Hertha BSC – FC Bayern München: Wunder wiederholen

Hertha BSC – FC Bayern München: Wunder wiederholen

Es wurde um Hertha BSC in dieser Winterpause sehr viel geredet, sehr viel geschrieben und sehr viel spekuliert. Jetzt heißt es endlich wieder Bundesliga-Alltag. Am Sonntag um 15.30 Uhr ist im ersten Pflichtspiel des Jahres der FC Bayern München im Olympiastadion zu Gast. Keine Zeit also, sich gegen vermeintlich „schwächere“ Gegner warm zu schießen. Die „alte Dame“ muss sich direkt gegen den Rekordmeister beweisen. Kann Hertha dabei erneut für ein Wunder sorgen, und sich als Bayern-Angstgegner etablieren?

Für unseren ersten Vorbericht im Jahr 2020 haben wir uns wieder Unterstützung geholt. Dieses Mal teilt Celine (@Zeilenfieber auf Twitter) ihr Wissen mit uns. Sie ist nicht nur FC Bayern-Expertin, sondern schreibt auch für goal.com über nationalen und internationalen Fußball. Dank ihr bekamen wir einen besseren Eindruck über die aktuelle Lage bei unseren Gästen.

Mit Hansi Flick doch noch zur Meisterschaft?

Allzu viel müssen wir über die Hinrunde unseres Gegners nicht sagen: kein Verein ist in Deutschland mehr im Fokus als der FC Bayern. „Nur“ Platz drei nach 17 Spieltagen und ein spannendes Meisterschaftsrennen, dazu eine Trainerentlassung. Was für den FC Bayern nicht optimal lief, war für viele Fußballliebhaber in Deutschland eine positive Entwicklung. Durch die (zwischenzeitliche) Bayern-Krise ist es im Meisterschaftsrennen deutlich spannender, als in den Jahren zuvor.

Cheftrainer beim FC Bayern: “Hansi” Flick (Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Unter der Führung des neuen Trainers “Hansi” Flick gab es bislang nur zwei Niederlagen – gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach. Ansonsten wurden alle Spiele gewonnen. Was für eine Rolle der neue Trainer dabei spielt, erklärt uns Celine: „Flick hat dem Team in erster Linie neues Leben eingehaucht und setzt insgesamt auf eine kompaktere Ausrichtung als Kovac. Die größte Veränderung ist aber das hohe Pressing, das den Gegner zu Fehlern zwingen soll. Dadurch verkürzen sich zudem auch die Wege zum gegnerischen Tor.“

Die – für Bayern-Verhältnisse – schwierige Hinrunde sorgte dafür, dass nicht die Münchener, sondern Red Bull Leipzig die Hinrunde auf Platz eins beendete. Doch für unsere Bayern-Expertin wird es trotzdem am Ende für eine erneute Titelverteidigung reichen: „Bayern ist diese Saison zwar nicht der Favorit, aber ich glaube, dass Gladbach die Leistungen aus der Hinrunde nicht bestätigen kann und dass Leipzig die fehlende Erfahrung im Kader zum Verhängnis wird.“

Viele Misserfolge darf es allerdings nicht geben, sodass auch der Rekordmeister am Sonntag alles daran setzen wird, die drei Punkte mitzunehmen. Laut Celine ist „Bayern für gewöhnlich auf den Punkt zur Stelle, wenn Ergebnisse gefordert sind.“

Lewandowski wieder fit – Kimmich gesperrt

Dabei werden die Gäste, die ihre Vorbereitung in Katar absolvierten, ohne Stars wie Kingsley Coman, Lucas Hernandez, Niklas Süle oder Javi Martinez auskommen müssen. Auch auf Joshua Kimmich müssen sie verzichten, der 24-Jährige ist gelb gesperrt.

Der beste Torschütze der Bundesliga Robert Lewandowski wird rechtzeitig wieder fit. (Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Doch auch ohne die genannten Spieler ist der FC Bayern wesentlich besser aufgestellt als die Hauptstädter. Robert Lewandowski wird wohl bis Sonntag gerade so noch fit werden. In welcher Verfassung der aktuelle Topscorer der Bundesliga (19 Tore) sein wird, ist allerdings noch nicht klar. Doch Celine verrät uns: „Angesichts der angespannten Personalsituation bleibt Flick eigentlich keine andere Möglichkeit, als Lewandowski aufzustellen.“

Sollte dieser nicht fit genug für 90 Minuten sein, hat Bayern zwar keinen gleichwertigen Ersatz parat, jedoch mehrere Alternativen. „Vor dem Trainingslager wäre wohl die B-Lösung gewesen, Gnabry von außen in die Mitte zu versetzen. Nun ist Zirkzee die erste Alternative, der sich mit zwei Toren bereits vor der Winterpause gezeigt hat“, sagt unsere Bayern-Expertin.

Eines ist sicher: selbst angeschlagen und mit den genannten Problemen wird der FC Bayern am Sonntag eine Herkules-Aufgabe für die Blau-Weißen sein.

Große Sprüche, Transfergerüchte und abgelaufene Trainerlizenz

Doch gerade um diese Aufgabe zu bewältigen, haben die Berliner ihre Vorbereitung früher und intensiver begonnen, als ursprünglich geplant. Dabei wurde die Wintervorbereitung nicht nur für die Profis unter Jürgen Klinsmann anstrengend. Auch die Nerven der Hertha-Fans wurden auf die Probe gesetzt, da es rund um Hertha in den Medien viel Unruhe gab.

Ob höchst kritische Bewertungen von Herthas Entwicklung unter dem Einfluss von Lars Windhorst, große Sprüche von „Performance Manager“ Arne Friedrich oder von Cheftrainer Jürgen Klinsmann oder verrückte Transfergerüchte: es gab für Journalisten viel zu schreiben. Nicht zuletzt auch über die kuriose Situation rund um Klinsmanns abgelaufene Trainer-Lizenz. Diese für Hertha-Verhältnisse unverhältnismäßig hohe mediale Aufmerksamkeit mag für Manager Michael Preetz ein „gutes Zeichen“ sein, für den einen oder anderen Hertha-Fan war es sicherlich eine anstrengende Zeit.

Umso glücklicher wird man also sein, dass es ab Sonntag in Berlin wieder um Fußball geht (zumindest für 90 Minuten). Dabei wurde die Mannschaft in der Vorbereitung auch personell verändert. Die Leihen von Eduard Löwen (zum FC Augsburg) und von Ondrej Duda (Norwich City) sowie die Ankunft von Neu-Herthaner Santiago Ascacíbar sind dabei die wohl wichtigsten Änderungen. Auch die Aussortierung von Salomon Kalou sorgte für Gesprächsstoff.

Wie kann Hertha erneut Bayern schlagen?

Umso wichtiger wäre es also am Sonntag für neue, positive Schlagzeilen zu sorgen. Wie man das gegen den amtierenden Meister anstellt, hat Hertha bereits in den letzten Jahren bewiesen. In der Liga ist man Zuhause seit 2016 gegen die Bayern ungeschlagen, in der letzten Partie im Olympiastadion im DFB-Pokal schafften es die Blau-Weißen bis in die Verlängerung und musste sich schließlich knapp mit 2:3 geschlagen geben.

Im letzten Bundesligaspiel gegen den FC Bayern im Olympiastadion gewann Hertha mit 2:0. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Doch welche Schwächen müsste Hertha ausnutzen, um Bayern am Sonntag zu schlagen? Celine antwortet: „Ich würde sagen, die größte Schwäche liegt darin, dass Bayern noch zu wenig aus den Möglichkeiten macht. Außerdem müssen bei Kontern die Lücken geschlossen werden, die durch die rausschiebenden Außenverteidiger entstehen.“

Für Celine gibt es also vor allem einen Weg, um gegen die Münchener zu bestehen: „Auch bei der größten Überlegenheit der Bayern nicht aufgeben, sondern weiterspielen und an sich selbst glauben. Siehe die Spiele gegen Leverkusen und Gladbach in der Hinrunde.“ In den genannten Spielen war zwar die Elf aus München haushoch überlegen, verlor aber am Ende trotzdem.

