Leihgabe Wolf: eine gesunde Portion Wucht

Leihgabe Wolf: eine gesunde Portion Wucht

In den vergangenen Jahren war es bei Hertha BSC am “Deadline Day”, also dem letzten Tag des Sommer-Transferfensters, stets ruhig geblieben. Während der Rest Europas und der Bundesliga noch hektisch überprüfte, ob denn das Stromkabel des Fax-Gerätes auch wirklich eingesteckt ist, damit nichts mehr schiefgehen kann, war es an der Hanns-Braun-Straße ein Tag wie jeder andere.

In diesem Jahr hat aber auch die “Alte Dame” die Möglichkeit gesehen und genutzt, ihren Kader noch zu verstärken. Mit Marius Wolf haben die Berliner einen flexiblen Flügelspieler von Borussia Dortmund an die Spree gelockt. Der 24-Jährige wird ein Jahr auf Leihbasis in blau-weiß spielen, anschließend besitzt Hertha eine Kaufoption, die laut Bild bei 20 Millionen Euro liegen soll. Die Leihgebühr soll zwei Millionen Euro betragen, hinzu kommt das Übernehmen von Wolfs Gehalt, welches laut Bild bei 4,5 Millionen, doch laut kicker bei 2,5 Millionen Euro liegen soll. Kein billiger Deal also, doch das der finanziell nicht allzu schlecht aufgestellte BVB einen Spieler am letzten Tag der Transferperiode nicht verschenkt, ist auch zu erwarten.

Es stellen sich nun die Fragen zu der Qualität und den Einsatzmöglichkeiten Wolfs, wie auch, ob er potenziell 20 Millionen Euro wert sein könnte. Um diese Dinge herauszufinden, haben wir mit BeobachterInnen seiner Ex-Vereine, Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund, geredet.

Nachholbedarf auf rechts

“Wir haben immer betont, dass wir den Markt beobachten und noch aktiv werden, sollte sich eine gute und sinnvolle Option ergeben. Mit Marius Wolf bekommen wir einen Spieler, der mit seiner nachgewiesenen Dynamik, Flexibilität und Mentalität unsere Möglichkeiten noch erhöhen wird”, kommentierte Manager Michael Preetz den Transfer Wolfs. Medial wurde in den vergangenen Wochen immer wieder davon berichtet, dass sich Hertha nach Möglichkeit noch auf der rechten Außenbahn verstärken wollen würde.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der Verlust von Valentino Lazaro wiegt schwer und wurde bislang nur offensiv durch die Verpflichtung von Dodi Lukebakio kompensiert. Defensiv haben Michael Preetz und Trainer Ante Covic dem letztjährigen Lazaro-Backup Lukas Klünter das Vertrauen geschenkt, doch sowohl für den 23-Jährigen als auch Lukebakio fehlte es noch an Alternativen bzw. einem gesunden Konkurrenzkampf. Rechts offensiv ist der Hauptstadtverein mit Mathew Leckie, der auch als Verteidiger aushelfen sollte, und Alexander Esswein als Reserve zu dünn besetzt gewesen. Palko Dardai und Maurice Covic scheinen fürs erste auch keine ernstzunehmenden Alternativen zu sein. Der verletzungsanfällige und in die Jahre gekommene Peter Pekarik stellt ebenfalls keine allzu große Konkurrenz für Klünter dar.

Es herrschte somit noch Bedarf, der nun mit Wolf gedeckt wurde. Für den beim 1. FC Nürnberg und 1860 München ausgebildeten Flügelspieler spricht u.a. seine große Polyvalenz. In seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund wurde Wolf als Rechtsverteidiger, Rechtsaußen und Schienenspieler einer Dreier/Fünferkette eingesetzt. “Ich würde ihm taktisch auf jeden Fall Freiheiten nach vorne lassen. Gerne auch mit einem Rechtsverteidiger im Rücken, sprich Viererkette und ihn dann als Rechtsaußen davor einsetzen. Er kann gute Impulse setzen und ist mir persönlich eher als Offensivkraft im Kopf geblieben (was ja auch seine Hauptposition ist), als als defensiver Fixpunkt. Praktisch ist aber natürlich, dass er auch als Verteidiger eingesetzt werden kann, da es auch taktisch gewisse Freiheiten lässt”, erklärte uns Frankfurt-Bloggerin Patricia. 2017 wechselte der gebürtige Coburger ebenfalls leihweise von Hannover 96 zu den Hessen, ehe die Eintracht ihn 2018 für die irrwitzige Summe von 500.000 Euro fest verpflichtete. In 38 Partien für die SGE gelangen Wolf sechs Tore und elf Vorlagen.

Athletisch, aber technisch limitiert

Nur wenige Tage nach dem festen Wechsel zur Eintracht zog es Wolf sofort weiter zu Borussia Dortmund – Ablösesumme: fünf Millionen Euro. Dort wurde der 1,87m große Außenbahnspieler jedoch nicht glücklich – nur 23 Einsätze, 15 von Anfang verbuchte der Franke. “Ich denke, dass man einfach eine günstige Gelegenheit sah, einen deutschen Kaderspieler zu holen, dessen Talent man vielleicht etwas falsch (zu hoch) eingeschätzt hat. Schließlich war er in der Anschaffung sehr günstig. Man musste früh einsehen, dass er als Winger nicht geeignet ist, weil die technischen Fähigkeiten zu sehr fehlen, um bei einem Team wie Dortmund zu spielen. Als sehr athletischer Flügelverteidiger hätte er sicher Platz gefunden, wenn man da nicht mit Piszczek, Hakimi und Morey sehr gut besetzt wäre”, resümierte Journalist und Dortmund-Experte Lars Pollmann die Zeit von Wolf beim BVB. “Seine Schwächen sind ganz klar die technischen Fähigkeiten in allen Bereichen: Ballan- und -mitnahme, Pass-Repertoire. Ich weiß auch nicht, ob er sonderlich spielintelligent ist. Wenn er bei Hertha einen recht simplen Auftrag bekommt, über die rechte Seite Alarm zu machen, wird er das sicher gut hinbekommen”, erklärte uns Pollmann.

Foto: Joe Robbins/Getty Images

“Er ist ein sehr agiler, schneller Spieler, der perfekt für die Außenbahn ist. Bringt Frische ins Spiel und war bei uns vor allem offensiv wichtig. Er dribbelt sich da gerne seinen Weg durch. Sein Kumpel Prince (Boateng) erzählte auch, dass er sich vor Spielen gerne Videos von seinem Idol Cristiano Ronaldo anschaut. Ich finde, das merkt man seinem Spielstil an, wenn auch selbstverständlich auf deutlich niedrigerem Niveau”, bescheinigt ihm auch Patricia athletische Stärken, jedoch auch eine nicht allzu ausgeprägte Technik, “Aber dass er sich in Sachen Dribblings und Zug nach vorne gerne was von ihm abschaut, merkt man. Dass das dann nicht immer so gut klappt, da er technisch auch limitiert ist, ist die Kehrseite. Trotzdem ist er immer wieder für die ein oder andere Torvorlage gut.” Für sie stehen die Schnelligkeit, Beweglichkeit und der Zug zum Tor bei Wolf im Vordergrund. “Als Schwäche sehe ich seinen Körper, denn er ist nicht so robust und keiner, an dem die Gegenspieler jetzt unbedingt abprallen. Wolf ist groß, aber eben auch relativ schmal gebaut. Zudem leider auch anfällig für muskuläre Probleme.”

Der benötigte “Drecksack”?

“Die Kombination aus seinen sportlichen Fähigkeiten und seiner hervorragenden Mentalität macht ihn zu einem perfekten Spieler für Borussia Dortmund“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei Wolfs Vorstellung vor etwas mehr als einem Jahr. Immer wird von mehreren Stellen betont, welch zielstrebiger und kampflustiger Spieler Wolf sei. “Ich bin ein hungriger Spieler, der sich immer voll in den Dienst der Mannschaft stellt und in jeder Situation 100 Prozent gibt”, stimmte Wolf in seine Charakterisierung mit ein.

Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images

So sehen auch nicht alle Seiten den Abgang des 24-Jährigen aus Dortmunder Sicht für positiv an, da mit diesem ein dringend benötigter Kämpfer den Verein verlassen würde. So heißt es in einem Artikel von 90.min.de: “Wenn du nur Starköche in der Küche rumstehen hast, aber keinen, der die Kartoffeln schält oder das Huhn rupft, kann aus dem geplanten Sterne-Menü nichts werden – Wolf wäre eben einer aus der Kartoffelschäler-Kategorie. Da müssen sich auch die Bosse um Watzke, Zorc und Co. hinterfragen.” Auch Frankfurt-Experte Christopher Michel attestiert Wolf “Mentalität und Fleiß”.

Hertha scheint also einen eher geradlinigen Spieler zu bekommen, der sich durch seine Athletik, Vielseitigkeit und Mentalität auszeichnet, jedoch technische Mängel aufweist – also ein ähnliches Profil wie Lukas Klünter hat, jedoch offensiver und spielerisch etwas stärker. Taktisch schafft Wolf durch die vielen Positionen, die er bekleiden kann, neue Möglichkeiten für Trainer Ante Covic, der nun beispielsweise Dodi Lukebakio auf die linke Außenbahn oder ins Sturmzentrum stellen kann. Auch eine Dreierkette mit Klünter, der diese Rolle in München bravourös ausfüllte, in der Innenverteidigung ist nun eine Option, da Neuzugang Wolf als rechter Außenspieler fungieren könnte.

