vergangenen Sommer für aufsehenerregende 17 Millionen Euro aus Mainz gekommen, sollte der 24-Jährige Kölns abgewanderten Wunderstürmer Anthony Modeste ersetzen. Er und der „Effzeh“ erlebten jedoch einen Horror-Saisonstart mit nur einem Punkt aus den ersten sieben Liga-Spielen, in denen Cordoba kein einziger Treffer gelang. Darauf folgte eine Oberschenkelverletzung, die ihn zwölf Partien außer Gefecht setzte. Nach weiteren sieben (meist Kurz-) Einsätzen ist sein Tor-Konto immer noch leer. Er scheiterte an den Erwartungen an ihn, die unweigerlich an die hohe Ablösesumme geknüpft waren, die Manager Jörg Schmadtke bereit war zu zahlen. Der langwierige Ausfall verhinderte zudem, dass Cordoba sich wirklich festspielen konnte. Es gibt beinahe schon tragische Szenen, in denen er das Tor verfehlte oder komisch anmutende Entscheidung im letzten Angriffsdrittel fällte. Ein Stürmer und seine mentale Blockade.

In knapp 60 Spielen machte Cordoba 13 Tore für Mainz. (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Nun befinden sich Köln und sein Angreifer ein wenig im freien Fall. Man kann Cordoba nach solch einem Seuchenjahr und einem Abstieg nicht annähernd wieder dafür verkaufen, das man für ihn vor einem Jahr zahlte. Die B.Z. berichtet, dass angeblich elf Millionen Euro für ihn zu zahlen wären – eine Summe, bei der es aktuell unwahrscheinlich erscheint, dass sie jemand auf den Tisch legt. Für die zweite Liga könnte sein Gehalt jedoch zu hoch sein, sodass ein Abgang, auch wenn in Form einer Leihe wohl die einzige Option sein könnte.

Und so kommt Hertha BSC ins Spiel. Wie bereits beim Transfer von Vedad Ibisevic 2015 könnten die Hauptstädter Nutznießer einer sportlich schwierigen Lage eines Spielers werden, der sonst unerreichbar wäre. Damals konnte der Bosnier nur verpflichtet werden, weil er beim VfB Stuttgart aussortiert wurde und dringend einen neuen Verein suchte. Hertha ging das „Risiko“ ein, einen Spieler zu holen, der vielleicht nie mehr auf sein normales Niveau zurückkehren könnte, doch am Ende war es eine Win-Win-Situation für Verein und Spieler. Cordoba könnte eine ähnliche Geschichte werden.

Cordobas Transfer erscheint unrealistisch

Die Betonung liegt hierbei ganz klar auf „könnte“, denn der Transfer scheint aktuell nicht sonderlich wahrscheinlich. Hertha BSC gab bereits im vergangenen Sommer viel Geld für einen neuen Mittelstürmer (Davie Selke) aus und daher erscheint als nicht sonderlich logisch, solch einen Schritt erneut zu gehen. Eine Leihe wäre zwar interessant, aber nur mit einer Kaufoption versehen, da Hertha sicherlich nicht nur eine Auffangstation für Cordoba sein will, sondern stets eine langfristige Option sucht.

Bleiben Selke und Ibisevic ohne Konkurrenz? (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Des Weiteren hätte Hertha mit Cordoba potenziell fünf Stürmer im Kader der kommenden Saison. Zu Davie Selke gibt es keine Diskussion. Vedad Ibisevic hat noch ein Jahr Vertrag und Dardai schätzt seinen Kapitän sehr. Julian Schiebers Arbeitspapier läuft zwar im Sommer aus, es gibt jedoch Anzeichen für eine Verlängerung. Zu guter letzt wäre noch Nachwuchshoffnung Muhammend Kiprit zu nennen, der einen Profi-Vertrag unterschreiben soll. Solch einem Quartett einen weiteren Spieler hinzuzufügen, scheint aktuell nicht realistisch bzw. es müsste wohl ein genannter Spieler für Cordoba gehen.

Ein großer Punkt ist zudem der Artikel der B.Z., der etwas „an den Haaren herbeigezogen“ wirkt. In keinem Satz wird eine tatsächliche Verbindung von Hertha BSC zu Cordoba genannt. Die Grundlage für das Gerücht bildet einzig und allein das oben zitierte Lob Dardais für den Mittelstürmer, daher ist nicht davon auszugehen, dass es ein tatsächliches Interesse an Cordoba gibt. Sportlich wäre er aufgrund seines so massiven Körpers und seiner Schnelligkeit durchaus interessant, die Berliner Offensivprobleme liegen jedoch in anderen Bereichen.

Fazit: Das Gerücht zu Jhon Cordoba steht auf sehr wackeligen Beinen und somit ist nicht davon auszugehen, dass es ein tatsächliches Interesse seitens Hertha gibt. Das Modell einer Leihe mit Kaufoption wäre aber sicherlich der Stil von Michael Preetz.

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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