Start National 1. Bundesliga Hertha BSC – 1. FC Köln: Eisberg oder Rettungsschwimmer?

Hertha BSC – 1. FC Köln: Eisberg oder Rettungsschwimmer?

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Da spielt man seit einer gefühlten Ewigkeit einmal wieder schönen Offensivfußball, erarbeitet sich ein klares Chancenplus, geht hochverdient mit einer Führung in die Pause – und am Ende kehrt Hertha mit leeren Händen zurück nach Berlin. So ganz kann man die Niederlage in Gladbach auch knapp eine Woche später noch nicht verstehen. Tabellarisch trägt man zwar keinen Schaden davon, da es für Hertha hüben wie drüben um nichts mehr geht. Dennoch wäre der Sieg für das Fanherz, das in der aktuellen Spielzeit viel Schonkost hinnehmen musste, und auch für das eigene Selbstbewusstsein enorm wichtig gewesen. So muss man nun hoffen, dass es Pal Dardai gelingt, das Positive mitzunehmen und seiner Mannschaft zu vermitteln, dass man mit dieser Spielweise weitaus mehr Begeisterung bei den Zuschauern kreiert, als es bei der klaren Mehrzahl der anderen Spiele von Hertha der Fall war.

Hertha als Eisberg für den 1. FC Köln?

Trainer Ruthenbeck hat Köln deutlich stabilisiert, konnte seinen Verein aber nicht aus der Abstiegszone führen. (Photo credit should read ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Vor vier Wochen drohte Hertha, bei einem 0:1-Halbzeitrückstand in Hamburg den Abstiegskampf spannend und dem HSV wieder Hoffnung zu machen. Stattdessen bewies man Nervenstärke, drehte die Partie und besiegelte – so dachte man damals – den Abstieg der Hamburger. Die gegenwärtige Berichterstattung zeigt einmal mehr, wie schnelllebig der Fußball ist. Denn während der 1. FC Köln den Patzer der Hamburger am 27. Spieltag nutzte, am HSV vorbeizog und plötzlich wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt hatte, sieht die Welt vor dem 30. Spieltag wieder komplett anders aus. Der HSV wittert wieder Hoffnung und dem effzeh rennt die Zeit zum Punkten immer mehr davon. Wie schon vor vier Wochen kann Hertha jetzt eine entscheidende Rolle im Abstiegskampf spielen. Entweder, als vermeintlicher Eisberg des 1. FC Köln, der die letzte Hoffnung auf ein Happy End zerstören kann, oder aber als Rettungsschwimmer, wie es gegen Mainz und Wolfsburg der Fall war.

Köln und der falsche Freund “Hoffnung“

Blickt man als Herthaner dieser Tage auf Köln, lernt man, den Wert der Langeweile zu schätzen. Zwar animiert Hertha gerade nicht wirklich zu Jubelausbrüchen, umgekehrt muss man aber auch keine Angst um die Ligazugehörigkeit haben. Kölns Saison dagegen ist ein einziges Wechselbad der Gefühle. In der Liga hatte man bis zum 16. Spieltag historisch schlechte drei Punkte, riss binnen weniger Monate alles ein, was man sich über Jahre unter Stöger und Schmadtke aufgebaut hatte – und gewann inmitten dieser Zeit gegen den FC Arsenal und hatte am letzten Spieltag der Gruppenphase noch die Möglichkeit, in die KO-Phase der Europa League einzuziehen. Und als wäre das nicht genug, startete man plötzlich mit einer Serie in die Rückrunde, die das Kölner Umfeld wieder auf den Ligaverbleib hoffen ließ, um just immer dann Federn zu lassen, wenn der Relegationsplatz zum Greifen nah war. Man mag es sich wahrhaftig nicht vorstellen, wie das Innenleben eines Kölner Fans derzeit aussieht.

Ruthenbecks Vorgänger Stöger (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Köln sportlich vor Hertha

Dennoch spricht der Trend in der Rückrunde vor dem direkten Aufeinandertreffen für den „effzeh“. Köln ist 10. in der Rückrundentabelle und hat drei Punkte mehr gesammelt, als Hertha. Beeindruckend ist zudem die Tordifferenz der beiden Mannschaften. Hertha stellt mit sieben erzielten und neun gefangenen Toren sowohl den schlechtesten Angriff als auch die beste Abwehr. Derweil hat Köln mehr als doppelt so viele Tore seit dem 18. Spieltag erzielt, ist mit 24 Gegentoren im selben Zeitraum aber auch die anfälligste Mannschaft. Vor allem individuelle Fehler und Unkonzentriertheiten in der Hintermannschaft wurden dem Team Trainer Ruthenbeck jüngst zum Verhängnis. All das wäre nicht dramatisch – immerhin spielt Köln im Ligavergleich einen der ansehnlicheren Spielstile und fährt solide seine Punkte ein – allerdings reicht eine solide Rückrunde eben nicht aus, um diese unglaubliche Hyopthek, die sie aus der Hinrunde mitnehmen mussten, auszugleichen. Trotzdem ist noch nicht aller Tage Abend. Gewinnt Köln in Berlin, sind es im Idealfall noch drei Punkte bei dann vier ausstehenden Spielen. Doch das hängt davon ab, ob Hertha der Eisberg oder der Rettungsschwimmer ist.

Eure Meinung ist gefragt. Kann Hertha an die gute Leistung in Gladbach anknüpfen und sich dieses Mal belohnen? Oder leistet die „Alte Dame“ einmal mehr Aufbauhilfe? Was ist euer Tipp?

*Quelle Titelbild: (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

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Alexander ist Redakteur und 22 Jahre alt. Alexander über sich selbst: "Schon im Alter von fünf Jahren prophezeite mir mein damaliger Coach eine große Karriere - aber nicht als Fußballer. Mit der Torgefahr Arthur Wichniareks zu Berliner Zeiten und der Ausstrahlung von Gabor Kiralys Jogginghose war früh klar, dass ich mich lieber aufs Schreiben denn aufs Kicken fokussieren sollte. Das tu ich, am liebsten über Hertha, der ich seit 2004 treu ergeben bin und mir dafür ebenso lange Hohn und Spott meiner Freunde anhören darf. Aber wenn wir erst Champions League- Sieger sind, bin ich der, der lacht!"

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