Es ist aber vor allem die Art Wolfs, die Hertha gut tun könnte. Zwar bekommt der Hauptstadtverein keinen so technisch beschlagenen Spieler wie es Lazaro ist, jedoch einen mit echtem Kämpferherz. Wolf zerreißt sich auf dem Feld, gibt sich nicht zufrieden und will auch mal mit dem Kopf durch die Wand, ähnlich wie ein Davie Selke. Diese Mentalität hat in den vergangenen zwei Liga-Partien bei Hertha gefehlt, als sich die Mannschaft nach Rückständen aufzugeben schien und nicht mehr den unbedingten Willen zeigte, den Spielverlauf zu ihren Gunsten zu drehen. “Den kriegst du nicht tot”, sagte Frankfurts Vorstandschef Fredi Bobic einst über Wolf, der für seine Attribute als ständiger Antreiber und großer Teamplayer geschätzt wird. Einen gesenkten Kopf wird man bei der neuen Nummer 30 nicht so schnell erleben. “Ich denke, er kommt überall dort gut zurecht, wo er seine “Buddies” hat. Bei uns war das z.B. vor allem Kevin Prince Boateng. Die beiden haben sich hervorragend verstanden”, beschreibt Patricia die damalige Integration Wolfs in Frankfurt, “Er hängt sich gern an die “coolen Kids”. Alles in allem hat er sich aber schnell gut eingefunden, Kontakte geknüpft und als Teamplayer auch mit allen anderen an einem Strang gezogen.” Bereits in seinem ersten Interview für Hertha ließ der DFB-Pokalsieger von 2018 seine Einstellung durchklingen: “Ich möchte der Mannschaft so schnell wie möglich helfen – auf welcher Position, entscheidet der Trainer. Nach Mainz werden wir fahren, um dort zu kämpfen und unser Ding durchzuziehen. Unabhängig von der Tabellensituation: Als Fußballer willst du ohnehin jedes Spiel gewinnen!”

Wie bei jedem Transfer muss auch bei Wolf abgewartet werden, wie schnell er sich integrieren kann, doch aufgrund seiner starken Vorbereitung beim BVB, seiner Vertrautheit mit der Bundesliga und bereits bekannten Gesichtern wie Kumpel Pascal Köpke und Niklas Stark sollte die Eingewöhnung recht fix gehen. Aufgrund seiner Athletik und Mentalität könnte der Flügelspieler ein wichtiges Puzzleteil für die laufende Spielzeit sein. Kein Schönspieler, aber jemand mit einer gesunden Portion Wucht, um das eigene Spiel durchzudrücken. “Hertha bekommt einen deutschen potenziellen Stammspieler, der ja bei Eintracht gezeigt hat, dass er bei einer Mannschaft, die aus dem Mittelfeld den Schritt nach vorn machen will, funktionieren kann. Dortmund spart sich eine Menge Gehalt und erzielt womöglich ein saftiges Transferplus 2020”, skizziert Pollmann einen möglichen positiven Verlauf dieses Leihgeschäfts.

Selke und Ibisevic – ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Selke und Ibisevic – ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Eine Frage bleibt noch vor dem ersten Pflichtspiel dieser Saison am Sonntag ungeklärt: wer soll bei Hertha in der Spitze stürmen? Selke und Ibisevic sind beide in der Vorbereitung fit geblieben und liefern sich bereits jetzt einen gnadenlosen Konkurrenzkampf. Es gibt im neuen System unter Neutrainer Ante Covic wohl auch nur eine Startposition als Stoßstürmer. Wer startet am Sonntag für Hertha gegen den VfB Eichstätt? Wer steht gegen den FC Bayern in der Startelf?

Luxusproblem oder „Warten auf Selke“?

Eigentlich gab es eine klare Vorstellung bei Hertha BSC, als man 2017 die Rekordsumme von geschätzten 8,5 Millionen Euro hinlegte, um sich die Dienste von Davie Selke zu sichern. Der aus Leipzig gewechselte Mittelstürmer sollte mittelfristig Nachfolger von Vedad Ibisevic in der Sturmspitze werden.

Bis zur Verpflichtung von Lukebakio Herthas Rekordtransfer – Davie Selke (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

1,94 Meter groß, schnell, kopfballstark und vor allem eiskalt vor dem Tor: Selke war vom Profil her genau der Richtige, um in die großen Fußstapfen von Vedad Ibisevic zu treten. Doch bis heute hat sich keine endgültige Fackelübergabe ergeben, im Gegenteil. Vergangene Saison kam der Bosnier auf 1.821 Spielminuten in der Bundesliga, Selke auf 1.730. Dabei konnten beide Stürmer Scorerpunkte sammeln.

Ibisevic konnte zehn Treffer erzielen und drei Tore vorbereiten. Selke hat eine nahezu umgekehrte Statistik: er konnte nur drei Treffer erzielen, gab jedoch neun Torvorlagen ab. Beide Stürmer haben nicht die schlechteste Saison gespielt, aber eben auch keine so gute, als dass sich einer von beiden hätte klar durchsetzen können. Nicht einfach also für Trainer Covic, anhand der Statistik der letzten Saison eine Entscheidung zu treffen.

Selke mit der ersten kompletten Vorbereitung

Es lohnt sich also ein individueller Blick auf beide Spieler. Einer der Hauptgründe, warum sich Selke bisher noch nicht durchsetzen konnte, ist die Fitness. Sowohl 2017/18 als auch 2018/19 konnte er aufgrund von Verletzungen keine komplette Vorbereitung absolvieren, brauchte viel Zeit, um wieder in Form zu kommen. 2017/18 verpasste der ehemalige deutsche U-Nationalstürmer den kompletten Saisonstart, machte sein Bundesligadebüt für Hertha erst am 14.10.2019 gegen den FC Schalke 04. Damals folgten jedoch zehn Treffer in der Bundesliga und vier in der Europa League.

Im letzten Sommer erlitt Selke eine noch kompliziertere Verletzung (Pneumothorax). Er verpasste ebenfalls den Saisonauftakt, kam dann lange nicht in Schwung und wurde erst am 01.12.2019 in der Startelf eingesetzt. Sein Konkurrent Ibisevic hingegen ist durchgehend fit, war bis auf seine Sperren fast immer einsetzbar.

Diese Vorbereitung jedoch verläuft für Davie Selke bisher verletzungsfrei. Wie wichtig eine sorglose Vorbereitung sein kann, hat sich in jüngerer Vergangenheit bereits bei anderen Hertha-Spielern gezeigt. „Ich fühle mich sehr gut, fit und bereit. Immer wenn ich diesen körperlichen Stand hatte, konnte ich auf dem Platz Leistung zeigen“, sagte der 24-Jährige diese Woche im Interview.

Tore als Hauptargument

Selke und Ibisevic werden auch diese Saison eher selten zusammen stürmen (Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Unter Leistung versteht Selke auch die Fähigkeit, viele Tore zu schießen. Wie bereits angesprochen, konnte er vergangene Saison viele Vorlagen geben. Aufzulegen sei jedoch nicht sein primäres Ziel. „Ich will jetzt wieder auf Tore umschalten. (…) Mein Ziel ist es, zweistellig zu treffen. Das ist mein Anspruch”, so der junge Stürmer. Auch im Konkurrenzkampf zwischen Ibisevic und Selke werden die Tore das Hauptargument sein. Das sieht auch Deutschlands Nationaltrainer Joachim Löw so. Dieser sagte diese Woche in Bezug auf Davie Selke: „Er ist ein positiver Spielertyp mit unglaublichem Engagement und Tempo. Das sind positive Ansätze, aber da muss auch noch ein Entwicklungsschub kommen. Ich würde mir wünschen, dass solch ein Spieler auch mal 12, 15 Tore in einer Saison erzielt.“

Wenn man sich die Vorbereitungsspiele diesen Sommer heranzieht, stehen beide Stürmer jeweils bei drei Treffern. Allerdings hinterließ bisher Ibisevic den besseren Eindruck. Fallrückziehertor und -Vorlage, schönes Kombinationsspiel, wie auch viel Kampf und Intensität in den Zweikämpfen – der Bosnier zeigte im Laufe der Vorbereitung, dass er trotz seines vorangeschrittenen Alters keineswegs abzuschreiben ist.

Die Bestätigung von Vedad Ibisevic als Kapitän durch Ante Covic könnte ein Hinweis darauf sein, dass dieser erneut eine zentrale Rolle spielen wird. Doch ein Kapitänsamt sichert keineswegs eine Stammplatzgarantie. Außerdem wird es auch wichtig sein, dass der temperamentvolle Angreifer seine Nerven im Griff hat. Eine erneute lange Rotsperre würde sicherlich kein gutes Argument für ihn sein.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Selke soll wieder mehr Tore als Vorlagen schießen (Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Auch Selke ist bewusst, dass es nicht einfach sein wird, an dem 34-Jährigen vorbeizukommen. „Es geht neu los, das wird wieder ein gutes Duell. Aber der Konkurrenzkampf treibt uns an. Wer besser performt, wird spielen. Ich schaue in erster Linie auf das, was ich beeinflussen kann. Dazu gehören Fitness und Trainingsarbeit.

Wenn man von Fitness und guter Trainingsarbeit im Sturm von Hertha BSC spricht, muss man auch auf die restlichen Stürmer im Kader schauen. Pascal Köpke zählte bereits letzte Saison zu den Spielern, die im Training am meisten arbeiteten, jedoch aufgrund der Konkurrenzsituation keine wirkliche Rolle spielten. Auch in dieser Vorbereitung war er sicher nicht der Schlechteste, erzielte im Testspiel gegen West Ham United sogar einen Doppelpack.

Doch der von Erzgebirge Aue nach Berlin gewechselte Stürmer konnte in der letzten Spielzeit bei den Profis nur 68 Pflichtspielminuten sammeln. Auch in der neuen Saison wird es für den 23-Jährigen wohl nur wenige Einsatzchancen geben. Zuletzt sollte es Interesse von Dynamo Dresden geben, eine Leihe wäre sicher eine sinnvolle Lösung für alle Parteien. Eine weitere Saison auf der Bank oder Tribüne wäre sowohl für Hertha als auch für Köpke alles andere als optimal.

Redan und Kiprit für die Zukunft

Bisher nur Stürmer Nummer drei – Pascal Köpke (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Weitere ernsthafte Konkurrenten in der Sturmspitze gibt es wohl erst einmal nicht. Der junge Muhammed Kiprit wird im Moment in der Regionalliga eingesetzt und scheint noch weit weg von einer Stammposition in der Profi-Mannschaft zu ein. Neuzugang Daishawn Redan konnte bereits im Trainingslager positiv auf sich aufmerksam machen. Er soll sich langfristig in die erste Elf spielen, diese Saison erstmal für die U23 stürmen. Er könnte aber, ähnlich wie sein Landsmann Javairo Dilrosun vergangene Saison, bereits in der neuen Saison einige Pflichtspielminuten sammeln und mit Joker-Einsätzen bei den Profis reinschnuppern.