„Keine großen Überraschungen“

Große Überraschungen wird es, wie von Cheftrainer Jürgen Klinsmann während der Vorbereitung angedeutet, nicht geben. Die Startelf scheint bereits fest zu stehen. Die Abwehr wird wohl genauso aussehen wie im letzten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, mit dem wiedergenesenen Marvin Plattenhardt und Lukas Klünter als Außenverteidiger.

Dedryck Boyata ist unumstrittener Stammspieler. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

In der Mitte sind Karim Rekik und Dedryck Boyata erstmal gesetzt. Insbesondere für Boyata gab es von Jürgen Klinsmann in der Pressekonferenz am Freitagnachmittag viel Lob. Der Cheftrainer sieht im Belgier „einen der besten Innenverteidiger Europas“. Für Niklas Stark und Jordan Torunarigha bedeutet diese Rangordnung also erneut nur einen Platz auf der Bank.

Gleiches gilt für Kapitän Vedad Ibisevic und Leihspieler Marius Wolf, denn auch im Sturm scheint alles klar zu sein. Davie Selke, Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio werden auch gegen den FC Bayern starten. Die einzige offene Frage ist, ob Neuzugang Santiago Ascacíbar sofort in die Startelf einrückt. Er könnte die einzige Änderung in der Startelf darstellen, und würde für Per Skjelbred reinrotieren. Neben ihm sind wohl Vladimir Darida und Marco Grujic zunächst einmal gesetzt. Arne Maier ist hingegen noch nicht bei 100 Prozent und wird erst in den nächsten Wochen wieder eine Rolle spielen.

Hoffnung auf das nächste Wunder

Unsere Bayern-Expertin wird wohl am Sonntag ungerne Dodi Lukebakio in der gegnerischen Startelf sehen: „Bayern scheint für Lukebakio inzwischen sowas wie ein Lieblingsgegner zu sein. Er hat damals beim 3:3 von Düsseldorf und dem 2:2 der Hertha in der Hinrunde bewiesen, dass er Bayern gefährlich werden kann.“ Trotzdem bleibt Celine optimistisch und tippt auf ein 2:1-Auswärtssieg für die Münchener. Dagegen hat man als Hertha-Fan natürlich noch frische Erinnerungen am 2:0-Erfolg in der letzten Saison. Eigentlich ein Wunder, auch wenn der Sieg aus Berliner Sicht verdient war.

Ob dieses Mal Dodi Lukebakio seinen Status als Bayern-Schreck bestätigt oder der FC Bayern in der letzten Minute einer siebenminütigen Nachspielzeit den Ausgleich erzielt: ein Punktgewinn wäre für die „alte Dame“ durchaus wichtig. Dabei würde man die im vergangenen Jahr gestartete Serie ohne Niederlage weiterführen und die mannigfaltige Berichterstattung wieder aufs Sportliche lenken – denn “wichtig ist auf’m Platz”.

Bayer Leverkusen – Hertha BSC: Jeder Punkt zählt

Bayer Leverkusen – Hertha BSC: Jeder Punkt zählt

Die englische Woche hat für Hertha BSC ganz gut begonnen: am Samstagnachmittag konnte man endlich wieder einen Sieg einfahren. Gegen den SC Freiburg reichte ein knappes 1:0 durch ein Traumtor von Vladimir Darida. Doch am Mittwochabend wartet ein zumindest individuell stärkerer Gegner auf die Blau-Weißen. Können die Spieler von Jürgen Klinsmann auch bei Bayer Leverkusen punkten, und den nächsten Schritt aus der gefährlichen Tabellenregion machen?

Leverkusen vs. Leverkusen in Köln

Herthas Gegner am Mittwochabend ist ohne Frage qualitativ ein ganz anderes Kaliber als der SC Freiburg. Doch in der Tabelle steht Bayer Leverkusen noch unter den Breisgauern auf Platz sieben. 25 Punkte konnte die „Werkself“ bisher sammeln, sieben Siege, vier Remis und vier Niederlagen – eine sehr durchwachsene Bilanz.

Bayer Leverkusen verlor am Samstag zwei Spieler durch rote Karten. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zuletzt gab es in der Bundesliga einen glücklichen Sieg gegen den FC Bayern München (2:1) und auch gegen Schalke 04 gab es drei Punkte. In der Champions League konnte sich die Mannschaft von Peter Bosz nicht für das Achtelfinale qualifizieren, spielt als Gruppendritter in der Rückrunde in der Europa League weiter. Am Samstag wurde man dann im Derby vom geschwächten 1.FC Köln erwartet.

Dieses Spiel entwickelte sich allerdings schnell zum Desaster für Leverkusen. Eine verdiente 2:0 Niederlage für den Favoriten, der in der ersten Halbzeit keine Mittel fand und sich in der zweiten Halbzeit quasi selber schlug. Erst eine gelb-rote Karte für Aleksandar Dragovic, dann die glatt rote Karte für Leon Bailey – bereits seine zweite in dieser Saison. Mit zwei Spielern weniger auf dem Platz konnte man die Derbyniederlage nicht mehr verhindern.

Nach dem Spiel zeigten sich nicht nur die Fans sondern auch die Spieler wütend und enttäuscht. Insbesondere Rot-Sünder Bailey musste viel Kritik der eigenen Mitspieler einstecken. Kapitän Lars Bender sprach davon, dass Bailey der Mannschaft „einen Bärendienst“ erwiesen hätte, man erwarte eine Entschuldigung. „Er hat die Mannschaft wieder enttäuscht“, war von Torhüter Lukas Hradecky zu hören. „Wir sind dumm und blöd. Wir nehmen uns selber aus dem Spiel“, hieß es zusätzlich noch von Sven Bender.

Trotz Sperren Hochfavorit

Nicht die beste Stimmung also bei der „Werkself“. Zumal ein verlorenes Derby bekanntlich immer Spuren hinterlässt. Für Hertha wird es trotz der Sperren und der angespannten Nerven in Leverkusen am Mittwoch eine sehr schwere Aufgabe.

Bailey und Dragovic fallen zwar gesperrt aus, doch Bayer Leverkusen wird nichtdestotrotz eine hochkarätige Startelf aufstellen können. Jonathan Tah kehrt nach seiner Rotsperre zurück und wird den Ausfall von Dragovic kompensieren. Der Ausfall von Leon Bailey wird auch durch die Riesenqualität in der Offensive der Leverkusener ausgeglichen werden können. Karim Bellarabi, Moussa Diaby, Nadiem Amiri, Paulinho, Kai Havertz, Lucas Alario oder Kevin Volland – Cheftrainer Peter Bosz kann sich über fehlende Optionen nicht beschweren.

“Die Berliner Mauer” beim letzten Sieg in Leverkusen.

Die Rotsperren werden Hertha zwar nicht schaden, doch einen großen Vorteil können die Hauptstädter sicher nicht erwarten. Leverkusen wird als haushoher Favorit in das Spiel gehen. Auch die Statistik spricht für die Heimmannschaft. Am 10.02.2018 konnte sich Hertha noch mit 2:0 am Rhein in einer denkwürdigen Partie durchsetzen. Bis auf dieses Spiel konnten die Blau-Weißen jedoch in Leverkusen seit 2012 nicht mehr punkten. Alle weiteren Begegnungen in der „BayArena“ verlor die „alte Dame“ klar.

