Start Allgemein Testspiel gegen Galatasaray – Wer sich für den Saisonstart empfahl

Testspiel gegen Galatasaray – Wer sich für den Saisonstart empfahl

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(Photo by Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)

Hertha BSC gewann gegen Galatasaray Istanbul das siebte von insgesamt acht Testspielen in dieser Sommervorbereitung, eine sehr gute Ausbeute, die mit einer beeindruckenden Leistung gegen den türkischen Rekordmeister gekrönt wurde. Welche Erkenntnisse kann man aus diesem Spiel für die erste Saisonphase ziehen?

Dardai hat für viele Positionen zwei Optionen (Photo by Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)

 

Keine Experimente mehr

 

Hertha nahm den letzten großen Gradmesser vor dem ersten Pflichtspiel äußerst ernst, dies verriet allein der Kader, den Pal Dardai dafür nominiert hatte. Der Ungar vertraute auf einen „echten“ 18er-Kader, wie man es auch aus der Bundesliga und dem Pokal kennt, sodass es nicht, wie in den vorangegangenen Partien zu einer kompletten Auswechslung der Elf kommen kann. Zudem stellte er eine Startaufstellung auf den Platz, die verdächtig danach roch, auch gegen Pokalgegner Hansa Rostock in dieser Form auflaufen zu können. „Heute spielen die Besten“, kündigte Dardai vor der Begegnung an. Diese waren:

Jarstein, Pekarik – Langkamp – Rekik- Plattenhardt, Darida – Skjelbred, Weiser – Kalou, Esswein – Ibisevic

Somit trat die Mannschaft in einem 4-4-2 an, Darida und Skjelbred bildeten dabei die Doppelsechs und Esswein agierte als hängende Spitze, leicht hinter Kapitän Ibisevic. Das System scheint Zukunft zu haben, schließlich ließ Dardai in der Vorbereitung oft damit spielen, Leckie könnte die Rolle von Esswein ebenso übernehmen. Alles sprach also für ein Testspiel, an dem sich das Team messen lassen muss, was Fitness, taktisches Verhalten und Spielwitz angeht.

 

Ein starker Abschluss

 

Umso wichtiger war die Erkenntnis, dass sich die Spieler in Blau-Weiß bereits in einer sehr guten Verfassung zeigten. Hertha ging als verdienter Sieger vom Feld und deutete viele Verbesserungen zur Vorsaison an.

Die Mannschaft war von Anfang an hellwach und erzielte nach gerade einmal zwei gespielten Minuten die Führung. Ein gut ausgeführte Ecke von Marvin Plattenhardt nutzte Neuzugang Karim Rekik, der sich in den hohen Ball wuchtete und Istanbuls Keeper Muslera bei seinem Kopfball keine Chance ließ.

Auch danach kontrollierte Hertha das Spielgeschehen nahezu komplett. Zu Tragen kam dabei das neuartig aggressive Gegenpressing, was einen Trainingsschwerpunkt in Schladming dargestellt hatte. Die Spieler setzten die „Löwen“ ordentlich unter Druck, allen voran Mitchell Weiser und Vedad Ibisevic, weshalb Istanbul kaum ins Spiel hineinfand. Durch die erzwungenen Fehler kam Hertha immer wieder zu guten Offensivszenen und Schussgelegenheiten, die leider allesamt ungenutzt blieben. Ein 2:0 hätte sicherlich einen massiven Effekt auf das Spiel gehabt und verhindert, dass es dann doch noch einmal spannend wurde. „Es hat gut ausgesehen. Wir haben kontrolliert gespielt und ein gutes Gegenpressing gezeigt, haben nur das zweite Tor nicht gemacht“, analysierte Dardai.

Der erste Phase des zweiten Durchgangs lief wiederum alles andere als geplant. Hertha ließ deutlich mehr zu, die (geistige) Müdigkeit war den Spielern deutlich anzusehen, wodurch sie ihre Gegenspieler nicht mehr konsequent anliefen und große Lücken ließen. „Die 20 Minuten nach der Pause waren zum Erschrecken. Der Gegner hat uns gepresst und wir haben die Ordnung verloren“, ärgerte sich Dardai. Diese Nachlässigkeit wurde auch bestraft, in der 59. Minute erzielte Ex-Bundesligastürmer Eren Derdiyok das 1:1. Sein Tor zum Ausgleich war absolut sehenswert, er legte sich den Ball selbst hoch auf und versenkte ihn per Volley im rechten Eck, jedoch wurde ihm auch viel zu viel Platz dafür gelassen.

Hertha konnte sich aber wieder stabilisieren und zeigte in abgeschwächter Form das, was auch in der ersten Halbzeit so gut funktionierte: Konsequentes Anlaufen und schnelles Umschalten. In der 74. Minute konnte man auch den verdienten Schlusspunkt setzen, Esswein bediente Vedad Ibisevic mit einer tollen Vorarbeit, der nur noch zum 2:1-Siegtreffer einschieben musste. „Wir haben uns nach dem 1:1 geschüttelt, das spricht für die Mannschaft. Am Ende haben wir verdient gewonnen“, so der Coach.

Daraufhin konnte Hertha seinen Gegner weitestgehend vom eigenen Tor fernhalten und den Sieg einfahren, der dem gesamten Spielverlauf entsprach. Eine starke Leistung der Mannschaft, die sich bereits auf einem guten Niveau wiederfindet und vielversprechende neue Ansätze gezeigt hat.

 

Spieler empfehlen sich

 

Bei diesem Sieg konnten sich einige Spieler positiv hervortun und sich für den Saisonstart aufdrängen, seien es Neuzugänge oder bereits bekannte Gesichter.