Rekord-Neuzugang Dodi Lukebakio kann zwar auch in der Spitze spielen, wird allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit eher auf den Außen eingesetzt werden. Dort hat Hertha am meisten Bedarf. Es wird also in der Sturmspitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Selke und Ibisevic. So oder so: Tore müssen her und beide Spieler haben bewiesen, dass sie wissen, wie man Tore schießt. Für Ibisevic ist es wohl die letzte Saison für den Hauptstadtverein, doch auch für Selkes Karriere ist es eine äußerst entscheidende Spielzeit. Für Herthas Zukunft wäre es von großer Bedeutung, wenn er jetzt endlich den nächsten Schritt machen würde.

Daishawn Redan – Versprechen für die Zukunft, Statement für die Gegenwart

Daishawn Redan – Versprechen für die Zukunft, Statement für die Gegenwart

Schweigen ist Silber, Redan ist blau-weiß! Gut, nachdem der obligatorische Wortwitz durchgekaut wurde, soll in diesem Artikel die Verpflichtung von Nachwuchsstürmer Daishawn Redan analysiert werden. Der 18-jährige Niederländer schließt sich bis 2024 der “Alten Dame” an und soll mit Maier, Dilrosun und co. die Zukunft des Vereins sein. Redan ist jedoch nicht nur eine Wette auf die kommenden Jahre, sondern auch ein weiterer Meilenstein in der Prestige-Entwicklung von Hertha BSC.

2,5 Millionen Euro ist keine Summe mehr, bei der Hertha-Fans wirklich hellhörig werden. So viel Geld hat man auch für Alexander Esswein in die Hand genommen und das war ein nur mäßig erfolgreiches Geschäft. Mittlerweile braucht es schon deutlich größere Zahlen, um einen Bundesliga-Kader zu verstärken und Aufmerksamkeit auf dem Transfermarkt zu erhaschen. Das hat sich auch in Berlin herumgesprochen und so fließen seit jüngstem spürbar mehr Taler von der Spree ab: ein Davie Selke kostete acht Millionen Euro, Valentino Lazaro insgesamt (Leihgebühr plus Ablösesumme) sogar 10,5 und Eduard Löwen, in diesem Sommer aus Nürnberg gekommen, ist mit sieben Millionen der bisherige Toptransfer der aktuellen Transferperiode. Zahlt Hertha angesprochene 2,5 Millionen Euro für einen gerade einmal 18-Jährigen mit absolut null Profi-Erfahrung, dann lohnt es sich hingegen, einmal genauer hinzuschauen.

Exzellente Ausbildung

Denn mit Daishawn Redan wechselt ein Talent nach Berlin, das vor lauter Vorschusslorbeeren wohl kaum noch laufen kann. Der gute Eindruck stellt sich bereits mit seinem abgebenden Verein, dem FC Chelsea, ein. Der Londoner Klub steht seit über einem Jahrzehnt für ein herausragendes Jugendspielerscouting, welches Talente sehr früh erkennt und in den europäischen Spitzenfußball geführt hat – zu nennen sind beispielsweise Romelu Lukaku, Kevin De Bruyne oder Mohamed Salah. Auch ein Callum Hudson-Odoi, seit Monaten vom FC Bayern München umgarnt, steht stellvertretend für die starke Jugendarbeit der “Blues”.

Foto: Marc Atkins/Getty Images

Hinzu kommt Redans Vergangenheit bei Ajax Amsterdam, eine der bekanntesten Talentschmieden der Fußballwelt. Dort haben zuletzt Spieler wie Matthijs de Ligt (Juventus Turin) oder Frenkie de Jong (FC Barcelona) den Weg in den Weltfußball gefunden, auch Herthaner Javairo Dilrosun hat eine Ajax-Vergangenheit. “Ich bin als Achtjähriger zu Ajax gekommen und habe dort das Fußballspielen wirklich von klein auf gelernt. Mit 16 bin ich dann nach England gegangen. Zu Beginn war es nicht leicht. Ich habe die Sprache nicht gut gesprochen, die Familie war weit weg und ich kannte das Leben in einem anderen Land nicht. Aber nach vier, fünf Monaten fühlte ich mich wohler”, beschreibt der Redan seinen Weg von seiner Heimat auf die Insel.

Hertha fasst die bisherige Karriere des Niederländers wie folgt in Zahlen zusammen: “Im Jahr 2017 wechselte Redan im Alter von 16 Jahren als amtierender niederländischer U17-Meister zum Chelsea FC. Für die U18 und U19 der Engländer gelangen dem flinken Offensivspieler in 29 Partien 18 Tore und sieben Vorlagen – darunter neun Treffer und fünf Assists in der UEFA Youth League. Zudem holten seine Teams ein Mal die Meisterschaft und ein Mal den Pokal. Für die U23 der ‘Blues’, in die Redan im Januar 2018 aufrückte, schoss er in 34 Pflichtspielen 14 Tore. Für die niederländischen Junioren-Nationalmannschaften lief das Nachwuchstalent 51 Mal auf (42 Tore), die U17 führte er 2018 als Kapitän zur Europameisterschaft.” Fakten, die sich allesamt sehen lassen.

Drogba, Kluivert, Redan

Doch Zahlen isoliert zu betrachten, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Welchen Spielertypen bekommt Hertha mit Redan? “Daishawn ist schnell, laufstark und passt perfekt in unser Anforderungsprofil”, so die kurze Einschätzung von Manager Michael Preetz. Diese lässt sich mit den Eindrücken anderer gut abgleichen, denn ein aufmerksamer Beobachter des internationalen Jugendfußball beschrieb den 1,77m großen Mittelstürmer wie folgt: “Seine starke Physis erinnert an ein Droga-ähnliches Profil. Er kann das Spiel aufrechterhalten und kreiert Chancen für sich selbst oder seine Teamkollegen. Generell hat er einen starken rechten Fuß, aber auch einen anständigen linken”, sodass der 18-Jährige auch auf beide Flügel ausweichen kann. Weiter führt er aus: “Generell ist er auf den ersten Metern sehr schnell und gut darin, sich von seinem Verteidiger zu lösen, sodass er sich schnell mit und ohne Ball drehen kann. Das macht ihn unvorhersehbar und nur schwer greifbar.”

In der für einen Mittelstürmer wichtigsten Disziplin, dem Erzielen von Toren, brilliert Redan ebenso: “Seine größte Stärke ist allerdings sein Instinkt vor dem Tor. Er besticht mit sehr viel Ruhe und Coolness. Er kann quasi aus dem Nichts Tore erzielen.” Das belegen auch die bereits aufgeführten Zahlen im Verein wie Nationalmannschaft. Piet de Wisser, langjähriger Profi-Trainer und Mit-Entdeckter von Spielern wie Ronaldo, De Bruyne und Ajren Robben, sagte über Redan: “Er ist ein eiskalter Stürmer, der sehr leicht Tore schießt, was etwas ganz Besonderes ist, weil so schwer fassbar und hart zu trainieren – und das macht ihn wiederum zu etwas Besonderem.” So verwundert es nicht, dass 2017 neben Chelsea auch Vereine wie Manchester United und co. an Redan interessiert waren. Redan selbst sagt über sich: “Als eine Art Vorbild habe ich Patrick Kluivert. Ich mag es, vorne früh zu attackieren, um dann umzuschalten und zu treffen. Darum geht es!”

Lockvogel Bundesliga

Es stellt sich nach all den Lobpreisungen natürlich die Frage, warum solch ein talentierter Spieler den Schritt weg vom großen FC Chelsea hin zum Tabellenelften der zurückliegenden Bundesliga-Saison macht. Wenn Redan über solch ein riesiges Potenzial verfügt, neben Hudson-Odoi als eines der größten Academy-Talente Chelseas galt und mit Artikeln a la “Do Chelsea have a future world class striker in Daishawn Redan?” geadelt wird, warum dann Hertha?

Foto: Monika Majer/Getty Images

“Hertha BSC hat mir die beste Perspektive geboten! Ich hatte in den Gesprächen das Gefühl, dass ich hier den nächsten Schritt gehen kann. Ich möchte mich bei den Profis durchsetzen und in der Bundesliga spielen”, beantwortet Redan diese Frage und führt weiter aus:” Die Liga ist qualitativ stark, aber ich möchte meine Partien bekommen und auch Tore schießen. Nach meiner ersten Saison möchte ich sagen können, dass ich ein besserer Spieler geworden bin. Das ist mein Ziel.” Perspektive ist also das Stichwort. Mit Olivier Giroud, Michy Batshuayi und Tammy Abraham tummeln sich nicht gerade die schlechtesten Stürmer der Premier League bei den “Blues”, zumal die englische erste Liga als äußerst hartes Pflaster für Nachwuchsspieler gilt. Die Chancen, bei den Chelsea-Profis durchzustarten, hätten daher gen null gezeigt.

Und so geht Redan einen Weg, den zuletzt zahlreiche Talente von der Insel vorgemacht haben. Wenn es bei dem großen englischen Verein nichts wird, dann scheint der Umweg über die Bundesliga äußerst beliebt. Zuletzt haben Jadon Sancho (BVB), Ademola Lookman (Leipzig), Reiss Nelson (Hoffenheim) oder Reece Oxford (M’Gladbach und Augsburg) aufgezeigt, welch positiven Einfluss ein Wechsel nach Deutschland für die eigene Karriere haben kann. Seit einigen Jahren hat sich die Bundesliga einen Ruf als ausgezeichnete Ausbildungsliga erarbeitet, so zeigte die Statistik von ran.de aus dem Oktober letzten Jahres auf: “in der Bundesliga kommen schon 65 Spieler, die 21 oder jünger sind, auf mindestens zehn Einsätze. Das sind fast doppelt so viele wie in England.” Deutschlands U21-Nationalspieler Lukas Nmecha, der aktuell bei Manchester City unter Vertrag steht, bestätigte in einem Interview, dass sich die Erfolge von Sancho und co. bei den Jugendspielern in England herumsprechen, “Natürlich nehmen das alle wahr.” Aufgrund dessen ist die Bundesliga ein solch attraktives Ziel für Talente aus Großbritannien.