Erster Sieg unter Klinsmann

Nicht allzu viel spricht also für das Team von Jürgen Klinsmann. Dabei konnte man sich am Samstag gegen den SC Freiburg endlich wieder einen Sieg erkämpfen. In einer sehr knappen und umkämpften Begegnung setzten sich die Hertha-Profis nicht unverdient durch ein Traumtor von Vladimir Darida durch.

Eine ähnliche Situation erlebte Hertha diese Saison nach dem ersten Saisonsieg gegen den SC Paderborn. Auch da holte man den Sieg, ohne zu glänzen. Auch da zweifelten viele Fans über die Bedeutung des geholten Dreiers. Es folgte eine Reise an den Rhein zum 1. FC Köln, wo sich Hertha mit 4:0 durchsetzen konnte, wiederum gefolgt von einem weiteren Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf. Ein „dreckiger Sieg“ wie gegen Paderborn oder Freiburg kann mentale Fesseln bei der Mannschaft lösen.

Jetzt fahren die Berliner erneut an den Rhein, dieses Mal nach Leverkusen. Ob der Sieg am Wochenende ausreicht, um mentale Blockaden im Team zu lösen, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass diese drei Punkte der Mannschaft gut getan haben. „Es fühlt sich brutal gut an“, hieß es von Kapitän Vedad Ibisevic.

Keine Feier in der Ostkurve nach dem 1:0 Sieg gegen den SC Freiburg. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Mit den eigenen Fans bleibt die Stimmung jedoch angespannt. Die Nachwirkungen der Auseinandersetzungen mit der Mannschaft nach der Partie gegen Borussia Dortmund waren am Samstag zu spüren. Die Hertha-Profis gingen nach dem Sieg nicht wie gewohnt in die Ostkurve feiern. Im „Kurvenecho“ wurde außerdem erklärt, dass die Derbyniederlage und die damit verbundene Schmach noch nicht verdaut sei und die Mannschaft nicht erwarten könne, durch ein wenig Kampf gegen Dortmund alles wieder gut machen zu können.

Trotzdem ist auch in Leverkusen eine volle und laute Unterstützung der Hertha-Anhängern zu erwarten. Es ist dabei zu hoffen, dass sich keine Kluft zwischen Fans und Mannschaft aufbaut. Gerade in dieser schwierigen Phase wäre eine Eintracht zwischen Fans und Mannschaft wichtig.

Rotation oder Kontinuität?

Hertha war in den letzten Spielzeiten nicht gerade erfolgreich, wenn es um englische Wochen ging. Oft ging man in drei von drei Spielen leer aus. Jetzt startet Hertha mit drei Punkten im Rücken in die englische Woche. Doch die schwierigsten Aufgaben kommen erst noch.

Kräfte werden in der englischen Woche noch getestet. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

In der heutigen Presskonferenz stand nicht Cheftrainer Jürgen Klinsmann sondern Co-Trainer Alexander Nouri der Presse zur Verfügung. Nouri lobte die Kompaktheit in der Defensive, die Hertha gegen den SC Freiburg zeigen konnte. Es erscheint also wahrscheinlich, dass die Berliner auf den Defensiv-Positionen ähnlich aufstellen werden. Die Viererkette mit Marvin Plattenhardt, Karim Rekik, Dedryck Boyata und Lukas Klünter könnte also erneut eingesetzt werden. Auch möglich erscheint ein Wechsel des Spielsystems zurück in eine Dreierkette. Dann würde Niklas Stark zurück in die Startelf rotieren.

Matchwinner Darida kann wohl erneut in der Startelf erwartet werden, genauso wie Nebenmann Marko Grujic. Im Vergleich zum Heimspiel am Samstag kann man jedoch von einer defensiveren Aufstellung ausgehen. Mit vier Stürmern wird Hertha am Mittwoch wohl nicht agieren.

Jürgen Klinsmann und sein Team werden sicherlich im Laufe der Woche eine Rotation vornehmen, um einzelnen Spielern eine Durchschnaufpause zu geben. Optionen gibt es auch in Berlin genug: momentan gibt es kaum Verletzungen oder Sperren. Fast alle Profis stehen dem Trainerteam zur Verfügung. So auch Arne Maier, der laut Klinsmann “voll im Saft” stehen soll.

Punkte gegen die Abstiegsangst

Die Ausgangslage ist aufgrund der derzeitigen Form Leverkusens und dem vorangegangenen Sieg gegen Freiburg nicht die schlechteste für Hertha BSC, und trotzdem wird vieles davon abhängen, wie stark Bayer Zuhause auftritt. Sollte der Favorit sich in guter Verfassung präsentieren, werden es die Berliner sehr schwer haben. Gerade im Abstiegskampf ist jeder Punktgewinn gegen vermeintlich stärkere Gegner besonders wichtig. Jeder Punkt hilft gegen die Angst, den Anschluss in der Tabelle zu verlieren und eine neue negative Serie zu starten. Auch gegen die „Werkself“ ist mit der richtigen Einstellung ein Punkt drin.

Jürgen Klinsmann bringt zumindest in seiner Außendarstellung viel Optimismus und positive Strahlkraft mit. Sollte seine Mannschaft am Mittwoch eine gute Leistung zeigen und einen Punkt mitnehmen, könnte die Hinrunde noch einigermaßen versöhnlich enden. Dann könnten Mannschaft und Fans sogar den Abschluss dieser englischen Woche am Wochenende gemeinsam feiern. Vielleicht sogar vor der Ostkurve.

Hertha BSC – SC Freiburg: Endlich wieder siegen

Hertha BSC – SC Freiburg: Endlich wieder siegen

Hertha BSC empfängt am Samstag um 15.30 Uhr den SC Freiburg und muss endlich wieder drei Punkte holen. In der englischen Woche folgen dann ein Auswärtsspiel in Leverkusen und ein Heimspiel gegen den Tabellenführer Borussia Mönchengladbach. Umso wichtiger also, dass die „alte Dame“ mit dem ersten Sieg unter Jürgen Klinsmann loslegt.

Damit wir auch ordentlich Infos zu unserem Gegner bekommen, haben wir uns wieder einen Experten dazu geholt. Dieses Mal steht uns Mischa (@ZerstreuungFuss) zur Seite. Er betreibt den Blog Zerstreuung Fußball, wo er regelmäßig über den SC Freiburg schreibt und wo zuletzt unser Chefredakteur Marc zu Gast war.

Byebye Abstiegssorgen beim SC Freiburg

Der SC Freiburg steht aktuell in der Tabelle der Bundesliga über dem FC Bayern. Davon kann man sich zwar noch nichts kaufen, zeigt aber, dass diese Spielzeit bisher überragend für die Breisgauer läuft. Auch unser Experte Mischa hätte eine so gute Punkteausbeute nicht unbedingt erwartet: „Mit 25 Punkten nach 14 Spieltagen konnte man sicher nicht rechnen. In den letzten beiden Saisons konnte der SC Freiburg nur jeweils 36 Punkte an 34 Spieltagen sammeln.“

Die Saison des SC Freiburgs läuft bisher hervorragend.(Foto: Thomas Kienzle/AFP/Getty Images)

Unser Freiburg-Experte erkennt aber auch, dass man schon vor der Saison etwas weniger Abstiegssorgen hatte als sonst: „Waldschmidt, Haberer, Koch und Schwolow konnten alle gehalten werden, Sallai hatte sich von seiner Verletzung wieder erholt und der Kader wurde noch durch Itter, Kwon, Jeong, Schmid und insbesondere Grifo verstärkt. Hinzu kam ein längerfristiger Trend. Vor zwei Saison, nach den Abgängen von Grifo und Philipp, sah es beim Sportclub spielerisch teilweise sehr düster aus. Der Abstieg konnte nur knapp verhindert werden.“

Schon in der letzten Saison waren aber bereits Fortschritte zu erkennen, verrät uns Mischa: „Letzte Saison konnte man zwar nicht mehr Punkte sammeln, aber Saisonverlauf und spielerische Qualität sahen ganz anders aus. Nach dem 25. Spieltag hatte man ja bereits 30 Punkte und die Mannschaft entschloss sich wieder mehr auf das Flachpassspiel zu setzen. Das sah zeitweise gut aus, brachte aber keine Ergebnisse.”

