Start National 1. Bundesliga Hertha BSC – Schalke 04: Ein Spiel unter umgekehrten Vorzeichen

Hertha BSC – Schalke 04: Ein Spiel unter umgekehrten Vorzeichen

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Deutschland hat sich für die WM in Russland qualifiziert! Nach dieser Hammernews, mit der niemand gerechnet hatte, können wir uns nun wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen, sprich der “Alten Dame“. Nachdem die Länderspielpause für die Berliner Nationalspieler unterschiedlich verlief – Rekik, Ibisevic, Duda und Pekarik konnten sich nicht qualifizieren, während sich Mathew Leckie mit Ach und Krach das WM-Ticket sicherte – gilt die volle Konzentration nun wieder der Bundesliga und den anstehenden englischen Wochen. Zum Auftakt bekommt es Hertha mit dem FC Schalke 04 zu tun.

Schalke vor dem x-ten Umbruch

Der kommende Gegner aus dem Ruhrpott steht in diesem Jahr einmal mehr vor einer ungewissen Saison und einer ungewissen Zukunft. Nachdem man es schon in den vergangenen Jahren nicht schaffte, Talente wie Julian Draxler zu halten, sieht es auch bei Max Meyer und Leon Goretzka stark danach aus, als würden sie ihre im Sommer auslaufenden Verträge nicht verlängern und Gelsenkirchen folglich im Juli ablösefrei den Rücken kehren. Allerdings haben die Schalker inzwischen Übung darin, mit personellen Veränderungen umzugehen. Nachdem es schon im Sommer 2016 in der Neubesetzung des Trainer- und Sportdirektorenposten zu massiven Wechseln kam, reagierte Christian Heidel auch in diesem Jahr mit einer Trainerentlassung auf die erfolglose zurückliegende Spielzeit. Für Markus Weinzierl, zu dessen Verpflichtung fast sämtliche Experten und Journalisten den “Knappen“ gratulierten, um ihn nur nach einem Jahr wieder verabschieden zu müssen, kam der gerade einmal 32-jährige Jungtrainer Domenico Tedesco. Dessen Erfahrung im Profibereich besteht bis dato lediglich aus ein paar Monaten beim Zweitligisten Erzgebirge Aue. Tedesco übernahm die Sachsen im März diesen Jahres auf dem letzten Tabellenplatz und schaffte mit mutigem Fußball den Klassenerhalt.

Seit Sommer neuer Trainer auf Schalke: Domenico Tedesco (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Eine klar erkennbare Handschrift im Spiel, idealerweise gepaart mit erfolgreichem Fußball: Was Markus Weinzierl in einem Jahr auf Schalke nicht gelang, soll unter Tedesco nun endlich realisiert werden. Nach sieben Spieltagen ist diese Mission noch nicht erfolgreich umgesetzt werden. Zwar startete S04 mit drei Siegen aus vier Spielen so erfolgreich wie seit sechs Jahren nicht, eine eigene Identität im Spiel ist aber noch nicht vorhanden. Während Tedesco nach dem 2:0-Auftaktsieg über Leipzig quasi mit einer Spiegelung des Überfallfußballs von RB aus der letzten Saison von der gesamten Medienlandschaft in den Himmel gehoben wurde, ist der Hype inzwischen etwas abgeebbt. Gerade im Spiel mit dem Ball fehlt es noch am einheitlichen Konzept, was auch damit zusammenhängen kann, dass Tedesco seine Idealaufstellung noch nicht gefunden zu haben scheint. So wechselte er allein auf der Position der Doppelsechs in den zurückliegenden drei Partien jeweils bunt durch. Einzige Konstante ist, dass all diese Spiele mit einem 3-4-3 und ohne Sieg vonstattengingen. Damit ist auch der gute Saisonstart mittlerweile kein Thema mehr. Nach sieben Spieltagen steht Schalke mit 10 Zählern eine Platzierung über Hertha, was angesichts der fehlenden Dreifachbelastung weit entfernt von den Ansprüchen der Knappen ist.

Ein Sommer mit Zündstoff

Neben der Neubesetzung des Trainerpostens und den gescheiterten Vertragsverlängerungen mit Goretzka und Meyer sorgte vor allem eine Personalie für mächtig Diskussionen in und um den Verein. Benedikt Höwedes, so etwas wie der Steven Gerrard von Schalke 04 – eigentlich zu höherem berufen und von Top-Teams umworben, aber am Ende der Vereinstreue verpflichtet – verließ unter Begleitung vieler Störgeräusche den Verein. Nachdem er in den ersten Partien nur auf der Bank saß, gab es wohl unterschiedliche Auffassungen über Höwedes‘ Rolle unter Neu-Coach Tedesco. Dies bewog Höwedes, nach insgesamt 16 Jahren auf Schalke seinen Verein zu verlassen und in Richtung Turin weiterzuziehen.

Höwedes verließ Schalke im Sommer nach 16 Jahren im Verein. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images) Picture Thumbnail

Der erwartbare Unmut der Schalker Fans blieb selbstverständlich nicht aus. Mit Plakaten und Sprechchören machte die Nordtribüne unmissverständlich deutlich, was sie von dem Verkauf einer der letzten Identifikationsfiguren des Vereins halten. Abgesehen davon, blieb es allerdings, zumindest von außen betrachtet, relativ ruhig. Dies könnte sich jedoch schnell ändern, sollte sich der sportliche Erfolg nicht schnellstmöglich einstellen.

Hertha und Schalke mit ungewohnten Rollen

Dass dies nun schon gegen Hertha der Fall sein könnte, ist inzwischen alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Während Hertha bei Auswärtsauftritten auf Schalke ebenso gut die B-Jugend entsenden könnte, da für Hertha dort traditionell nichts zu holen ist, spricht die Heimbilanz gegen S04 eine ganz andere Sprache. Aus den letzten drei Spielen im Olympiastadion verlor Hertha kein einziges und konnte die jüngsten beiden sogar gewinnen. Auch die Rollenverteilung ist mittlerweile eine andere. War Schalke in der Vergangenheit die favorisierte Mannschaft, die Hertha zwischen den englischen Wochen bespielen musste, ist es inzwischen umgekehrt. Das Team von Tedesco qualifizierte sich erstmals seit fünf Jahren nicht für einen europäischen Wettbewerb, während Hertha dieser Tage mit der Dreifachbelastung agieren muss. Aufgrund der zurückliegenden Länderspielpause spielt das Argument Europa für die bevorstehende Partie allerdings keine Rolle. So darf sich Hertha, auch wenn es suspekt klingen mag, gerade aufgrund der Heimstärke und der Tatsache, dass sich Schalke in der aktuellen Saison noch finden muss, als leicht favorisiert fühlen. Aber wie immer sind diese Angaben ohne Gewähr.

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Alexander ist Redakteur und 21 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

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