Hertha hat sich einen Ruf aufgebaut

Auch bei Hertha hat ein Spieler diesen Karrieresprung bereits vorgemacht – Javairo Dilrosun. Der 21-jährige Landsmann von Redan wechselte vergangene Saison für 300.000 Euro von Manchester Citys zweiter Mannschaft nach Berlin und brauchte nicht einmal die komplette Hinrunde, um sich zum A-Nationalspieler Hollands zu mausern. “Javairo und ich kennen uns noch aus Amsterdam. Er ist ein wenig älter und hat immer eine Mannschaft über mir gespielt, aber wir haben uns immer gut verstanden und abseits des Platzes viel Zeit miteinander verbracht. Er ist ein guter Freund von mir”, erzählt Redan über ihr Verhältnis.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Weg eines Dilrosuns wird Eindruck bei Redan und seinem Umfeld hinterlassen haben – “Wenn es bei Javairo klappt, warum dann nicht auch mit Daishawn?” Genauso Eindruck werden auch die Karrieren von Mitchell Weiser, Niklas Stark, Valentino Lazaro oder Marko Grujic hinterlassen haben, die durch den Wechsel zu den Blau-Weißen einen deutlichen Sprung machen konnten. Hertha hat sich durch seine exzellente Jugendarbeit, sei es mit Eigengewächsen oder extern dazugewonnen Talenten, einen Ruf erarbeitet, der ihnen neue Möglichkeiten schenkt. Im Rennen um Redan soll sich Hertha gegen Vereine wie Hoffenheim, Leverkusen und Dortmund durchgesetzt haben – allesamt keine Leichtgewichte auf dem Transfermarkt. Das ist das Ergebnis von nun schon jahrelanger Talentförderung und hoher Durchlässigkeit zu den Profis, die Manager Michael Preetz in den Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen stolz präsentieren kann. Der Ruf Herthas arbeitet mittlerweile für und nicht gegen den Verein und lockt Spieler an die Spree, die vor ein paar Jahren vielleicht noch nicht einmal von Hertha gehört haben und für den nächsten Schritt lieber nach Dortmund, Lissabon oder Monaco gewechselt sind.

Damit ist nicht gesagt, dass Hertha in diese Riege von Vereinen vorgestoßen ist, jedoch scheint es für international angesehene Talente wie Dilrosun oder Redan mittlerweile sehr reizvoll, den Zwischenschritt in Berlin zu vollführen. Schließlich hat man hier alles: die Bundesliga als eine der stärksten Ligen Europas, gute Trainingsbedingungen, erfahrene Spieler wie Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic als Ratgeber und mit Pal Dardai wie nun Ante Covic einen Trainer, der auf die Jugend setzt. Viel mehr braucht ein 18- bis 23-jähriger Spieler für seine Entwicklung nicht.

Eine Wette auf die Zukunft

Es wurde bereits aufgezeigt, welch großes Talent in Daishawn Redan zu schlummern scheint und welch starken Zuwachs an Prestige sich Hertha BSC in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Dennoch muss jeder etwaige Hype ausgebremst werden, denn damit ist überhaupt nicht in Stein gemeißelt, welchen Weg der 18-Jährige beim Hauptstadtklub nehmen wird. Redan ist blutjung, hat keinerlei Profi-Erfahrung und soll zunächst über die U23 aufgebaut werden – niemand kann sagen, ob und wie schnell der Mittelstürmer sich an das Profi-Geschäft gewöhnen wird.

Sicherlich hat Redan das Potenzial, ein überaus guter Spieler zu werden, doch wer kann das mit Gewissheit prognostizieren? Ein Muhammed Kiprit ist (noch) nicht zu dem Über-Stürmer geworden, den man zu seiner A-Jugend-Zeit versprochen bekommen hatte und ein Maximilian Mittelstädt hat sich in der vergangenen Saison deutlich besser entwickelt als von vielen vermutet. Will sagen: wie bei jedem Nachwuchsspieler muss abgewartet werden. Aktuell ist Redan somit nur eine Wette auf die Zukunft, doch bereits ein Statement für die aktuelle Situation von Hertha BSC.

Die Saison des Ondrej Duda: ein Spiegelbild der Alten Dame

Die Saison des Ondrej Duda: ein Spiegelbild der Alten Dame

Die Saisonvorbereitung ist bereits voll im Gange, doch werfen wir unseren Blick noch einmal auf die vergangene Spielzeit, insbesondere auf unsere Erwartungen in der Vorbereitung. Im Sommer 2018 hatten wir eine Artikelreihe über die Spieler veröffentlicht, für die wir besondere Erwartungen hegen. Wie haben sich diese „Prospects“ denn in der Saison 2018/19 geschlagen? Wie stehen ihre Chancen unter Neutrainer Ante Covic? Den Anfang machen wir mit Ondrej Duda.

„Diese Saison 2018/19 muss die des Ondrej Duda werden“ – diese These hatten wir im Artikel über den offensiven Mittelfeldspieler gewagt. Zweifellos hat die „Number Ten“ der Blau-Weißen auf sich aufmerksam gemacht. Die Saison des Slowaken hatte es in sich, mal mit Glanzleistungen, doch auch einige Male völlig unsichtbar. Die Leistung von Duda in der vergangenen Spielzeit zeigte einige Parallelen zur gesamten Mannschaftsleistung von Hertha BSC auf.

He Scores when he wants – ein Traumstart in die neue Saison

Die erste Parallele gab es schon früh in der Saison. Hertha startete mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen und stellte den Klub-eigenen Startrekord ein. In diesen ersten vier Partien erzielte Ondrej Duda vier Tore, darunter ein Doppelpack in Gelsenkirchen.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Im Anschluss konnten Duda und Hertha ihren Traumstart perfekt machen: Zuhause wurde der FC Bayern mit 2:0 geschlagen, der Slowake steuerte das zweite Tor der Blau-weißen bei. Die fehlende Konkurrenz auf seiner Position konnte er eindeutig für sich nutzen. Vor allem in dieser Phase zeigten sich auch die Stärken der Nummer Zehn, darunter auch die neue Gefahr durch Standards (zwei direkte Freistoßtreffer). Der Hauptstadtclub hatte nach langer Zeit wieder einen Spieler, der die Torjägerliste der Bundesliga anführte. 

Doch nach dem historischen Erfolg gegen den FC Bayern stockte es bei der „alten Dame“. Es folgten drei Unentschieden und zwei Niederlagen. Duda selbst erzielte zwar einen Treffer gegen den SC Freiburg, verfiel jedoch in dieser Phase zu oft in alte Muster. Er war unauffällig, verlor viele Bälle durch Fehlpässe oder misslungene Dribblings. Insbesondere als es im November 2018 zu zwei Niederlagen kam, das 0:3 gegen RB Leipzig und das 1:4 gegen Fortuna Düsseldorf, ging das Spiel komplett an Ondrej Duda vorbei. Erneut zeigte sich, dass der 24-Jährige vor allem dann funktioniert, wenn er körperlich hundertprozentig fit ist. In dieser Phase schien er allerdings müde, hatt Schwierigkeiten so frei aufzuspielen, wie noch zu Beginn der Saison.

Die Hertha-Rückrunde

Dann startete die Rückrunde und dieses Mal begann diese für Hertha sogar vielversprechend. Ein 3:1-Sieg in Nürnberg (Doppelpack von Duda) und eine sehenswerte erste Halbzeit gegen Gelsenkirchen, in welcher Ondrej Duda das „Tor des Jahrzehnts“ von Marko Grujic per Hackentrick vorbereitete, machten Hoffnung auf eine lang ersehnte gute Rückrunde.

(Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Die Hauptstädter besiegten sogar auswärts Borussia Mönchengladbach mit 3:0 und sorgten für großartige Stimmung an der Spree. Ein guter Rückrundenstart für Hertha, und auch für Duda: der Spielmacher sammelte in den ersten vier Rückrundenpartien drei Tore und zwei Vorlagen. Doch es sollte bis zum 04. Mai (32. Spieltag) dauern, bevor er sein nächstes Tor erzielen konnte. Die schlechteste Phase von Hertha in der Saison 2018/19 ist gleichzeitig auch Dudas schwächste Phase. Absoluter Tiefpunkt ist dabei die 0:5 Pleite in Leipzig am 27. Spieltag.

Die Saison endete für Hertha und Duda noch recht versöhnlich, wenn man die Pleite am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen (1:5) außer Acht lässt. „Number Ten“ erzielte in den letzten drei Saisonspielen noch ein Tor und zwei Vorlagen und Hertha beendete die Spielzeit auf dem elften Tabellenplatz.

Eine Bilanz, die sich sehen lässt

Am Ende sprechen die Zahlen definitiv für Ondrej Duda. Elf Treffer, sechs direkte Torvorlagen und fünf Mal „Mann des Spiels“ in 30 Bundesliga-Einsätze sprechen eine eindeutige Sprache. Mit insgesamt 17 Torbeteiligungen war der Slowake bester Scorer der “Alten Dame”. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass sein Marktwert seit dem 05.06.2019 stolze 17 Millionen Euro beträgt (im Vergleich: am 05.06.2018 waren es „nur“ 3 Mio. €). Die „letzte Chance“, die hohen Erwartungen als Königstransfer von 2016 zu erfüllen, hat er eindeutig genutzt.

Was auch auffällt: zeigte Duda starke Leistungen, so spielte Hertha auch gut. War Hertha schwach, war auch Duda schwach. Doch wer ist von wem abhängig? Was war zuerst da: die Henne oder das Ei? Fakt ist: wenn es mal nicht lief, konnte Ondrej Duda allein das Ruder nicht umreißen (muss er als einer von elf Spielern auf dem Feld auch nicht), aber er ist zweifellos einer der wichtigsten Säulen unter Ex-Trainer Pal Dardai gewesen. 

Seine Chancen unter Ante Covic

(Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Was Herthas neuer Coach Ante Covic vom Slowaken hält, zeigte sich bereits beim Trainingsauftakt. Dort konnte man unter anderem die Vertragsverlängerung des besten Torschützen der vergangenen Saison feiern. Dazu kommen die Verlängerung von Marko Grujic und die Verpflichtung von Eduard Löwen. Das zentrale Mittelfeld von Hertha kann sich personell sehen lassen, die Konkurrenzsituation wird dieses Jahr also intensiver werden als im vergangenen. Mit Arne Maier, Vladimir Darida, Per Skjelbred und Sidney Friede stellen sich zahlreiche Mitbewerber für die Startelf an. An Duda wird jedoch wohl, sollte er fit bleiben, auch für Covic kein Weg vorbei gehen.