Europa-League-Ambitionen oder gesichertes Mittelfeld?

Bereits jetzt scheint der Klassenerhalt in Reichweite zu sein. Wir haben also Mischa gefragt, ob der SC Freiburg neue Ziele für die Saison ausmachen würde. Zwar bleibe man in Freiburg vorsichtig: „(Man) kann ohne Frage die nächsten fünf Spiele verlieren und dann rutscht man in so eine negative Eigendynamik“. Trotzdem erkennt unser Experte: „Andererseits braucht man aus den nächsten 20 Spielen nur noch 10 -15 Punkte, um nicht abzusteigen und diese Mannschaft ist ziemlich stabil. Es wird also immer unwahrscheinlicher.“

Die Europa League sei aber auch in dieser Saison ein zu hohes Ziel: „Für die Europa League benötigt es aber meisten etwas mehr als 50 Punkte und dafür müsste der Sportclub die so erfolgreiche Hinrunde in der Rückrunde wiederholen. Davon ist nicht auszugehen, da so viele Spiele so knapp ausgingen und manchmal schon ein bisschen Glück dabei war.“

Freiburgs Trainerteam rund um Christian Streich haben bisher viel zu feiern gehabt. (Foto: Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images)

Vielleicht sei es auch einfach zu früh in dieser Saison, um eine Endplatzierung absehen zu können. Neue Ziele könnten aktuell laut Mischa nur noch situationsgebunden sein, wie zum Beispiel: „Besser abschließen als Frankfurt“ oder „mindestens zehn Punkte Abstand zu Hertha halten“. Beim letzten Punkt müssen wir an dieser Stelle natürlich schwer hoffen, dass der SC Freiburg dieses Ziel verfehlt. Fakt bleibt aber: in Berlin würden sich einige die Tabellensituation des SC Freiburg wünschen. Auch dass die Breisgauer ab der kommenden Saison in einer neuen Heimstätte spielen werden, ist etwas, worauf man als Herthaner nur neidisch blicken kann. Verkehrte Welt.

Niederlage in Gladbach, knapper Heimsieg gegen Wolfsburg

Uns haben insbesondere die letzten Partien der Breisgauer interessiert. Dazu sagte Mischa: “Gegen Leverkusen (1:1) und Gladbach (2:4) hat man sehr mutig gespielt, hoch gepresst und wurde sehr häufig ausgespielt. Mit den fünf Toren aus den zwei Spielen war man sehr gut bedient. Gegen Wolfsburg ging es wieder den Schritt zurück. Zuerst wird die Offensive des Gegners mit einem gut ausgearbeiteten Pressingplan neutralisiert und dann schaut man mal, was nach vorne geht.” Eine Sache ist klar festzuhalten: “Der Freiburger Höhenflug baut besonders auf den wenigen Gegentoren auf (17, nur Wolfsburg, Gladbach und Leipzig haben weniger). Das scheint nun wieder mehr in den Fokus zu rücken.“

Unser Experte erklärt außerdem: „In den letzten vier Partien erzielte man kein Tor aus dem laufenden Spiel heraus. Fußballerisch gibt es schon noch Luft nach oben (…). Freiburg kann schon ein bisschen spielen, aber die Stärken sind häufig doch die typischen Stärken eines Underdogs: Standards, disziplinierte Rückwärtsbewegung, gutes Pressing, Effizienz usw.“

Auch gegen Hertha wird die defensive Stabilität wohl das Hauptaugenmerk der Gäste sein. Mischa warnt aber: „Wenn Hertha Freiburg den Aufbau überlässt, dann nimmt der SC das meistens auch an. Tiefe Ballzirkulation und dann schnelle Angriffe über Außen, sind sehr beliebt, aber auch mal der lange Ball, gerade wenn Hertha höher pressen sollte” – klingt ganz nach der unter Pal Dardai etablierten “Hintenrumscheiße”. “In letzter Zeit ziehen Höler und Sallai gerne Fouls. Das wird euch wahrscheinlich aufregen.“ Eines ist wohl klar: „Es ist nicht leicht gegen den SC Tore zu erzielen“.

Grifo Rückkehr und Standardstärke

Doch was können denn die Hertha-Profis am Samstag von Freiburg erwarten? Was für eine Taktik und Aufstellung wird die Mannschaft von Christian Streich wählen?

Was das Spielsystem angeht erwartet Mischa keine Änderung. Der SC Freiburg wird wohl erneut im 3-4-3 auftreten. Dabei spielt auch die Rückkehr von Vincenzo Grifo eine Rolle. Sollte er von Anfang an spielen, würde Sallai für ihn aus der Startelf rotieren. „Da aber Koch IV und ZM spielen kann, Haberer ZM und RS/ RF, kann man sich nie sicher sein, wie das dann auf dem Platz aussieht.“

Freistoßspezialist Jonathan Schmid. (Foto: Thomas Kienzle/AFP/Getty Images)

Was aber sicher auf Hertha wartet, ist die besondere Standardstärke der Breisgauer: „Günter, Grifo, Waldschmidt und Schmid. Standardschützen hat der Sportclub momentan genug. Schmid ist ein hervorragender Neuzugang. Gerade, weil er eine Rolle ausfüllt, die man lange vermisst hat. Im 3-4-3 fehlte zwei Saisons das Gegenüber von Günter als linkem Flügelläufer. Stenzel und auch Kübler waren eher klassische Rechtsverteidiger. Schmid als Allrounder füllt diese Rolle perfekt aus, hat schon vier Tore erzielt (zwei per direktem Freistoß) „

Dass Hertha BSC mit gegnerischen Standards große Schwierigkeiten und diese Saison diesbezüglich eine katastrophale Statistik hat, ist wohl jedem Hertha-Fan bekannt. Dass unser Gegner am Samstag gerade in dieser Disziplin Stärken hat, klingt zu nächst einmal beängstigend. Trotzdem haben die Berliner Qualitäten, die diese Schwäche auffangen könnte.

Hektik bei Hertha  

Gerade diese Qualitäten sieht unser Experte auch aus der Ferne im Kader der Blau-Weißen: „Wir brauchen uns nicht darüber unterhalten, dass der Herthaner Kader deutlich besser besetzt ist als der von Freiburg. Was Dilrosun gegen die Paderborner Abwehr gemacht hat, habe ich beim Sportclub noch nie gesehen. Grujic und Maier haben riesiges Potenzial und Darida ist immer noch einer meiner Lieblingsspieler.“

Viel dreht sich um Jürgen Klinsmann. (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Dabei wurde in Berlin in dieser Woche zwar viel geredet und gesprochen, allerdings nur wenig über Taktik und Fußball. Cheftrainer Jürgen Klinsmann äußerte sich zu vielen Themen, beantwortete Fan-Fragen live auf Facebook und war ohnehin im Mittelpunkt einiger Artikel in den Sportmedien. Ob die Transfergerüchte im Winter, die Frage des Torwarttrainers, die Aufregung rund um den Rassismus-Vorfall bei der U23 oder die Unzufriedenheit einiger Hertha-Profis: es gab zu viele Themen rund um Hertha, sodass nur selten Zeit gefunden wurde, um über das Sportliche zu reden.