 

(Photo by Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)

Um hinten anzufangen, sei Karim Rekik zu nennen.  Der 22-Jährige fügt sich hervorragend in die Mannschaft ein und tritt bereits als Abwehrchef auf.  Dardai urteilte nach dem Spiel: „Karim macht Fortschritte, zum Beispiel bei der Spieleröffnung“, so sah man viele starke Pässe in die Tiefe, aber auch sichere Steilpässe auf die Außen, sodass er das Spiel breit macht.

Des Weiteren wirkt er in seinem Defensivverhalten sehr sicher. Der Holländer beweist ein gutes Stellungsspiel und eine resolute Zweikampfführung, sodass er keinen angenehmen Gegenspieler für Stürmer darstellt. Zudem ist er sehr ballsicher, weshalb er auch bei hohem Pressing nicht aus der Ruhe gerät und auch mit dem Ball am Fuß ein paar Schritt gehen kann, in diesen Szenen erinnert er leicht an John Anthony Brooks. Auch seine Kopfball- und damit einhergehende Standardstärke haben sie gemeinsam, so erzielte Rekik den ersten Treffer des Tages.

Diesen scheint er durch solche Leistungen vergessen zu machen, auch wenn stets betont werden muss, dass es sich um ein Testspiel handelte. Dennoch ist es beeindruckend, wie selbstverständlich er in der Viererkette agiert, als ob er schon seit Jahren mit Langkamp und co. zusammenspielen würde.

 

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Jemand, der sich kaum noch empfehlen brauch und dennoch positiv auffiel, war Mitchell Weiser.

Der U21-Europameister kam wohl mit viel Selbstbewusstsein vom Tunier wieder und zeigt, warum er der wohl begnadetste Fußballer in Herthas Reihen ist. Zudem war zu sehen, was er zum Leisten in Stande ist, wenn er endlich bei 100% Fitness steht.

Weiser war eine regelrechte Pressingmaschine, er lief den Gegner unaufhörlich an und scheint Dardais taktische Anordnungen bereits vollends verinnerlicht zu haben. Er erzielte viele Ballgewinne, sei es durch gewonnene Zweikämpfe oder abgefangene Pässe, wodurch es zu zahlreichen Kontergelegenheiten kam.

Diese führte er dann auch meist selbst an, dabei arbeitete er mit seiner eindrucksvollen Geschwindigkeit und seinen unwiderstehlichen Dribblings. Sehr viele Angriffe liefen über ihn, da er sich auf engem Raum gut durchsetzten konnte und stets ein Auge für den freien Mitspieler hatte.

Der 23-Jährige war schlichtweg Mann des Spiels, auch wenn er keinen Treffer schoss oder direkt vorbereitete. Seine Präsenz war atemberaubend. Nun heißt es nur noch: Fit bleiben!

 

(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Die größte Überraschung ist aber wohl Alexander Esswein.

„Essi ist für mich bislang die positive Überraschung der Vorbereitung. Er kniet sich unglaublich rein, gibt in jedem Training Vollgas. Wir probieren jetzt was anderes mit ihm: Wir lassen ihn stürmen“, zeigt sich Pal Dardai vom 27-Jährigen begeistert.

Esswein zeigt sich in einer großartigen Verfassung, befand sich schon in den ersten Testspielen der Vorbereitung in einer absoluten Frühform. Dabei spielt in dieser Phase gar nicht auf seiner angestammten Position auf dem Flügel, sondern als hängende Spitze neben Vedad Ibisevic. „Wenn wir mit zwei Angreifern spielen, ist er einer davon, dann stelle ich Essi in die Spitze. Im Training funktioniert das schon sehr gut, er erzielt viele Tore. Mal sehen, wann im Spiel bei ihm der Knoten platzt“, sagt der Ungar. Bislang gelangen Esswein nur Tore durch Elfmeter, die er aber allesamt souverän verwandelte.

Es scheint, als habe er den Konkurrenzkampf voll angenommen und keine Angst vor Neuzugängen wie Valentino Lazaro oder Mathew Leckie. Dafür zeigt er sich überraschend wandelbar, um auch im kommenden Jahr auf seine Einsätze zu kommen. „In der Doppelspitze ergeben sich für mich neue Möglichkeiten. Ich komme öfter zum Abschluss, kann meine Schnelligkeit anders einsetzen“, zeigt sich Esswein selbstbewusst. Tatsächlich passt sein Spielstil zur neuen Ausrichtung Herthas, das durch schnelles Umschaltspiel und die Inszenierung der Offensivspieler zum Erfolg kommen will. Esswein wurde in den Testspielen immer wieder in die Tiefe geschickt, wo er für viel Gefahr sorgte und u.a. Ibisevic beim Spiel gegen Galatasaray zum 2:1 bediente.

Es scheinen neue Zeiten für Esswein anzubrechen, der in der vergangenen Spielzeit noch oftmals massiv unter Kritik stand.

 

 

 

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Marc ist Chefredakteur und 20 Jahre alt. Marc über sich selbst: "Ich kann zwar keine Kurvendiskussionen erklären, aber alle Winkelzüge eines 4-2-3-1-Systems. "Irgendwas mit Medien" habe ich mir zum Lebensinhalt gemacht, vielleicht auch, weil ich alles andere nicht kann, aber eben auch, weil ich den Fußball und vor allen Dingen meine alte Dame liebe. Diese Leidenschaft kann ich in meinem Herzensprojekt Hertha BASE 1892 vollends ausleben. Eigentlich ist diese Seite aber nur das Sprungbrett zur Moderation des Sport1-Doppelpass, aber das bleibt unter uns!"

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