Allerdings will der Berliner Chefcoach ihm die vielen Fouls und gelbe Karten abgewöhnen. Tatsächlich ist „Number Ten“ mit 70 Fouls auf Platz eins der Bundesliga Foul-Statistik. Ob Covic das gelingt, oder ob die Aggressivität von Duda zu fest in seiner Spielweise verankert ist, wird man sehen. Wenn am Ende aber genügend Tore fallen, wird sich wohl keiner beschweren.

Abschließend lässt sich sagen, dass unsere Erwartungen an Duda erfüllt wurden und es wirklich „sein Jahr“ wurde. Es bleibt also nur noch zu hoffen, dass er fit bleibt, eine ganze Vorbereitung durchmacht und das „He scores when he wants“-Lied von Salomon Kalou kein One Hit Wonder bleibt. Auf die nächste Rolex!

Herthas Talente – die Zukunft der Nationalmannschaft

Herthas Talente – die Zukunft der Nationalmannschaft

Am 15.03.2019 war es soweit: der nächste Herthaner wurde in Person von Niklas Stark für die deutsche Nationalmannschaft nominiert. Eine gute Nachricht für Hertha BSC, doch gemessen an der Entwicklung des 23-Jährigen keine unerwartete. Hinter Stark arbeiten noch weitere junge Berliner Talente daran, die zukünftigen Nationalspieler zu werden. Wir nutzen die Länderspielpause, um einen Blick auf diese Spieler zu werfen.

Ein Zufall ist die Nominierung Starks sicherlich nicht. Eher ein Ergebnis von einigen Jahren guter Jugendarbeit und Förderung von jungen Spielern. Sowohl in der Transferpolitik als auch im Spielbetrieb zeigt sich in Berlin der Wille auf die Jugend zu setzen. Viele andere Optionen gibt es ohnehin nicht. Finanzielle Mittel wie auch großer sportlicher Erfolg fehlen in der Hauptstadt, um mit den “Big Players” der Bundesliga mithalten zu können. Der Weg über die Jugend soll die Lösung sein, um langfristig im Oberhaus überleben zu können.

Pal Dardai – Der Jugendförderer

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Dabei verkörpert kaum ein Trainer in der Bundesliga die Jugendförderung besser als Pal Dardai. Seitdem Herthas Rekordspieler im Amt ist, konnten bereits neun Spieler aus der eigenen Jugendakademie ihr Profidebüt feiern, wie zum Beispiel Arne Maier (20 Jahre), Maximilian Mittelstädt (22), Jordan Torunarigha (21), Dennis Jastrzembski (19) oder Florian Baak (20). Nicht aus der eigenen Jugendakadamie, aber ebenso Profi-Debütant unter Pal Dardai ist der im vergangenen Sommer aus England verpflichtete Javairo Dilrosun (20).

Des Weiteren wurden in den letzten Transferperioden unter Pal Dardai junge Spieler mit Perspektive geholt – Niklas Stark, Mitchell Weiser, Ondrej Duda, Valentino Lazaro oder Marko Grujic sind nur ein paar Beispiele dieser Transferpolitik. Die genannten Spieler waren zwar schon vor ihrem Wechsel an die Spree im Profi-Fußball angekommen, konnten sich in der Hauptstadt jedoch besonders gut entwickeln.

Aktuell stehen neun Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Profikader von Hertha BSC unter Vertrag. Im bevorstehenden Sommer kommt der 17-Jährige Julian Albrecht dazu, sowie die momentan ausgeliehenen Nils Körber, Sidney Friede, Maximlian Pronichev und Muhammed Kiprit.

Plattenhardt und Stark – Die Vorreiter

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

So ist es kein Wunder, dass einige Hertha-Profis zuletzt in den Fokus der deutschen Nationalmannschaft geraten sind. Marvin Plattenhardt und Niklas Stark, beide nicht aus der Hertha-Jugendakademie, jedoch früh in ihrer Karriere zur „alten Dame“ geholt, konnten unter Pal Dardai den nächsten Schritt in ihrer Karriere gehen und sich als Stammspieler etablieren. Plattenhardt wurde somit der erste bei Hertha BSC unter Vertrag stehende deutsche Nationalspieler seit Arne Friedrich. Ob der 27-Jährige jedoch in Zukunft wieder in der deutschen Auswahl eine Rolle spielen wird, ist aktuell eher unwahrscheinlich.

Niklas Stark beginnt hingegen mit einer guten Ausgangslage seine Nationalspieler-Karriere. Die Konkurrenz auf der Innenverteidiger-Position hat sich, nach der Entscheidung von Joachim Löw sowohl Jerome Boateng als auch Mats Hummels nicht mehr zu nominieren, deutlich reduziert. Sollte der 23-Jährige einen guten Eindruck hinterlassen und sich langsam in die Mannschaft spielen, gibt es nicht sehr viele Spieler, die ihn momentan wieder verdrängen könnten.

Zur Nominierung von Niklas Stark und seine Chancen in der Nationalmannschaft haben wir uns in der letzten Hertha BASE Podcast-Episode unterhalten:

Allerdings wird Stark noch eine Weile auf sein erstes A-Länderspiel warten müssen. In den jüngsten Partien gegen Serbien und den Niederlanden wurde er von Bundestrainer Joachim Löw noch nicht eingesetzt. Er selber zeigte sich hinsichtlich seiner zukünftigen Einsatzchancen jedoch optimistisch: „Natürlich ist es schade, dass ich keine Minuten bekommen habe. Aber es kommen ja noch mehr Spiele, da will ich dann dabei sein.

Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Stark auch für Pal Dardai ein „echter Nationalspieler“ ist. Die Nominierungen von Plattenhardt und Stark könnten jedoch nur der Anfang sein. Ein Blick in den Jugendauswahlen der deutschen Nationalmannschaft bringt einige Erkenntnisse.

Hertha-Quartett in der deutschen U21-Nationalmannschaft

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Am vergangenen Donnerstag in Essen traf die U21-Auswahl Deutschlands auf die französische U21 – Endergebnis 2:2. In der Startelf der Deutschen standen mit Arne Maier, Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha gleich drei Hertha-Profis auf dem Platz. Ein vierter wurde mit Lukas Klünter (22) noch im Laufe des Spiels eingewechselt.

Dabei konnten alle Hertha-Profis überzeugen, Maxi Mittelstädt glänzte sogar als Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:0. Auch am Dienstagabend gegen die englische U21 standen mit Maier und Mittelstädt zwei Herthaner in der Startformation der DFB-Auswahl. Jordan Torunarigha musste aufgrund einer Verletzung vorzeitig abreisen und wird die kommenden Wochen ausfallen. Ganze 59 Minuten standen die Berliner auf dem Platz, bevor die Mannschaft durchrotiert wurde. Lukas Klünter wurde erneut eingewechselt.

Zum gemeinsamen Einsatz in der U21 sagte Maximilian Mittelstädt: „Das stärkt zusätzlich den Zusammenhalt, wir verstehen uns alle sehr gut auch privat. Wir kennen uns schon seit langer Zeit, vor allem Arne, Jordan und ich spielen seit sehr langer Zeit zusammen, waren zusammen in der Schule und kennen uns schon seit klein auf, ich denke, dass wir da eine gute Achse bilden können“.

Trotz dieser engen Verbindung ist die Ausgangslage für die vier Profis sehr unterschiedlich. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Berliner Eigengewächse auf Positionen spielen, auf denen auch momentan in der A-Nationalmannschaft Bedarf ist. Gute Innen- und Außenverteidiger werden dringend gebraucht, Bundestrainer Joachim Löw probiert aktuell viele Varianten aus.

Arne Maier – Der jüngste und reifere im Quartett

Zudem kann ein Spieler wie Arne Maier, der variabel einsetzbar ist und schon im jungen Alter eine hohe Spielintelligenz hat, sehr wertvoll werden. Maier, der auf einer eher für ihn ungewohnten Libero-Position gegen die französische Auswahl eingesetzt wurde, zeigte sowohl gegen Frankreich, als auch gegen England ein gutes Spiel und wurde von Coach Stefan Kuntz gelobt. Gegen die U21 der „Three Lions“ konnte er in seinem dritten Spiel in der U21 sogar mit einer sehenswerten Vorlage zum zwischenzeitlichen 1:0 für Deutschland glänzen.

(Foto: Jörg Schüler/Getty Images for DFB)

Der gebürtige Ludwigsfelder selbst zeigte sich in Interviews für sein Alter auffällig abgeklärt und selbstkritisch. Er wurde bis auf die U20 (die er übersprang) in jeder Altersstufe der Jugend-Nationalmannschaft eingesetzt, spielte zuletzt neun Spiele in der U19 und erzielte dabei drei Treffer und steuerte zusätzlich vier Vorlagen bei. Zu den Einsätzen in den Jugendmannschaften des DFB sagte Maier: „Diese Erfahrungen sind immens wichtig. Nur durch die Vergleiche mit starken Spielern und Teams aus anderen Nationen entwickelt man sich fußballerisch weiter.“

Der 20–Jährige ist in seiner Spielweise und sein Auftreten der „reifere“ Spieler der eingesetzten Hertha-Talente. Diese Saison konnte er sich zum unumstrittenen Stammspieler in der Mannschaft von Pal Dardai etablieren. Obwohl er noch auf sein erstes Profi-Tor wartet, zeigte Maier immer wieder, dass er den Sprung von Jugendspieler zu Profi-Fußballer gemeistert hat. Nicht umsonst wird er von einigen größeren Vereinen beobachtet. Sollte ihn Hertha halten können, wird er auch in der nächsten Spielzeit eine wichtige Säule des Hauptstadtclubs sein, was seine Chancen auf einen Einsatz in der A-Nationalmannschaft sicher nicht senken würde.