Ob das gut oder schlecht für Hertha ist, sei dahingestellt. Es bleibt allerdings dabei: Hertha braucht unbedingt die drei Punkte am Samstag, um aus der „roten“ Zone zu kommen und für positive Schlagzeilen zu sorgen. Dafür müssen auf dem Platz Lösungen gefunden werden.

Jarstein zurück im Tor – Stürmer-Duo gesetzt

Wer diese Lösungen in der Berliner Startelf finden soll, ist auf einzelnen Positionen bereits klar. Rune Jarstein kehrt nach seiner Rotsperre ins Team zurück und wird wohl auch laut Jürgen Klinsmann anfangen. Herthas Cheftrainer hatte im Laufe der Woche auch angedeutet, dass er auch gegen Freiburg auf den Doppelsturm aus Davie Selke und Dodi Lukebakio setzen würde.

Torjubel von Dodi Lukebakio beim ersten Treffer in Frankfurt. (Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Ondrej Duda hingegen sollte nach seiner schwachen Leistung am vergangenen Freitag wohl erstmal wieder auf der Bank Platz finden. Wer ihn da ersetzt ist die nächste Frage. Sollte Klinsmann erneut auf einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette setzen, könnte Vladimir Darida Dudas Position übernehmen und Eduard Löwen in die Startelf rotieren. Auch Per Skjelbred könnte eine Option sein, Arne Maier wohl noch nicht. Marvin Plattenhardt wird nach seiner ordentlichen Leistung gegen Eintracht Frankfurt wahrscheinlich erneut von Anfang an spielen können.

Torgefahr nur auf der Bank

Sollte es so kommen, ist davon auszugehen, dass Herthas Flügelflitzer Javairo Dilrosun zunächst wieder auf der Bank sitzt. Auch Salomon Kalou und Vedad Ibisevic würden die Berliner Bank wärmen. Prominente Namen also, die erstmal zuschauen müssen, wie sich die Kollegen schlagen. Insbesondere die zwei letztgenannten Spieler sind in den letzten Jahren Herthas Torgaranten gewesen. Umso erstaunlicher ist es also, wenn der Hauptstadtclub auf beide Stars verzichtet.

Eine kreative und interessante Lösung wäre ein Einsatz von Javairo Dilrosun auf der Zehnerposition. Ondrej Duda wird wie angesprochen wohl aus der Startelf rotieren und der junge Niederländer wäre mit seinen technischen Fähigkeiten und genialen Momente ein Kandidat für dessen Rolle. Es erscheint zwar unwahrscheinlich, dass Herthas Cheftrainer diese Variante wählt, doch gegen einen so defensiv starken Gegner wären gerade die Qualitäten des 21-Jährigen besonders wertvoll.

Womöglich ändert jedoch Klinsmann das Spielsystem komplett und spielt mit nur einer Spitze und zwei Flügelstürmern. Dann würde ein Innenverteidiger auf der Bank Platz nehmen und ein Flügelspieler hinzukommen. Klinsmann ließ sich auch in der Pressekonferenz nicht in die Karten schauen, sodass es spannend bleibt, wie die Mannschaft gegen den SC Freiburg aussehen wird.

Kick it like Julian Schieber

Hertha wird sich definitiv steigern müssen, um die drei Punkte in Berlin zu behalten. In Frankfurt zeigte man sich zwar bissig und zweikampfstark, war allerdings auch spielerisch phasenweise komplett unterlegen. In der Pressekonferenz am Freitag, wo zum ersten Mal nicht Michael Preetz sondern Kapitän Vedad Ibisevic den Cheftrainer begleitete, war klar von “Abstiegskampf” die Rede. Dementsprechend kann auch gegen Freiburg eine körperlich betonte Partie erwartet werden.

Wenn man bei der „alten Dame“ an ein Heimspiel gegen den SC Freiburg denkt, bleibt wohl für sehr lange Zeit noch das Spiel am 28. August 2016 in Erinnerung. Damals konnte sich der Haupstadtclub am ersten Spieltag durch einen „Last-Minute“ Treffer von Julian Schieber zum 2:1 noch durchsetzen und größten Jubel durch das Olympiastadion aufleben lassen.

Julian Schieber im Trikot von Hertha BSC vor seiner Einwechslung.

Unser Freiburg-Experte tippt für die Partie am Samstag ein „2:1“. Diesen Spielstand würden wohl alle in Berlin sofort unterschreiben. Um die Stimmung in Berlin endgültig in die richtige Richtung zu lenken, fehlt noch ein echtes Erfolgserlebnis. Erneut ein Siegtreffer in der letzten Spielminute, wie von Julian Schieber 2016, könnte dabei genau das Richtige sein.

Herthaner im Fokus: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Im zweiten Spiel unter Jürgen Klinsmann ging es vor allem um eine Sache: Kampf. Die Hertha-Profis lieferten eine körperlich betonte Leistung ab und erkämpften sich einen Punkt in Frankfurt. Trotzdem war bei vielen Fans eine große Enttäuschung zu spüren. Eine 2:0 Führung aus der Hand zu geben ist schließlich nie ein gutes Gefühl. Wir haben uns die Leistung einzelner Spieler genauer angeschaut.

Marko Grujic – Entscheidender Mann

Marko Grujic hat am Freitagabend wohl sein bestes Spiel in der laufenden Saison gezeigt. Dabei gab es zahlreiche Situationen, in denen der Serbe den einen oder anderen Hertha-Fan zur Verzweiflung gebracht hat. Entscheidend war er aber allemal.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Das 1:0 bereitete der Serbe herausragend vor. Nach einer Balleroberung von Darida leitete er den Gegenangriff selbst ein, schaltete schnell nach vorne um. Im Zusammenspiel mit Marvin Plattenhardt wurde Grujic dann auf der linken Seite angespielt, leitete den Ball zwischen die Beine seines Gegenspielers in den Lauf von Dodi Lukebakio weiter, der zum 1:0 einnetzen konnte. Nicht weniger wertvoll war dann in der zweiten Halbzeit sein Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. Nach schöner Vorlage von Dedryck Boyata stand der Serbe goldrichtig, musste nur noch aus kurzer Distanz einschieben.

Zwei brillante Szenen, die sinnbildlich für das Potenzial und für die Qualität des aus Liverpool ausgeliehenen Spielers stehen. Solche Szenen zeigte er in den vergangenen Monaten so gut wie nie, und auch gegen Frankfurt fiel er nicht nur durch diese Szenen auf. Beim von Schiedsrichter Christian Dingert zurückgenommenen 1:1 Ausgleich der Frankfurter war Marko Grujic durch einen unnötigen Ballverlust am Ursprung. Beim 2:2 Ausgleich der Heimmannschaft sah er Hinteregger zwar anlaufen, reagierte aber nicht schnell genug, sodass dieser dann zu Rode köpfen konnte.

Im Mittelfeld fiel wieder einmal auf, dass der junge Serbe oft nicht rechtzeitig schaltete, um Angriffe des Gegners zu verhindern. Oftmals lief er seinem Gegenspieler nur hinterher, ohne diesen entscheidend zu stören oder zu bedrängen. Dies zeigt sich auch daran, dass er weniger intensive Läufe (51) aufweisen konnte als Ondrej Duda, der bereits in der 49. Minute ausgewechselt wurde. Im Vergleich dazu wies Laufwunder Vladimir Darida sogar 116 intensive Läufe auf.

