Start National DFB Pokal Vorbericht Hertha BSC – Borussia Dortmund

Vorbericht Hertha BSC – Borussia Dortmund

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Nun ist es endlich soweit. Was gewesen und was sein wird, zählt nicht. Am Mittwochabend geht es nur um diese 90 oder optional 120 Minuten. Vergessen seien die letzten zugegebenermaßen sehr bescheidenen Wochen. Vergessen sei, dass Herthas Profis noch nie das Finale des DFB- Pokals in Berlin erreichen konnten. Vergessen sei, dass man gegen den BVB im Normalfall komplett chancenlos ist. Denn wenn man vom Deutschen Pokal eines sagen kann, dann dies: Er ist alles, außer rational.

Der letzte Schritt zum ewigen Traum

Jahr für Jahr ist es das gleiche Lied. Während es, abhängig von der derzeitigen Ligazugehörigkeit, in den vergangenen Spielzeiten mal so mal so im sportlichen Alltagsgeschäft lief, so war auf Herthas Leistung im nationalen Pokalwettbewerb stets Verlass. Mit erschreckender Regelmäßigkeit musste man sich frühzeitig Fußballschwergewichten wie Wormatia Worms geschlagen geben und so war der große Traum, endlich dieses magische Finale im eigenen Wohnzimmer bestreiten zu können, meist schon ausgeträumt, bevor man sich überhaupt schlafen gelegt hat. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Natürlich kann man berechtigterweise behaupten, dass die „Alte Dame“ nicht unbedingt den größten Widerstand auf dem Weg ins Halbfinale hatte. Bielefeld, FSV Frankfurt, Nürnberg und Heidenheim zählen allesamt nicht zur Beletage des deutschen Ballsports, doch hat dies Hertha selten daran gehindert, dennoch gegen solche Gegner zu verlieren. Pal Dardai machte jedoch früh mit Worten wie Taten unausweichlich klar, wie wichtig dieser Wettbewerb ist. Rotation oder Schonung der Stars im Hinblick auf anstehende Aufgaben im Ligabetrieb gab es unter dem Ungarn nicht. Es spielte, sofern möglich, stets die beste Mannschaft, worin der Unterschied zu Vorgängern wie Jos Luhukay liegt. Dardai, der Ur- Herthaner, weiß um die Wichtigkeit und das Prestige des Pokals für den Berliner Anhang. Dementsprechend gibt es keinen besseren Motivator, um auch die letzte Hürde vor dem Finaleinzug zu meistern. Egal, wie hoch sie auch sei.

Der Stoff, aus dem Legenden gemacht sind

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Hertha dieses Halbfinale zum einen dem Losglück, aber eben auch der eigenen Herangehensweise zu verdanken hat. Jetzt braucht es eine Leistung, von der künftige Generationen noch schwärmen werden. Was für Liverpool die Nacht von Istanbul, für Münchner das Finale im Wembley und für Manchester das Last Minute- Drama in Barcelona, das muss für Herthaner dieser Mittwochabend im Berliner Olympiastadion werden. Nur wenn alle, Spieler und Fans, über das Limit hinausgehen, kann der Traum Realität werden. Das Olympiastadion muss beben, sodass den angereisten Borussen ihre „Süd“ wie ein Opernpublikum vorkommt. Und wenn die Hertha, Gott bewahre, in Rückstand gerät, darf das kein Grund sein, den Support einzustellen. Im Gegenteil! Anfield hat am vergangenen Donnerstag vorgemacht, was passieren kann, wenn man bis zum Schluss dran glaubt.

Der schwerste Gegner zum günstigsten Zeitpunkt?

Damit wären wir beim entscheidenden Sprichwort: Anfield! Ein solches Spiel, wie das in Liverpool steckt keine Mannschaft der Welt im Vorbeigehen weg. Im Viertelfinale der Europa- League, in der die Borussen bis zu diesem Spiel beängstigend dominant gegen internationale Größen wie Porto und Tottenham auftrat, hagelte es am Donnerstag eine besonders bittere Niederlage. Nach zweifacher Zwei-Tore- Führung setzte es in der Nachspielzeit die Niederlage und das gleichbedeutende Ausscheiden. Ausgerechnet in der Phase, in der es um die Vertragsausdehnungen mit Leistungsträgern wie Hummels und Mkhitariyan geht, kommt dieses Ergebnis besonders ungelegen. Gerade vom Dortmunder Kapitän und Weltmeister hört man immer wieder, wie entscheidend die Perspektive auf Titel sei. Da die Bundesliga in den letzten Jahren denkbar einseitig war und der nationale Pokal nur bedingten Reiz auf Spieler dieses Kalibers haben dürfte, ist es durchaus möglich, dass sich Wechselgedanken in dieser Phase der Saison manifestieren, was dem Dortmunder Spiel nicht gerade zuträglich wäre. Natürlich ist es andersherum ebenso möglich, dass die Borussen eine „Jetzt erst recht“- Einstellung an den Tag legen und die Berliner aus dem eigenen Stadion schießen, aber die erste Variante hört sich doch deutlich attraktiver an.

Alle gemeinsam!

Ich verlasse an dieser Stelle mal kurz die Position des kritischen objektiven Hertha BASE- Redakteurs, den ihr alle so liebt und schreibe als Privatmann zu euch.

Uns alle eint, dass wir in den letzten Jahren viel Leid ertragen mussten. Zwei Abstiege binnen kürzester Zeit und die Spielzeiten in Liga Eins waren auch nicht gerade von ekstatischem Fußball geprägt. Aber wir sind noch da! Hohn und Spott zum Trotz haben wir uns nie von unserer Liebe abbringen lassen. Im Gegenteil wurde sie in den schwierigen Phasen vielleicht sogar noch stärker. Und gemeinsam stehen wir nun hier. Auf Platz Vier der Fußballbundesliga und im Halbfinale des DFB- Pokals. Wer jetzt noch ein Motivationsproblem hat, dem ist auch nicht zu helfen. Lasst uns zusammen alles geben für den Traum eines jeden Herthaners. Hüllt die Berliner Straßen und den Nachthimmel in Blau- Weiß und lasst es die ganze Stadt wissen, dass die Saison für Hertha nach dem 34. Spieltag noch nicht vorbei ist.

Herthaner, wie stimmt ihr euch auf das Spiel ein und was ist euer Tipp?

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Alexander ist Redakteur und 21 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

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