Mittelstädt mit einer starken Saison

Positiv ist auch die Entwicklung von Maximilian Mittelstädt zu verzeichnen. Der 22-Jährige profitiert aktuell auch von der schwachen Form von Marvin Plattenhardt und wurde bisher in dieser Saison schon 22 Mal in Pflichtspielen eingesetzt, verbuchte dabei drei Tore und zwei Vorlagen. Auch er zeigt diese Saison große Fortschritte und hat ab der U18 jede Station in den Jugendauswahlen der deutschen Nationalmannschaft besucht.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der gebürtige Berliner wird beim U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz einen guten Eindruck hinterlassen haben. „Ich habe Maxi im Training gesagt, dass er offensiv zu ungefährlich ist. Das Tor war natürlich die beste Antwort, die er geben konnte.“, war von Kuntz nach dem Spiel gegen Enland zu hören. Auch auf Mittelstädts Position als linker Verteidiger ist in der A-Nationalmannschaft Bedarf, sodass sein Profil auch für Joachim Löw eines Tages interessant werden könnte.

Die nächste Saison könnte für den 22-Jährigen ausschlaggebend werden. Auch wenn ihm noch einiges fehlt, insbesondere im Offensiv-Spiel, ist Mittelstädt auf dem richtigen Weg, sich auf den Radar von Löw zu spielen.

Torunarigha und die Verletzungen

Auf den richtigen Weg schien auch Jordan Torunarigha zu sein. Der Innenverteidiger konnte bei der U21 im Spiel gegen die Franzosen überzeugen. Doch wie schon so oft in der laufenden Saison hieß es Anfang der Woche erneut, dass der gebürtige Chemnitzer sich verletzt hat. Diagnose: „Verletzung des Kapsel- und Bandapparates im linken Sprunggelenk sowie ein Knochenmarksödem“.

(Foto: Jörg Schüler/Getty Images for DFB)

Torunarigha musste in der laufenden Saison bereits mehrmals verletzt ausfallen. Diese Rückschläge warfen ihn jedoch nicht komplett zurück. Immer wieder kämpfte er sich in die Startelf zurück, überzeugte durch seinen Einsatz und seine Zweikampfwerte. Auch zwei Tore und zwei Vorlagen konnte er beitragen.

Trotzdem sind die vielen Verletzungen besorgniserregend. Auch Trainer Pal Dardai passt die Situation nicht: „ Als Innenverteidiger und Sechser spielst du im Idealfall die Saison durch. Es geht um Zuverlässigkeit. Dafür braucht einen ordentlichen Körper und Leistung. Da muss Jordan sich steigern.“ Sollte der 21-Jährige allerdings seine Fitness in den Griff kriegen und sein Körper der Belastung eines Profi-Sportlers standhalten, sieht auch seine Zukunft hervorragend aus.

Für den vierten im Bunde, Lukas Klünter, war der Einsatz in der U21 sicherlich auch eine Wohltat. Nach einer sehr komplizierten Hinrunde, in welcher er nur eine Minute Einsatzzeit bekam, konnte er in der Rückrunde immerhin zwei Spiele über 90 Minuten bestreiten. Auch er ist mit seinen 22 Jahren am Anfang seiner Karriere und wird noch die Möglichkeit bekommen, sein Talent über längere Strecken zu zeigen. Da ein Abgang von Valentino Lazaro im Sommer immer wahrscheinlicher wird, könnte für Klünter im Sommer der Kampf um einen Stammplatz neu beginnen.

Hertha-Profis auch in der U20 und U19 DFB-Jugendauswahl

Nicht nur in der U21 findet man Namen, die im Profikader von Hertha BSC auftauchen. Palko Dardai und Florian Baak wurden beide für die U20-Nationalmannschaft nominiert, mussten jedoch aufgrund von gesundheitlichen Problemen ihre Teilnahme an den Spielen wieder absagen.

(Foto: Tullio M. Puglia/Getty Images)

Doch ganz ohne Berliner Beteiligung musste die U20 nicht auskommen. Sidney Friede, der aktuell noch an den belgischen Erstligisten Royal Excel Mouscron ausgeliehen ist, wurde im Spiel der U20 gegen Polen eingesetzt und traf sogar zum 2:0. Friede scheint aktuell ohnehin einen Lauf zu haben: zwei Treffer und eine Vorlage konnte er in acht Spielen in der „Jupiler Pro League“ verzeichnen.

Die deutsche U19 hingegen verpasste in dieser Länderspielpause leider die EM-Endrunde – aufgrund einer 0:1-Niederlage gegen Norwegen, in der Dennis Jastrzembski durchspielte. Auch ein 3:0-Sieg gegen Ungarn konnte die Qualifikation nicht mehr retten (Jastrzembski wurde in der 77. Minute eingewechselt). Der 19-Jährige war nach einer guten Vorbereitung und Kurzeinsätzen zu Saisonbeginn bei der „alten Dame“ im weiteren Verlauf der Saison komplett abgetaucht, wurde immerhin zuletzt auswärts gegen den FC Bayern München und den SC Freiburg in der Schlussphase von Pal Dardai eingewechselt. Es scheint also wieder bergauf zu gehen.

Ebenso im Einsatz waren ein weiterer Dardai-Sohn und zwei große Berliner Talente: Marton Dardai (17),Lazar Samardzic (17) und Luca Netz (15) konnten mit Deutschlands U17 nach zwei Unentschieden und einem Sieg das EM-Ticket gerade noch lösen.

Die Zukunft gehört Berlin

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Ein Name, der im Moment in keiner Auswahl nominiert, allerdings für die A-Nationalmannschaft noch nicht abzuschreiben ist, ist Davie Selke. Auch er spielt nach seiner Verletzung zu Saisonbeginn eine immer größere Rolle bei den Blau-Weißen und steht aktuell bei drei Treffern und neun Vorlagen. Als Talent kann Selke mit seinen 24 Jahren wohl nicht mehr gelten, sein Name sollte aber beim DFB bekannt sein. In einigen DFB-Jugendauswahlen wurde er eingesetzt, zeigte sich dort auch sehr treffsicher. Mit der U21-Nationalmannschaft wurde Selke zusammen mit Lukas Klünter und Niklas Stark 2017 sogar Europameister.

Die deutsche Nationalmannschaft hat also sowohl für die erste Elf, als auch im Jugendbereich einige Hertha-Profis auf dem Zettel. Auf einigen Positionen könnten Spieler aus der Hauptstadt in Zukunft eine gute Alternative darstellen. „Die Zukunft gehört Berlin“, ist das Motto von Hertha BSC in der laufenden Saison. Vielleicht sollte es auch heißen: „die Zukunft der Nationalmannschaft ist in Berlin“.

Hertha und seine Torhüter: Vergangenheit, Torwart und Zukunft

Hertha und seine Torhüter: Vergangenheit, Torwart und Zukunft

Das letzte Drittel der Bundesliga-Saison 18/19 ist längst angebrochen, es wird um die Meisterschaft, Europa und den Nicht-Abstieg gespielt. Doch neben dem Rennen um begehrte Tabellenplätze setzen sich die Geschäftsstellen der 18 Vereine aktuell auch mit längerfristigen Zukunftsentscheidungen auseinander. Erste Vorkehrungen bezüglich des Spielerkaders werden getroffen, sodass zwecks einer produktiven Sommervorbereitung möglichst frühzeitig das Aufgebot für die kommende Spielzeit feststeht. Bei Hertha BSC ist es nicht anders, zahlreiche Vertragsgespräche laufen und vor allem auf der Torhüter-Position bedarf es einer weitsichtigen Planung. In diesem Artikel sollen die sieben realistischen Torhüter für Herthas Profi-Team und deren Verbleibschancen bzw. weiterer Weg beleuchtet werden.

Herthas Torhüterteam ist im Bundesliga-Vergleich ein Sonderling – das zeigt allein das aktuelle Mannschaftsfoto der Berliner, auf dem ganze fünf Keeper nebeneinander sitzen: Rune Jarstein, Thomas Kraft, Jonathan Klinsmann, Marius Gersbeck und Dennis Smarsch. Jeder von ihnen gehört zum Profi-Team des Hauptstadtvereins, allerdings mit verschiedensten Ausgangslagen und Ambitionen. Zahlreichen Medienberichten zufolge steckt Herthas Geschäftsführer Sport Michael Preetz mitten in Gesprächen, welche die Zukunft einiger der genannten Namen klären soll. Es folgt eine Übersicht und Einordnung der aktuellen Berichterstattung, sodass am Ende des Artikels ersichtlich wird, wie die Nahrungskette der Berliner Keeper in der kommenden Spielzeit oder den nächsten Jahren aussehen könnte.

Die etablierten Routiniers

Neben den vielen aufstrebenden Torhüter-Talenten in Herthas Reihen gibt es mit Rune Jarstein und Thomas Kraft auch zwei erfahrene Recken, die Vergangenheit und Gegenwart des Berliner Tores widerspiegeln. Jahrelang konnte an ihrem Status nicht gerüttelt werden, doch der Zahn der Zeit nagt auch auch an gefühlt Ewigen zwischen den Pfosten.

Rune Jarstein – Der Unüberwindliche bis 2021

Zugegeben, um Rune Jarstein ist es momentan sehr ruhig. Aufgrund seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung im April letzten Jahres bis 2021 lassen sich keine Medienberichte zu seiner Zukunft finden – die ist soweit geklärt. Der Norweger hat allerdings den begehrten Platz an der Sonne, also bei Pflichtspielen der Profi-Mannschaft zwischen den Pfosten und ist somit stets in die Torwartfragen bei Hertha eingebunden.

Foto: Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Seit 2015 hat Jarstein den Status als Stammkeeper der “alten Dame” inne, nachdem er den verletzungsbedingt lange ausfallenden Thomas Kraft als dessen Nachfolger ablöste. Verdrängen ließ sich der 34-Jährige nicht mehr, 132 Pflichtspiele absolvierte er seitdem und den absoluten Großteil dieser in herausragender Manier. Jarstein entwickelte sich trotz des bereits vorangeschrittenen Fußballeralters merklich weiter und dadurch zu einem der beständigsten Torhüter der Bundesliga.

Auch für den starken Berliner Start in die laufende Saison war Jarstein immens wichtig, sicherte durch überragende Leistungen viele Punkte (seine ersten vier Spieltagsnoten in unserer Einzelkritik: 1, 1, 1-, 2). Dieses Top-Niveau konnte Norwegens Nummer eins zwar nicht gänzlich halten, dennoch spielte er eine wirklich starke Hinrunde. Die aktuelle Rückrunde Jarsteins ist allerdings die vielleicht schwächste Halbserie seiner Hertha-Zeit. Sowohl im DFB-Pokal als auch im Liga-Rückspiel gegen den FC Bayern München gingen die Niederlagen zu keinem unwesentlichen Anteil auf sein Konto, da er sich zweimal beim Herauslaufen verschätzt hatte und so zu entscheidenden Gegentreffern hinleitete. 2019 konnte Herthas Schlussmann seinem Team in noch keiner Partie Punkte retten, vielmehr wirkt er in seiner Stafraumbeherrschung verunsichert.