Der Serbe teilt sich aktuell mit Robert Andrich von Union Berlin und mit Kingsley Ehizibue aus Köln einen Titel. Sie sind die Spieler mit den meisten Fouls in der Bundesliga. Dagegen fiel Grujic besonders positiv damit auf, dass er nicht nur an beiden Toren direkt beteiligt war, sondern auch allgemein ein Aktivposten im Mittelfeld war. Ganze 11,46 Kilometer lief der Mittelfeldspieler insgesamt. Er war auch der Spieler mit den meisten Ballkontakten (57) und der Spieler mit den meisten Pässen (40, Passquote 70%) bei den Berlinern.

Ondrej Duda – Chance verpasst

Ondrej Duda stand, für viele überraschend, in der Startelf von Hertha BSC. Dabei war er im letzten Spiel gegen Borussia Dortmund nicht mal im Kader. Doch die Chance in seinem ersten Einsatz unter Neutrainer Jürgen Klinsmann guten Eindruck zu hinterlassen konnte er leider nicht nutzen. Seine unbestrittenen Qualitäten, die er vergangene Saison unter Beweis stellen konnte, brachte er nicht auf dem Platz.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Stattdessen zeigte er genau die Schwächen, die ihm diese Saison wohl zurecht öfter seinen Stammplatz gekostet hatten. Er brachte, wie seine Mitspieler auch, die nötige Härte und Aggressivität auf dem Platz. Dabei konnte er jedoch weder die nötige Präzision noch das nötige Timing bei den Zweikämpfen aufweisen. Dadurch gewann der Slowake so gut wie nie den Ball, beging dafür zahlreiche Fouls.

Bereits in der neunten Minute holte sich der 25-Jährige für ein Foul an Martin Hinteregger die gelbe Karte ab. In der Folge nahm er sich jedoch in Zweikämpfen keineswegs zurück und war bis zur Pause akut gelb-rot gefährdet. Als er dann direkt in der 46. Minute wieder nur knapp der gelb-roten Karte entkommen konnte, wurde er vom Berliner Cheftrainer ausgewechselt.

Damit musste Hertha früh wechseln und hatte im weiteren Verlauf des Spieles eine Wechseloption weniger. Dazu kommt, dass Duda zu oft durch Ballverluste (nur 40 % Zweikampfquote) und Ideenlosigkeit in der Offensive auffiel.  Insgesamt eine schwache Leistung des Slowaken, der in dieser Form für die noch verunsicherten „alten Dame“ keine Verstärkung darstellt.  Er muss hoffen, dass er in den nächsten Partien seine Chance nutzt. Viele schwache Einsätze wird auch Jürgen Klinsmann nicht dulden.

Davie Selke – Laufen und Arbeiten

Langsam wird diese Torflaute bei den Berliner Stoßstürmern problematisch. Selbstverständlich ist Tore schießen eine Mannschaftsleistung, sodass Stürmer nie alleinverantwortlich dafür sind, wenn sie keine Tore schießen. Doch leider hat die Konkurrenzsituation im Sturm, die wir Anfang der Saison beschrieben hatten, nicht dafür gesorgt, dass sich jetzt eine “Tormaschine” in der Startformation durchgesetzt hat.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Im Gegenteil: Ibisevic und Selke weisen zusammen in dieser Bundesligasaison nur vier Tore auf. Keiner der beiden konnte bisher so richtig überzeugen, dabei braucht Hertha BSC vor allem in einer solchen gefährlichen Phase einen Torgaranten, der gefühlt aus einer halben Chance zwei Treffer erzielt. Diesen gibt es aktuell bei Hertha nicht, auch nicht in Person von Davie Selke

Dieser konnte auch gegen Frankfurt erneut unter Beweis stellen, dass er ein unangenehmer Gegenspieler ist, der sich körperlich komplett reinhängt und um jeden Ball kämpft. Seine Bemühungen und sein Wille sind ihm nicht abzusprechen, sodass es uns schwer fällt, ihn zu kritisieren. Unter Anderem holte er den Freistoß heraus, den Hertha zum zwischenzeitlichen 2:0 nutzen konnte. Dazu zeigte er sich unglaublich laufstark, lief 11,05 km, was für einen Stürmer ein überragend hoher Wert ist. Im Vergleich: Gegenspieler Goncalo Paciencia lief einen Kilometer weniger.

Doch seine Arbeit zahlte sich nur selten in Torgefahr aus. Bloß einen Torschuss in der 68. Minute konnte er abgeben. In sehr guter Position schoss er nach guter Flanke von Marvin Plattenhardt jedoch neben das Tor und vergab damit seine einzige gute Torgelegenheit. Leider zählen am Ende nur die Tore, und diese fallen entweder nicht, werden zurückgenommen oder fallen dann, wenn das Spiel bereits verloren ist (wie im Spiel gegen RB Leipzig).

Bereits jetzt ist in sozialen Netzwerken und Medien davon die Rede, womöglich im Winter einen Torgaranten dazu zu holen. Geld dafür wäre durch das Investment von Lars Windhorst theoretisch da. Dodi Lukebakio zeigt sich zwar Torgefährlich, zeigte sich aber vor allem als Flügelstürmer. Eine „echte“ Neun könnte im Winter kommen, wenn bis dahin weder Ibisevic noch Selke ihre „Torblockade“ lösen können. Im Fußball kann bekanntlich alles sehr schnell gehen. Deshalb bleibt die Hoffnung, dass sich die von Spielern und Trainer angesprochene „Arbeit“ auch bei Davie Selke schon bald wieder in Tore ummünzt. Gegen Borussia Dortmund war es für einen kurzen Moment so gewesen. Bereits am kommenden Wochenende gegen den SC Freiburg hat der 24-Jährige die nächste Möglichkeit.

Dedryck Boyata – Topleistung trotz Gegentreffer

Herthas Probleme mit der defensiven Stabilität sind auch unter Jürgen Klinsmann nicht einfach so über Nacht wie durch einen Zauber verschwunden. Das zeigt sich daran, dass die „blau-weißen“ in Frankfurt wieder zwei Gegentreffer kassieren mussten. Zudem ließen Sie zahlreiche Chancen zu. Beide Gegentreffer fielen nach Ecken, was kein Zufall ist. Ganze 16 Eckbälle bekamen die Hausherren am Freitagabend zugesprochen. Dabei sind Standards eine große Schwachstelle des Hauptstadt-Clubs, und das bereits seit Saisonbeginn.

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Die fehlende Stabilität ist nichts, was man an einer Person fest machen könnte. Ein Hertha-Profi stellte am Freitagabend jedenfalls keinen Unsicherheitsfaktor dar. Dedryck Boyata zeigte eine Topleistung, war zweifellos der Innenverteidiger, der die größte Stabilität ausstrahlte. Die Statistik bestätigt diesen Eindruck: 12 Bälle konnte der Belgier im Laufe des Spieles klären, dazu vier gegnerische Bälle abfangen und mehr als die Hälfte seiner Zweikämpfe gewinnen. Außerdem fiel er durch gute Balleroberungen und Tacklings auf.

Umso bitterer also für ihn, dass Hertha trotz seiner starken Leistung erneut zwei Tore kassierte. Kurz vor dem ersten Gegentreffer konnte der Innenverteidiger zunächst mit einer absoluten Traumgrätsche Goncalo Paciencia den Ball im Strafraum vom Fuß klären. In der anschließenden Ecke und der damit verbundenen Unruhe im Strafraum konnte er den Kopfball von Hinteregger aber nicht verhindern. Aufgrund eines Stellungsfehlers von Marvin Plattenhardt stand der Frankfurter auch nicht im Abseits, sodass der Anschlusstreffer der Hessen auch zählte.

