Start National 1. Bundesliga SC Freiburg – Hertha BSC: Abstiegskampf verhindern

SC Freiburg – Hertha BSC: Abstiegskampf verhindern

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Zu einem solch frühen Zeitpunkt der Saison, in dem die Tabelle noch sehr nah beieinander liegt und drei Spiele plötzlich das gesamte Bild umkehren können, schon vom Abstiegskampf zu sprechen, verbietet sich eigentlich. Insbesondere dann, wenn Hertha punktemäßig weniger von den europäischen Plätzen als vom direkten Abstiegsplatz trennt. Dennoch darf man die Situation gleichermaßen nicht verkennen. Während Hertha in den vergangenen zwei Jahren überaus erfolgreich in die Saison startete und sich früh oben festsetzte, sieht die Gemengelage derzeit anders aus. Gerade einmal zwei Siege und neun Punkte stehen nach acht Spieltagen auf der Haben-Seite. Dazu die ernüchternde Bilanz in der Europa League. Die Gründe dafür sind mit der neuen Dreifachbelastung schnell gefunden. Allerdings macht das die Ausgangslage keineswegs leichter. Am Sonntagnachmittag steht für Hertha nun ein möglicherweise richtungsweisendes Spiel auf dem Programm. Gegen Abstiegskandidat Freiburg müssen dringend Punkte her.

Die fehlende Dreifachbelastung als Schlüssel zum Klassenerhalt?

Was Hertha derzeit durchlebt, kennt man im Breisgau nur allzu gut. Vor einigen Jahren gelang Freiburg ebenfalls der sensationelle Einzug in die Europa League. So richtig freuen konnte man sich im Folgejahr indes aber nicht darüber. Die Realität lautete Europa League-Aus in der Vorrunde und Abstiegskampf von der ersten Sekunde an. Erst am 32. Spieltag sicherte man sich den Klassenerhalt.
Entsprechend verhalten war die Euphorie im vergangenen Jahr, als feststand, dass das Team von Christian Streich auch in diesem Jahr wieder international antreten könnte. Clevererweise taten es die Freiburger dann jedoch Hertha gleich und verabschiedeten sich nach einer 0:2 Niederlage im Rückspiel gegen das slowenische Team NK Domzale bereits in der Qualifikationsrude. Nicht wenige behaupten, dass Christian Streich dieses Ausscheiden gar nicht so unrecht war.

Der Lauf der Dinge im Breisgau

Dass niemand in Freiburg, zumindest von außen betrachtet, wirklich bestürzt über die fehlende Teilnahme an der Europa League war, dürfte daran liegen, dass alle in und um den Verein sehr wohl gewusst haben dürften, was für eine Saison dem SC bevorsteht. Denn der Ausspruch “Erfolg weckt Begehrlichkeiten“ könnte genauso gut das Motto der Freiburger sein. Zum x-ten Mal mussten die Breisgauer im Sommer zusehen, wie sie dem Fluch der guten Tat erlagen. Nach einer herausragenden letzten Saison, in der der Aufsteiger mit attraktivem Fußball auf Platz 7 einlief, wurde schon lange vor Saisonende deutlich, dass diese Mannschaft in der Form nicht noch ein weiteres Jahr zusammenspielen würde. In einer über die gesamte Spielzeit geschlossen agierenden Mannschaft ragten von Beginn an zwei Akteure heraus. Vincenzo Grifo und Maximilian Philipp waren an 29 der 42 Freiburger Saisontreffer direkt beteiligt und sorgten damit überregional für Furore. Beide stehen inzwischen bei finanziell weitaus potenteren und sportlich ambitionierteren Vereinen unter Vertrag.

Mit Grifo und Philipp verlor Freiburg zwei Erfolgsgaranten. (Photo by Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Nun könnte man meinen, dass für das Geld – der SC kassierte für Grifo und Philipp immerhin 26 Millionen Euro – gleichwertiger Ersatz geholt wurde. Allerdings war der Markt in diesem Jahr, nicht nur wegen des Neymar-Transfers, derart konfus, dass es für Freiburg unmöglich gewesen wäre, ähnliche Qualität zu bekommen, die auf Anhieb eine Verstärkung darstellt. Hinzu kommt erschwerenderweise, dass Spieler der Marke Philipp nicht nach Freiburg wechseln, wenn sie schon über den Talentstatus hinausgekommen sind. So griffen die Freiburger zur altbewährten Methode und verstärkten sich vor allem mit sogenannten Entwicklungsspielern wie zum Beispiel Ryan Kent vom FC Liverpool und Phillipp Lienhart aus Madrid, die beide leihweise verpflichtet wurden.

Freiburg mit der erwartet schweren Saison

Dass diese Spieler, auch wegen ihres jungen Alters, nicht augenblicklich Punkte sichern würden, war von vornherein klar. Daher verwundert auch nicht, dass die Elf von Christian Streich momentan auf Rang 16 in der Bundesliga rangiert. Schließlich kennt man den Abstiegskampf im Breisgau nur zu gut und ist intelligent genug, um zu wissen, dass Saisons wie die Letzte in Freiburg die absolute Ausnahme bleiben werden. Ein Abstieg scheint beim SC immer mit einkalkuliert zu sein und niemand greift zu reaktionären Maßnahmen, wenn es dann tatsächlich so kommt.

Als dienstältester Bundesliga-Trainer weiß Christian Streich mit jeder Situation umzugehen. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Dass Hertha den Gegner trotz der Tabellensituation und gerade einmal fünf geschossenen Toren nicht unterschätzen darf, zeigte das Spiel gegen Hoffenheim vor der Länderspielpause, als man die TSG mit 3:2 bezwang und insbesondere seine Stärken nach Ecken eindrucksvoll demonstrierte. Pal Dardai und sein Team sollten also in jedem Fall gewarnt sein.

 

Wie bewertet ihr die Tabellensituation? Ist Hertha zum Siegen verdammt? Wie lautet euer Tipp?

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Alexander ist Redakteur und 21 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

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