Überbewerten sollte man seine letzten Leistungen jedoch nicht, denn Jarstein brilliert aktuell zwar kaum, von “schlechten” Vorstellungen kann (ausgenommen die beiden Spiele gegen Bayern) allerdings auch keine Rede sein. Auch in seinem Alter sind gewisse Durststrecken legitim, sodass nicht sofort von einem altersbedingten Leistungsabsturz ausgegangen werden kann. Jarstein genießt weiterhin vollstes Vertrauen und das wird voraussichtlich bis zu seinem Vertragsende 2021 auch so bleiben. “Ich bin hier zur richtigen Zeit am richtigen Ort und will mein Niveau halten, bis ich 40 bin”, sagte der 34-Jährige dem kicker vor genau einem Jahr. Ob er so lange in Berlin bleiben wird, ist aufgrund der nachrückenden Torhütergeneration in Berlin fraglich, doch gute zweieinhalb Jahre sind Jarstein noch zuzutrauen. Es gibt also keinen Grund, bereits an seinem Status als Herthas Nummer eins zu zweifeln.

Thomas Kraft – noch ein letztes Jahr in Berlin

Ebenso wenig Zweifel lässt die Rolle von Thomas Kraft zu, der seit der Wachablösung Jarsteins die klare Nummer zwei der Blau-Weißen ist. Diese Rangordnung wird dem so ehrgeizigen Kraft nicht immer geschmeckt haben, doch mit der Zeit gewöhnte sich der 30-Jährige an sie und wurde zu einem äußerst verlässlichen und dadurch wichtigen Zahnrad im Herthaner Getriebe.

Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Es sind nur diese ein bis zwei Spiele pro Saison, in denen ein Ersatztorhüter sich beweisen darf. Dann gilt es, auf den Punkt 100 Prozent Leistung zu zeigen, fehlender Rhythmus darf kein Argument sein. Für Kraft waren es in dieser Saison bislang zweieinhalb Halbzeiten in der Liga und ein Einsatz in der ersten DFB-Pokalrunde. Zweimal spielte der ehemalige Münchener dabei zu Null, gegen Werder Bremen (1:3) kassierte er nach seiner Einwechslung nur einen der drei Gegentreffer. Besonders in der Begegnung mit seinem Ex-Verein, dem deutschen Rekordmeister, machte Kraft nach längerer Zeit wieder auf sich aufmerksam, indem er seinen Kasten trotz größerer Bemühungen der Münchener sauber hielt. Seit Jahren beweist Kraft, dass auf ihn Verlass ist und sich wohl jeder Bundesligist eine Nummer zwei wie ihn wünscht.

Tatsächlich wünschen sich ein paar Vereine wohl sogar mehr als das. Wie der kicker berichtet, zeigen die beiden vom Abstieg bedrohten Vereine aus Hannover und Nürnberg Interesse an Herthas Ersatztorwart. Sowohl Hannover 96 als auch der “Club” sollen Kraft im Falle eines Abstiegs gerne als neuen Stammtorhüter verpflichten wollen. Trotz dieser Angebote und einer damit einhergehenden Beförderung zur Nummer eins wird der 30-Jährige aber wohl ein weiteres Jahr in Berlin bleiben. Hertha soll ihm eine einjährige Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrages angeboten haben, welches er dem Bericht nach annehmen wird. 2020 wird Krafts Sohn eingeschult, weshalb der Keeper erst in einem Jahr über seinen neuen Lebensmittelpunkt und eine langfristige Vertragsbindung entscheiden möchte.

In Berlin wird man ein weiteres Jahr mit Kraft auf der Bank gut annehmen können. Der 30-Jährige wird neben seinem sportlichen Wert vor allem für seine Führungsrolle innerhalb der Mannschaft geschätzt. Kraft lebt Professionalität vor, nimmt jede Trainingseinheit ernst und ist somit ein Vorbild für die vielen jungen Spieler bei Hertha. Der Abschied von Fabian Lustenberger im Sommer ist bereits offiziell, weitere Abgänge von erfahrenen Säulen der Mannschaft (Ibisevic, Darida, Pekarik) ist nicht ausgeschlossen, sodass ein Verbleib Krafts gegen ein Vakuum an Führungsqualität helfen könnte.

Ihnen gehört die Zukunft

Hinter den zwei etablierten Routiniers Jarstein und Kraft scharrt ein ganzes Quintett an aufstrebenden Torhüter-Talenten mit seinen Hufen. Ein größere Rolle in den Planungen Hertha dürften allerdings nur folgende drei Namen spielen.

Nils Körber – Der König der Dritten Liga

Hertha wird immer mutiger, was das Ausleihen seiner Spieler angeht. Im Winter wurden mit Sidney Friede, Alexander Esswein, Muhammed Kiprit und Maximilian Pronichev gleich vier Berliner Kicker für ein halbes Jahr abgegeben. Die Tür für diese neue Transferpolitik wird Nils Körber aufgrund seines derzeitigen Erfolgs mit geöffnet haben.

Der 22-Jährige wurde im zurückliegenden Sommer zum VfL Osnabrück verliehen. Versuch Nummer zwei, denn zuvor war das Berliner Eigengewächs bereits für ein Gastspiel bei Preußen Münster, fand dort nach einer Verletzung aber keinen Anschluss mehr, sodass die Leihe als wenig erfolgreich gewertet wurde. In Osnabrück sollte es gänzlich anders laufen, denn Körber wurde auf Anhieb Stammkeeper der Niedersachsen und einer Hauptfaktoren für deren derzeitigen Höhenflug.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Der VfL belegt mit 61 Punkten nach 30 Spielen den ersten Tabellenplatz der dritten Liga, der erste Zweitligaufstieg seit 2010 ist zum Greifen nahe. Osnabrück dominiert die Liga regelrecht, stand an 22 von 30 Spieltagen an der Tabellenspitze und stellt mit gerade einmal 21 Gegentoren die ligaweit beste Defensive. Maßgeblichen Anteil daran hat Leihgabe Körber, der eine atemberaubende Saison spielt. Der kicker bemisst seine Durchschnittsnote mit 2,46 – niemand in der Liga schneidet bislang besser ab. In 29 Einsätzen hat Körber 14 Mal, also statistisch in jedem zweiten Spiel, zu Null gespielt, weshalb er auch immer öfter auf dem Radar des DFB auftaucht und für die U21-Nationalmannschaft nominiert wurde. Es ist also legitim zu sagen, dass Körber seine Leihe vollends ausnutzt und sich im Profibereich etabliert. Er gehört zu den absoluten Leistungsträgern seines Vereins, wird von den Osnabrücker Fans sehr geschätzt und wirkt mit seinen erst 22 Jahren schon äußerst reif.

Diese Entwicklung bleibt nicht unbemerkt, denn laut dem kicker hat Körber das Interesse eines deutschen Zweitligisten und dem niederländischen Erstligisten VVV-Venlo geweckt. Hertha soll gewillt sein, seinen 2020 auslaufenden Vertrag zu verlängern und ihn dann erneut zu verleihen. Fraglich ist nur wohin und das hängt sicherlich mit der Endplatzierung Osnabrücks ab. Sollte der VfL aufsteigen, könnte Körber in einem bereits bekannten Umfeld eine Etage höher spielen und wichtige Erfahrungen sammeln. Die niederländische Eredevisie stellt allerdings auch eine spannende Option dar, denn gegen Ajax Amsterdam oder PSV Eindhoven zu spielen, wäre eine interessante Herausforderung. Es scheint zumindest festzustehen, dass Körber auch die kommende Saison außerhalb Berlins verbringen wird, um sich durch regelmäßige Einsatzzeiten weiterzuentwickeln. Stück für Stück wird das Eigengewächs darauf vorbereitet, eine ernsthafte Alternative für Herthas Bundesliga-Mannschaft zu werden.

Dennis Smarsch – ein weiteres Lehrjahr steht an

Mit seinen 1,95 und geschätzten 90 Kilo ist Dennis Smarsch mit seinen gerade einmal 20 Jahren bereits eine sehr imposante Erscheinung. Dabei unterschrieb das Eigengewächs erst im vergangenen Sommer seinen ersten Profi-Vertrag. “Dennis hat sich in den vergangenen Jahren stets entwickelt und in unseren Nachwuchsteams als großer Rückhalt überzeugt. Auch im Training der Profis zeigt er sein großes Talent, das wir ­weiter fördern wollen”, erklärte Michael Preetz damals.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Vorschusslorbeeren konnte Smarsch in der vergangenen A-Bundesliga-Saison sammeln, als er mit seiner Mannschaft die deutsche Meisterschaft nach Berlin holte. Arne Maier, Muhammed Kiprit, Dennis Jastrzembski, Palko Dardai, Florian Baak, Julias Kade – die Liste an Spielern, die es aus diesem Team bis in die Bundesliga geschafft haben, ist lang und soll irgendwann durch Smarsch erweitert werden. Das Torhüter-Talent hat großen Anteil an der ersten A-Jugend-Meisterschaft Herthas, er überzeugte sowohl mit seinem Torwartspiel, als auch durch seine Führungsqualitäten. Bereits mit jungen Jahren strahlt Smarsch eine große Sicherheit aus, die sich auf seiner Vordermänner überträgt. Auch bei dem A-Jugend-Hallenturnier in Sindelfingen, welches Hertha ebenfalls gewinnen und konnte und bei dem Herthas BASE vor Ort war, war der gebürtige Berliner eine der prägenden Figuren. Trotz seiner Statur zeigte Smarsch auf dem Kleinfeld, über welch starke Reflexe er verfügt und so war er wohl der stärkste Keeper dieses Turniers.