Beim Versuch in der 85. Minute eine Flanke aus dem Strafraum zu schießen versprang ihm der Ball und sorgte für eine weitere Ecke für Eintracht Frankfurt. Diese führte dann zum 2:2 Ausgleich. Gerade für die Innenverteidiger ist die aktuelle Lage besonders schwierig. Trotz größtem Einsatz und Mühe fallen Gegentreffer wie am Fließband und Spielphasen, in denen die Defensive entlastet ist, gibt es nur selten.

Dedryck Boyata entwickelt sich in dieser Phase allerdings weiter zum unumstrittenen Stammspieler. Das kann der „alten Dame“ nur gut tun und Jürgen Klinsmann wird sicher seine Defensive auch um den Belgier herum aufbauen können. Es bleibt abzuwarten, wann sich Hertha-Fans endlich wieder über eine gegentorfreie Partie freuen können. Die letzte gab es Ende September beim 1. FC Köln.

Marvin Plattenhardt – Hoffnung auf mehr

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Eine weitere Überraschung in der Startelf war Marvin Plattenhardt. Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund wurde er noch nicht eingesetzt. Sein erster Einsatz unter Jürgen Klinsmann bei Eintracht Frankfurt verlief recht gut. Besonders beim 1:0 durch Dodi Lukebakio war er besonders wertvoll und konnte durch einen schönen Pass auf Marko Grujic durch zwei Frankfurter hindurch das Tor mit vorbereiten. Auch beim 2:0 war der linke Verteidiger maßgeblich beteiligt. Sein Freistoß von der rechten Angriffsseite war der Ursprung des zweiten Berliner Treffers.

Auch seine Werte sind ordentlich: er lief mehr als 10 Kilometer, konnte zweimal in bedrohlichen Situationen klären und gewann alle seine Zweikämpfe. Außerdem kamen 79 % seiner Pässe an. Auf der Schattenseite steht die Situation beim Anschlusstreffer des Heimteams, als er bei der Ecke falsch stand. Dazu kommt, dass der 27-Jährige nur selten zu Vorstößen kam. Nur einmal konnte er auf seiner linken Seite mit viel Platz in den Strafraum flanken. Dabei konnte er aber Davie Selke sehr gut in Szene setzen und hätte durchaus seine dritte Torbeteiligung aufweisen können.

Es ist durchaus eine Leistungssteigerung bei Marvin Plattenhardt zu erkennen. Vor allem seine Beteiligung an beiden Treffern spricht dafür. Für viele ist der linke Verteidiger bereits abgeschrieben, doch sollte er an diese Leistung anknüpfen und sich Woche für Woche steigern könnte er sich zurückmelden. Es bleibt abzuwarten, ob er auch im nächsten Heimspiel gegen den SC Freiburg in der Startelf stehen darf.

Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf: Siegesserie oder Angstgegner?

Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf: Siegesserie oder Angstgegner?

Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf – für viele Herthaner weckt diese Begegnung schlimme Erinnerungen. Das Relegationsdrama im Jahr 2013 werden noch die meisten Berliner im Kopf haben. Die letzte Saison konnte alte Wunden auch nicht gerade heilen: Hertha verlor beide Begegnungen gegen die Rheinländer, der fast schon der neue Angstgegner darstellt. Jetzt eröffnen beide Mannschaften den siebten Spieltag am Freitagabend im Olympiastadion. Hertha will den dritten Sieg in Folge holen, die Fortuna endlich wieder drei Punkte.

Um unsere Fragen zu beantworten, stand uns dieses Mal Dennis (auf Twitter @Scheff83) zur Seite. Dennis ist nicht nur Fortuna-Experte, er hat auch einen hörenswerten Fußball-Podcast: „Neues vonne Pommesbude“. Er hilft uns heute, unseren Gegner am Freitag besser einzuschätzen.

Fortuna Düsseldorf – ein Saisonstart, wie er zu erwarten war

Im Derby gegen Gladbach verlor Fortuna Düsseldorf mit 1:2 (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Düsseldorf hatte in den ersten Spielen zwar noch nicht den FC Bayern München als Gegner, trotzdem war das Auftaktprogramm alles andere als leicht. Nachdem man Werder Bremen im ersten Spiel noch mit 3:1 auswärts besiegen konnte, verlor man erst gegen Bayer Leverkusen (Heimniederlage 1:3), danach folgten sehr knappe Partien gegen Eintracht Frankfurt (2:1 Auswärtsniederlage), den VfL Wolfsburg (1:1) und Borussia Mönchengladbach (2:1 Auswärtsniederlage). Das letzte Spiel des letztjährigen Aufsteigers war eine 1:2 Heimniederlage am vergangenen Sonntag gegen den aktuell sehr formstarken SC Freiburg.

Die letzten vier Partien waren also allesamt knappe Spiele, in denen am Ende das Ergebnis für Düsseldorf nicht stimmte. Besonders schmerzt unseren Düsseldorf-Experten Dennis die Niederlage im Derby gegen Mönchengladbach: „Insbesondere in der ersten Halbzeit hat die Fortuna gegen einen deutlich stärkeren Gegner sehr gut gespielt. Das 2:1 von den “Fohlen” in der 87. Minute war dann schon sehr bitter“. Im Spiel gegen Freiburg hingegen sei das Ergebnis leichter zu erklären: „Die Mannschaft hat nicht sehr gut performt“.

Doch angesichts der Möglichkeiten in Düsseldorf und des komplizierten Auftaktprogramms macht sich keine große Enttäuschung breit. „Punktetechnisch ist der Saisonstart verlaufen, wie man ihn auch erwarten konnte“, sagt uns Dennis dazu. „Allerdings hat man seit nunmehr fünf Spielen nicht gewonnen und aus den letzten vier Spielen, in denen man immer jeweils mit 1:0 in Führung gegangen ist, nur einen Punkt geholt“.

Auch deshalb müssen in den nächsten Partien wieder die Ergebnisse stimmen: „In den nächsten drei Spielen gegen Hertha, Mainz und Paderborn muss die Fortuna dringend Punkte holen, damit es nicht ungemütlich wird“, so Dennis’ Einschätzung. Mit vier Punkten aus sechs Spielen ist der Abstand zu den letzten Plätzen nicht gerade groß, viele leichte Spiele wird es auch diese Saison nicht geben. Am Ende der Spielzeit würden die meisten Fortuna-Fans „einen 14. Platz wie aktuell aber schon gerne nehmen“.

Verletzungspech in Düsseldorf – auch Kownacki fällt aus

Im Fortuna-Sturm fehlt David Kownacki gegen Hertha. (Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Doch ein Hindernis könnte momentan das Verletzungspech in der Mannschaft darstellen. Aktuell fallen einige wichtige Spieler aus. Zuletzt verletzte sich Stürmer David Kownacki erneut und fällt am Freitag aus. „Er ist unser großes Versprechen in der Offensive“, verrät uns Dennis, „aber in dieser Saison noch nicht so in Schwung gekommen – bitter“.

Besonders schmerzhaft ist seiner Meinung nach der Ausfall von Mittelfeldspieler Kevin Stöger. „Er war in der abgelaufenen Rückrunde Dreh-und Angelpunkt des Offensivspiels und hat auch in der Defensive immer die Räume sehr eng gemacht. Durch einen Kreuzbandriss im letzten Saisonspiel gegen Hannover 96, wird er vermutlich erst wieder im November/Dezember zurückerwartet. Sein Ersatz, Chelsea-Leihagabe Lewis Baker, wird dem bisher noch nicht gerecht. Außer einer guten Partie in Bremen konnte er bisher kaum Akzente setzen.“

Zu der Verletzungssituation sagte Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel: “So etwas hat es in anderen Vereinen zwar auch schon gegeben, aber das ist eine Serie, die ich in dieser Form noch nie erlebt habe. (…) Wir haben im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert in der Trainingssteuerung oder im Konditions- und Athletik-Training”. Es ist also keine leichte Phase für den Trainer-Veteranen, der im Vergleich zu seinem Gegenüber Ante Covic deutlich weniger Auswahlmöglichkeiten im Kader hat.

Legende Funkel – mit Standards als Waffe gegen Berlin?

Genießt in Düsseldorf fast schon Legendenstatus – Friedhelm Funkel (Foto: Ina Fassbender/AFP/Getty Images)

Dafür genießt der 65-Jährige in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen quasi schon „Legendenstatus bei den Fans“. Dieser Status sorge auch dafür, dass Funkel „aktuell wohl so sicher im Sattel sitzt, wie kaum ein anderer Trainer in der Bundesliga“. Zu der Frage, was Funkel so besonders macht, antwortet Dennis: „Was er auch in vielen anderen Trainerstationen unter Beweis stellen konnte – Solidität. Der Fußball ist nicht unbedingt schön anzusehen und taktisch mega komplex ist es auch selten. Dennoch weiß man, was man bekommt – die Mannschaft arbeitet sehr viel und ist dadurch selten wirklich unterlegen.”

Trotzdem hat sich im Vergleich zu der letzten Saison etwas geändert: “Der tolle Konterfußball der letzten Saison lässt sich (…) noch nicht umsetzen. Entweder hat er nicht mehr die Spieler dafür wie Lukebakio, Stöger und Raman, und/oder die anderen Teams haben sich auch auf die Spielweise von F95 besser eingestellt. Dementsprechend sind er und sein Trainerteam nun gefordert, mit etwas anderen Mittel die nötigen Ergebnisse einfahren zu können.“

Diese Mittel könnten laut Dennis präzise Standardsituationen sein. Da sollte Hertha besonders aufpassen.“ Gerade für solche Disziplinen hat Düsseldorf im Kader die richtigen Spieler. „Adams und Ayhan sind sehr kopfballstark und bei Standards gefährlich.“

Dabei wird Funkel wohl im altbekannten 4-3-3 System aufstellen: „Die Dreierkette in der ersten Halbzeit in Gladbach sah zwar vielversprechend aus, war aber im Endeffekt defensiv zu anfällig. Als Herthaner wisst ihr ja, Friedhelm hält es da eher mit den Wahlslogans der CDU aus den 1950er Jahren – ‘Keine Experimente’”. Auch über einen weiteren Rückkehrer dürfen sich die Hertha-Fans freuen: „Der gebürtige Berliner Morales wird als 6er zurückerwartet.“

Neue Leistungsträger bei Hertha BSC

Überzeugt als neuer Abwehrchef – Dedryck Boyata (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

In der Hauptstadt hingegen ist die Verletztenliste vergleichsweise kurz. Arne Maier fällt bekanntlich länger aus, Marvin Plattenhardt hingegen ist schon wieder zurück im Training: „Er hatte heute seinen Hauptbelastungstag mit Individualtraining”, so Covic. “Wir werden morgen schauen, wie er darauf reagiert. Wenn er morgen zur Mannschaft zurückkehrt, ist er ein Thema. Wenn der Körper eine Reaktion zeigt, werden wir kein Risiko eingehen und Marvin rausnehmen.”

Es klingt also zunächst so, als würde erneut Maximilian Mittelstädt als linker Verteidiger am Freitag beginnen.  Beide Optionen auf der linken Seite sind im bisherigen Saisonverlauf nicht ganz zufriedenstellend gewesen. Auch Cheftrainer Covic sah in der Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitag Verbesserungspotenzial und wünschte sich, dass sowohl Plattenhardt als auch Mittelstädt ihre alte „Stabilität“ wiederfinden, um wiederum auch mehr „Zug nach vorne entwickeln zu können“.

Allgemein sind die Leistungsträger bei Hertha BSC momentan nicht unbedingt die, die man vor der Saison erwartet hätte. Da wo ursprünglich die Namen Ondrej Duda, Marko Grujic, Davie Selke, Dodi Lukabakio und Niklas Stark gefallen wären, glänzen vor allem Herthas “neuer Abwehrchef“ Dedryck Boyata, Stabilisator Per Skjelbred, Unterschiedsspieler Javairo Dilrosun und Knipser Vedad Ibisevic. Auch gegen Köln zeigten diese Spieler erneut, wie wichtig sie in der jetzigen Situation für die Mannschaft sind.

Dilrosun hat auch Dennis in Köln gut gefallen: „Er hat das Potenzial richtig durchzustarten“. Zu der Frage, welchen Hertha-Spieler er auffällig findet, antwortet Dennis auch noch: „Ansonsten mag ich Grujic und natürlich Lukebakio gerne sehen. Die schnellen Außenspieler (Dilrosun, Lukebakio, Klünter und Wolf) könnten die Fortuna vor einige Probleme stellen“.

Wie wird Hertha spielen?

Gegen den Ex-Club auf der Bank? – Dodi Lukebakio (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Gerade um den so „unangenehmen Gegner“ bezwingen zu können, will man in der Hauptstadt die „spielerische Entwicklung“, die laut Ante Covic im Auswärtserfolg in Köln bereits in Teilen zu sehen war, weiterführen. Gegen die wohl tief stehenden Düsseldorfer wird es darauf ankommen, wie Hertha den Spielaufbau gestalten wird. Dabei wird auch die Einbindung der bereits angesprochen Außenspieler wichtig werden.

Ob Ex-Fortune Dodi Lukebakio seine Chance von Beginn an gegen den alten Arbeitgeber bekommt ist eher unwahrscheinlich. Seine Torvorlage zum 4:0 für Dedryck Boyata in Köln wird allerdings ein Argument für ihn darstellen. Sturmpartner Davie Selke hingegen wird eher zurück auf die Ersatzbank wandern. Da hat im Stürmerduell Vedad Ibisevic eindeutig wieder die Nase vorn. Dennis hat es für uns schön formuliert: „Der “ewige” Vedad scheint wieder seinen x-ten Frühling zu erleben und wird am Freitag vermutlich auch ‘ne Nuss’ machen“.

„Never change a winning team“ wird in diesem Fall wohl nicht ganz zutreffen, wenn der gebürtige Bosnier in die Startelf zurückrotiert. Darüber hinaus könnte jedoch die Mannschaft am Freitagabend ähnlich aussehen, wie schon letzten Sonntag in Köln. Insbesondere im Mittelfeld konnte Vladimir Darida einen besseren Eindruck abgeben, als der eigentlich angedachte Stammspieler auf der Spielgestalterposition – Ondrej Duda. Dieser saß in Köln 90 Minuten auf der Bank und enttäuschte bisher in dieser Saison.

Lukebakio mit Last-Minute Treffer?

Es erwartet uns eine spannende Partie. Für beide Teams geht es um sehr viel – Hertha hat sich durch zwei Siege erstmal aus der „roten Zone“ herausgezogen und brennt darauf, wieder positive Schlagzeilen zu produzieren. In Köln konnte man erstmalig in dieser Saison für solche sorgen. Gerade gegen Düsseldorf wünschen sich nicht wenige Hertha-Fans den dritten Saisonsieg infolge, um deutlich entspannter in die bevorstehende Länderspielpause einzukehren.

Was tippt denn Fortuna-Experte Dennis? „Dodi Lukebakio trifft für die Hertha in der 89. Minute zum 2:2“. So sehr so ein Last-Minute Treffer im Olympiastadion für extreme Emotionen sorgen würde, ein Punkt würde eigentlich keiner Mannschaft so richtig weiterhelfen. Auch deshalb werden beide Teams auf Sieg spielen. Es könnte sich also ein spannendes und offensivreiches Spiel entwickeln, bei dem  Düsseldorf hoffentlich nicht erneut als Berliner Angstgegner auftrumpft.