All diese Leistungen blieben offensichtlich nicht unbeobachtet und so darf Smarsch in der laufenden Spielzeit erste Erfahrungen im Männerbereich sammeln. Das durchgängige Mittrainieren im Profi-Torwart-Aufgebot Herthas und die regelmäßigen U23-Einsätze in der Regionalliga (Smarsch darf in rund der Hälfte der Partien von Anfang an spielen) gewöhnen den 20-Jährigen an den Männerbereich, dazu kommen zwei Nominierungen für die Bundesliga-Mannschaft. Es gibt keinerlei Medienberichte, die nahelegen, dass Hertha plant, Smarsch in der kommenden Saison zu verleihen und wie der weitere Verlauf dieses Artikels aufzeigen wird, scheint der Keeper in der kommenden Spielzeit die feste Berliner Nummer drei und in der U23 der Stammtorhüter zu werden – kleine aber bedächtige Schritte für den Hünen.

Luis Klatte – Profi-Vertrag in Aussicht?

Herthas Kader verfügt aktuell über sechs Torhüter mit Profi-Verträgen, drei davon wurden in der eigenen Jugendakademie ausgebildet. Auch hier zeigt sich, über welches Talent der Hauptstadtverein in seinen eigenen Reihen verfügt und wie gezielt er eben jenes weiterentwickelt und zu Bundesliga-Material formt. Der nächste Name, der in diese Riege stoßen könnte, ist Luis Klatte.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Vielen vielleicht noch kein Begriff, konnte der 19-Jährige, der seit 2012 für Hertha spielt, in den letzten Wochen im Rahmen der UEFA Youth League auf sich aufmerksam machen. Besonders bei der 0:3-Niederlage im Rückspiel gegen Titelverteidiger Barcelona zeigte der gebürtige Berliner eine grandiose Leistung, für die er anschließend Lob von Michael Preetz erhielt. In der laufenden Saison hat Klatte den zur U23 beförderten Smarsch als Stammtorhüter der Herthaner A-Jugend-Mannschaft beerbt, nachdem er in vergangenen Spielzeit noch als Ersatzkeeper acht Liga-Spiele bestritt. Nun führt kein Weg mehr an Klatte vorbei, der mittlerweile sogar internationale Erfahrung sammeln durfte.

Es ist aufgrund der guten Leistungen des U-Nationalspielers davon auszugehen, dass Hertha ihm für die kommende Saison einen Profi-Vertrag und die Rolle der Nummer zwei mit ersten Einsätzen in der U23 anbieten wird. Ob das Eigengewächs diesen Weg einschlagen wird oder qua der internen Konkurrenz keine attraktive Perspektive bei Hertha sieht, bleibt abzuwarten. Dass die “alte Dame” ihn aber gerne halten und somit den wahrscheinlichen Abgang von zwei Keepern auffangen will, scheint wohl sicher.

Zwei wohl sichere Abgänge

Die Länge dieses Artikels macht bereits das Dilemma offensichtlich, dass Hertha über wohl zu viele Torhüter verfügt und sich im kommenden Sommer auf dieser Position verändern muss. Zwei leidtragende werden Jonathan Klinsmann und Marius Gersbeck sein.

Jonathan Klinsmann – eine gute Ausbildung, aber keine Übernahme

“Er ist bei Hertha in die Lehre gegangen und hat in den letzten 20 Monaten sein Handwerk gelernt. Jetzt steht er vorm Gesellenbrief”, resümierte Jonathans Vater Jürgen Klinsmann die zwei Jahre seines Sohnes in Berlin. Und auch wenn Hertha ein Ausbildungsbetrieb ist, der nach Möglichkeit all seine Lehrlinge übernehmen wollen würde, stehen die Zeichen bei dem 21-Jährigen auf Abschied.

Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images

2017 wechselte Klinsmann von der UC Berkeley an die Spree, erstmals weit weg von zu Hause und der Familie. Nicht überraschend brauchte der Torhüter mit berühmten Nachnamen einige Monate der Eingewöhnungszeit, in denen er sich an die Ansprüche einer deutschen Profi-Mannschaften und die Stadt Berlin anpassen musste. In dieser Zeit rief der US-Nachwuchsnationalspieler nur unregelmäßig sein volles Potenzial ab, was ihm vor einem Jahr größere Kritik seitens Torwarttrainer Zsolz Petry einbrachte. Es waren harte Worte, die der Ungar damals gewählt hatte und auch die Art der öffentlichen Kritik war diskutabel, doch letztlich sollte Petrys Ansage etwas in Klinsmann ausgelöst haben. Der 21-Jährige tritt seitdem deutlich selbstbewusster auf, zeigt mehr Willen, sich im harten Profi-Geschäft durchsetzen zu wollen. “Zsolt Petry hat einen gigantischen Job gemacht. Ich muss auch Jonathan ein riesen Kompliment machen. Er ist hier zum Mann geworden, hat Deutsch gelernt und fährt durch die Stadt, als sei er hier aufgewachsen”, lobte Vater Jürgen die Entwicklung seines Sohnes in der Berliner Zeitung.

Durchsetzen wird sich Jonathan Klinsmann bei Hertha dennoch nicht. Wie der kicker berichtet, planen die Vereinsverantwortlichen nicht über den Sommer hinaus mit ihm, denn die Rolle der Nummer zwei ist vergeben und eine Leihe steht nicht im Raum. “Jetzt liegt es am Klub, zu sagen: Wir ziehen ihn hoch als Nummer zwei – oder er geht auf Wanderschaft”, blickte Vater Jürgen voraus. Da Kraft Medienberichten zufolge ein weiteres Jahr bleiben wird, wird Klinsmann wohl die Wanderschuhe auspacken müssen – das Experiment zwischen ihm und Hertha scheint im Sommer zu enden und so bleibt es bei einem Profi-Einsatz für die Blau-Weißen in der Europa League gegen Östersund (1:1), in dem er einen Elfmeter halten konnte. “Das Spiel war eine Erleuchtung für ihn. Er hat gemerkt, dass er mithalten kann.” In drei Monaten wird Klinsmann mit dem Gesellenbrief in der Hand Berlin verlassen. Wo er seine Meisterprüfung absolvieren wird, ist unklar, doch laut Papa Jürgen wird Jonathan in Europa bleiben.

Marius Gersbeck – eine Verletzung bremste den Publikumsliebling aus

Auf unterschiedlichstem Wege sind Jonathan Klinsmann und Marius Gersbeck zu Hertha BSC gekommen, doch eine Bilanz werden sich die beiden Keeper im Sommer wohl teilen: nach nur einem Einsatz für die Berliner Profi-Mannschaft folgt der Abschied.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Dabei schien der Weg von Gersbeck schon vorprogrammiert: ein überraschendes Highlight-Spiel gegen Borussia Dortmund (2:1) im Jahr 2013, das ihn als gebürtigen Berliner und originalen Ostkurvengänger bei den blau-weißen Fans gefühlt schon unsterblich machte, daraufhin zwei Leihen, die ihn auf die Bundesliga vorbereiten sollten und dann der offene Kampf um die Nummer eins – es sollte anders kommen. Nachdem sich das Eigengewächs durch seine starke Leistung als Bundesliga-Debütant gegen den BVB als Nachwuchshoffnung etabliert hatte, lieh ihn Hertha zweimal in die dritte Liga aus – zunächst nach Chemnitz (nur fünf Einsätze), dann für zwei Jahre zum VfL Osnabrück, bei dem er durch 74 Pflichtspiele an Erfahrung dazugewonnen hatte. Der nächste Schritt sollte eine Leihe zu einem deutschen Zweitligisten oder in eine mittelstarke europäische Liga sein, doch Gersbeck riss sich im April 2018 das Kreuzband und sollte für elf Monate ausfallen. Am vergangenen Donnerstag gab der 23-Jährige im Testspiel gegen Holstein Kiel (1:3) sein Comeback und überzeugte auf Anhieb mit starken Szenen. “Es macht wieder Spaß. Das ist das, worauf ich hingearbeitet habe”, sagte er nach dem Spiel.

Nun hofft Gersbeck auf ein paar Einsätze bei Herthas U23, um wieder Matchpraxis zu sammeln und in den Rhythmus zu kommen. Sein Vertrag wurde im Juni vergangenen Jahres bis 2020 verlängert, da die Verantwortlichen ihn nach seiner schweren Verletzung nicht fallen lassen wollten. Trotz seines noch laufenden Kontrakts werden sich die Wege im Sommer nach 15 gemeinsamen Jahren wohl trennen. Gersbeck wird im Sommer 24 Jahre alt, somit nicht mehr als Talent gelten und auf allen relevanten Positionen in Herthas Torwart-Hierarchie haben sich andere Namen etabliert. Laut dem kicker ist sein Abgang bereits sicher.

Fazit – Herthas Plan bis 2021 und darüber hinaus

Schenkt man den Informationen des kicker Glauben und schätzt den Rest persönlich ein, so ergibt sich bei Hertha für die kommende Saison und folgenden Jahre eine recht klare Struktur auf der Torhüter-Position.

Grundlage für Herthas Zukunftsplan für seine Keeper ist, dass Rune Jarstein bis zu seinem Vertragsende im Sommer 2021 der Stammtorhüter bleiben wird. Der Norweger wird dann 37 Jahre alt und bis dahin noch zwei Saisons für Hertha zwischen den Pfosten gestanden haben. Was folgt, wäre eine sehr saubere Trennung nach siebeneinhalb Jahren und wohl über 200 Pflichteinsätzen für die “alte Dame”.

Ebenso geklärt scheint die Zukunft von Thomas Kraft, der noch ein weiteres Jahr Herthas Nummer zwei sein wird und dann das Feld für einen jüngeren Keeper räumt, der Jarstein in seinem letzten Jahr für Hertha herausfordern soll. Um diese Rolle werden voraussichtlich Nils Körber und Dennis Smarsch konkurrieren, die noch zwei Jahre Zeit haben, sich ohne Druck weiterzuentwickeln. Ziel scheint zu sein, Jarstein in der Saison 2020/21 ein aufstrebendes Eigengewächs an die Seite zu stellen, dass Ansprüche auf die Stammelf hat und als Nummer zwei dazulernen kann. Wie offen der Kampf um die Nummer eins sein wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Für die kommende Saison gilt: Nummer eins – Rune Jarstein, Nummer zwei – Thomas Kraft, Nummer drei und U23-Stammtorhüter – Dennis Smarsch, Nummer vier und damit U23-Ersatztorhüter – Luis Klatte, Leihspieler in einer höheren Liga – Nils Körber, Abgänge – Jonathan Klinsmann und Marius Gersbeck.